St. Ingberler Anzeiger.
Ter St. Jugberter Anzeiger und das (2 mal woͤchentlich) mit dem Hauptblatte verbundene Unterhaltungsblatt, (Sonntagt mit illustrirter Rei⸗
lage) erscheint wochentlich viermal: Dienstag, Donnerstag, Samstag und Sonntag. Der Aboune mentsopreis betragt vierteliahrlich
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M 19. Samstag, den 2. Februar 1 1878.
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Deutsches Reich.
Muünchen, 31, Jannar. Die Abgeordnetenkammer bat!
nach laͤngerer hef iger Debotte das cçauze Gesetz über den Verwal⸗
ungsgerichishof mit 104 gegen 47 Stimmen (also über Zweidrit
⸗Mehrh ii) angenommen.
el Np * * Der Fin⸗snzausschuß der Abgeordnetenkammer
beantragt, zuc Errichtung einer Erxposilur in Vöbingen (Pialz)
1440 M. jährlich zu bewisligen, wondurch sich der Staatszuschuß
zum Untertzali der kath. Geistlichen in der Pfalz auf 276 104 M.
erhöht. zur Aufbesserung der Copläne in Unterfranken (in Foige
eines früheren, nicht vollständig auszeführten Kammerbeschlusses)
beantragt er 15,600 Mark zu bewill gen, wodurch sich der Staats⸗
zuschuß zum Unierhalt der kath. Geistlichen in dea rechtsrhein schen
Zreisen auf 934,600 M. erhöt. — Die zur Errichtung einer
(proi.) Pfarrei in Göcklingen (Pfalz) verlangte Summe von 1168
M. beanttagt der Ausschuß nicht zu bew'll gen.
Berfin, 29. Jan. An den Bundestath ist eine Mit—
theilung über den Stand der französischen Kriegskostenentschädigung
zelanat. Darnach sind von den im Ganzen vereinnahmten
1204 000 000 Mart zur Vertheilung noch übrig 18,145. 090 M.
Ausland.
Wien, 30. Jan. (A. 3.) Ein nach Petersburg abge⸗
gangenes Schriftstück des Auswärtigen Amts trägt durchaus den
Thatalter eines Ultimatums. Es lautet in seinem Hauptpunkte:
Alle Bestimmungen, welche die europäischen Interessen und welche
die österreichischen Sonderinteressen berühren, siod, wenngle ch zwichen
der Türker und Rußland vereinbart, für Oesterreich ungiltig; deß⸗
gleichen alle Bestimmuungen eines solchen Separatvertroges zwischen
Rußland und der Türkei, wodurch destehene europaͤijche Verträge
aufgehoden werden. Eine Aenderung sol ver Verträge steht vielmehr
naur den alten Vertragschlißenden gemeinschafilich zu. Umgehende
Rückäußerung ist erbeten.
Wien, 30. Jan. D'e hierher telegraphirte Mittheilung
des „Dary Telegraph“, daß Oesterreich und Eusland identishe
Noten au das Peters urger Cabinet gerschtet hätien, worin meh⸗
rete Feledensbedingungen beanstandet würden, wird hier als vyure
Erfindung bezeichnet.
Lonnddn', 29. Jan. „Times“ verspotten die Idee Norlth⸗
cote's, daß eꝛne Bewill gung von 6 Mill ouen England bei einer
Konferenz ftart erscheinen lassen könnte. „England wäre, fagt das
Blait, heute eben jo stak wie wähcend der Kriege gegen Napoleon,
wenn es wollte und wenn es für eine gerechte Sache zu kämpfen
hätte. Allein der Verfall der Türkei ist unaufhaltbar und gerecht,
zoher ist die Majorität des englischen Volis nicht geneigt, Englands
Ptacht dafür u eugagiren.“ — „Daily Teregraph“ führt aus, daß
weder Oesterreich noch Enzland Rußlands Bedingungen' zugeben
tönnten. Wenn England die Okkupation eines großen Theiles von
Asien als Pfand für eine unmözliche Kriegsenischadigung gestatten
würde, so wütde Enzland vor ganz Asien erktäen, daß es bloß in
Folge Duidung Rußlands ex stire. „Oesterr ich kann nicht zugeben,
daß ein Bulgarien geschaffen werde, wie' es Rußland träunit, ein
Bulgarien, das von der Donau bis nach Salonichi reichen', den
Panjlavismus vernt iten und, die habsburgische Mogaichie in
ihren Gruudf'sten bedrohen würde. Oesterreich und Esgland im
Berein werden unter Dank und Beifall Earopi's die Gioßfürsten
wiedec zur Raison brengen und einen werklichen Frieden herdein
fühten. Ein Friede, we ihn Nußland wunscht, würde nur zu
unausweichlichen Konflikten führen.
„ Londou, 30. Jan.“ Im Anterhause kündigte Pim an,
er werde worgen anläßlich der Kreditforderung deantragen: Das
Haus möge die vou der Regierung bdeobachtere Polik anerkennen.
Nachdem Seuens des Zaren das Verspeechen gegeoen worden, daß
er nur die cherstellung des Looses der Cytisten und keinen Get
bieiszuwachs anstebe, sei das Haus der Ausicht, daß das Ver⸗
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den Vormarsch der Russen umgangen sei. Er exachte deßhalb eine
ofortige Altion Englands für eine absolute Nothwendigkeit. Daßs
daus ersuche daher die Regierung um die Vorlage des Budzgets
Fehufs Stellang der Armee und Flotie auf srzegstuß.
Konstantinopel, 30. Jan. Die Aufregung hat hier
deu höchsten Grad erreicht. Rußland verweigerte im letzten Mo⸗
wente sowehl die Unterzeichnung des eigentlichen Waffenstillstandes
ils überhaupt der allgemeinen Basis. Die Russen rücken auf der
janzen Line vor und stehen in Tscherkesl di an der Eiseabahn
wischen Tschorln und Konstantinopel, von lzterem in gerader
dinie nur 85 Kilometer enifernt. Der Telegzraph nach Vorna
st unterbrochen, und man befürchtet, daß dald der Telegraph nach
sanz Europa abgeschnitten sein wird. Am 28. Abends sind die
Russen in Tichotlu, Lüle Burgas und in Rodoslo aa der See ein⸗
etroffen. Mehemed Ali und Muthitar werfen sch ihnen enigegen.
luch Suleiman ist mit seirer Armeeaufstellung ferltig und wird
demnächst den Kampf aufnehmen. IJ
Philadelhia, 11. Jan. Wie billig jehzt die Lebens⸗
nittel in den Vereinigten Staaten, besonders sn der Welistadt
dew⸗NYork sind, zeigt folgender Bericht, den A. Daul, einer der
steporter det „Harpers Weekly“, einer der illustrizten Zeitungen
dew Yorts, zugesandt hat, welcher jezt von andern Zetungen als
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n einem Hintergebäude der Frauksorn»Straße eine 1 Cert Restau⸗
tion errichtet, deren Tendenz es ist, zu den möglichst geringen
Zreisen anständige Nahrung zu geben, so daß derjenige, welcher
jut 1 Cent in der Tasche hat, micht hungrig wegzugehen braucht.
zuu Cent der Teller, ist die Rgel, natürlich kann man aber um
(etwa 9 Pf.) Cents eine größere Port:o erhalten. Um in diese
Iustalt zu kommen, muß man erst eine Treppe passiren, und gelangt
dann in einen hübsch tapezirten Raum von ungefähr 15 Quadr.“
fuß, der gut beleuchtet und veniilict ist. Hier stehen 83 Tische,
in welchen je 6 Personen bequem, Platz haden. Die reselmäßige
Zpeisekarte lautet folgendermaßen: Eine kieine Tasse Kaffee odet
Thee mit Milch und Brod 1. Cent, eine Tasse von gewöhnlicher
Bröße 2 Ceuts mit Brod. Für 1 Cinmeinen Teller Suppe, 2
Fents für ein Stückchen gesalzenes Owseufl isch, 1 Ceut für 2
ebratene oder gekochte Kartoffeln,1 Cent Kohl, 1 Ceat Bohnen,
Cent Haieigrütz⸗, 1 Cent Keis, Z3 Cent Austernsuppe, 8 Cents
zammelsbroten. Die 1 Cent⸗Portionen si d zwar llein, doch seht
hmackhaft uno rein zubereitet. Für 13 Cents ader kann der
)ungriaste volle Sättigung erha!ten. Die Zeitun sjungen, ünd
Stiefelputzer, zu deren speciellem Vortheil di se Austalt eigentlich
jegrüuder wu de, werden in einem anstoßenden Gemache' bedient.
Die actbare Frau, welche diese Anstalt ettichtet scheint mit ihrem
Unternedmen zufrieden zu sein. In Philadeipa haben sit außer
»en Suppen esellschaften, wo jedem Armen ein Teller Suppe ge⸗
reicht wird, billige Restöurationen in. versch ed-nen Theilen der Stadt
iadblart, doch nicht so bislig, als in New Yotte, denn in Philadel⸗
»tia kostet das billigste Mahl aus einer auten Suppe und einem
räftigen Stück Brod 8 Cents. — Seit Neujahr ist große Kälte
ngetreten, und mit ihr für die Armen große Noth,, doch ift die⸗
elbe lange nicht mit der im letzten Jahre zu vergl'ichen, wo et
iel schlimmer war. Auch haben sich die Wohilhätigkeits-Gesell⸗
chaiten vorgesehen und wird der Noth so diel als möglich abge⸗
houen. 4
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BVermischtes.
77TOHardenburg, 29. Jan. Am Sonetag Abend um
iwa halb 8 Uhr fuhr der Weinhändler Aldert Mayer von Dürhk⸗
zjem, aus dem Jägerthal von der Jagd kommende, mit seinem
yuhrwerk durch Hardenburg.⸗Am Ende des Otles gegen Vüriheim
erieth. da das Fuhrwerk in eto s markem Laufe war, der GBZjäh⸗
ige hiesige Schne der Bernhardt Schaitt V. unter den Char-à-bane
ind wurde hierdurch derart verletzt, daß er, ohne noch einnnel zum
Zewußtfein zu konmen, nach eiwa 8 Siunden verstard.