den Schleier, welcher wdie letzten Tage seiner-Amtsführung als,
Ministar⸗Praͤsidem noch verhuͤlle, vollständig Küften werde.
Wäen P. Dec. Die Morgenpost“. veröffentlicht folgende
Senfationsnachricht g Der frangbsische Bosschafter Gramont haut eig
Noisficalionsschreiben ahalien Wonch Nuͤpolebir, mit dem kaiser—
ichen Prinzen vor Weihnachten den Papst in Rom besuchen wird
Der Wiener Hof ist während der Anwefenheit Napoleons in Rom
durch Erzherzog Albrecht vertreten.
Prag, 7. Dec. Die Nachricht, daß die Detentions-Anftalt
am Hradschin in Prag nach den Einen 56, nach den Anderen
79 Priester beherberge oder erwarte, nach den Einen wegen regie⸗
cungsfeindl icher, nach den Anderen wegen concordatsfeindlicher Pre⸗
digten, ist nach dem „Volksfr.“ unwahr. —
Frankreich.
Paris, 8. Dec. Die Zeitungsnachricht, welcher zufolge
Franlreich und Oesterreich einen Vertrag zum Schuz der Integri⸗
ät der Türkei geschlossen hütten, wird dementirt, u. A. auch vom
„Constitutionel— 5
Dem „Journal de Paris“ gehen aus Florenz Nachrichten zu,
denen zufolge aller Waͤhrscheinlichkeit nach das Ministeriuin Me—
nabrea nächstens genöthigt sein würde, seine Demission zu geben
und daß Herr Lamza die Präsidentschaft der Kammer veriassen
verde. Die Deputirten der Actionspartei beabsichtigen, wie es
heißt, dom Parlament ein Votum zu verlangen, wodurch die ita⸗
lienische Regierung anfgefordert wird, sofort gegen Rom zu
marschirer. *
Paris, 9. Dec. (Sitzung des gesetzgebenden Körpers.)
deute begannen die Debatten über die auf die deutschen Angele—
genheiten bezügliche Interpellation. Garnier Pagés ergriff das
Wort. Er erblickt die Ursachen der Störungen in der Gewerb⸗
thätigkeit und der Besorgnisse Curo pas vornehmlich in dem Wider⸗
spruch zwischen den friedfertigen Erklürungen und den beunruhi⸗
genden Akten der Regierung. Die Salzburger Zusammenkunft
habe die Geschäfte gelähmt und Deutschland in Aufregung ver—
seßt, trotzdem daß der Herrscher und die Regierung Frankreichs
mit Friedensnoten so freigebig waren. Die Allmacht eines einzi—
gen Menschen bringt die Welt in Unruhe. Die Regierung ver—⸗
kündige das Nationalitätsprincip, allein ihre Politik bringe alie Na-
tionalitäten gegen sie auf; so Amerika, Rußland, Dentschland,
Italien. — Nicht mit Oeslerreich, sondern in Deutschland hätte
Frankreich einen Stützpunkt suchen müssen, und vor Allem mußte
es einer Allianz Deulschlands mit Rußlands und Italien zuvor—
zukommen suchen.
F England. —
Dublin, 9. Dec. Gestern fand eine Kiesenprocession
zu Ehren der gehängten Fenier statt. Ungeachtet des großen Re—
zens haben ungeführ 16.000 Personen, darunter gegen 4000
Frauen und Kinder, Theil daran genommen. Alle trugen grüne
Schleifen und Bänder. An er Sielle, wo einer der Fenier ge—
hzängt worden war, hat die Menge das Haupt entblößt. Einer
der Führer, John Martin hat eine Rede gehalten, in welcher er
die englische Regierungspolitik heftig angriff und die Hingerichteten
aicht als Moͤrder, sondern als tugendhafte, Gott und dem Vater⸗
'ande ergebene Menschen darstellte, die auf legale Weise ermordet
vorden seien. Aber es werde ein Tag kommen, wo die amerika⸗
nischen Irländer England bekämpfen würden, das schon bei dem
Zedanken daran erzittere u. dgl. m. a —R
Italien. ren
Florenz, 6. Dee. Aus Menabreas Rede bei der
zestrigen Eröffnung des italienischen Parlamentes theilen wir im
Folgenden die auf die römische Frage bezügliche Stelle mit: „Ich
verde sehr zurückhaltend sein, denn wir muͤssen große Rüdsichten,
zuf die diplomatischen Unterhandlungen nebmen. Ich werde nichts
sagen von den Wünschen der gesammten Bevölkerung des Koönig-
reiches, ich werde nur erwähnen, was geschehen ist. Italien be—
steht, wird und muß bestehen, trotz der Anstrengungen, die man
macht, um dieses schöne Werk zu vernichten. Zwischen den füd⸗
lichen Provinzen und den auderen befteht ein kleiner Staat, in
velchem sich die berühmteste Stadt der Welt befindet. Nun wohl,
ꝛieser kleine Staat ist für uns ein großes Hinderniß. Wenn seine
Regierung eine bessere wäre, würde die Unzutraäglichkeit geringer
jein. Aber Rom ist der Mittelpunkt der Verschwörun gen
gegen die Einheit Italiens. Es ist natürlich. daß
Janz Italien lebhaft gegen Rom protesticrt. Wenn Paris zum
Beispiel in der Macht der Engländer wäre, was würden die Fran—
zosen thun ? (Gut! Bravo!)) In unserem Jahrhunderl ist alles,
was ein Volk hemmt, ein Hinderniß, welches man beseitigen muß;
ber der Papst ist ein Oberhaapt der Religion. Glauben Sie
aicht, doß diese Macht auf die Gewissen schwach sei. Unsere Pflicht
st es, dieses Oberhaupt der Religivn zu respeciiren. Nicht durch
Gewalt wird man in Rom einziehen. man muß die moralischen
4
Mittel anwenden. Das National Parlament hagt dies anerkannr
in der Sitzung bom März 1861.. Diejenigen, welche Mit den
Waffentẽ in der Hand nach 3 gehen wollten, haben den Beschluß
des Pgtlamentq vberletzt. Je stärker pir sein werden je mehr wer.
* uich ede l 2
Florenz, KRDec. Die Italia? macht auf die Bedeu—
ung der vom General Menabrea bei Gelegenheit der Vor—
tellung des neuen Ministeriums in der Kammer gehaltenen Rede
aufmerksam. „Ungeachtet seines feierlichen und redlichen Ver—
prechens, sagt sie, das er der Sache der öffentlichen Ordnung
gegeben hat, steht Ht. Menabrea nicht an, an das Votum des
Barlamentes zu erinnern, welches Rom als Haupistadt von Ita⸗
ien proclamirt hat. Er hat die nationale Einheit Jaut prodla⸗
mirt; was wäre nun aber diese Einheit, wenn es im —*
Italiens selbst eine andere Regierung gäbe, die als der Heerd
aller Arten Verschwörungen dient. Diese mögliche und sogar noth⸗
vendige Union einer starken Regierung die nichts von ihren Rech—
en abgibt, mit dem, was man' fonst die Agitation det Parteien
tennt, und welches — Gewiffens ist,
st es gerade, was die Kraft Italiens inmitten aller Schwierig·
keiten, die fich ihm in den Weg ftellen, ausmacht. Das Verdienst
des Generals Menabred ist es,“ dies augenscheinlich“ und fortan
ꝛinen jeden Zweifel übert diesen Gegenstand unmöglich gemacht zu
Jaben.“ — Die „Gazetta di Torino“ fordert den Abbruch der
diplomatischen Beziehzungen mit Frankreich·
Amerika.
Newyork, 7.. Dec. Das Haus nahm eine Bill an,
velche die Befugniß M'iCulloch's, Papiergeld zuxück zu ziehen, auf·
jebt. — Die öffentliche Schuld betrug am I. Dec. 2639 Mil
Ddolsl., der Staatsschatz 138 Millionen.
Die Deutschen in der Stadt Mexitco gaben dem Admirah
Tegethoff vor seiner Abreise ein Bankett, wobei es hoch herging.
Der ehemalige preußische Gesandte, Baron Magnus, brachte ainen
Toast auf Regierung und Volk Mexico's aus, und der Admital
rank auf die Einigkelt der deutschen Flotten. — Die politischen
zustände der Republik sind gut; die öffentliche Sicherheit läß!
Ranches zu wünschen übrig. 4
— Vermischtes. a
Ludwigshafen, 10. Dec. Morgen wird die mene
Fisenbahnbrücke über den Rhein dem öffentlichen Verkehr
ür Personen und Fuhrwerk übergeben.
Bei der letzten Volkszählung in Landau ergab sich.
)aß dort eine bedirge Person lebt, welche Mutter von 10 unehe⸗
ichen Kindern ist, die sämmtlich noch dem zartesten Alter angehören.
Landstuhl, 6. Dec. Gestern wurde bei einem Sau—
reiben in den Stumm'schen Waldungen durch Hrn. Holzhändler
Wenzel ein Keuler geschossen, welcher 188 Pfund woh
rMünchen;, 8. Dee. Daß die Gefahr der Riunderßpest
mmer noch von Neuem drohend in unserer Nähe steht, und daß
es nothwendig ist, die auf Abhaltung derselben don den Grenzen
des Landes bezüglichen Maßregeln der Regierung gewissenhaft zu
eobachten und zu unterstützen, beweist der Umfand, daß die
Seuche in Niederösterreich noch an 9 Orten, in Mähten an 10,
n Oesterreichisch⸗Schlesien an 4, in Ungarn an 8, in Galizien
an 50 Orten und in 5 Bezirken der Butowinag heirscht. — Zu
Broßfischlingen in der Rheinpfalz wurden wegen da unter den
indern herrschenden Hal sbräume die Sqhulen bis auf Wei⸗
eres geschlossen. Auch zu Neustadt a. d. Haardt ist der epi⸗
demisch unter den Kindern aufgetretene Scharlach noch nicht
erloschen. .
München. Die gemeinschaftlichen Zolleinnahmen im J. und
IJ. Quartal 1867 betrugen 11,83835 Thaler; im entsprechenden
Jeitraum des Vorjahres 1868 9,773, 407 Thlr.z mithin gegen das
Sorjahr mehr 1,278,428 Thlr oder 1300. Trotzdem stehen die
kinnahmen dieses Jahres gegen die früheren Jahre noch zurüd,
voraus ersichtlich ist, daß die Lage des durch den Krieg gestörten
Beschaftsverlehrs noch immer keine regelmäßige geworden ist.
Mehrverzolluugen haben stattgefunden deim rohen Kaffe, rohen
Tabaksblättern, Wein, geschälten Reis und rohen Baumwoll-Gar—
aen. Die Abnahme der Verzollungen fällt vorzugsweise auf Roh⸗
zucker, Roheisen, Schmiedeisen, Eisenbahnschienen, grobe Eisenwaa⸗
ren, Dampfwagen, frische Südfrüchte, Pferde und Schweine.
F,Würzburg, 5. Dec. Heute wurde das Urtheil gegen
den Schauspieler Richard Wiesner aus Breslau in der mehrer⸗
vähnten Untersuchung wegen Vergehens der Mojestätsbeleidigung
publicirt. Dasselbe lautete auf Freisprechung. In den Molibden
vurde angenommen, daß der Angeklagte den fraglichen Ausdruck
„Schwindel“ am 4. Nov., nicht, wie irrig vom Polizeiofficianten
Bros und dem Rechtsrath Attensamer behaupiet wurde, bei dem
raglichen Ertempore, das allerdings eine Anspielung auf das Zu—
tückgehen der Bnialicher Verlöohung enthalten aebraubt worren