Bei Einzahlungen von Geldstrafen und Kosten in Strafsachen
nit Einschluß der Forstrügen sind die bezüglichen Anordnungen in
yen amtsrichterlichen Strafbefehlen genau zu beachten. Postein⸗
endungen, welche diesen Anforderungen nicht entsprechen, können
nberücksichtigt gelassen und der Post zurückgegeben werden.
F In Oberstein entdeckte der Gerichtsvollzieher neulich
eim Wegräumen von auf einem Speicher befindlichen Sachen einen
orb, in welchem er zu seinem nicht geringen Schrecken ein Kind
rhblickte, welches sich in einem erbarmungswürdigen Zustande befand.
ande und Füße waren gekrümmt und nicht zu bewegen, die
nzelnen Glieder verwachsen, das Gesichtchen abgezehrt. Die sofort
ingeleitete Untersuchung ergab, daß das arme Wesen, in dem man
in kaum jähriges Kind zu erblicken glaubt, schon fünf Jahre in
ieser entsetzlichen Weise sein kümmerliches Dasein gefristet hat.
zeine Bedürfnisse kann es in einigen Lauten zu erkennen geben;
eine Kost besteht vorläufig nur aus verdünnter Milch. Die Raben—⸗
zutter murde in der Person einer im Hause bediensteten Magd
uitdeckt.
n Aus Oberröslan (Gberfranken) wird gemeldet, daß
on Samstag Nachts halb 12 Uhr bis 3 Uhr Sonntags früh
2 Wohn⸗ und 60 Nebengebäude dort niederbrannten. Nach den
is jetzt eingelaufenen Rachrichten beschleunigte ein heftiger Süd—
vind das Werk der Zerstörung; 900 Menschen, die ohnehin nicht
iel hatten — es ist eine recht arme Gegend — haben Hab und
zut verloren; versichert ist nur wenig. Auch das Schulhaus ist
in Raub der Flammen geworden, Kirche und Pfarrhaus blieben
erschont. Der Schaden beträgt mindestens an 300,000 Mt.
In Schönebeck (Provinz Sachsen) erfolgte am 2. Mai
uuf der Zündhütchenfabrik eine Explosion, wobei 8 Personen, ein
unger, etwa 17jähriger Arbeiter und zwei in gleichem Alter stehende
srbeiterinnen, ums Leben gekommen sind. Wie man hört, hat
ener junge Mann einen mit 5000 Lancaster-Hütchen (von 750
zramm Sprengstoff) gefüllten Beutel in die im Garten befindliche
jackkammer tragen sollen; auf dem Wege dahin sind ihm die
eiden Mädchen begegnet und ist zwischen ihnen dreien, wie man
ermuthet, eine harmlose Neckerei entstanden. Hat nun der junge
Nensch mit dem Beutel geschlagen, oder ist derselbe heftig zur
zrde gefallen, darüber ist nichts bekannt, kurz: im selbigen Augen—
zlick ist die Explosion erfolgt, der alle drei zum Opfer gefallen
ind. Ein vierter Arbeiter, der zufällig dem Schauplatz dieses
zreignisses sich näherte, hat mehrere leichte Verwundungen an ver—
chiedenen Körperstellen davon getragen.
fZur Drohung der Wegverlegung der Reichsregierung aus
zgerlinn erzühlt das „Deutsche Montagsblatt“ folgende gut be—
laubigte, auch von Louis Schneider bestätigte Geschichte: Als im
jsahre 1870 in Versailles an König Wilhelm die ersten An—
egungen herantraten, die deutsche Kaiserkrone anzunehmen, da sagte
er König, dessen bescheidenen Sinn wenig nach der neuen Aus—
eichnung gelüstete, abwehrend: „Aber ich hibe Pflichten gegen
zreußen! Wenn ich Kaiser werde, so wird mein Sohn sicher noch
n Berlin residiren, vielleicht mein Enkel auch noch, aber ein
lrenkel wird sagen: was soll ich in der sandigen Mark, — in
deidelberg oder Frankfurt ist es viel schöner, schlagen wir dort die
aiserliche Residenz auf. Und da werden eines Tages die Preußen
wufstehen und werden fragen: „Wie ist uns denn, wir haben doch
einen König gehabt, der mit uns lebte und nuter uns wohnte?
ist er uns untreu geworden?“
— Das Beispiel höchster Unparteilichkeit liefert ein Berliner
destaurateur. Derselbe kündigt an, daß er, den Zeit- und Partei—
verhältnissen entsprechend, die Räume seines Restaurants, sowie
ie Bedienung und die Lektüre in denselben folgendermaßen geordnet
abe: Zimmer Nr. J für Semiten: „Berl. Tageblatt,“ „Börsen⸗
sourier,“ „Ulk“; Zimmer Nr. II für Philosemiten: „Vossische
zeitung,“ „National⸗Zeitung,“ Kladderadatsch'; Zimmer Nr. Ul
r Neutrale: „Inielligenzblatt,“ „Ueber Land und Meer,“
Fliegende Blätter“; endlich Zimmer Nr. IV für Antisemiten:
deutsches Tageblatt,“ „Kreuz⸗Zeitung,“ „Wahrheit.“ Ueber die
zedienung verlautet nur, daß sie „anständig“ sei. Wenn dieselbe
ber auch den Zeit- und Partei-Verhältnissen entsprechen soll, so
verden die betreffenden Personen sich wohl vor ihrer Anstellung
ücksichtlich ihrer Gesinnung einer strengeren Prüfung haben unter—⸗
verfen müssen.
Die Auswanderung über Hamburg betrug insgesammt
m April 21,117 Personen, eine Zahl, die noch in keinem Vor—
ihr errzicht wurde.
Die ärarische Magazinkatze. Ein angeblich
ürzlich aufgefundener humoristischer Erlaß von der mecklenburgischen
)berverwaltung an ein Verpflegungsmagazin in der Nähe von
-„chwerin aus dem Jahre 1808, lautet folgendermaßen: „Es ist
ehr traurig, daß die in dem Magazin aufbewahrten ärarischen
hetreide- Vorräthe durch Ratten und Mäuse zerfressen werden.
das Verpflegungsmagazin hat demnach die beifolgende Magazins-
ahze zur Pflicht anzuhalten, wenn solche aber durch Alter oder
kränklichkeit ihrem Berufe nicht nachkommen könnte, so ist sie dem
S—uperarbitrio vorzustellen und in das Invalidenhaus zu einstweiligen
eichteren Dienstleistungen im Holzgewölbe abzugeben. Es ist in
ziesem Falle eine mit allen erforderlichen Eigenschaften versehene
jeue Katze zu assentieren, derselben der Vortheil des allerhöchsten
lerars zu Gemüthe zu führen und allenfalls auch durch Prämien
ie in ihrem löblichen Berufe zu ermuntern. Uebrigens wird dem
öblichen Verpflegungsmagazins-Amte des eigenenen Vortheiles
villen anheimgestellt, gegen nächtliches Herumvagieren, Liebeshändel
—
nuf den Magazinsdächern die kräftigsten Maßregeln zu treffen
ind überhaupt der Magazins-Katze einzuprägen, daß der allerhöchste
dienst ihrer Gegenwart nicht auf den Daͤchern, sondern in den
Speichern. Gewölben ꝛc. erfordere. Von dem Erfolge wird die
Anzeige erwartet. Z. m. p. Verwalter.“
— Die Zahl der bei dem Erd beben in Chios und Tschesmé
Verunglückten beläuft sich nach neueren und sorgfältigeren Erhe—
zungen auf ungefähr 5000, die der Verwundeten auf etwa 1800,
von denen etwa noch sterben dürfte. Der durch den Einsturz
»on Gebäuden allein verursachte Schaden wird mit 15 Millionen
Pfund türkisch veranschlagt.
— Folgende charakteristische Anekdote wird in der Petersburger
Besellschaft erzählt: Die Scene spielt in dem engsten Familienkreise
»es Kaisers; anwesend ist unter Andern des Czaren Oheim, Groß⸗
ürst Constantin, der russische Großadmiral und Vater jenes berüch—
igten Diamanten-Großfürsten Constantin. Bereits läugere Zeit gibt
er älteste Sohn des Kaisers, der zwöljährige Zarewitsch Nicolaus,
u erkennen, daß er ein Gesuch an den Großoheim auf dem Herzen
jabe, und endlich fragt dieser den Knaben, was er denn wuͤnsche.
der Letztere bittet hierauf, der gute Onkel möge ihm etwas von
einer Flotte zeigen. Darauf der Großfürst: „Mein Kind, die
„lotte ist hier nicht zur Stelle, auf dem Meere und in den Kriegs-
‚äfen befinden sich alle unsere Kriegsschiffe, um unser großes
Baterland zu schützen.“ „Das ist nicht wahr, Onlel,“ entgegnet
Hnell der Knabe, „Papa sagt, Du hättest die Hälfte der Flotte
n die Tasche gesteckt.“
Vielseitig muß der Deutsch-⸗Amerikaner sein, wenn er vor—
värts kommen will. So war der unlängst in Cincinnati
erstorbene Landsmann V. Wettengel. In Steinweiler im Jahre
835 geboren, erlernte er in Maikammer die Kammmacherei, durch⸗
og als Handwerksbursche nahezu ganz Deutschland, ging 1853
iach Amerika und langte mit einem Vermögen von 8 Dollars
Schulden in Cincinnati an. Das war freilich kein großes Be—
riebs⸗Capital, allein unser Landsmann verband Muth und Spann—
raft mit den deutschen National-Tugenden Fleiß, Redlichkeit und
Sparsamkeit, und mit diesen ist man in Amerika geborgen. Als
W. keine Beschäftigung in seinem erlernten Handwerke fand, ging
er bei einem Schreiner in die Lehre und wurde später Barbierge-
elle, in welcher Stelle er bedeutende Ersparnifse machte. Mit die—
en kaufte er sich ein eigenes Barbiergeschäft, welches bald in Flor
am, so daß er nach wenigen Jahren eine große Ofenhandlung
aufen konnte und ein bedeutendes Vermögen erwarb. Mit dem—
elben ist ein braver biederer Pfälzer aus dem Leben geschieden.
Von Deutschen in Nord-Amerika ist der großartige Plan
jefaßt worden in den Vereinigten Staaten eine deuische Universität
nach deutschem Vorbilde zu gründen und derselben zum bleibenden
Andenken der glorreichen Erhebung Deutschlandd, den Namen
„Kaiser Wslhelms-Universität“ beizulegen. An dieser Universität
ollen ausschließlich Männer von wissenschaftlichem Ruf und Bedeu—
ung als Lehrer herangezogen, eine Fühlung mit den deutschen
lniversitäten und Hochschulen soll angestrebt und somit den in
lmerika lebenden Millionen Deutschen Gelegenheit geboten werden,
hren Söhnen heimathliche Bildung geben zu können. Als,Ort“
inh verschiedene Städte der Union in Vorschlag gebracht worden,
i. A. Chicago, Cincinnati, Broklyn, Albany ꝛc. vornehmlich aber
Milwaukee als nicht zu große, gesund gelegene und gewissermaßen
»eutscheste Stadt der Union. Mit dieser Stadt werden angeblich
LBerhandlungen angeknüpft und sollen nach Abschluß derselben Sam—
nelplütze in Hamburg, Berlin, Frankfurt, Paris, London ꝛc. für die
in Europa lebenden und weilenden Deutsch-Amerikaner, dann noch
n allen größeren Städten Nord-Amerikas errichtet werden. Das
ünternehmen ist auf zwei Millionen Dollars vorläufig veranschlagt
vorden — so wird dem „Berl. Tagbl.“ von einem zur Zeit in
*tuttoart sich aufbaltenden Herrn Dr. Löwe mitgetheili.
Marktberichte.
Zweibrücken, 5. Mai. (ruchtmittelpreis und Viktualienmarkt.
Beizen 11 M. 89 Pf., Korn 10 M. 82 Pf., Gerste zweireihige d M. — 33
ierreihige O M. — Pf., Spelz 0O M. — Pf., Spelzkern — M. — Pf.,
dinkel — M. — Pf. Wischfrucht 10 M. 80 Pf., Hafer 7 M. 88 pf,
rbsen — M. — Pf., Widen 0O M. — Pf., Kartoffeln 2 M. — pf.,
eu 8 M. 35 Pf., Stroh 3 M. 55 Pf., Weißbrod 1/3 Kilogr. 59 Ppf
ornbrod 8 Kilogr. 75 Pf., Gemischtbrod 8 Kilogr. 90 Pf., paar Weck 100
r. 6 Pf. Rindfleisch J Qual. 56 Pf. II. Qual. 50 Pf. Kalbfleisch 50 Pf.
„ammelfleisch 60 Pf. Schweinefleisch 60 Pf.; Butter /3 Kilogr. 1I M. 12 wi
Wein 1 Liter 80 Pf., Bier ! Liter 24 Pf.
Für die Redaction verantwortlich: F.X. Denme