Full text: St. Ingberter Anzeiger

gzt. zIugbeyter Amzeiger. 
Amtliches Organ des königl. Amtsgerichts St. Ingbert. 
e. ugoerter Anzeiger“ erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. 2 mal wöchentlich mit Unterhaltungs - Blatt und Freitags und Samstags mit acht 
——c—— rnge Das Vian oster vierleljahrlich 1A 60 einschließlich Tragerlohn; durch die Post bezogen iA 75 4, einschließlid 40 Zustellungsgebuhr. Di 
evuhr fur die Agespallene Garmondzeile oder deren Raum beträgt dei Inseralen aus der Pfalz 10 ⸗, bei außerpfalzischen und soichen auf welche die Erxpediti oꝛ 
rü ina eiu, is Seklamen 80 33. Bei maliger Einrüclung wird nur dreimalige berechnet. 
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Mittwoch, 2. Mai 1888. 
B3.Jaohrg. 
Abonnements 
n die Monate Mai und Juni auf den 
pochentlich 6G mal erscheinenden „St. Ing⸗ 
nerter Anzeige r⸗ mit zwei illustrierten Bei⸗ 
ern nehmen an: die Postanstalten, die Postboten, 
Nuzträger und die Ervedition. 
ösischen Mittelsiand bei der richtigen Seite gepackt 
u haben und diese Auffassung ist gewiß nicht un⸗ 
herechtigt. Nur muß abdzuwarten sein, ob die von 
Tarnot ausgesprochene Warnung bei denjenigen 
Bevölkerungselementen Frankreichs, an deren spe⸗ 
cielle Adresse sie gerichtet ist, noch Beachtung finden 
wird, wie es anderseits überhaupt sehr dahinsteht, 
ob der beredte Appell des Staatsoberhauptes zur 
Finigkeit bei den französischen Republikanern noch 
krfoig haben wird, zu oft schon ist ja diese Mah⸗ 
nung fruchtlos dagewesen! 
* Die vom Papjfte gebilligte Erklärung der 
Fongregation für geistliche Angelegenheiten, daß 
das Bohcotting und die sonstigen Ausschreitungen 
der irischen Nationalisten „unerlaubt“ sei, 
bedeutet eine sich leise markirende Stellungnahmt 
des heiligen Stuͤhles gegen die irischen Revolutio⸗ 
naire. Aher freilich, hiermit ist noch keineswegs 
gesagt, daß der Vatican nunmehr die englische 
istegierung in ihrem Kampfe gegen die Nationalliga 
mit seinem vollen Einflusse unterstützen werde. 
Denn ausdrücklich wird aus Rom gemeldet, daß 
es der Papst dei Billigung der erwähnten Erklär⸗ 
ung vermieden habe, die zwischen England und 
Irland schwebenden politischen Streitfragen zu ert 
wähnen und dies deutet augenscheinlich darauf bin 
daß man im Vatican nicht ohne Weiteres zur Ver⸗ 
niltelung in der irischen Frage bereit ifl. 
*Aus den russischen Ostseeprovinzen 
werden Meldungen laui, welche das Vorgehen der 
russischen Behorden gegen die an den Rechten und 
Gebräuchen der protesiantischen Kirche festhaltenden 
uind dem Eindringen des Orthodoxismus —„X 
ntgegentretenden Pastoren als äußerst rigoros er⸗ 
cheinen lassen. Es werden Ausweisungen ohne 
— 0 administrativer 
xkrkeuntnisse decretirt und sofort in Vollzug gesetzt. 
Diesen Maßnahmen erlagen bereits drei protestan⸗ 
ische Pastoren aus den Osftseeprovinzen, namens 
doist, Dobner und Christoph, welche aus dem 
dande ausgewiesen und in Astrachan, Saratoff und 
m Gouvernement Archangelsk internirt wurden. 
Berlin, 30. April. Gerüchtweise verlautet 
dei der Konferenz des Reichskanzlers mit der 
dönigin Viltoria habe die endgiltige Regelung der 
zraunschweigischen Thronfolge eine bedeutende Rolle 
jespielt. Wahrscheinlich find vermögensrechtliche 
Fragen gemeint. 
Ausland. 
Wien, 1. Mai. Der Unterrichtsminister v. 
Baumsch ertlärte heute im Abgeordnetenhaus, er 
sonne unter keinen Umständen eine Herabdrückung 
des Bildungsniveaus zugeben, die Unterrichtsver- 
valtung laffe sich weder von Sympathien noch von 
Untipaihien leiten. Die ganze Rede des Ministers 
Jat die Czechen und Klerikalen enttäuscht, von 
csteren soll beabsichtigt sein, gegen das Unterrichts⸗ 
Budget zu stimmen. 
Paris, 30. April. Der Senat vertagte sich 
bis zum 15. Mai. 
Paris, 30. April. Das Zuchtpolizeigericht 
in Ranch verurtheilte heute die am Samstag ver⸗ 
hafteten Straßenpolitiker zu Gefängnißstrafen bis 
ju drei Monaten. Alle verleugneten Boulanger 
und behaupteten, sie hätten nur Lärm machen wol⸗ 
len. Einer. der zu 14 Tagen Gefängniß verur⸗ 
heilt worden war, rief: „Dieser Lump von Bou⸗ 
janger kommt mir theuer zu stehen !“ Der An- 
ttifier des Gassenlärms, ein ehemaliger Soldat, der 
in Tonking gedient hat, erhielt drei Monate Ge⸗ 
ängniß. 
Rochefort, 1. Mai. Präsident Caxnot be⸗ 
juchte alsbaid nach seiner Ankunft das Arsenal und 
das Hospital und überreichte der Oberin der 
Zrankenschwestern des Hospitals das Kreuz der 
Ehrenlegion, indem er sagte, er beabsichtige damit 
den ganzen Orden zu ehren. 
Politische Uebersicht. 
Alle disherigen, mehr oder weniger bestimmt 
etenden Meldungen von einer bevorstehenden 
uftedeling des Kaisers und seiner Familie 
q Schloß Friedrichskron bei Potsdam oder gar 
Wiesbaden werden von zuständiger Seite als 
hegründet erklärt, da der Zustand des erlauchten 
dunten trotz der eingetretenen Besserung noch 
nedwegs ein derartiger ist, um schon jetzt einen 
ahjahrzaufenthalt des Kaisers in bestimmte Er⸗ 
gung zu ziehen. 
* der letzthin durch kaiserliche Cabinetsordre 
cgenommen· „Generalsschube“ hat nicht 
viget als 14 Generallieutenants zu Generälen 
ver Infanterie, resp. der Cavollerie befördert. Ueber⸗ 
aihend kommt indessen dieses Massenavancement 
öheret Offiziere keineswegs, denn sämtliche Beför⸗ 
atten befanden sich bereits in Stellungen, welche 
rit Offijieren in der Charge der Generäle besetzt 
u werden pflegen oder welche bereits früher öfter 
nit Generälen besetzt gewesen sind. Die beförder⸗ 
n Offiziere sind die Commandeure des 2., 4., 
q. 6. und 15. (elsaßelothringischen) Armeekorps 
— b. d. Burg, v. Grolmann, v. Meerscheidi⸗ 
hüllesem, v. Brehn und v. Heuduck — die Gou⸗ 
deineure von Straßburg, Ulm und Mainz — v. 
derdy du Vernois, v. Guretzky ⸗Cornitz und v. 
Vinterfeld — ferner die Generaladjutanten Graf 
behndorff, Fürst Radziwill und Graf Waldersee, 
welch' letzterer zugleich Generalquartiermeister ist, 
und endlich der preußische Kriegsminister Bronsart 
d. Schellendorf, der Chef der Admiralität, v. Caprivi, 
und der Präses der Ober-Militär-Examinations- 
mmissionar Generallieutenant des Barres. 
Das preußische Abgeordnetenhaus 
vird sich in diesen Tagen nach Erledigung der 
Detelregulirungsvorlage und der Kreis⸗ und 
Prwdinziclordnung für Schleswig ˖ Holstein vertagen, 
im früheftens am 14. Mai nochmals zusammen⸗ 
zutreten. Es wird sich alsdann in der Hauptsache 
aur nochmals mit dem Volksschullastengesetz zu be⸗ 
ssen haben, da dafselbe nach dem Mehrheitsbe⸗ 
dup des Abgeordnetenhauses eine Verfassungs⸗ 
uderung bedingt und infolge dessen über das Gesetz 
— abgestimmt werden muß. In der Zwischen⸗ 
uit wird auch das Herrenhaus Siellung zu dem 
acullastengeseh nehmen. 
2 Rede des Präsidenten Carnot 
Iny y ist zum guten Theile auf die erwer⸗ 
* lassen des französischen Bürger⸗ und 
eed gemünzi, denn gerade aus diesem 
d tuhigen Theile der Beböllkerung Frankreichs 
* dem Boulangismus nicht zum wenigsten An⸗ 
8 zugeführt worden, wie die boulangistischen 
e in überwiegend ländlichen oder indu⸗ 
Districten beweisen. Indem Carnot diesen 
dn er Schneidern und Handschuhmachern“ zu 
—* dhe führt, wie die gegen das jeige republi⸗ 
ning vhaime gerichtete boulangistisch bonapar- 
* ewegung auch das Erwerbsleben Frank— 
chwer schädigen müsse, glaubt er den fran— 
Lokale und pfälzische Nachrichten. 
* St. Ingbert, 2. Mai. Schon wieder 
hat sich hier in der Grube ein bedauernswerther 
nglücksfall ereignet. Am Montag Abend 9 Uhr 
vpurde der Bergmann Kiem von hier, der durch 
einen Sprengschuß sehr bedeutend am Kopfe ver⸗ 
letzt ist, in das Knappschaftshospital verbracht. 
Man vermuthet, daß er, da die Erxplofion nicht in 
zer erwarteten Zeit erfolgte, unvorfichtiger Weise 
nachgesehen habe, wobei er dann den vollen Schuß 
ins Gesicht erhielt. 
* Si. Ingbert, 2. Mai. Vorgestern Abend 
hielt der hiesige Turnverein im Becker'schen Lokale 
Joh. Weirich) eine Generalversammlung ab. Als 
erster Gegenstand bot sich die Frage der Beteiligung 
bel dem b. Empfange S. Kgl. Hoheit des Prinz ⸗ 
regenten in Zweibrücken. Die Beratung wurde 
im Hinblick auf die Verschiebung der Pfalzreise 
des hohen Herrn vertagt. — Mit der Wahl zweier 
neuer Mitgüeder der Fahnensektion wurde der Ver⸗ 
insturnwart statutengemäß beauftragt. Als wich⸗ 
igster Beschluß der Versammlung erscheint die Be⸗ 
reiung der Zoͤglinge von allen ständigen Beiträgen. 
Dieselben zahlen fortan nur das bestimmte Ein- 
ritisgeld von 50 Pf. Wir hoffen, daß durch 
ieses Entgegenkommen des Vereins sich die Zahl 
zer Zöglinge stetig vergrößern werde. Sodann 
erstatlete der Vorsitzende den Bericht über den Gau⸗ 
urntag in St. Johann über dessen Verlauf wir 
inseren Lesern bereits früher Mittheilung gemacht 
jaben. — Bezüglich der Betheiligung an der Be⸗ 
irksborturnstunde in Bildstock destimmt die Ver— 
ammlung, daß zu derselben künftig nicht wie bis⸗ 
ser 8, sondern blos ein Mitqglied des Vereins ent⸗ 
Deutsches Reich. 
Muͤuchen, 30. April. Der Prinzregent hat 
die in den Etatsvoranschlägen der Verkehrsanstalten 
ür ein Jahr der XIX. Finanzperiode vorgeschlagene 
Verbesserung der Gehaltsverhältnisse der Kategorie 
der Adjuncten genehmigt. Demnach regeln sich 
mit Wirkung vom 1. Januar 1888 an die (pen⸗ 
fionsfähigen) Jahresgehalte der Adjuncten der Ver⸗ 
zehrsanstalten folgendermaßen: in den ersten drei 
dienstjahren 810 Mk., von 3 bis 6 Dienstjahren 
390 Mk., von 6—12 Dienstjahren 1170 Mk., 
aach 12 Dienstjahren 1860 Mk. und 180 Mt. 
nehr für je weitere sechs Jahre nach zurückgelegtem 
18. Dienstjahr. 
Berlin, 30. April. Der Kaiser empfing 
heule Abend um 5/3 Uhr den Reichskanzler zu 
rinem halbstündigen Vortrag. 
Berlin, 30. April. Der Großherzog und 
die Großherzogin von Baden haben heute Abend 
nit dem 8 Uhr-Zuge vom Anhalter Bahnhofe aus 
Herlin verlassen. Der Großherzogin, welche tief 
erschleiert war, wurde ein prachtvolles Bouquet 
dorausgetragen. Der Großherzog unterhielt sich 
bis zum Abgange des Zuges mit dem Gouverneur 
on Berlin und anderen anwesenden Generalen. 
Das zahlreich versammelte Publikum begrüßte die 
sohen Herrschaften bei ihrem Erscheinen und be 
Ubfahrt des Zuges ehrerbietiag