St. Ingberlker Anzeiger. Der St. Iugberter Anzeiger und das (2 mal wöchentlich) mit dew Hauptblatte verbundene Unterhaltungsblatt. (Sonntags mit illustrirter Vei⸗ lage), erscheint wochentlich viermal: Dieustag, Donnerstag, Samstag und Sonutag. Der Abonnementépreis beträgt vierteljährlich Mark 20 R.⸗Pfg. Anzeigen werden mit 10 Pfa., von Auswärts mit 15 Pfar. für die viergespaltene Zeile Blattschrift oder deren Raum. Neclamen mit 30 Pfq. pro Zeile berechnet. M 62. Donnerstag, den 20. Avpril 1876. Deutsches Reich. Münrchen. Nach dem Mobilmachungsplan für die bayerische Armee werden im Movilisirungsfall zwei Reservecavalerieregimenter errichtet und sind schon im Frieden die dazu noͤthigen Vorraͤthe hereit zu halten. München. Zu der hiesigen Kunstgewerbeausstellung sind chon Gegenftände im Werth von 5 Millionen Mark angemeldet, darunter das beruhmte Elfenbeinlkästchen des Christoph Angermeier, m Werth von über 150,000 Mark. Berlin, 13. April. Die „Berl. Aut. Corr.“ erläßt einen Mahnruf an die reichsfreundlichen Wahler. Es heißt darin: Die sothwendigkeit, die nächsten Reichstagswahlen vorzubere ten, wird e länger je mehr empfunden. Es ist die Zeit gekommen, um die jum Reiche stehenden Wähler mit dem Bewußtsein zu erfüllen, daß ie gegen die theils schon an das offene Licht des Tages sich her⸗ dorwagenden, cheils noch im Verborgenen schleichenden Anschläge Fider die nationale Eatwicktung im Reiche sich einmüthig zujam- menthun müssen, wenn nicht diese Entwicklung auf länge Zeit hi⸗ aaus geschädigt werden soll. Berlin, 15. April. Der Reichskanzler verkündet die vom Bundesrath jüngst angenommenen, mit dem ersten Juni in Kraft retenden Abändetungen des 8 48 der Betriebsordnung —X Fisenbahnen. Es handelt fich dabei um die Beförderung gefährlicher Substanzen. So darf Schwefeltohlenstoff (Schwefelalkohol) aus⸗ chließlich auf offenen Wahen ohre Decktuch und unter anderen nur n Gefähen aus starkem, gehörig verniethetem und qut verlöhtetem isenblech bis zu 800 Kilogt. Indalt befördert werden. (K. Z.) Verlin, 17. Apruͤ. Der Kaiser, der von seinem Unwohl⸗ sein, einem leichten Magenlatarrh, völlig wieder hergestellt ist, wird morgen seine Resse nach Wiesbaden antreten. Dort gedenkt r 14 Tage zu verweilen und dann zum Empfange des Kaisers von Rußland wieder in Berlin zu sein. Fürst Gortschalow be⸗ gleitet seinen Souverain hierher und wird wahrscheinl'ch noch einige Tage nach dessen Abreise hier bleiben. Fürst Bismarck, der nach Zeilungs-Nachrichten längst ir Lauenburg sein sollte, hat Berlin Jar nicht verlassen, beabsichtigt auch nicht, in nächster Zeit zu ver⸗ deisen. Für die zweite Hälfle des Mai soll die Kur in Karlsbad ind eine Nachkur in der Schweiz, wo sein Sohn jetzt als Gee jandtschasts Aitoche angestellt ist, oder in Baden in Aussicht ge⸗ aommen sein. Es heißt, Bismarck warde bei dieser Gelegenheit noch einmal mit Gortschakow in der Schweiz zusammentreffen; zoch sind dies Alles Gerüchte, die noch der Bestätigung bedürfen. Berlin, 18. April. Zwischen den Kabineten von Berlin, Wien und Petersburg herrscht lebhafter diplomatischer Verkehr. Man erwartet ein geme'nsammes Vorgehen der Oreilaiser⸗ Mächte m Orient. Die Kabinete wollen eine energische Note an die Tür⸗ ei betreffs Ausführung der verheißenen Reformen richten. Gegen— iber Wiener Blätter wird hier auf's Bestimmteste behauptet, daß »as Dreikaiserbündniß keine Lockerung erfahren. Die „Nordd. Allg. Ztg.“ bringt an der Spitze ihres Blattes rei Correspondenzen, welche sie als von unterrichteler Seite kom⸗ nend bezeichnet. Die beiden ersten, datirt Petersburg, den 16. und Wien, den 15. Apil, besprechen die orieatalische Frage und betonen, zaß die Situation nichtz Gefähe dendes enthalte und daß das volle Finverständniß der drei Kaisermächte fortdauere. Der Vorwurf, daß Rußlond Hintergedanken habe und ein doppeltes Spiel trebe, sei auf das Bestreben zurückzufühten, zwischen Rußland und Oester⸗ reich Unfrieden zu stiften, nachdem der Versuch zwwischen Rußland und Deutschland Unfrieden zu säen, sich als hoffnungslos erwiesen habe. Voutkommenste Loyalität sei ein hervorragender Characterzug der Politik des Kaisers Alexander. Der Abg. Lasker wird mit dem Ende der Parlamentsferien aus Freiburg h'erher zu den Geschästen zurückkehren. Frankfurt, 15. April. Der finanzielle Ruin der Türkei, ver droherde — und wohl auf die Dauer auch unvermeidliche — Zusamm⸗nbruch des egyptischen Staatsschatzes, versetzen den eng- lischen und französischen Kapitalisten gewastige Schläge und schädigen Ferart indirekt auch die deutschen Fondsmärkte. Der Londoner „Economist“ hat ausgerechnet, daß an Türken, Peruaner und xghptern innerhalb eines Jahres nicht weniger als 80,949,000 di. verloren gegangen sind. Die österreichscheungarischen Eisen⸗ ‚ahnaktien und Prioritäten erfuhren in letzter Zeit eine Werthsein- »utße von ca. 1850 Mill. Gulden (300 Millionen Mark); an den Akllen der älteren Wiener Banken sind seit 1878 ca. 570 Mill. Mark verloren worden. Uad noch immer leider scheint die Ver⸗ lustliste nicht abgeschlossen zu sein! Deutsche Staatefonds bleiben bei schwachen Umsätzen sehr fest. Desterreichische Renten waren dagegen wiederum rückgängig; in natter Haitung vertehcten ferner ungarische Staatsanleihen. Auch stussen und Spanier haben im Course eingebüßt. Ausland. Madrid, 18. April. Es sind Anordnungen zur Anwer⸗ zung von 16,000 Freiwilligen, die nach Cuba bestimmt sind, zetroffen. Limerick, 18. Aprꝛil. Bestern hat zwischen 4000 Anhängern jer Homerule Partei und 400 Nationalisten, denen sich auch die seste der Fenier augeschlossen hatten, ein Zusammenstoß stattge⸗ unden, hierbei wurden etwa 46 Personen verwundet. Ja Folge ieser Vorfälle durchz'ehen Polizeipatrouillen die Straßen der Stadt uind ist das Militär konsignirt. New-York, 15. April. Der Kaiser von Brasilien ist hier angekommen und von den Ministern Fish, Taft und Robeson npfangen worden. Die Kriegsschiffe im Hafen und die Forts hewillkommten ihn durch Salutschüsse. Vermischtes. 4In Zweibrücken ist am 17. ds. Kirchenrath und Decan Ihr. Müller, 86 Jahre alt, in Folge von Altersschwäche gestorben. Zweibrücken, 18. April. (Zw. 3.) Sicherem Ver⸗ rzehmen nach ist die staatliche Aufsicht über das Doflein'sche und drömmelbein'sche Mädcheninstitut in Zweibrücken, sowie über die söhere Töchterschule in St. Ingbert nach Maßgabe des 8 12 der Allerh. Verordnung vom 18. April 18783 über die Privat«Unter⸗ ichtss und Erziehungs-Anstalten dem k. Gewerbschullehrer Hin. Johannes Luxenburger in Zweibrücken von der Hohen Königl. segierung der Pfalz übertragen worden. . Wie neulich in Kirchheimbolanden, so mußte dieser Tage nuch in Speyer eine Holzversteigerung ausneletzt werden wegen Mangel an Steigliebhabern. Die seither so enorm hohen Holz⸗ zreise scheinen demnach einen Rückgang zu erleiden. Der „Sp. Zig.“ schreibt man aus Dannstadt, 15. April: Bestern Nacht wurde dahier die sogen. Friedeuslinde von ruchloser dand beschädigt, indem an mehreren Stellen die Rinde abgeschnitten wurde. Behufs Ermittelung des Thäters setzt der Gemeinderath einstimmig (Katholiken wie Protestanten) eine Belohnung von 100 Mark für den aus, welcher Auskunft über den Thäter geben kann. Pfalzisches Dienstbotenstift. (Pf. K.) Da der Zweck und die Organisation des Siiftes Vielen aoch nicht hinlüng— ich bekannt sind, so theilen wir aus den Statuten desselben Fol⸗ zendes mit: Das Stift soll zur Verdesserung des Dienstbotenwesens drenen. Zu diesem Behufe soll zuvörderst ein Vermögensstock ge⸗ hildet werden aus freiwilligen Beiträgen, Geschenkea, Vecmächt⸗ nssen ꝛc. Aus den Zinsen dieses Vermögensstochs sollen, sobald erselbe auf 50,000 Mark angewachsen ist, zur Belohnung braver falzischer Dienstboten a) Aufmunterungspreise, b) Prabenden ver⸗ heilt werden. Die Aufmunterungspreise bestehen: in einem Ehren⸗ xiefe und in Geldbelohnungen, deren Größe sich nach den vor⸗ jandenen Mitteln zu richten hat. Anspruch auf einen Aufmunter⸗ ingepreis haben alle Dienstboten, welche sich durch fünfjährige bei ein und derselben Hetrschaft, mit derselben im Familienbande ebend, Kost und Vohn beziehend, geleistete treue und eitrige Dienste