St. Ingherter Anzriger. Amtliches Organ des königl. Amtsgerichts St. Ingbert. der St. Ingberter Auzeiger“ erscheint wochentlich fünfmale Am Montag, Dienstag, Donnerstag, Samstag und Sonntag; 2mal wöchentlich mit Unterhaltungs glatt und Sonntags mit Sseitiger illustrirter Beilage. Das Blatt kostet vierteljährlich 1.4M 60 — einschließlich Tragerlohn; durch die Post bezogen 1. 75 2, einschließlich 0 BZustellungsgebüuhr. Die Einrückungsgebühr fur die 4gespaltene Garmondzeile oder deren Raum beträgt bei Inseraten aus der Pfalz 10 ⸗, bei außerpfälzischen und solchen auf welche die Erxpedition Auskunft ertheilt, 15 Z, bei Neclamen 80 3. Bei maliger Einruckung wird nur dreimalige berechnet. M 227. Politische Uebersicht. Deutsches Reich. Berlin, 19. Nov. Der Kaiser empfing heute Mittag den Feldmarschall Grafen Moltke und den rüheren Kriegsminister v. Kameke und conferirte väter mit dem Minister Mayhbach. Der Stand der preußischen Staats⸗ stnanzen soll ein so günstiger sein, daß es heißt, die Landtags⸗-Eröffnungsrede werde desselben aus zrücklich Erwähnung thun. Bezüglich der Frage wegen Reform des Benossenschafts rechtes dürften folgende Mit- heilungen von Interesse sein: Schon im Jahr 1875 rklärte der damalige Staatssekretär im Reichsjustiz- imt. Dr. Friedberg. daß eine Reform des Genoffen⸗ chaftsgesezes in Verbindung mit der geplanten Kebision des Aktiengesetzes bevorstehe. In der SZitzung vom 11. Maͤrz 1878 faßie der Reichstag in Erwägung, daß das Bedürfniß zu einer Re— ision des Gesetzes, betreffend die privatrechtliche Stellung der Erwerbs- und Wirthschaftsgenossen⸗ chaften, überhaupt, insbesondere aber in der Richtung mzuerkennen ist, den Beginn der Mitgliedschafi eitretender Genossenschafter und den zuläfssigen Zeitpunkt des sogenanten Umlageverfahrens feftzu⸗ teslen“, den Beschluß,, den Reichskanzler aufzufordern, »en Entwurf einer Novelle zum Genossenschaftsgesetz n welcher die in dem Antrag des Abg. Dr. Schulze mgeregten Punkte ihre Berücksichtigung finden, mit hunlichster Beschleunigung ausarbeiten zu lassen“. dies führte zu dem Beschluß des Bundesrathes vom 23. Februar 1879, „den Herrn Reichskanzler zu rjuchen, im Anschluß an die beschlossene Redision ꝛer Aktiengesetzgebung unter Berückfichtigung der in ꝛer Resolution des Reichstages vom 11. Maͤrz 1878 jervorgehobenen Punkte den Entwurf einer Novelle iu dem Gesetz, betr. die privatrechtliche Stellung »er Erwerbs- und Wirthschaftsgenossenschafien vom i. Juli 1868 ausorbeiten zu lassen und dem Bundes ath vorzulegen.“ Infolge dessen wurden im Reichs⸗ ustizamt die nothigen Vorarbeiten zur Revision des henossenschaftsgeseßes in Angriff genommen. Da iber die Sache sich verzögerte, so beschloß der Reichs⸗ ag, an den Reichskanzler das Ersuchen zu stellen, ait thunlichster Beschleunigung den Entwurf eines evidirten Gesetzes über das Genossenschaftsrecht usarbeiten und an den Reichstag gelangen zu assen. Zugleichwurden folgende damals im Reichstage ingebrachte Anträge dem Reichskanzler als Maͤterial ur Revifion des Genossenschaftsgesetzes üperwiesen: Der Antrag des Abg. Schulze⸗Delitzsch, welcher as Princip des Genossenschaftsgeseßes, die solidarische aftbarkeit der Genossenschafier aufrecht erhalten, iber einige praktisch wichtige Modificationen des hesetzes vorgenommen, insbesondere Vorsorge ge⸗ toffen haben will, daß im Falle des Konkurses mer Genossenschaft die Gläubiger nicht beliebig mzelne von den solidarisch haftenden Mitgliedern erausgreifen. sondern daß die Schuld auf fämmt⸗ iche Theilnehmer billig dertheilt wird. 2) Der Untrag des Abg. Ackermann, welcher den Genossen⸗ chaften eine Reihe von Einschränkungen und Con⸗ rolen auferlegen will. 8) Der Antrag des Abg. . Mirbach, welcher den Vorschlag enthält, neben en bestehenden Genossenschaften mit unbeschränkter ẽolidarhaft in Zukunft auch Genossenschaften mit eschrankter Hafsdarkeit zuzulassen. Wahrend nun is zum Jahre 1882 die Reichsregierung die Absicht atte, die Revision der Genossenschaftsgesetzgebung Form einer Novelle zu bewirkenist dieselbe Dienstag, 20. November 1883. 18. Jahrg. neuerdings zu der Ansicht gelangt, daß das beab⸗ sichtigte Ziel sich nicht in einer Novelle erreichen laffe, sondern daß ein neues umfassendes Genossen schaftsgesetz nothwendig sei. Ein solches Gesetz ist m Reichsjustizamte ausgearbeitet und berathen vorden und dürfte dem Reichstage in der nächsten —AV Eine Genugthuung für das deutsche Na⸗ ionalgefühl, sowie ein Beweis für Deuisch— ands Machtstellung liegt in der Nachricht, daß für vie Plünderung des an der Küste von Hainan China) gestrandeten Flensburger Dampfers Quin⸗ a“ die chinesischen Behörden 40,000 Doll. zahlen nüssen, wovon 830,000 bereits entrichtet sind. Die zeiten liegen noch nicht sehr weit hinter uns, in enen ein Angriff auf deutsches Eigenthum wahr⸗ cheinlich ganz ungesühnt geblieben wäre oder diese Zühne sich wenigstens sehr lange hinaus gezogen ätte. Sie find, Gott sei Dank, vorüber. Die Nachtstellung, welche das Reich einnimmt, ist eine olche geworden, daß es jedes ihm, oder seinen kinwohnern zugefügte Unrecht mit Nachdruck zu ver⸗ olgen vermag, und daß auch außerhalb der deut⸗ hen Grenzen kein Deutscher mehr fremder Willkür hutzlos preisgegeben ist. Marine und Heer, dazu in zu immer Jrößerer Entwickelung gelangendes donsulatswesen sind die Haupistützen dieser Macht, nif denen natürgemäß auch das Emporblühen des dandels sicher und stetig vor sich gehen kann. Nie⸗ nand, welchem das Wohl des Reiches am Herzen liegt, ann sich diesen Wahrheiten verschließen, nur der kaun fie verkennen, dem jenes Wohl gleichgiltig ist und dessen Hedanken und Wuͤnsche nach punkten hin gravitiren, velche weitab liegen von deutschen Interessen. Ausland. Kein Manifeft. Mehrere Blätter meldeten, er Graf von Paris gedenke demnächst ein Manifest u veroffentlichen. Dem gegenüber erklart sich der erleanistische Figaro zu der Erklarung ermaͤchtigt, aß der Graf von Paris kein Manifest, weder in Form eines Briefes an einen Journalisten noch in iner anderen Form veröffentlichen wird. Das stimmi nuch ganz zu der sonstigen Haltung des orleani— tischen Prinzen, welcher nichts selbst unternehmen, ondern die Dinge an sich herankommen lassen will. Stoͤker in London. Herr Hofprediger Stocker beabsichtigt nunmehr seine Ideen über die oriale Frage in Deutschland in einer privaten Ver⸗ ammlung auseinanderzusetzen. Rom— 19. November. Diritto bringt dem )eutschen Kronprinzen, dem Sohne des Kaisers Wilhelm, dem aufrichtigsten und bewahrtesten Freunde Italiens, das herzlichste Willkommen dar. Geuuag, 18. Nov. Der deuische Botschafter . Keudell ist heute Vormittag 8 Uhr hier ein⸗ jetroffen und hat heute Nachmitiag mil dem Ge⸗ jeralkonsul Dr. Bamberg, bei welchem er das Ddiner eingenommen haite, dem Kommandanten es deutschen Geschwaders, Kapitän z. S. Menfing, in Bord des „Prinz Adalberi“ einen Besuch ab⸗ estattet. — Der Kaiser Alexander von Rußland zat zur Begrüßung des Kronprinzen den Admiral Tschebhochteff mit der Korbene Soeliana“ und noch einer zweiten Korvette hierher entsendet, welche jeute früh hier eingelaufen sind. Die Einschiffung »es Kronprinzen, welcher heute Nacht 12 Uhr hier intrifft und im „Palazo Reale? absteigt, erfolgt norgen, die Abfahrt von hier nach Spanien is! vorläufig auf 6 Uhr Abends festgesetzt. Von allen Zeiten treffen Fremde hier ein. Die Witterung ist hön und sehr warm Genuaga, 19. Nov. Der deutsche Kronprinz ist Nachts 2/2 Uhr hier eingetroffen und auf dem Bahnhofe vom Botschafter v. Keudell, dem General⸗ consul Bamberg, den Offizieren des Geschwaders, dem Präfecten und Sindaco Genua's, sowie zahl⸗ reichen italienischen Offizieren und Angehörigen der deutschen Colonie? empfangen worden. Der Bahnhof war aufs Festlichste geschmückt und tageshell erleuch⸗ let. Auf demselben war eine Ehrenwache der Mu⸗ nizipalgarde mit Mufikkorps, aufgestellt, welches „Heil Dir im Siegerkranz“ spielte. Die zum Pa⸗ lazza Reale führenden Straßen waren illuminirt ind mit einer nach Tausenden zählenden Menschen⸗ nenge angefüllt, welche den Kronprinzen mit en⸗ husiastischem Eviva's und Händeklatschen empfing. Den Wagen des Kronprinzen geleitete eine Escorte don Carabiniers zu Pferde. Im Vorhofe zum Pa⸗ aste war eine Ehrencompagnie aufgestellt. Die enthufiastischen Kundgebungen der Menschenmenge vor dem Palaste dauerten fort. Der Kronprinz rat auf den Balkon und dankte. SGenua, 19. Rov. Der Kronprinz empfing Vormittags 11 Uhr den Präfekten und später den Sindaco mit der Giunta. Der Kronprinz sprach eine Genugthuung für den herzlichen Empfang aus und gedachte seines Aufenthaltes in Pegli und der Vollendung der Gotthardbahn, welche die Beziehungen der bdeiden befreundeten Nationen enger geknüpft habe. Um 2 Uhr findet unter Salutschüssen der Forts und Kriegsschiffe die Abreise nach Valencia statt. Die Häuser und Schiffe find festlich geflaggt. Das Wetter ist heiter, aber eitwas windig. Madrid, 19. Novd. Der deutsche Gesandte und die zum Empfange des deutschen Kronprinzen destimmten Persönlichkeiten gehen heute nach Va⸗ enzia ab. Eine Baiterie Feldartillerie gibt bei der Landung des Kronprinzen Salutschüsse ab; die Behörden empfangen denfelben auf dem Quai. Zehn Bataillone Infanterie, zwei Regimenter Kavallerie ind ein Regiment Artillerie werden Spalier bilden. Brafilianische Colonisationsgesell⸗ schaft. In der brafilianischen Haupistadt hat sich der Allg. Dtisch. Zig. für Brasilien zufolge eine xinawanderung und Colonisationsgesellschaft gebildet, zeren Zweck es ist, in Brasilien und Europa Pro⸗ »aganda zu Gunsten sreier und gesunder Einwan⸗ derung nach Brasilien zu machen. Die Gesellschaft vill nichts anderes sein, als ein dermittelndes Or⸗ jan, um den soliden Einwandern mit gutem Rathe ʒeizustehen; eine Masseneinwanderung wird nicht hefürwortet, wie denn überhaupt jede Ueberstürzung und jeder abenteuerliche Versuch bermieden werden oll. Zum Praäsidenten der Gesellschaft, welche sich übrigens erst nach Ausarbeitung der Statuten de⸗ finitiv constituiren wird, wurde der Visconde de Barbarcena und zum Secretär der Generaldeputirte Alfredo Escraanolle Taunad gewählt. Lokale und pfälzische Nachrichten. — Kaiserslautern, 18. Novbr. Der vichtigste Gegenstand der Tagesordnung der letzten Stadtrathssitzung war die Vorberathung des Bud⸗ jets pro 1884. Einem Bericht der „Pf. Post“ ntnehmen wir hierüber folgendes: Nachdem bereits m Jahre 1883 durch Stadtrathsbeschlüsse geneh⸗ nigte, sehr nöthige und theilweise schon ausgeführte Arbeiten eine Budgetüberschreitung von 4691 Mt. hedingten und im kommenden Jahre 1884 unbe⸗ singt nöthige Pflaster- und Chaussirungsarbeiten nit 19,734 Mk. vorgesehen sind, ergiebt sich ein Defizit von 24,245 Mk., für welches keine Deckung