St. Ingberler Anzeiger. * St. Ingberter Anzeiger und das (2 mal woͤchentlich) mit dem Hauptblatte verbundene Unterhaltungsblatt. Sonntagse mit illustrirter Bei⸗ lage) erscheint woͤchentlich viermal? Dienstag, Donunerstag, Samstag und Sonutag. Der Abonnementsvpreis beträgt vierieljährlich 1 40 einschließlich Trägerlohn; durch die Post bezogen 1 A G H, einschließlich 20 Zustellgebuhr. Anzeigen werden mit 10 H, von Auswarts mit 15 — fur die viergespaltene Zeile Blattichrist oder deren Raum. Neclamen mit 30 A vro Zeile berechnet. —X Donnerstag, den 25. August 1881. Deutsches Reich. Der König von Bayern hat unterm 11. ds. genehmigt, daß die seit 1879 geschaffene Sammlung in München, in wel⸗ her nunmehr die für die Entwicklungsgeschichte des vaterländischen heerwesens charokteristischen Waffen und Rüstungen ꝛc., dann die riegs⸗Trophäen und zur Erinnerung an hervorragende Persönlich⸗ seilen der Armee geeigneten Gegenstände vereinigt sind, die Bezeich⸗ nung: „Königlich baäyerisches Armee-Museum“ führe und dem allgemeinen Besuche zugänglich gemacht werde. Die Eröffnung dieses Museums soll heute als am Geburts- und Namensfeste des Rönigs stattfinden. Der deutsche Kaiser und König von Preußen hat dem k. b. Regierungspräsidenten Frhrn. v. P feufer Erüher Minister des Innern) den rothen Adlerorden 1. Klasse verliehen. Wie von Berlin aus mit ziemlicher Bestimmtheit gemeldet wird, soll der Reich stag bereits im November einberufen derden. Was das dem Reichstag vorzulegende Material anbelangt, so dürfte sich dasselbe zunächst auf drei Gegenstände beschränken, nämlich den Etat, die Vorlage wegen des Reichsantheils an den osten des Hamburger Zollanschlusses und den Entwurf über den Gewerbebetrieb im Umherziehen. Die Vorlage über die Arbeiterver— sicherung, sowie über die Ausdehnung derselben auf Invalididät und Aliersversorgung soll erst in einer späteren Session erscheinen, bermuthlich erst, wenn es gelungen ist, die erforderlichen Mittel dafür durch Einführung des Tabaksmonopols zu beschaffen. Es darf wohi als sicher angesehen werden, daß die Reichs⸗ regierung in der nächsten Session ein Gesetz über Bestrafung der Weinfalschung im Sinne des viel erwähnten Antrages B uhl vor⸗ legen wird. Voraussichtlich wird der Entwurf aber einen weiteren Umfang, und zwar in der Richtung annehmen, über welche sich der Lener des Reichsgesundheitsamts, Dr. Struck, als Regierungs⸗ jommissär in der zur Berathung des Buhl'schen Antrages nieder⸗ zesetzten Kommission ausgesprochen hat. Danach sollten Verbote auch bezüglich der zur Weinfabrikation vorgekommenen Verwendung don Säuren und saäurehaltigen Stoffen, wie der zum Parfümiren der Weine gebrauchten ätherischen Stoffe, endlich der zur Herstellung bon Rothwein gebrauchten Färbestoffe erlassen werden. — Im Ge⸗ undheitsamt ist man mit den längst erwarteten Ausführungsbe⸗ timmungen zu dem sog. Nahrungsmittelgesetz so weit gediehen, daß der Erlaß derselben nicht mehr lange auf sich warten lassen dürfte. In Fulda kursiert das Geruͤcht, daß der Domherr Strau b in Straßburg zum Bischof der Diözese Ful da in Aussicht enommen sei. Der Statthalter von Elsaß-Lothringen soll nach der Fr. Z.“ jenen Prälaten schon vor längerer Zeit empfohlen haben. Ausland. Dem demnächst beginnenden schweizerischen Truppenzu— sammenzug wird u. A. auch beiwohnen der kgl. bayerische Stabs— major Lindhamer. (Gambetta und die französischen Wahlen). Es ist als sicher arzunehmen, daß Gambetta sofort nach den Stich— wahlen die Bildung des neuen Cabinets übernehmen wird. Noch in letzter Stunde vor den Wahlen hat Gambetta in seinem Leib⸗ organ, der „Rep. fr.“, erklärt, daß er an seinem Programme von 1869 festhalte. Ein Theil der damaligen Forderungen sei bereits erfüllt, oder werde es demnächst. Die Trennung von Kirche und Staat stelle sich rasch her und, was die Abschafsung des stehenden Herres betreffe, so dürfe man dieselbe heute aus Patriotismus nicht mehr verlangen. Das von Gambetta mit den Worken „ich werde Euch zu treffen wissen“ angekündigte „Gesindelgesetz“' wird bereits vom Pa— riset Polizeipräfekten ausgearbeitet — ein Beweis, daß man sich beeilt, jetzt schon den Wünschen des Zutunftspräsidenten der Repu⸗ hlit eilfertigst zu entsprechen. Es soll gleich zu Beginn der Ses— sion vorgelegt werden und sich auf Säuberung der Hauptstadt von allen besirafien Verbrechern beziehen. Gambetta ist übrigens von den Aufregungen der letzten Tage so angegriffen, daß er sich ommende Woche zur Erholung in ein Bad begeben wird. Man ist zwar gewohnt, daß dem Fürsten Bismartk alles Erdenkliche in die Schuhe geschoben wird, aber daß er den Scan⸗— dal von Belleville, wodurch bekanntlich Gambetta verhindert wurde eine Wahlrede zu halten, in Seene gesetzt haben soll, dürfte —* nicht ohne Ueberraschung vernommen werden. Wahr muß es sein, denn Gambetta läßt in seinen Blättern „Indegendant“ und „Paris“ verkünden, daß die Intransigenten mit deutschem Gelde bestochen waren. Ob es dem Pariser „Bourgeois“ bei Betrachtung der Wahlziffern nicht unheimlich zu Muthe wird? Veranlassung dazu st jedenfalls gegeben. Es sei nämlich bemerkt, daß sich von den 324,000 Pariser Wählern rund 877,000 betheiligt haben. Von diesen entfielen auf die Kandidaten der sog. Intransigenten und der Sozialisten, also, deutlich ausgedrückt, auf die Anhänger der Fommune nicht weniger als 144,000 Stimmen, eine gewaltige Zahl, sehr wohl geeignet, die Erinnerung an die grauenvollen Sommertage von 1871 lebhaft wachzurufen. Eine aus Nordamerika von Mitgliedern der extremen rebolutionãren irischen Partei erlassene Proclamation sagt: „Der Dynamit⸗Ausschuß erklärt, die Irländer könnten in einer einzigen Nacht alle Schiffe mit englischer Flagge in New-York, Halifar, Quebec, Melburne, Sidney, Capstadt und San Francisko zerstören ind warnt Jedermann, vom 1. September ab Schiffe mit engli⸗ scher Flagge zu benutzen.“ Eine Versammlung von Irländern st auf den 29. August nach New⸗PYork einberufen, um diese Pro⸗ lamalion gutzuheißen. (Die Geschichte ist wohl nur ein Schreck⸗— chuß; aber auch das verdient ernste Ahndung.) Staatssekreiär Blaine versendete unterm 23. ds. folgendes Te⸗ egramm über das Befinden des Präsidenten Garfield. „Der Präsident konnte heute bis zwanzig Unzen flüssige Nahrung zu ich nehmen und bei sich behalten. Der Magen ist in etwas zesserem Znstande, das allgemeine Befinden aber ernste Bedenken ertegend, wenn auch nicht kritisch. Er ist matt, erschöpft, abge— nagert; er wiegt kaum 125 bis 130 Pfund, während er zuvor 205 bis 210 Pfund wog. Dies Abnehmen der Kräfte ist es, vas zu Besorgnissen Anlaß giebt.“ Vermischtes. * St. Ingbert, 285. Aug. Unsere Stadt hat heute zu Ehren des Allerhöchsten Geburts- und Namensfestes ihren Festschmuck angelegt. Gestern Abend schon wurde das Fest durch Böllerschüsse ind Zapfenstreich der Bergkapelle eingeleitet. Heute Morgen in aller Frühe ertönten wieder Böllerschüsse und die Bergkapelle spielte die Tagreveille. Um 10 Uhr fand in beiden Kirchen Festgottes— dienst statt, zu dem die gesammte Knappschaft mit der Musik an der Spitze ausgerückt war. HO St. Ingbert, 25. Aug. Am Dienstag Abend hielt zer hiesige Turnverein im Becker' schen Lokale eine Ver— ammlung ab, in welcher die beiden Punkte der Tagesordnung in o weit ihre Erledigung fanden, als ein provisorischer Ausschuß »on 7 Mitgliedern zum Entwurf der Statuten und der definitive Vorstand des Vereins gewählt wurden. Ein erfreulicher Beweis dafür, daß man auch in unserer Stadt die edle Kunst des Turnens aicht unterschätzt, ist das rasche Wachsthum des Vereins, der bereits 50 Mitglieder zählt, und der Eifer, mit welchem die Constituirung uind Organisation des Vereins betrieben wird. — Si. Ingbert. In Zweibrücken findet am 4. Sep⸗ ember der Verbandstag der pfälzischen Gewerbevereine statt. Zauptgegenstand der Besprechung wird die Tagesordnung des nach Stutigart einberufenen deutschen Handels- und Gewerbekammer⸗ ages sein, auf welcher die Ausführung des Innungsgesetzes, die gleich— —— —DD — ind des Kleingewerbes durch Wander-Gewerbelehrer und durch Beiziehung der Fabrikinspeltoren, die einheitliche Regelung des Zubmissionswesens, die Einführung der Arbeitskraft für alle ge— verbliche Arbeiter und das Unfallversicherungsgesetz stehen. Zwischen Landstuhl, Waldfischbach und Wallhalben soll, vie man hört, eine Postverbindung hergestellt werden. vodurch einem langjährigen und großen Bedürfniß abgeholfen würde, da der Verkehr zwischen diesen und den angrenzenden Or⸗ en ein sehr reger ist. ιsιαsXÄä.