Sl. Ingberler Anzeiger.
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Ehronik der Ereignisse des Jahres 18711..
D. Iee Beim Pormarsch des 14. Armeekorps gegen Villerserxel
vird dasselbe gegen feindliche Colonnen Bourbaki's erstürmi. Alle hierauf
folgende feindliche Angriffe der Linie Villersexel-Monnay⸗Marrast siegreich
abgewiesen. Marrast wird nach Geschützkampf Abends genommen. — Die
Truppen des Generals Chanzy weichen vor den andringendeun Colonnen der
2. Armee auf allen Punkten und mit Verlust von über 1000 Gefangenen
auf Le Mans zurück. — Die Teten der 2. Armee überschreiten den Ab⸗
schnitt von Ardenah. — Die Festungscompagnie Weiß eröffnet gegen Fori
Perche (Belfort) das Feuer. Hauptquartier des Prinzen Friedrich Karl in
Boulvire. —
Die Aufhebung der ehemaligen Zollgrenze gegen
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Das neue Jahr brachte uns manches Neue, Nützliche und s — —
Herrliche, an dessen Realisirung in so überraschend kurzer Zeit auch Oeutsches Reich.
die tühnste und hoffnungsseligste Phantasie vor 193 Jahre unter Mämnch en, II. Jan. Eine offiziöse Notiz in der „Augs—
den damals noch obwallenden Verhältnissen nicht glauben konnte. durger Abendzeitung“ erliärt die zuerst von tlerikalen Vlattern
Eines dieser und gewiß eines der wichtigsten Neujahrsgeschenke isf zebrachte, von da auch in die genannie Ze itung übergegangene
die Aufhebung der Zollgrenze gegen die neuen R.ichslande Eisaß: Pachricht, daß Prinz Karl von Bayern den Konig in jungster
Lothringen. „Ein bedeutsames Ereigniß, wie die „Pfälz. Post“ Zeit wiederholt vor der von seiner Regierung befolgten Pornit
in einem trefflichen Artikel sagt, für das deutsche Reich; denn erst als eine für Bayern schädliche gewarnt habe, als voöllig unrichtig.
jetzt gehört diese Grenzmark, welche nun in erster Linie die Wacht . In gut unterrichteten Kreisen hält man, wenn eine Re—
am Rhein hält, gaaz unser, ist erst jetzt völlig von Frantreich duktion der bayerischen Appellationsgerichte, bedingi durch eine
geschieten deutsche Civilprozeßordnung stattfinden wird, eine Vereinigung des
Am bedeutendsten ist dieser Alt für die Reichslande wohl oberpfälzischen mit dem mittelfränkischen in Nürnberg in Aussicht
jelbst und für die angrenzenden deutschen Läuder, insbesondere für ehend.
unsere Pfalz. Sie ist nun auch hinsichtlich des Verkehrs das ge⸗ München, 11. Jan. Die Nichtigkeitsbeschwerde, welche
worden, was fie schon seit des Friedensschlusses in polischer Be- ser Bischof von Regensburg gegen das ihn verurthelende Erkennt.
ziehung war: statt eines Grenzlandes ein Binnenland. Von den niß des Bezirksgerichts in Straubing erhoben hat, wird bereits
Verlehrscalamitäten eines Grenzlandes befreit und erlöst von den Rorgen am obersten Gerichtshofe zur Verhandlung gelangen.
drückenden Fesseln, die die nach Süden laufenden Verkehrsadern Die patriotische Fraltion der Kammer hatte bekannmilich Hrn. v.
zleichsam unterbanden, kann sich nun frei und ungehindert der in Schlör in den Ausschuß für den Schüttinger-⸗Barth'schen Fnitia—
anserer Zeit so mächtige Strom des commerciellen Lebens in ihnen livantrag gewählt — wohl in der Hoffnuug, derseibe werde fuͤr
bewegen. Gerade in der Pfalz, deren beide wichtigsten Verkehrss den Antrag stimmen: die Herren haben sich aber wieder einmal
linien in die Grenze mündeten und wo deßwegen auch der Mangel deirrt. Hr. v. Schlör war der Ansicht, daß zur Aufgabe bon
eines freien Verkehrslebens sich am meisten fühlbar machte, wird die Reservatrechten die vorausgehende Zustimmung der Kammer noth⸗
endliche Beseitigung der Verkehrshemmungen auf das Freudigste wendig sei, allein er hat sich entschieden gegen den Imnativamtag
empfunden werde. erklärt und auch gegen denselben gestinmt 5
Der größte Vortheil der Aufhebung der alten Zollschranken fällt Bexrlin, 10. Jan. Es ist vielleicht aufgefallen, daß die
wohl zuerst den pfälzischen Eisendahnen zu. Zu dieser Ansicht bereche wischen dem deutschen Kaiser und dem franzdsischen Botschafter
ligt der schon in letzter Zeit so sehr gesteigerte Verkehr auf denselben. bei der Antrinsaudienz des letzteren gewechselten Anreden nicht
Und an diesem Vortheil wird auch St. Ingbert, wir dürfen es beröffentlicht worden sind; auch die Prov. Corr.“, die der Wie—
wohl sagen, ohne demfelben zu schmeicheln oder an sanguinischen deraufnahme des diplomatischen Verkehrs erwähnt, bringt hierüber
Hoffnungen zu leiden bezichtigt zu werden, — nach Vollenduug der Nichts. Wie wir vernehmen, haben die betreffenden Keden sich
Bahastrecke von hier nach Saarbrüchen ein Bischen partizipiren.) auf den Ausdruck der Hoffnung beschränkt, daß die friedlichen Br⸗
Denn der Hauptvertehr vom Niederrhein nach Elsaß und der Schweig siehungen zwischen Frankreich und Deutschland sich immer mehr
wird sich zweifelsohne jetzt mehr auf der linksrheinischen Bahn befestigen mögen.
johin auch pfälzischen im Anschluß an die elsässer, bewegen, siati Berrlin, 11. Jan. Das Oberkommando der Occupations-
wie früher auf der rechtsrheinischen. kruppen in Frankreich ist auf Grund allerhöchster Ermächtigung
Geringer darf wohl der günstige Einfluß der Aufhebung der beranlaßt worden, die untersiellten Divisionen dahdin mi Anweisung
Zollschranken auf den Absat der pfälzischen Produlte angenommen ju versehen, daß bei bevorstehenden Ablösungen diterer Mannfschaften
werden; ja es ist hier eher eine Concurrenz zu befürchten da Elsaß der Occupationsarmee thunlichst den Verhälinissen derjenigen Mann—
jelbst eine reiche in vielem der unserigen ähnliche Produktion besitzt. Doch schaften Rechnung getragen werde, welche bereus vor dein 1. Sc-
auch hier dauf man nicht zu schwarz sehen. Bei Wein und Tabak, ober 1870 zur Erfüllung ihrer activen Dienstpflicht als einjährige
den beiden Hauptprodukten, die Elisaß und die Pfalz gleich seht Freiwillige eingeltreten sind, deren Loslassung aber bisher nicht
bauen, ist allen Anzeichen zufolge keine Concurrenz zu befürchten; statthaft war. Fur die nach dem 1. October 1871 eingetretenen
denn an ersterem hat Deutschland ohnehin keinen Ueberfluß und Mannschaften ist weitere Bestimmung noch vorbehalten woörden.
wurden die elsasser Weine ja schon im Uebergangsstadium theuerer, Gegenwärtig werden die in den Scloßkellern aufhestapelten
wie unter franzoͤsischer Herrschaft bezahll und für seinen Tabaf Fässer französischer Goldmünzen mitteld Posipatetwagen aus diesen
wird Elsah nach wie vor seinen Hanptmarkt in Frankreich behalten, aach der k. Münze behufs deren Umprägung übergefuührt. .
da dieses selbst seinen Bedarf an solchem nicht erzeugt. Wenn auch Frankreich. J
auf dem Gebiete der Industrie in manchen Zweigen zwischen der— Man schreibt. der „Indep.“ aus Versailies: Bezüglich
jenigen Elsaß-Lothringens und der Deutschlands die Concurrenz des Besuchs, den Graf Arnim dem Herzog von · Aumale gemacht,
eine stärkere sein wird, so soll doch nach dem schon laut gewordenen behauptet man im deutschen Botschaftshotel, derselbe sei kein pol⸗
Urtheile Sachverständiger für unsere einheimischen nichts zu befuͤrch jischer Besuch gewesen, sondern habe nur die Begiudwunschung
en sein. Zudem kann ein Rivalisiren in der Erzeugung des des Herzogs wegen der Ernennung zum Mitglied der Alademi⸗
Besten, wie auf allen Gebieten so auch hier, nur forderud und bezwer. 6
hebend wirken. Baris. 10 Jan. Wie ein Correshondent der Anded.
Und so duürfen wir getrost mit der „Pfälz. Post“ schreiben:
„Wenn auch einige Grenzoͤrte durch den Abzug der Zollbeamten
an Lebhaftigkeit und Geselligkeit verlieren, und wir um ein Stüd—
hen Romantik ärmer werden, so freuen wir uns doch, daß die
Mauerwand zwischen uns und unsern südlichen Nachbarn beseitigt
ist und wir ungehindert unsere Gaben gegenseitig austauschen
tönnen.“ — So sei sie uns denn, jene alle Zollgrenze, mit allen
ihren Zollerhebungs- und Grenzbewachungsapparaten nur noch ein
Maärchen aus entschwundener Zeit! Dagegen blühe unsere neue
Zoll · und Handelsgemeinschaft, eine Folge der politischen, wie
diese herrlich auf und fort, ganz Deutschland mit sammt Elsaß⸗
Lothringen zun Segen /!;