Slt. Ingberler Anzeiger. —— Det „St. Ingberter Anzeig er“ mit seinem Unterhaltungsblatte erscheint wöchentlich dreimal: Diensta g, Donnerstag und Samstag. Abonnemenispreis vierteljährig 45 Krzt. oder 13 Silbergr. Anzeigen werden mit 8 Kerzr. die dreispaltige Jeile Blattschrift oder deren Raum berechnet. 1ss. — . Deu tschland. Muünchen, 1. Mai Der Siaatsminister des Aeußern und des königlichen Hauses, Fürst Hohenlohe, ist heute Morgens von Berlin hierher zurückgekehrt. — Nach den Vorschriften über die rechnerische Behandlung der Kosten in Strafsachen vom 4. Juli 1862 sollen die Kosten für Bekleidung der Gefangenen in allen Fällen aus dem Vermogen derselben oder von der Armenpflege dem Aerare ersetzt werden.“ Die Bestimmung ist, so weit sie im Allgemeinen die Haftbarkeit der Armenpflegen für die Bekleidungs ⸗ tosten ausspricht, außer Wirksamkeit gesetzt. — Zufolge allerh. Entschließung dürfen von den Unterofficieren, Gefreiten und Ge— meinen der besoldeten Landwehrstämme lediglich die Bezirksfeld⸗ webel unter Beachtung der die Verehelichung hindernden allgemei— nen Vorschriften und nach Erfüllung aller in den Normen be— gründeten Vorbedingungen zur Verehelichung zugelassen werden. — Das Justizministerium hat die Oberstaaisanwälte an den Ap⸗ pellationsgerichten des Königsreiches und den Generalstaatsproku⸗ rator am Appellationsgerichte der Pfalz unter Hinsweis auf die im Regierungsblatte Nr. 27 veröffentlichte allerh. k. Erklärung vom 23. April ds. Irs. veranlaßt, die geeigneten Einleitungen zu reffen, damit die wegen Unzulänglichtkeit des Vermögens zur Ersatzmannstellung in Haft gehaltenen Wiederspenstigen in Freiheit gesetzt, und weitere Haftvollzugsanordnuugen unter⸗ jassen werden. — — Der König von Preußen hat dem Kronprinzen von Jia⸗ lien 12 prachtvolle Pferde zum Geschenk gemacht. München 2. Mai. Die Reichsrathskammer hat heute das Finanzgesetz und das Eisenbahngesetz erledigt. Es tritt dem⸗ nach keine Steuererhöhung ein. Der Landtag ist vertagt. Der Tivilprozeßausschuß bleibt beisammen, der Socialgesetzgebungsaus⸗ ist auf den 15 Juni, der Ausschuß für das Mililärsirafgeseß wird auf einen noch zu bestimmenden Tag einberufen. Dienstesnachrichten. Se. Maj. der König haben Sich allergnädigst bewogen zefunden: unterm 27. April l. J. den Inspector des Zuchtsauses und der Polizeianstalt Kaiserslautern, Regierungsrath Franz Fla— min Meuth, unter allerhuldvollster Anerlennung seiner langjäh cigen, treuen und eifrigen Dienftleistung, dem von ihm gesteliten Besuche entsprechend, in Gemäßtheit des 8. 22 lit. B. der IX. Beilage zur Verfassungsurkunde vom 1. Mai an für immer in den wohlverdienten Ruhestand treten zu lassen, und auf die hiedurch üch erledigende Siclle des Inspectors des Zuchthauses und der Polizeianstalt Kaiserslautern den Rechnungsführer bei der Befangenen- und der Polizei⸗Anstalt St. Georgen, Karl Leffler zu befördern. Der k. Forstamtsaltuar Wilhelm Schaaff von Weilheim wurde auf Ansuchen in gleicher Dienstes-Eigenschaft an das Igl. Forst- und Triftamt München, und der kgl. Forstamtsaltuar Karl Bauer von Elmstein, gleichfalls der gestellten Bitte gemäß, an das kgl. Forstamt Weilheim versetzt. Heidelberg 28. April. In der gestrigen Hauptversamm⸗ iung des Arbeitervereins wurde eine Adresse an das Zollparla⸗ ment beschlossen. Die Adresse erklärt sich grundsätzlich gegen jede indirecte, die arbeitenden Klassen ungleich belastende Steuer, und iichtet an das Zollparlament die Bitte: die Bewilligung neuer Steuern unter allen Umständen zu versagen. Berlin, 1. Mai. (Zollparlament.) In der Diplomaten⸗ loge bemerkt man den französischen und russischen Gesandten. Herr v. Varnbüler hat seinen Platz auf der Rechten eingenom— men. Präsident Simson zeigt an, daß Montag ein Trauergot⸗ tesdienst für den verstorbenen Freiherrn von Aretin stattfindet lin der katholischen Kirche) Metz, Bamberger und Bluntschli mit 60 Genossen bringen einen Adreßentwarf ein, über dessen zeschäftliche Behandlung nach dem Druck beschlossen werden soll. Das Haus beschließt die Zollordnung durch Vorberathung, den panischen Handelsvertrag durch Schlußberathung zu erledigen. Referenten sind. Meirner und Lienau. — Es wird zu Wahlpruf ungen geschritten; Harnier, Referent der dritten Abtheilung ver⸗ iest den Protest gegen die württembergischen Wahlen. Die Ab⸗ heilung beantragt, der Vorsitzende des Bundesrathes möge die⸗ lebereinstimmung des norddeutschen mit dem württembergischen Wahlgesetze herstellen. Die übrigen Abtheilungen stellen ähnliche Anträge. Mittnacht rechtfertigt das Verfahren. Auch der Nord⸗ hund mache das active Wahlrecht von der Staatsangehsrigkei ibhängig. Der Wahlprotest hätie fich gegen bestimmte Wahlen, nicht generell gegen alle richten müssen. Braun (Wiesba⸗ »en) sucht den Proiest zu rechtfertigen und wünscht die Prüfung ämmtlicher Beschwerden wegen Wahlbeeinflußungen, damit Wie⸗ erholungsfällen vorgebeugt werde. Bethusy⸗Huc tadelt den hef⸗ igen Ton Braun's und empfiehlt den sehr allgemein gehaltenen Antrag der vierten Abtheilung, der Vorstand des Bundesrath volle darauf hinwirken, daß das württembergische Wahlgesetz mit dem Zollvertrag in Einklang gebracht werde. Braun zieht feinen Antrag zurück. Mez tadelt die Verbindung der Regierungspariei nit der demokratischen Partei, welche die Einigung Deutschlands ekümpfe. Er empfiehlt die Abtheilungsanträge. Nach erregter Debatte, wobei die Herren v. Linden und Varnbüler das Verfah⸗ ren der württembergischen Regierung vertheidigten, wird der An—⸗ rag der vierten Abtheilung mit 162 gegen 105 Stimmen an—⸗ zenommen, welcher den Bundeskanzler auffordert, auf eine dem Zollvertrage homogene Ausführung der Wahlen in Württemberg hinzuwirken. Morgen werden die Adreßanträge berathen. Berlin 1. Mai. Graf Bismarck und Fuürft Hohenlohe onferirten in den letzten Tagen häufig miteinander. Hr. v. Barnbühler ist gestern hier eingetroffen. — Die süddeutsche föde⸗ alistische Fraction hat sich unser dem Vorsitz des Froͤrn v. Thüngen constituirt und zählt 57 Mitglieder; die süddeutsche Fortschrittsfraction, aus bayerischen und badischen Abgeordneten ʒestehend, ist 20 Mitglieder stark. Berlin 2 Mai. Das Zollparlament hat beschlossen. den ntrag auf Erlassung einer Adresse durch Schlußberathung' im Plenum zu erledigen. Zu Referenten sind ernannt, die Abg. v. Bennigsen und v. Thüngen. — Die fsderalistische „süddeuische Fractiou“ hat einstimmig den Veschluß gefaßt, gegen Erlaß einer Adresse zu stimmen, einzelne Mitglieder derselben hatien sogar Richthetheiligung an der Adreßdebatte beantragt. Berlin 8. Mai. Gestern wurden hier die Ratificationen des postalischen Vertrages mit Belgien (betreffs kleiner Paket- und Beldsendungen) ausgetauscht. — Hr. Bankroft geht demnächst nach München um dort seine Creditide als amerikanischer Gesandler zu überreichen. Berlin, 3. Mai. Die Adreßdebatie im Zollparlament findet wahrscheinlich am nächsten Donnerstag statt. Wien 1. Mai. Die Abendpost sagt, sie habe Grund, die Richtigkeit der von der Allg. Ztg. gebrachten Sensationsnachricht —O— nimmt die Abendpost, daß der rumänische Minister des Aeußern an sämmtliche Vertreter europäischer Maͤchte in Bukgrest eine Note chtele, worin er die Judenverfolgungen in Abrede stellt und auf die Thätigkeit des osterreichischen Generalconsuls in Jassy tadelnd hinweist. Der österreichische Generalconsulin Bukarest richtete hierauf eine energische Note an Bratiano, worin er die Juden— verfolgungen bestimmt constatirt, die Angriffe auf den österreichi⸗ schen Generalconsul in Jassy zurückweist und Entschädigung der Betroffenen fordert. Wien 1. Mai. Der Wochenausweis der Bank für 22.28 April beziffert ein Einnahmeplus gegen die Vorwoche von 218,861 fl. — Im Abgeordnetenhaus brachte der Finanzminister ein Gesetz über Organisation der Handelskammern ein. Aus dem Lager der Ultramontanen in Ungarn ertönen Veherufe über Rebellion und Empörung. Mitglieder des niede— ren Klerus verbinden sich mit den Laien zur Opposition gegen die Bischfsfe. An der Spitze der Bewegung stehen die Puieflet