Full text: St. Ingberter Anzeiger

Soll geschehen, Jdachim, verlasse dich 
darauf!“ nickte der Gastwirth und damit war 
due Gesdräch beendet. 
Der alte Corbins, ein rüstiger Scchaziger 
und als Schlächtermeister in ganz Bastide 
wegen seiner ausgeztichneten Würste berühmt, 
gleichzeitig ein intimer Freund dis Vaters 
unseres jungen Helden, dem er Überdies die 
Fleischpornonen täglich in die Küche lhieferte, 
verfehlte nicht, sich auf die Einladung seines 
Aunden einzustellen und war augenscheinlich 
sehr erfreut darüber, daß er in Joachim einen 
neuen Lehrling erhalten sollte. „Es ist gar 
kein Zweifel vorhanden.“ bemerkte er in zu⸗ 
versichtlichem Tone, daß der Junge ein Metzger 
wird, wie kem Zweiter auf der Welt. Ich 
feh' es ihm an den Uugen an!“ 
Das war bald gesagt, aber der Vater 
unseres Joachim glaubte es und sah den Sohn 
freudigen Herzens seinen Weg in das Schlachtt⸗ 
haus des Meisters Corbino nehmen. 
Nachdem er hier zur Prove seines Ta⸗ 
lentes einem alten verlebten Zi geubock den 
Garaus gemacht hatte, wurde er vom Mteister 
Fotbino als der edlen Fleischerzunft würdig 
erachtet und als jüngster Lehrling damit be⸗ 
anfträgt; den Kunden des Meisters das Fleisch 
in die Haäuser: zu dragen.Diese prosansche 
Beschäftinunge warf den ersten Schatten in 
sein Gemüth.! Mehr aber noch verdroß es 
ihm daß man ihn beim Schlachten des Viehes 
unn als theilnahmlosen Zuschauer.“ fuugiren 
leß uad es dedurfte der ganzen Unterredungs⸗ 
dunft des alten Meisters um ihn degreiflich 
inden zu lassen, daß daq eigentliche Todi⸗ 
jchlaßen und Erstechen derGehellen zusie he, 
die sich schwerlich wiß eine Breinträchtigung 
ihres Rechtes einverstanden erklären würden. 
Mite Sehnmsucht;: sah er dem Ablaufe seiner 
Lehr zeit entgegen. Dahin sollte es jedoch nicht 
kommen. Eines Tages nämlich sagte der 
Beister gu uͤhm: if 
„Joachim,s in der Familie des Herzogs 
vdn Cambaerres gibl's überm orgen eine Hoch⸗ 
zeit. Ich hade die 2. di richiedenen Braten: zu 
fiefern und Seiit ist jedenfalls nicht zu ver⸗ 
lieren. Fangen wir daher noch heue an. Rimm 
diese beiden Kalbsbraten vad trage sie in das 
herzogliche Palaiss. 
Murtend lud Joachim den Fleischlorb auf 
die Schulter und versügte sich schweigend in 
die herzogliche Wohnung. 
Der Koch, ein grimmiger Küchentyrann, 
der Schrecken aller Küchenjungen und Lie⸗ 
feranten, stand, ein großes Messer wizend, 
am Kochherde und warf dem eintretenden 
Fleischerlehrling einen keinegwegs freundl chen 
Blid zu. „Schon drei Tage lang keinen guten 
Fetzen? Flisch mehr gelicfert!“? sinhr er den 
Erschrockenen an⸗?,ist denn die Pest ig Eure 
Küche und Kälber gefahren oder bringt Ihr 
untßz etwa Hunde und Katzen in's Haus ? was 
ist das nun wieder für fautes Vreh? Sagt 
sfurem Mie ster, wenn er nicht weiß, was sich 
für eine herzogliche Küche faicht, so soll er 
nicht die Lieferung übernebmen, sondern dieselbe 
solchen Leuten überlossen, die sich besser darauf 
verstehin. Nun 7 was gafft ihr noch lange? 
Habt Ihr mich nim verstanden ? 
„O. ja! ich hab' Euch sehr gut ver⸗ 
enden!“ rief der Lihrlieg, „nud ich er⸗ 
videre Euch. daß Ihr ein unverschämter 
Mensch seid, der kein anderes Veignügen 
kennt, a's feine Leute zu maltrainren und 
dudei Alles in feinen' cigenen Säckel hinein⸗ 
scharren. Das Fleifch hier uft so vortreiflich, 
vie es niur von einem gesunden, frisch ge⸗ 
chlachteten Kalbe sein kann. Und übrigens, 
venn Ihr was von mein m' Meeister wollt, 
dann sagt's ihm selber. Ich bin nicht Euer 
Bedientet ** 6 
Hoho! bas wollen wlr einmal sehen 
schrie dar Koch grimmig, ergriff ben einen 
dalbsbraten und warf ihn dem Lehring mit 
olcher Vehemenz an den Kopf. daß mehre 
Blutstrepfen in sein⸗m Geficht anfsp angen 
und baid in Thräncit' über die Wangei her⸗ 
—QX 
Zuochens hatte ihm eine erhebliche Wunde 
an der Stirn beigebracht. 
Einen“ Ausenb.ick stand der Lehrling 
hleich, wie in völliger Abwesenheit jedes Ge⸗ 
dankens, das funkelnde Auge in verzehrender 
Wurh auf den brutalen Beherrscher des Herdes 
gerichtet. Dann machte er eine Bewegung, 
als wolle er auf den Letztern zustützen,“ aber 
er sah das funkelnde! Küchenmesser in der 
hand des Frechen- und wohl wissend, daß 
derselde zu Allem sähig war, zog er es vor