ↄl. Jugherter Awzeiger. Amtliches Organ des königl. Amtsgerichts St. Ingbert. — — — — — — — 2— ————— —— — — — — —— Fer „St. Ingberter Anzeiger“ erscheint wöchenltich fünfmal: Am Vtontag, Dienstag, Donnerstag, Samstag und Sonutag; 2mal wöchentlich mit Unter haltungs tatt und Sonntags mit Sseitiger illustrirter Beilage. Das Blatt kostet vierteljährlich 1A 40 einschließlich Trägerlohn; durch die Post bezogen 1 A 60 H, einschließlich 0 Zustellungsgebühr. Die Einrückungsgebühr fur die 4gespaltene Garmondzeile oder deren Raum beträgt bei Inseraꝛen aus der Pfalz 10 ⸗, bei außerpfälzischen und solchen, auf welche die Expedilion Auskunft ertheilt, 18 —, bei Neclamen 30 —. Bei 4maliger Einruckung wird nur dreimalige berechnet. M 201. — Politische Uebersicht. Deutsches Reich. München, 30. Nob. Die Kammer der Ab⸗ zordneten setzte heute die Berathung des jorstetats fort. Die Anträge des Ausschusses urden angenommen. Die durch die Vorarbeiten ür die Organisation der Forstverwaltung veran⸗ aßte Einberufung zweier weiterer Oberfoörster in as Ministerialforstbureau wurde nicht beanstandet. die zum Etat einschlägigen Petitionen wurden den lusschußanträgen entsprechend angenommen. Abg. Dr. Körber (ultr.) ergreift die Gelegenheit, den 5tand der Forstbeamten auf das Heftigste anzu— reifen, und spricht davon, daß gar manche dieser zeamten durch Immoralität und Irreligiosität öffent⸗ iches Aergerniß erregen. Auch tadelt Redner, daß m Forstwesen eine zu große Vielschreiberei herrsche, yas eine Folge der neuen übertriebenen wissen— haftlichen Bildung zu sein scheine. Die Buch— taben haben sich vermehrt und die Bäume ver— nindert. Finanzminister v. Riedel muß den hrenweethen Stand der Forstbeamten gegen der— irtige Anklagen in Schutz nehmen und gegen solche horwürfe entschieden Verwahrung einlegen. Was »en Vorwurf der Vielschreiberei anlange, so scheine »er Vorredner von der neueren Ausbildung des Forstpersonals gar keine Kenntniß zu besitzen. Hie— ait glaube er den Abg. Körber abgethan zu haben. Große Heiterkeit. Abg. v. Schlör (lib.) wendete ch vom Standpunkte der liberalen Abgeordneten egen die Ausführungen des Abg. Dr. Körber, der eine Vorwürfe nicht auf Thatsachen, sondern auf hörensagen begründet habe. Vorwürfe wie Im— noralität und Irreligiosität einem ganzen Stande orzuwerfen, dazu habe Dr. Körber kein Recht. Vohin sollte es führen, wenn man einen ganzen ztand für die Fehler eines Einzelnen verantwort⸗ ich mache? Vor dem Betreten eines solchen Ge— ietes solle man sich in Zukunft hüten. Abg. Raug nimmt die Forstbeamten des Allgäu gegen ie Vorwürfe des Abg. Dr. Körber in Schutz, während etzterer erklärt, nicht von dem ganzen Stande ge⸗ prochen zu haben und mißverstanden worden zu ein. — Die weitere Debatte über diesen Gegen⸗ and ergab nichts Bemerkenswerthes. München, 30. Nonb. Das siebente 5ch Uljahr.) Aus Rosenheim wird berichtet: im Aufhebung des 7. Schuljahres wurden aus zemeinden in den k. Amtsgerichten Berchtesgaden, aufen, Reichenhall und Traunstein Petitionen an ie Kammer der Reichsräthe gerichtetet, und sollen zach dem „Vaterland“ auch in anderen Gegenden olche Petitionen an die Kammer der Reichsräthe eabsichtigt sen. Während die Landgemeinden der enachbarten österreichischen Gebirgsländer Petitionen ne Kaiser und Reichstag richten, damit ihnen das .Schuljahr erhalten bleibe, weil unentbehrlich achelt man unser Landvolk zur Unzufriedenheit uf und veranlaßt es zu Schritten, die, wenn sie erfolg hätten, später schwer bereut werden dürften. Muünchen. Der Kaiser hat dem Staats-Mi— ister des kgl. Hauses und des Aeußern, Freiherrn Crailsheim, den königlichen Kronen Orden rster Klasse verliehen. Das „Bayer. Vaterland“ ist höchlichst zufrieden amit, daß der bayerische Landtag bisher so venig zu Stande gebracht hat. Es macht, um die lbgeordneten zu erhöhter Thätigkeit anzuspornen, ofaenden Vorschlag, dem eine gewisse Oriainalität Samstag, 3. Dezember 1881. 16. Jahrg. nicht abzusprechen ist: „Man interniere das Par⸗ ament in irgend einer kleinen Stadt oder einem rößeren Dorfe, möglichst im Winter, lasse die derrschaften dort gemeinsam ihre Mahlzeiten ein⸗ Jehmen, wobei Jeder die gleiche Ration bekommt, vecke sie Morgens 6 Uhr zur Arbeit in einem zroßen Saale, der abgesperrt bleibt, bis sie fertig ind, und schicke sie Abends 8 Uhr ins Bett. Wer im Morgen verschläft oder Abends über die Beti— tunde verkneipt, verliert das Taggeld. Wer einem club beitritt, verliert das Mandat, wer sich ohne Frlaubniß des Präsidenten vom Orte entfernt, die Freikarte. Berlin, 1. Dez. Die gestrige Reichstagssitz- ing schien dem Kulturkampf angehören zu ollen. Beim Eiat des auswärtigen Amtes warf der Abg. Virchow die Frage auf, wie es sich mit der Besetzung eines Gesandtschaftspostens beim rö— nischen Stuhle verhalte. Fürst Bismarck, der jeute, abweichend von seinen Gewohnheiten, schon or Beginn der Sitzung erschienen war, verwies iuf den Eiat des Preußischen Landtages, wo diese frage demnächst zu erörtern sein werde. Herrn Vindthoöorst schien die gebotene Gelegenheit aus— eichend genug, um sich in die Position, die er in er letzten Zeit eingenommen, immer tiefer einzu⸗ raben; er wendete sich angriffsweise gegen die li— erale Partei und beschuldigte di eselbe der Intole— anz. Die hierauf erfolgende Replik des Abg. girchow gab dem Reichskanzler Anlaß zu der anz präcisen Erklärung, daß er den Fortschritt für ine dem Staat schädlichere Partei halte, als das zentrum. Der Fortschritt bringe das Schiff in's z„chwanken. das Centrum verursache nur eine ge⸗ oisse Unsicherheit der Steuerung. Er habe den dampf gegen das Centrum aufgeben müssen, seit ym die Unterstützung der Liberalen entzogen oder dieselbe wenigstens an unerfüllbare Bedingungen jeknüpft worden sei. — Die Herren Reichenssper— jer und von Kleist-Retzow stellten sich mit großem lufwand von Pathos als Bundesgenossen dem deichskanzler zur Seite. Fürst Bismarck nahm helegenheit festzustellen, er sei zur Einführung der Fivilehe durch feine damaligen Ministerkollegen (in erster Linie war wohl Herr Falk gemeint), ge⸗ röthigt worden, daß er sich dieser Nöthigung un— zern unterworfen, ließ er nicht uudeutlich durch⸗ cheinen. Die Debatte verlief natürlich ohne Re— ultat. — Bei einer folgenden Etatsposition brachte er Abg. Dr. Kapp die Vermehrung der Fach— onsulatie und gewisse Aenderungen in den Dienst— zerhältnissen der Consularbeamten zur Sprache. der bisherige französische Botschafter n Berlin, Graf St. Vallier, hat am Diens⸗ ag dem Reichskanzler seinen Abschiedsbesuch emacht. Bismard äußerte, wie das „Berl. Tgbl.“ nittheilt, daß er während seiner zwanzigjährigen rhätigkeit als Ministerpräsident noch niemals mit mem so großen Vertrauen und einer so großen zoyalität mit irgend einem Botschafter verhandelt abe, wie gerade mit dem Grafen de Saint Vallier, er außerdem sich auch zu jeder Zeit der Gunst des daisers zu erfreueen gehabt habe. Als das Gespräch ich auf den Nachfolger des Kaisers wandte, sagte raf de Saint Vallier, daß er dem Fürsten die Fffizielle Mittheillung von der Ernennung des Baron e Courcel zum neuen Botschafter zu machen abe. Als der Reichskanzler darauf fragte: Sind Zie mit Ihrem Nachfolger befreundet? und Graf e Saint Vallier erwiderte: Baron de Courcel ge⸗— jört zu meinen besten Freunden! gab Fürst Bis— narck seiner Zufriedenheit damit dadurch Ausdruck. daß er sagte: „Nun, dann bedarf ich keines Lobes nehr aus Ihrem Munde. Ihre wenigen Worte jenügen mir, mich der festen Ueberzeugung hinzu— jeben, daß Ihr Nachfolger dieselbe politische Rich⸗ ung befolgen wird, wie Sie, und daß er somit in Berlin gern empfangen wird.“ Die preußische Staatsregierung beabsichtigt dem Landtage einen Gesetzentwurf über die Hunde⸗ teuer vorzulegen. Die Höhe derjselben soll den inzelnen Gemeinden zu bestimmen überlassen blei— hen, doch soll dieselbe zwanzig Mark nicht über— teigen. Reuerdings cirkulirt die Nachricht, daß Feldmar⸗ chall Graf Moltke als Chef des großen Gene— ralstabs jetzt einen Nachfohger im Grafen Walders'ee erhalten solle. In dieser Form ist zie Angabe jedoch ungenau. Die Wahrheit ist, daß uuf Wunsch des greisen Feldmarschalls ihm ein Adlatus beigegeben wird, welchen er selbst vor⸗ jeschlagen hat. Graf Moltke wird aber nach wie jor an der Svpitze des Generalstabes in Thätigkeit oleiben. Nachdem im Reichstage in den letzten Tagen tliche der bei der Generaldebatte ungesprochen ge— liebenen Reden glücklich vom Stapel gelaufen sind, äßt sich erwarten, daß die Etatsberathungen bis ur driiten Lesung ziemlich rasch und in rein sach— icher Weise verlaufen werden, mit einigen Aus— ahmen vielleicht des Etatstitels für den Volks— virthschaftsrath. Wie es heißt, wird der Kanzler ich noch vor Weihnachten wieder nach Friedrichs- uhe zurückziehen und auf längere vorläufig noch inbestimmie Zeitdauer dort verweilen. Für die ächsten Tage ergiebt sich die Vertheilung des seichstages von selbst, da nach Verweisung der »amburger Zollanschlußfrage an eine Kommission „on Hauͤptvorlagen nur der Etat und die Berichte iber die Handhabung des Sozialistengesetzes vor⸗ janden sind. In den nächsten Tagen wird man aher ohne Unterbrechung mit der zweiten Bera⸗ hung des Etats fortfahren und wahrscheinlich am ende der Woche die genannten Berichte über das Sozialistengesetz zur Besprechung bringen. Wie man hört, wird der Schluß der Etats- derathung im Reichstag auf den 20. Dez. erechnet und soll damit nach Erledigung der Ham— urgischen Vorlage in Ermangelung anderer Be⸗ athungsgegenstände die erste Session des V. deut⸗ schen Reichstages geschlossen werden. Wie man aus Regierungskreisen erfährt, wird der Ankunft des deutschen Gesandten in Washing⸗ on, Herrn von Schlözer, in Berlin noch vor Weihnachten mit großer Bestimmtheit entgegenge— ehen. Weiterhin gilt es als eine ausgemachte Zache, daß Herr v. Schlözer im Januar etwa nach stom zurückkehrt, um dort die abgebrochenen Ver— zandlungen wegen eines Ausgleichs fortzusetzen. Trotzdem erhält sich aber noch die Behauptung, daß Msgr. Spolverini in München mit besonderen Nufträgen nach Berlin hin versehen sei. Ausland. In Frankreich haben am Sonntag die Wahlen der Gemeindedelegirten stattgefunden, velche Wahlen insofern von Wichtigkeit sind, als iese Delegirten ihrerseits im Januar nächsten Jahres zie Wahl von 75 neuen Senatoren vorzunehmen daben. Nach den bis jetzt bekannt gewordenen stesultaten gehören viele der Gewählten der oppor—⸗ unistischen Partei an, auch sollen viele Maires Bürgermeister) gewählt sein. Verschiedene Pariser Zlätter meinen, daß nach diesen Resultaten der