25.jähriger Schreiner aus Nippes der gegenwärtig einee
Zuchthausstrafe verbüßt, wegen Diebstahls mit 8Jahren Gefäng—
niß bestraft. Nach gefälltem Urtheil saß der Arrestant ruhig auf
der Anklagebank, plötzlich aber schnellte er auf, machte einen Rie—
sensprung über die Köpfe der neben ihm sitzenden Schutzleute hin⸗
veg, mitten in das Publicum hinein. Dies fuhr erschreckt aus
rinander, und der Gefangene stürzte zur Thür des Gerichtssaales
hinaus in's Freie. Nachdem man sich im Saale von der augen⸗
zlicllichen Ueberraschung erholt hatte, eilte Alles, Polizei und Pub—
iicum, dem Flüchtling nach. Der hatte bereits die Comödienstraße
xreicht und sprang hier in ein Haus hinein. Seine Verjolger
jetzten ihm nach, wenige Minuten spaͤter erschien er auf dem Dache
und kletterte so von Haus zu Haus, bis er endlich durch ein Dach⸗
ienster wieder verschwand. Der Polizei gelang es schließlich, den
Abgehetzten auf einem Speicher wieder festzunehmen. Er wurde zu⸗
nächst nach dem Gerichtssaale zurückgebracht und dann geschlossen
unter starker Bedeckung und gefolgt von zahllosem Publicum dem
Arresthause zugeführt.
F. Nur immer praktisch! dachte der Hutmacher R. auf der
onigsstraße zu Chemmitz, und um den Vorübergehenden zu
heweisen, daß seine Hüte in der That öl- und wasserdicht seien,
tellte er zwei Hüte in sein Schaufenster, deren einer mit Wasser
gefüllt ist, in dem zwei Goldfischchen herumschwimmen, während
ein anderer voll Oel gegossen ist und auf diesem ein Nachtlicht brennt.
F Fürst Bismardk scheint dem Biere entsagt zu haben.
Bei dem letzten parlamentarischen Diner hat er, nach seinem Be⸗
inden befragt, bemerkt, er fuͤhle sich etwas wohler und namentlich
in den Gliedern leichter, seitdem er sich den Genuß des Bieres versage.
Durch Werner Siemens kühnes Unternehmen, eine elek⸗
rische Bahn für den Verkehr in Berlin zu bauen, ist der Lo⸗
alpatriotismus der Berliner mächtig angeregt. Gilt es doch dies⸗
nal, Berlin die Ehre des Vortritts vor der ganzen Welt zu wah⸗
sen. Bei der günstigen Stimmung, welcher Siemens mi seinem
Plan überall und besonders an maßgebender Sielle begegnet, ist
zar nicht daran zu zweifeln, daß das Unternehmen bald in An—
Jriff genommen wird.
Die erfreuliche Thatsache, daß die deutsche Industrie fremd⸗
andische Fabrikate vom einheimischen Markte verdrängt, ist neuer⸗
bings wieder an verschiedenen Erscheinungen hervorgetreten. So
jat das Kammwollenwaarengeschäft sowohl in Greigz als in
Sera während des laufenden Jahres einen erheblichen Aufschwung
——— fort⸗
Jesetzten Mehrproduktion vermehrt. Die Preise des Fabrikats sind
io günstig, daß zur Zeit in jenen Bezirken kein Webstuhl unbe—
chaftigt ist. Namentlich Gera liefert jeit einiger Zeit ausgezeich⸗
nete Stoffe für Damenkonfektion und hat daher für dieses Gebiet
die auslandische Konkurrenz beseitgt.
— Der Raubmörder Waibel, der am 81. Dezember vorigen
Jahres in Stuttgart seinen Bruder, dessen Frau und zwei
dinder ermordet hatle, ist nach längerer Beobachtung für geistes⸗
tank erklärt worden.
Auch in Württemberg wurde die seitherige interne Tele⸗
zraphentaxe von 8 auf 5 Pf. pro Wort wie im übrigen Deussch—
and erhöht.
F Aus Sachsen wird gemeldet, daß am 10. März der
Director der „Himmelfahrtsgrube“ bei Freiberg, wo sich neulich
»as große Gruben- Unglück ereignete, auf Antrag des Staatsan-
oaltes verhaftet wurde. Vergebens wurden 60,000 M. Caution
‚eboten, weun man ihn auf freiem Fuß ließe. Es scheint also,
»aß nicht, wie es anfangs hieß, die Unvorsichtigkeit eines der
Arbeiter an dem Unglück schuld war.
F Guten Appetit. In dem Orte Neustadt in Boh—
men ereignete sich unlängst folgender bemerkensweriher Fall: Der
wastwirth Peschta wurde von seinem Hund gebissen, in Folge
essen das Thier dem Todtengräber in Aufbewahrung gegeben
ourde. Bei Peschka kam nun wirklich die Wuthkrankheit zum
lusbruch, welcher der Unglückliche auch erlag. Als man aber
/on dem Todtengräber den wuthkranken Hund abverlangte, sprach
ieser lalonisch: „Den hoa ich gassen“ Tden habe ich gegessen).
zhr habt den tollen Hund gegessen? entgeqnete erschroden der
adere. „Besser als der Hund mich,“ meinte ruhig der Mann.
Bislang erfreut sich der Vollstrecker des letzten Liehesdienstes noch
er besten Gesundheit, und man ist Hespannt darauf, ob das saus
bere Gericht für ihn ohne alle Folgen sich erweisen wird.
, In diesem Augenblick hat alles, was auf den Gotthard—
unnel Bezug hat, Interesse. So wird denn aus den officiellen
Mittheilungen des Schweizer Bundesrathez über den Bau der
Botthardbahn entnommen, daß in den Tunnel, der jetzt glücklich
)urchstochen ist, insgesammt bis zum 81. Januar 48,027, 635 Ir.
zineingebaut waren; bis zum 1. März, dem Tage der Durchbohr⸗
ing, werden 45,600,000 Fr. hineingebaut sein, und bis zu seiner
jänzlichen Vollendung wird der; Tunnel immerhin seine fünzig
Millionen Francs kosten. Der Bau der Seite vpon Airolo hat
veniger gekostet, als der von dex Seite von Göschenen. Füur die
üdliche Seite sind 21,800, 000 Franks, für die noördliche dagegen
23,200,000 Fr. bisher ausgegeben worden. Dafür hat man
illerdings auch von Göschenen her die etwas größere Hälfte durch⸗
»ohrt. Durchschnittlich stellt sich jeder Meter des Tunnels somit
auf 3300 Fr.; jeder Fuß des Tunnels kostet somit mehr als
ge und jeder Centimeter Tunnellänge kommt auf 33 Fr.
zu stehen.
f Das gewaltige Werk der Durchbohrung des Gotthard
jat in den 722 Jahren seiner Dauer eine beträchtliche Änzaht
Ipfer an Menschenleben und Gesundheit durch Minengase, Herab⸗
türzen von Felsen, Erplosionen ꝛt. erfordert; im Ganzen wurden
zurch verschiedene Unfälle ca. 150 Personen getödtet und etwa 400
nehr oder minder schwer verwundei.
TGSchneestürme.) In den letzten Tagen wüthete im
üdlichen Rußland ein furchtbarer Schneesturm. Fast alle Eisen⸗
ahnlinien in Rußland sind verweht und mehrere Züge wurden
ogar eingeschneit. Der Sturm begann am 8. März zu wüthen
ind dehnte sich bis an die Küsten des Schwarzen Meeres aus.
Eine kostbare Person.]) Mrs. Astor von NRew-York hat
üngst mit ihren Juwelen große Sensation gemacht. Bei einem
diner im „weißen Hause“ und darauf bei einem Empfang des
nexikanischen Gesandten trug sie Diamanten, welche auf 800,000
Dollars geschätzt wurden. Während des Empfanges wurde die
Dame von zwei Geheimpolizisten überwacht, während ein Polizist
zei Tag und Nacht vor der Thüre ihres Zimmers im Hotel
Wache hi⸗l⸗
Gür Feinschmecker.) Ein indisches Blatt, der „Van⸗
jalore Spectator“, lenktt die Aufmerksamkeit auf eine Novität für
Sourmands. Letzteren wird nämlich mitgetheilt, daß das Fleisch
des Tigers nicht allein ein köstlicher Leckerbissen sei, sondern daß
dessen Genuß auch den Körber weit mehr staäͤrke als Roastbeef.
Mar? berichte.
Zweibrücken, 18. März. (Fruchtniutelpreis und Victualienmarlkl.)
Weizen 11 M. 809 Pf. Korn 16 M. 533 Pf., Gerste zweireihige d M. — Ppf.
ierreihige 8 M. 41 Pf. Spelz 7 M. 56 pf., Spelzkern — M. — pf.
dintel M. — pf, Wischfrücht de. —Ppforaser 7Mebs gl
erbsen — M. — pf., Widen 6 M. 859 Pf., Karioffeln 3 M. 10 Pf.,
deu 8 M.20 pf. Stroh 3 M. — Pf., Weißbrod in Kilogr. 38 Pf.,
dornbrod 3 Kilogr. 73 Pf., Gemischtbrod 8 stilogr. 88 Pf., paar Weckh 100
r. 6 Pf., Rindfleisch J Qual. 60 Pf. II. Qual. 50 pf. Kalbfleisch 40 Pf.,
Hammelfleisch 60 Pf. Schweinefleisch 380 Pf., Butter?/2 Kilogr. i M., 10 vf.,
Wein 1 Liter 80 Pf., Bier 1 Liter 24 Pf.
Homburg, 17 März. (FIruchtmittelpreis und Victualienmarki.) Weizen
— — ——
—. Pf. Gerste 2reihige — M. — Pf. Gerste 4reihige d M. — Pf. Hafer
M. 83 Pf., Mischfrucht — M. — Pf., Erbsen — M. — Pf., Widen
d M. — Pf., Bohnen 0 M. — Pf., Kleesainen — M. — Pf., Korn-
»rod 6.Pfund 83 Pf., Gemischtbrod 6 Pfund — Pf. Ochsenfleisch — Pf.
Xindfleisch 50 Pf. Kalblleisch 10 Pf. Hammelfleisch — Pf. Schweinefleisch
50 Pf., Butter 1 Pfund 1 M. 10 Pf., Kartoffeln per Cir. 8 M. 50 pf.
Kaiserslautern, 16 März. (Fruchtmittelpreis und Victualienmarkt.)
Beizen 11 M. 98 Pf., Korn 10 M. 36 Pf., Speizkern — M. — Pf. Speij
M. 91 Pf., Gerste 9 M. 32 Pf., Hafer 7 M. 96 Pf., Erbsen 09 M.
32 Pf., Wicken 6 M. 76 Pf., Linsen — M. — Pf., Kleesamen 46 M. 50
Pf. Schwarzbrod 6 Pfund 80 Pf., do. 83 Pfd. 40 Pf., Gemischtbrod
3 Pfund 453 Pfg. Butter per Pfd. — M. 75 Pf., Eier 2 Stuck 10 Pf. Kar⸗
doffeln per Cent. 8 M. 20 Pf., Stroh 2 M. — pf., Heu 2 M. — pfg.
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