St. Ingberler Anzeiger. — — — — — der St. In,berter Anzeiger (und das mit dem Hauotblatte verbundene Unter haltungsblau, mit der Dienstags⸗ Donnerstags⸗ and Sonntag lanmer erscheint wochentlis viermal; Dinstag, Donnerbtag, Samztarg aad Son ntag. Aaonnementspreis vierteliührig 42 Krit. vder 12 Silbergr. Anzeigen werden mit 4 Krzr. die dreispaltige Zeile Blattschrift der deren Raum berechnet. — — — — öTM — — — Sonntag, —53 ni. e 7 7 8 F J 1874 ———— — — — * — —— —— Einladung zum Abonnement. Zu dem mil dem J. Juli beginnenden 8. Qudrtate ersu hen wir hofl., die Bestellungen bei der Post unverweil! nachen zu wollen. * Unsere verehrl. Abonnenter welchedas Blatt durch unfere Träger beaieden, bekommen dasselben fortgeliefert, wenn nicht v oer QAuartalsablauf abbesiellt wird. — Preis und Ersche'nen leiben unberändert. Zu Zahlreichem Abonnement ladet ergenst ein AA?x Die Etpedition. kam am 26. Jannar d. J. Nachmittags, wie eb schien, angetrunken, n die Wirthfchaft von Adam Kramer in der Oggersheimer Stra— ze zu Ludwigshafen. Er bot hier feine· Waare feil, konnte jedoch Nichts verkaufen uͤnd schien darüber ärzetlich geworden zu sein; denn als die Frou Kramer die Bezahlung von 2 Glaschen Brannt⸗ vein von ihm begehrte, nahm er sit sofort am Halse und juchte ije zu. wüͤrgen, wobei Beidezu Boden“ fielen. Auf deu Hilferuf der Angegriffenen eilke der! imt Hause wvohnende Ange-⸗ agte herbei, faßte den Reith und drängte ihn zur Thür hinaus wden Gang Hier fieß er nun mehrmals mit dem Ruf: „Wenn h sage, Dur mußt hinaus, so rußzt Du hinauq,“ den Kopf des Händlers dermaßen an die Wand, daß es schallte, Als er den rißbandelten tosgelassen hatte, taumelte derselbe auf die Straße und brach dann zusammen, hatte offenbar auch das Bewußtsein verloren, da er von nita keint zusammenhängenden Worie mehr zu sprechen vermochte. Nachdem Ltelwa eine halbe Stunde, an der Ftraßen böschung gelegen hatte, führten ihn zwei Arbeiter um ihm üt die Nacht ein Obdach zu verschaffen, an das Polizeigefangniß, vo ihm doch die Aufnahme dersagt wurde; pon. da wurde er zald hierher, bald dorthin verbracht, bis man ihn endlich wieder an die Straßenboschung legle. Während man ihn so von einer Stelle zur andern brachte, fiel er mehrmals auf ben Boden, und a man ihn für einen Schwerbetrunkenen hielt, fo fehlte eßs an *töhen, Mißhandlungen und rohen Späßen nicht. Zweil Arbeiler anden ihn um halb 7 Uhr-noch an der Böschung liegen und ührten ihn, um ihn in's Warme zu bringen, wieder in die Kramer⸗ che Werthschaft. Hier nahm er keine Getränk⸗ mehr zu sich, son- ⸗ern er legte sofort den Kopf auf den Tisch und schien zu schlafen, »is er gegen 10 Uhr von dem cdenfalls in der Wirthschaft an— desenden Augeklagten, da die Kramr'schen Eheleute sich weigerlen, hmn für die Nachi Leinen Unterschlupf zu gewaͤhren; wieder hinaus nuf die Straße an die Böschung gelegte wurde., Man gas sich hiebei det Ansicht hin, daß er in der kalten Nachtluft am besten jeinen Rausch ausschlafen könne. Keine mitleidige Seele glaubte dem Ungluͤckti hen ein Obdach gewähren zu dürfen, von der Poli— et war auch schon Mitiags wahrend der standalösen Aufiritle nif der Straße Nichts zu sehen und zu hören.⸗ Reith lag die zanze Nacht über im Freien und erst am andern Morgen wurde er anscheinand todt in's Spital verbracht wo dann Miltags um 8 Uhr der Tod feinent Leben ein Ende machte. Die von dem kgl. Bezirksarzte in Ludwigshafen vorgenommene Sektion der Leiche rgab, daß die von dem Angeklagten vorgenommen n Mißhandlun⸗ jea, welche eine Zertrümmerung des allerdings abnorm důnnen Zchädels und einen großen Bluterguß in die „Schädeltöhle zur Folge hatten, den Tod des Reith verursacht haben, wenn derselbe iuch durch die anderseits erfahrene Behandlung beschleunigt werden ein mochte. Der Angeklagte hat sich auh wegen Diesstahls, zu »erantworten, welchen er an den ihm Kramer'schen Wirthschaftslokale arückgebliebenen Waaren des Gelödieten durch zWWegnahme einer Bettstren und eines Stückes Baumwolltuch verübl hatte. Er gibt auch zu, die Beitsteeu ich angeeignet zu haben, leugnet jedoch, sonst noch Etwas genoumen zu haben. Die an dem Reith verübten Mißhandlungen leugnet er entschieden; er will denselben uur mit den Armen umfaßt und auf den Gang gebraut haben. hiebein habe derselbe von der Frau Kraner einen solchen Stoß erhalten, daß er mit dem Kopfe heftig an die Wand gefahren sei. Von der Vertheidigung wird ausgeführt, daß micht nachgewiesen sei, daß her Angeklagte der Thider sei, indem er Hauptzeuge. der Dietz behaupte, vollständig unglaubwürdigsei. Jedenfalls fei die Frage der mil⸗ dernden Unstände zu bejahen, da der Angeklagte nur einen Erzeß der Nothwehr begangen habe uad der Schäpel des Getödtelen yon ungewöhnlicher Dünne gewesen sei. Die Geschworenen sprachen ven Angeklagten der Koͤrpervericzung mit nach zefolgten Tore, eboh unter Annahme mildernder Umstände, so vie des Diebstahls, ür schuldig, worauf derselbe, in eine Gesammitstrafe don2 Jahren vefängniß verurtheilt wurde. Deutsches Neich. Bersin, 18. Juns. Die Vrsv.⸗Korbeofchteibt übet pas hefinden des Kaisers: „Eine Zeit“ Tange war“ die, Hoffnung ur die Wiederkräftigung des erhabenen Füesten Zorzugsweise auf Nie alt ervähnte Kur im Frühjahre gesetzt. Inzwischen hat di⸗ jute Natur des Kaisers nach Ueberwindung des eigentlichen Krank jeitaanfalles sich über alles Erwarten rasch und wirksam in ihrer alten Kraft bewährt, und der Kurgast kommsnicht mehr als Re— lonbaleszent, sondern in alter Weise nur zu weiterer Erfrishung nud Kräftigung an die heilbringenden Quellen. Um so fester darf die Zuversicht sein, daz die Wirkung des Bades Ems und des er— quickenden Aufenthalts in dem schönen Lahnthale, sowie die weitere bommerkur an der wuuderkräftigen Quelle von Gastein dem mäch izen Fürsten wieder volle Frische und Stärkuig für die weitere ͤrfüllung seines erhabenen Berufes bringen werden. Vach einem Telegramm der N. fr. Pr. wurde Rochefort bei seiner Landung im irischen Hafen Queenslowo vom Volk⸗ nicht mit Nieder Rochefort,“ wie den dentschen Zeitungen telegraphirt durde, fondern mit größtem Enthusiasmus empfangen. Die Polizei habe Exzesse nur mit Mühe verhindert. J Fraukreich. Paris, 19. Juni. Don Kactlos' n Paris angekommen und wird nach der xr Herr Gemahl bald nachfolgen ))* In der Rue Amelot, die beknntlich in der Nähe des Win⸗ xrkus liegt, ist ein großes Feuer ausgebrochen, das 70 Familien odachlos gemacht hat. Der Schaden ist ein seht gtoßer. — Es tht das Gerücht, unter den bei Clement Dudernois mit Beschlag leglen Papieren befänden sich auch eine Anzahl Privatbriefe der daiserin, welche die: Polizei trotz des Dazwischentretens einflußrei⸗ xer bonapartister Persönlichkeiten aicht herausgeben wolle. — Die erkan sche Zeituzg The Rew-NYork Herald ist gestern in den kiobks und allen Luͤden coafiscict worden, weil dieselbe Brund⸗ ütilet aus der Feder Rocheforts enthielt, ebenso wurden die Gazette Vrance und Figaro confiscirt, die Auszuge aus Rochefortz Ar- kel gebracht. Spanien. Naderind, 18. Juni. Einer Meldung der „Geeeta“ zu—⸗ x sind die Carlisten u iter: Don Alphons, 1200 Manm sierk, Alcora geschlagen worden. Der Sohn des Infanten, Heinrich, tim Gefecht gefallen. Vermischtes. — f Zweibrücken, den 17. Jun. (Sh vargerichts- Ver— audlungen pro D. Quartal.) Johanaes Leher, 27 Jahre 'alt, diget Maurer aus Dudenhofen, zuletzt in Ludwigshafen wohnhaft, den Korperverletzuug mit nachgefolgtem Tode und wegen Nbstahls. Staatsbehörde: Staatsan valt Petrie; Vertheidigung: lechtskanditat Tisch. Der Angeklagte genießt einen sehr getrübten Leumund; er Are als ein arve stsscheuer, heftiger, roser und gewältthätiger, oun häufig bestrafter Mensch geschildert, der sich heute wegen „erderletzung mit nachgefolgtem Tode und wegen Diebfsahls zu ruwotten hat. — Der Hausiter Sinon Reith von Karlsberg Zw. Zig