Am Schluß des Berichtes heißt es: Die Art und Weise der Unter⸗
drückung des Aufstandes war höchst unmenschlich, für jeden Schuldigen
itten fünzig Unschuldige.
Paris, 18. Sept. Die neuen Forts von Paris sind jetzl
alle fertig und bewaffnet, fast alle haben auch bereits Garnisonen.
Diese Forts haben, ohne Ausnahme Hinterlader erhalten, welche
nach dem neuen, für das Belagerungsgeschütz angenommenen Sustem
angefertigt wurden. Die neuen Festungswerle, welche man im
Osten Frankreichs gebaut, sind ebenfalls sämmtlich feriig, so daß
man das, was man hier die „Herstellung der neuen Grenze“ aennt,
als eine vollendete Thatsache beirachten kann. J
Ragußa, 20. Sept. Privatberichte flellen d'e Niederlage,
welche Derwisch Pascha vor kurzem dei Ppert erlitten hat, als sehr
bedeutend dat. Als derselbe mit 7000 Mann die Morawa über.
schritt, stieß er auf 3000 Montenegriner. Da seine Truppen zurück⸗
wichen, ließ Derwisch Pasche auf die Flüchtlinge die Geschütze
cichten, wodurch die Verwirrung in den eigenen Reihen dermeht
wurde. Der Verlust der Truppen Derwisch's wird auf 1500 Mann
zeschätzt, von denen der größere Theil in den Wellen der Morawa
umgekommen ist.
Semlin, 20. Sept. Trotzoem Tschernajeff und Abdul
serim Pascha eine gegenseitige Waffenruhe bis zum 24. ds. M.
augezeigt hatten, griffen die Türlen doch vorgestern die serbischen
Vorposten bei Trnjan an. Es kam zu einem mehrstündigen Kampf,
welcher mit dem Rückzug der Türken endete. Gi. 3)
Tarkei. Wie der „Nat. z.“ aus London gemelden wird,
hat auch Lord Derby die kürtischen Friedensbedindungen im Verkehr
mit dem dortigen diplomatischen Corps als „unzulässig“ (inaä-
missible) bezeichnet. —
Piladelphia hat das zweifelhafte Glück, gerade zur Zeit
seiner Ausstellung zwei stark ausgeprägte nationale Eigenthümlich⸗
reiten zur Anschauung gebracht zu haben, welche in ihrer Zusammen⸗
stellung einen recht settsamen Eindruck machen, Daß dee Ausstellung
am Sonntag trotz der verzweifeltsten Anstrengung der: Deutschen
und vieler amerikanischer Freunde derjelben geschlossen blieb, um
der guten Sinme Vorschub zu leisten, ist bekanni. Nun ader wird
uns eine Illustration zu dem geliefert, was man in Philadelphiag
unter guter Sitte versteht. Die Polizei konnte, oder wenn man
in Betracht zieht, daß sich sehr viele einflußre che Persoönlichkeiten
dafür interessirten, woute wohrscheinlich einen der drutalsten Preis⸗
Ringkämpfe nicht verhindern, von denen man selbst in Amerika
jeit langer Zeit gehört. Etliche tausend Menschen wohnten wettend
nd begeistert der bestialischen Schaustellung dei, wie sich zwei Männer,
Koster und Wheeler, im Faustkampfe dearb iteten. Sechsundsiebenzig
„Runden“ wurden geliefert. Unter „Runde“ versteht man die Zeit,
ais einer der Kämpfer zur Erde stürzt. Dann wird er von seinen
Assistenten in eine Ecke geschleppt und durch Reiden mit Vraum—
wein und anderen Malteln in den Stand gefetzt von Neuem loszu⸗
schlagen. Es giebt einen ganzen langen Coder fur diesen Sport.
Am Ende der 16. Runde, nach. Verlauf von dreistündigem Kampfe,
olieb Koster von einem letzten Hieb seines halbtodten Geguers ge—
troffen, todt auf dem Platze liegen. Seine Lei he lud man in ein
tleines Boot und warf sie dann an entlegenen Stelle aus Ufer, um
die Polizer irre, zu führen. Die Zuschauer aber gingen vergnügt
nach Hause, sie hatten mehr Vergnügen gehabt, als sie ewarten
durften — nicht jeder Faustkampf endet eben tödilich. — Doch,
vie vesagt, die Ehre ist gerettet, die Ausstellung ist der guten Sine
wegen am Sonntag nicht geöffnet worden.
Aermischtes.
fFZweibrücken, 17. Sept. Nach erfolgtein Abschlusse der
Anmeldungen zu den Rennen Nr. II, V, VII und VIII ju Zwei⸗
brücken am 1. Oktober d. Is. bdesteht das Erçebniß derselben in
Folgendem:
Erdffrungsrennen, Preis 600 Mart.
Lt. v. Wrochem's Fleur de France, alt
Lt. Tepper:Laski's Carlolla, 6jähr.
Desselben Le Beau, 6jähr.
Rtim. v. Tresckow's Goldstaub, a.
bt. Zickwols's Aussicht, a.
Rtim. Moßner's Tempelherr, Hjähr.
Desselben Mästrilla, 4jähr.
Lt. Blesinger's Selma, öjahr.
Affiziers-Hürdenrennen.
dt. b. Wrochem's Fleur de Prance, a.
v. Tepper,Laski's Carlotta, bjähr.
Desselben Le Beau 6jähr.
Lt. b. Ruville's Jig, a. J
Ritm. v. Tresckow's Goldstaub, a.
Lt. Zickwols's Manolo, o.
Rttm. Moßner's Tempelherr, 4jähr.
Desselben Mästrilla, Ajdhr.
Lt. Grasheh's Neumarket, Giähr.
At. Hoffmann's Spitzeder, 5jähr.
Subfscriptions-⸗Jagdrennen.
Li. v. Wrochem's Fleur de Pranes, a. J
Li. v. Tepher-Laske's Carlotta, 6jähr.
Lt. Zcwoif's Ausficht a.
Ritm. Moßner's Tempelherr.
Desselben Mästrisla, 4jähr:“ —
eiten. Jagdrennen für Pferde aller Länder
Lt. v. Wrochem's Ethellana u n.
v. Tepper-Laski's Lo Beau, Gjährh.
Rttm. v. Tresckow's Goldstaub a.*
Lt. Zickwols's Oletzko, a.
Desselben Manolo, a. —F
Prinz Hatzfel's Monaco, a.
Desselben George, Gjähr. . 7755,
Retm. v. Tiele's Enhalt, djähr.
Li. Grashey's Neumartet, Gjähr.
Lt. Seitz's Sietta, a.
Li. Hoffsmann's Spißeder, sjähr: 1J
Desselben Doktor Eisenbart, 5..
Das vorstehende Verzeichniß bedarf keines Kommentars das⸗
elbe beweist, daß sich Zweibrücken here ts eines hochgenchteten
Namens in der Sporiswell rühmen darf. Eine solche Reuusiste
berechtigt zu Erwartun en, die jedem Freund des ritterlichen Sport
die Brust schwellen müssen. Wenn Sporisleute, wie sie hier ange⸗
meldet sind, unsere Rennen durch ihre Betheiligung beehren, so ist
damit Zweibrücken ohne Weiteres in die knappe Unzahlder be—
deutenderen deutschen Renuplätze eingereiht. In dieset Thatsache
iegt sowohl eine wohlihuende Anerlennung der seitherigen Renn⸗
hätigkeits Zweibrückens, als auch ein Sporn für di— Zutunft.
Bon hier wird ein Theil der ob'gen Sportsmen sich nach Baden⸗
Zaden vegeben, um bei den dortigen großen Reunen es mit andern
Zportsgidtßen aufzunehmen. Zweibrückeu Badn-Badent! Wenn
nan es nach 4 Jahren zu dieser Nebeneinand rstelling gebracht dan,
»ann darf man sich wirklich gratuliren. 7
FJufolge höchster Ministetiole Eutschliezung haben die Post⸗
anstalten von jetzt ab folgende Banknoten in Zahlungen am Schalter
anunebmen: —W
1. Die Reichskassenscheine zu 30, 20 und 5 Mark,.
2. die Noten der baher. Notenbank zu 100 8ß.
— Reichsbank zu 1000, 500 und 100 M.,
breuß. Bank. zu zu 1000, 500 un 100 M.,
Banknoten der Koͤlnischen Privaibant, —
Danziger Privat-Akrienbank, —P
ProvinzialAktiendaak des Großherzog⸗
hums Posen,
Conmerzbank in Lübeck,
Bremer Bank,
Frantfurtet Bank,
Sächsischen Bank zu Dresden.
Württembetg'schen Notenbant.
Badischen Bank,
Bank für Süddeutschland in Darmstadt.
Städtischen Bank in Breslau,
3. XX
F „Hannoverischen Bant,
128. „Chemnitzer Bank,
19.. des Le pziger Kassenvereins.
Die auf große Veträge — 100 Wiart und darüber — leuten⸗
den Bauknoten werden jedoch nur bei solchen Zahlungen angenommen,
deren Betrag dem Nennwerth der als Zablung augebotenen Bam—
udten ungefähr gleichkommt.
f.Rodalben, 18. Sept. Gestern Abend um 7 Uhr enl⸗
seibte sich dahier der 86 Jahre alte Nagelschmied Adam Krammer,
indem er sich den Hals durchschnitt. Das Motiv zu dieser unglüc⸗
jeligen That ist in der seit einiger Zeit eingetretentn Geistesstörung
des Selbstmörders zu suchen. (P. A.)
F Neustadt. Die Direction der pfaͤlz. Eisenbahnen hat
den Theilnehmern an der nächsten Sonntag hier sattfindenden
Protestanten-Versammlung freie Rückfahrt für die Strecken der
pfälz. Eisenbahnen in der Art bewilligt, daß ein einfaches Bille!
jur Rückfahrt berechtigt, wenn es von dem prot. Vereine abge⸗
stempelt ist. Diese Abstempelung erfolgt bei Ankunft in Neustadt
in der Vorhalle des großen Saales im Saalbaue. Ebendaselbst
wollen auch die zum gemeinschaftlichen Mittagsmahl berechtigenden
Karten frühzeitig gelöst werden. (R. 3.)
Die Windsberger Bursche haben unlangst gelegenllich der
dortigen Kirchweihe mi Erfolg gestreiti. Die Wirthe verlangten
für den Schoppen Tanzwein 835 Pfg., während die Bursche nur
30 Pfg. zablen wollten. Als nun die Wirthe nicht nachgaben,
verließen die jungen Leute wie auf Kommando die Säle, wo es be⸗
reits an's Tanzen gehen sollte, und entfernlen sich, um ihr „Ker⸗
wegeld“ in Gersbach los zu werden. Das sagte jedoch den Wirthen
durchaus nicht zu; sie sandten den Streikenden einen Boten nach