St. Ingberler Anzeiger. Her Et. Jugberter Auzeiger und das (2 mal wöchentlich mit dem Hauvtblatte verbundene Unterhaltiungsblatt. (Sonntags mit illustrirter Bei⸗ lage) erscheiat wöchentlich viermal;: Dieustag, Donnerstag, Samstag und Sonntag. Der Abonunemeuntoevpreis beträgt vierieljährlich MA 40 S einschließlich Tragerlohn; durch die Post bezogen JI A 60 J, einschließlich 40 3 Zustellgebüuhr. Auzeigen werden mit 10 B, von Auswärts mit 15 A fur die viergespaltene Zeile Blattichriit oder deren Raum, Reclamen mit 30 3 pro Zeile berechnet. 4160. Donnerstag, den 7. Oktober 1880. Deutsches Neich. In Folge des Ablebens des bayerischen Gesandten am talienischen Hof, Frhrn. v. Bibra, hat Se. Maj. der König den Legationsraih Dr. Rumpler mit der interimistischen Fühtung der gesandtschaftlichen Geschäfte beauftragt und ist derselbe bereits nach Rom abgegangen. Seit dem letzten Kriege ist es bis jetzt noch nicht gelungen, den entstandenen Verlust an Offizieren in der bayerischen Ar⸗ nee ganz zu decken, und besteht immer noch ein nicht unbedeutender Mangel an Sekondelieutenants, hauptsächlich bei der Infanterie und den Jägern; dieser Mangel wird mit der Formirung eines veiteren Infanterie-⸗Regiments, für welches gegen 60 Offiziere er⸗ 'orderlich sind, und von 2 Feldbatterieen noch empfindlicher werden ind die Zahl hundert weit übersteigen. Die Aussicht auf baldige Beförderung zum Offizier ist daher gut. Wie aus Berlin geschrieben wird, hat der Kaiser die vom Fürsten⸗Reichskanzler ausgehende Vorlage, betr. die Errichtung ines Volkswirthschaftsrathes, bereits unterzeichnet und wird dieselbe zunächst dem preußischen Landtage vorgelegt werden. ommt dieselbe zwischen den beiden gesetzgebenden Faktoren in Preußen zu Stande, so dürfte deren Ausdehnung auf das ganze Reich wohl nur noch eine Frage der Zeit sein. Fürst Bismarck »enkt sich diesen Volkswirthschaftsrath, der übrigens in Permanenz erklärt werden soll, so, daß sämmtliche Wirthschaftsgruppen: Groß⸗ ndustrie, Handel, Kleingewerbe und Landwirthschaft darin Ver— retung finden. Wenn diese neue Einrichtung im wirthschaftlichen Leben segensreich für die Wohlfahrt des Reiches wirken soll, dann erwartet den Volkswirthschaftsrath keine leichte Aufgabe. Die so derschiedenen Interessen der einzelnen Erwerbsgruppen nur einiger⸗ maßen auszugleichen und die vorhandenen Gegensätze möglichst zu »ersohnen, ist wohl eine Aufgabe, welche man wohl fast zu den ibsoluten Unmöglichkeiken rechnen muß. Doch hoffen wir das Beste; hat doch der Reichskanzler die Wiedererrichtung des deutschen steiches fertig gebracht, also wird er wohl auch die Kraft haben, den inneren Ausbau desselben immer mehr auszugestalten. Die „Nordd. Allgem. Ztg.“ wendet sich gegen die Zeitungs⸗ ritik hinsichtlich des Projektes eines volkswirthschaftlichen ZSenates und schreibt diesbezüglich: Nachdem der Staatsrath nicht mehr in Wirksamkeit ist, wird man dem Könige wie den ollegen des Ministers, der aus seinem Ressort das Gesezz einbringt, das Recht nicht bestreiten können, den Rachweis zu fordern, daß ille betheiligten Interessenkreise zu Worte gelangten, bevor ein ẽntwurf mit der Unterschrift des Königs und des gesammten Staatsministeriums amtlich vor den Landtag tritt. Keinesfalls oͤnne ein gewissenhafter Minifter daraus, daß Industrielle, Land⸗ virthe und Kaufleute die wirthschaftlichen Interessen besser verstehen, in Motiv entnehmen, gerade diese Sachkundigen nicht zu befragen. die „Norddeutsche“ zweifelt nicht daran, daß im volkswirthschaft⸗ ichen Senate die Arbeiter edentuell eine Vertretung finden werden, vodurch ihre besonderen Interessen wahrgenommen werden können. Ddie Arbeiter wissen sehr gut, daß fie bei Weitem das Meiste der Anregung und Wirksamkeit der Arbeitgeber verdanken. Beide können ohne einander nicht bestehen, find daher darauf angewiesen. Diver⸗ zenzen unter einander auszugleichen. Das neuste Heft der ,Monatshefte für die Statistik des deut⸗ chen Reichs“ bringt eine Uebersicht üuber die Sch ulbildung der in den letzten Ersatzjahren in die deutsche Armee und Marine ein⸗ gestelltn Mannschaften. Darnach wurden eingestellt im Er⸗ atzjahr 1879,80 140,881 überhaupt; in der deutschen Sprache ge⸗ drüft 132,660; nur in einer andern Sprache 6004; ohne Schul⸗ zildung waren 2217. Die Eingestellten, die weder schreiben noch lesen konnten, betrugen 1,57 pCt. der Gesammtzahl gegen 1,80 pCt. m Jahre 1878,79, gegen 1,73 pCt. im Jahre 1877/78, gegen 2,12 pet. im Jahre 1876,77 und gegen 2,37 pCt. im Jahre 1875,76, so daß sich der Stand der Schulbildung bei Armee und Marine um nahezu 1 pCt. in den letzten fünf Jahren gebessert hat. Daes Erscheinen des badischen Bisthumsverwesers Kuͤbel bei den kaißserlichen Majestäten in Baden⸗Baden lam Montag) wird angesichts der obwaltenden Verhältnisse des Augenblicks lebhaft besprochen. Eine solche Begrüßuͤng hat in rüheren Jahren nicht Statt gefunden, und man öringt daher den Borgang mit der Kölner Dombaufeier in Verbindung. Man will iun den Kübel'schen Besuch in Baden-Baden im Sinne eines ent⸗ jegenkommenden Schrittes der Kurie auslegen; wie weit Das richtig st, wird sich zu zeigen haben. Ausland. Garibaldi hat sich nach Genua begeben, um seinen daselbst nhaftirten Schwiegersohn Canzio zu befreien. Die italienische Re— zierung hat umfassende Vorkehrungen getroffen, um eine gewaltsame Befreiung Canzio's unmöglich zu machen. Die Garnison wurde erstärkt und im Hafen sind drei Kriegsschiffe eingelaufen. Und eine solche Machtentfaltung ist nothwendig zur Aufrechterhaltung eines richterlichen und gesetzlichen Urtheils, durch welches sich ein halb kindischer Greis in seinem Schwiegersohne gekränkt fühlt! Die „Agence Havas“ meldet aus Ragusa: „Montenegro dringt auf sofortige Unterstützung von Seilen des Geschwaders. Man glaubt, Seymour, welcher sich nach Cettinje begeben hat, verde Montenegro rathen, Dulcigno sofort anzugreifen, indem er eine Unterstützung mit oder ohne Beihilfe der anderen Mächte in Ausficht stellen werde. Das „Reuter'sche Bureau“ meldet aus Konstantinopel: Die Pforte erklärte in einer neuen am 4. Oktober den fremden Botschaftern zugestellten Note, sie sei, um dem fortgesetzten Drängen der Mächte nachzugeben, entschlossen, über alle schwebenden Fra— zen zu verhandeln. Sie werde bemüht sein, die Albanesen zur lebergabe Dulcigno's unter den den Mächten von ihr bereits mit⸗ getheilten Bedingungen zu bestimmen, und schlage zur Regulirung )er griechischen Grenze eine Linie vor, welche nördlich von Volo deginnen, südlich von Larissa, Metzowa und Janina laufen und in der Mündung des Arta-Flusses endigen solle. Die zugesicherten Reformen würden in Kleinasien innerhalb dreier Monate eingeführt werden. Die Reformen in der europäischen Türkei könnten nur in so weit verwirklicht werden, als sie mit der Integrität des Rei— hes verträglich seien. Die ausländischen Besitzer der türkischen Schuldobligationen würden aufgefordert werden, Vertreter nach Konstantinopel zu senden, um Vereinbarungen zu treffen. Gewisse Finnahmen des Reiches würden zur Bezahlung der Zinsen den ürkischen Gläubigern überwiesen werden. Die Pforte dringe unter der Bedingung (Zusicherung?) dieser Reformen darauf, daß die Flottendemonstration von den Mächten aufgegeben werde. (Mit anderen Worten: die Pforte will von neuem unterhandeln über Dinge, über welche schon längst verhandelt und Beschluß gefaßt vorden ist; sie sucht eben Zeit zu gewinnen.) „Daily News“ bemerkt zu der neuesten Note der Pforte, die britische Regierung könne sich, ohne sich zu diskreditiren, nicht zurückziehen. Das britische Volk sei nicht in der Laune, die Unter⸗ verfung Englands unter die Befehle der türkischen Pascha's ruhig unzusehen. Das Blatt räth der Regierung zu einer enischlosseneren daltung. Londoner Nachrichten zufolge ist die letzte türkische Note mannehmbar. Alle Mächte wünschen Aufrechthaltung des euro—⸗ »äischen Konzerts und erwarten die Vorschläge Englands. Man »laubt, daß die Blockirung der türkischen Häfen werde vorge— chlagen werden. Vermischtes. *St. Ingbert, 6. Okt. In der heutigen Schöffensitz- uing kamen folgende Fälle zur Verhanblung: Ein Bursche von —A Oberwürzbach wurde wegen Körperverletzung zu einer Gefängniß— trafe von 1 Monat und ein anderer von Alschbach, dermalen zu steunkirchen, wegen Betrugs zu einer Gefängnißstrafe von 2 Mo—⸗ aaten 14 Tagen verurtheilt. *Si. Ingbert, 7. Okt. Franz Lieser, Uhrmacher von 5t. Ingbert, z. Z. in Blieskastel, welcher am 8. September abhin durch das hiesige Schöffengericht wegen Unterschlagung von ca. 70 Mark zum Nachtheil des früheren Postboten Felix zu einer