—A M Bi. a rer Unzeitter sundedas mit dem Hauptdlatte verbundene Unterhaltungsblatt, mit dee Dienstags⸗, Donnerslags⸗ und Sonnlagr —E wecttich vie rmal: Dienerag. Donnerstag, Samstag und Sonntag. Anonnementspreis vierteljährig 42 Krzr. odes 12 Sitvergr. Anzrigen werden mtt 4 Kryr. die dreispaltige Zeile Blattichrift oder deren Raum berechnet. — — — — — — 8 ——— — V 55. — Dienstag, den 8. April 1873. Deutsches WReich. München, 8Ap eil. Der k. Finarzminister Hr. Berr, oelcher bereits seit dem 18. Februar d. J. in Berliu weilte, ist 4 dam heutigen Mittagszuge von dort zurückgekehrt. Auch der Jukizminifter Hr. Dr, v. Fäustle wird bis nächsten Dienstag ui Bethjin zurkcerwariet und werden beide Herren wähcend der Ofterserien hier amtiren. Aus Elsaß-Lothringen, 2. Abpril. Die Bevölkerung cz Oberelsaß ift in nicht geringer ‚Aufreguug unheimlicher Vor⸗ ange im Lehrerseminar in Kolmar wegen. Dieses Lehrerseminar, as schon unter der französischen Regierung bestand, wurde auch mer preußifaer Hertschoft fortgeführt und zählte etwa 8090 zchüler. Ende Februar uno Anfangs März erkrankten sämmtliche zoglinge mit Ausnahme von etwa 10; alle Professoren aber er⸗ uen sich der besten Gesumdheit.Die Elltern zogen ihre kranken zdhns io rasch als möglich aus der Anstalt zurüch; einer der oͤglinge flarb in Colmar selbst, andere kurz nach ihrer Rüdckkehr ij die Heimath. Nach perbürgten Nachrichten“-betrug die Zahl a dereus Gistorbenen anfangs der letzten Woche 13. Gerüchte eben die Zahl größer an. Die Vermuihm.gen über die Ursachen er Kranlheit gehen weit auseinander. (FIr. 3.... — Berlin.“ Der Bundesrath wird über den Tabakssteuer⸗ atwurf erst nach Erstattung des Ausschußberichtes über die Bör— ensteuer und im Zusammenhang mit letzterem Beschluß fassen. Dem „Osserbatore Romano“ wird aus Berlin geschrieben, daß kürzlich eine hohe Person, ein Protestant, Uber die kirchlichen zesetze zu dem Kaiser gesagt habe: „Die wahre Verwirrung wird eginnen, wenn diese Gesetze von Euer Majestät sanktionirt sein derden und wenn Ihre Regierung dieselben wird einführen wollen. dann wird der Augenblick kommen, ich bin dessen gewiß, wo der urch die Gesetze verursachte Bcrand so groß sein wird, daß er as Gebäude der falschen Politik Bismarcks in den kirchlichen An⸗ elegenheiten zerstoͤren wird.“ Der Kaiser antwortete; „Beinahe derall werden mir Bemerkungen über diese Gefetze gemacht, aber ch kann die katholischen Priester weder in Deutschland noch in grenßen tegieren lassen.“ Wie das „D. W. Bl.“ hört, ist die dersönlichkeit, welche diese Unterredung mit Se. Maj. geführt hat, ind welche der „Osservatore Romano“ nicht nennt, der frühere Ninister Herr v. Bodelschwingh gewesen. — Fraͤnkreich. Das neuste Hest der Redue des deux Mondes“ bringt unter em Titel . Die deutsche Presse im Jahr 1878 einen längern ꝛemerlenswerihen Artikel aus der Feder des Hrn. Albert Sorel. darin warnt derselbe seine Landsleute, aus den Streitigkeiten, welche die deutschen Zeitungen unter sich hätten, den Schluß zu iehen, daß Frankreich in Deutschland eventuell auf Bundesgenossen aühlen könnte. Er meint, daß wenn die Teutschen einmal den drieg mit Frankreich für unvermeidlich hieten, sie es als eine sflicht ihrer Regierung betrachten würden, den Franzesen zuvor⸗ ukommen und ihnen keine Zeit zur Vollendung ihrer Heeresorga⸗ nisation zu lassen. Ganz Deutschland würde mit derselben Ein⸗ nüthigkeit und Begeisterung wie im Jahre 1870 die Waffen er⸗ reifen und Europa würde Frankreich wiederum im Stich lassen. Frankreich solle deßhalb den Revanchekrieg nicht allzufrühzeitig in Scene setzen, es brauche noch langere Zeit, um seine Armee der neutschen ebenbüͤrtig zu machen, wenngleich der Verfasser den JZeilcaum etwas kürzer bemißt, als der Hauptmann Pohns vom sroßen Generalstab, dessen Werk über die franzöfische Armee man ehr aufmerksam in Frankreich gelesen zu haben scheint. Auch aus diesem, mit Sachkenntniß und großer Mäßigung geschriebenen Artikel ersehen wir von Neuem, daß alle Parteien und alle Poli— iler in Frankreich nur von dem einen Gedanken beseelt sind, an deutschland Revanche zu nehmen Rermischtes. 73weibrücken, 5. Aprtil. Hr. Prof. Stichter dahier jat von St. Maj. dem Kasser die Kricasdenkmünze für Nichtkom— attanten erhalten Neustadt, 4. April. Den HH. Mechanikus Schmitt und Holzschnitzer Kreuder von hier wurde von kal. Regierung ein Stipendium von je 100 fl. zum Besuche der Wiener PWeltausste!- ung bewilligt. Berlin, 29. März. Bei dem parlamentarischen Diner, velches der Reichsskauzler Fürst Bismarck am Dienstag gab, war zer Fuͤrst in seiner besten Laune. Als nach aufgehobener Tafel ine Gemahlin den Gästen die Cigarren herumreichte und der Fürst seine large Pfeife anzündete, erzählte er unter mannigfachen Ibentellern aus dem letzien Kriege auch nachfolgende drollige Hi— torie: Er kam spät Abends nach vielstündigem Nitte ermüdet und jundrig auf der vielgerühmten Besitzung des Barons von Roth- child an. Der Haushofmeister von derridres begegnete den beschei⸗ enen Wünschen des damaligen Grafen nach Speise, Trank und dager mit hochfahrenden französischen Worten, die darauf hinaus iefen, daß Nichts für den Herrn Offizier vorhanden sei. Unser Reisender er'annte in dem wohlbeleibten Diener des Pariser Gold- onkelß einen Sohn der freien Stadt Frankfurt und fragte ibn eutsch, ob er wisse, was ein Strohbund sei? Der gute Frank- urier sah ihn verblüfft an. Bismarck meinte weiter, an einen olchen Strohbund werden renitente Haushofmeister mit dem Rüden n die Höhe gebunden, und das Andere ergebe sich dann von elbst .. In weniger als einer Viertelstunde war alles Gefor- zerte da. (Schlechte Ausfichten für den Katzenjammer.) Die Früh⸗ ahrs⸗Häringsfischerei an der norwegischen Westküste kann jetzt als eende i angesehen werden. Das Resultat derselben aber leider nur ein maͤßiges. Man nimmt an, daß im füdlichen Distrikt, 3,000 Tonnen, im nördlichen 40,000 und bei Söndmöͤr 6000 efischt worden sind. Außerdem wurden um Neujabr gegen 15,000 ronnen Neu-Häringe, im Ganzen also circa 80,000 gefischt. Da⸗ jegen gibt die Lofodenfischerei fortdauernd eine gute Ausbeute; es hird angenommen, daß bis zum 9. ds. Mts. über 53 Millionen efangen waren. Dienstesnachrichten. Durch Allerhöchste Entschließung vom 30. März abhin wurden vom 16. April l. J. an auf Ansuchen versetzt: der k. Landrichter Hermann Fries son Wolsstein nach Edenkoben, der k. Landrichter Carl Kieiferr von St. Ingbert nach Frankentbal. Landwirthschaftliches Von Dr. Schneider in Worms. (Pserdeh äcksel.) Bekann iich wurde vor 10 bis 13 Jehren ziemlich Agemein, und zwar nicht nur in der Fach-, sondern auch in der Tagespresse mpfohlen, das Häcksel füur Pferde so kurz als möglich zu schneiden. Nun at aber Dr. Haubner in Verlin die Beobachtung gemacht, daß Pferde, enen man das Häcksel sehr kurz geschnitlen verabreicht, viel merr zu Ver- auungsbeschwerden disponirt werden, als wenn das Häcksel mehr lang ge⸗ chnitten, zut Verabreichung kommt. Erklären läßt sich die Sache leicht so, zaß das kurz geschnittene Hächsel fich zu sehr dem Kauprozesse entzieht, und n Folae mangelhaffer Feneibelune eeareNerballungen Anlaß gibt (Eingesandt.), Wie gerüchtweise verlautet, soll die hiesige „Fortbildungsschule“ ein recht gutes Examen be janden und der Herr Prüfungs-Commissär sich sehr günsting iber dieselbe ausgesprochen haben. Es ist dies jedenfalls ein so reudiges Eseigniß, daß es verdient, der Oeffentlichleit wie andet- xts übergeben zu werden, und wäre es wünschenswerth, einiges Nahere darüber von einem Zubörer zu vernehmen. Ein Schulfreund. Einjähriges MilitärExamen. Bei der letzten Prü— ung in Karlsruhe sind von den 34imInternatisnal⸗ debrinstitute zu Bruchsal vorbereiteten Kandidaten 22 estanden, so daß von ihren bisherigen 189 Kandidaten 151 diese Prüfung glücklich abgelegt haben. — Zwei besondere Curse, ein nterer und ein oberer von ie 5 Monaten beginnen am 22. Iprit d. J. —— — — — — R XDemes verantwortlicher Redacteur