St. Jugherter Amzeiger. Amtliches Organ des königl. Amtsgerichts St. Ingbert. Der „St. Ingberter Anzeiger“ erscheint wochentlich fünfmal: Am Montag, Dienstag, Donuerstag, Samstag und Sonntag; 2mal wöͤchentlich mit Unterhalturg Blatt und Sonntags mit Sseitiger illustrirter Beilage. Das Blatt kostet viertelijahrlich 1.4 60 — einschließlich Trägerlohn; durch die Post bezogen L 75 , einschlietzli 40 A Zustellungsgebühr. Die Einrückungsgebühr fur die Agespaltene Garmondzeile oder deren Raum beträgt bei Inseraten aus der Pfalz 10 B, bei außerpfälzischen und solche auf welche die Expedition Auskunft ertheilt, 1I3 H, Neclamen 30 —. Bei amaliger Einruckung wird nur dreimalige berechnet. 2DeͥMÒOmtà.— — — M 21. Politische Ueberficht. *Der deutsche Handelstag erklärte in einer Resolution seine Zustimmung zu der von der Reichsregierung befolgten praktischen Colonialpolitit, die der deutschen Industrie neue Absatzgebiete er⸗ schließe, dem Handel Schutz und Förderung gewähre und der Schifffahrt einen vermehrten Verkehr schaffe. Im weiteren Verlaufe der Sitzung gelangte eine zweite Resolution zur Annahme, welche eine Ge—⸗ schäftssteuer, die nicht prozentual ist, nicht geradezu verwirft, ferner den Wedell'schen Entwurf als völlig unannehmbar erklärt und sich entschieden gegen alle inquisitorischen Controlmaßregeln ausspricht. Die afrikanische Conferenz wird aller Voraussicht nach in etwa 8 bis 10 Tagen mit ihren Arbeiten fertig sein. Dem „Berl. Tagebl.“ wird angeblich aus Zanzibar unterm 27. ds. telegraphirt: Soeben ist das deutsche Kriegsschiff Gneisenau“ mit unserem deutschen Generalconsul Gerhard Rohlfs an Bord, glücklich auf hiesiger Rhede angekommen. Tripolis ist betanntlich diejenige afrikanische Provinz, auf welche Italien seit lange sein Augen⸗ nerk gerichtet hat. Nachrichten, welche das neueste „Journal des Debats“ bringt, lassen die Herrschaft der Pforte als eine bedrohte erscheinen. Danach soll eine starke arabische Partei die türkische Ober— herrlichteit abschütteln wollen und seit längerer Zeit eine Erhebung vorbereiten. An ihrer Spitze stehen Ali Bey und Mansur Bey, die von Mialta her große Waffenvorräthe kommen ließen und in Zeliien und Mesurata anhäuften. Alles sei zum Los⸗ schlagen bereit, und die in Tripolis ansässigen ita⸗ lienischen Schutzvexwandten schürten nach Kräften in der Hoffnung, Daß ein Aufstand die Interven⸗ fion Italiens herbeiführen würde. Die arabische Partei arbeite indeß keineswegs auf die Einverleib- ung von Tripolis in Italien hin; sie wolle viel⸗ mehr die Selbstständigkeit der Provinz, aber sie werde, meinen die Debats, dies Ziel nicht erreichen, ondern ihre Anstrengungen würden jener europä⸗ ischen Macht zu gute kommen, welche im rechten Moment eingreife. Das Alles weiß man gewiß auch in Konstantinopel, und man trachtet der Er⸗ hebung zuvorzukommen, indem man mit Hilfe Eng⸗ ands in Egypten wieder festen Fuß zu fassen sucht. Stehen einmal türkische Truppen in Egypten, so werden, wie die Pforte hofft, die benachbarten Tri⸗ politauer den Muth verlieren, und ohne einen Auf⸗ dand dortselbst hätte dann auch Italien keinen Grund mehr zur Intervention. Ob aber die Türkei bei England das gewünschte Entgegenkommen finden wird, bleibt sehr fraglich, da Auͤes darauf hindeu⸗ tet, daß Abmachungen zwischen Italien und Eng— land getroffen worden sind, denen gemäß sich diese beiden Staaten in Eypten und Tripolis freie Hand lassen bezw. sich ebentuell gegenseitig effektiv unter— stützen werden. Sehr bemerkenswerth in dieser Hinsicht ist es, daß die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ ohne Kommentat ein Reuter'sches ande⸗ ten Blättern nicht zugegangenes Telegramm aus Turin abdruckt, wonach England mit Italien einen Vertrag abgeschlossen hatte, welcher Italien das Territorium zwischen Massaua und Obok (am othen Meer) zuweist und demfelben die Unterstütz⸗ ng Englands sichert, falls Jialien Tripolis ok⸗ supire. Ferner begünstigt England die Gründung einer italienischen Kolonie in Westafrika. Italien dagegen gewährt England in Egypten seine mora⸗ ische Unterstützung, um für England eine bevor⸗ uugte Position im Nilthal zu schaffen. Die Art der Wiedergabe dieser hochwichtigen Meldung im kanzlerblatt spricht dafür, daß dieselbe für zu— reffend gehalten wird. Der Senat in Washington hat am Montag mit 63 gegen 1St. durch eine Resolution seiner Entrüstung über die Londoner Dynamit⸗-Attentate ind seinem Abscheu vor solchen Verbrechern gegen die Zivilisation Ausdruck gegeben. Deutsches Reich. Berlin, 28. Januar. Die freiconservative Fraktion hat mit Unterstützung vieler Nationallibe— ralen im Abgeordnetenhause einen Gesetzentwurf, hetr. die Pensionirung der Volksschullehrer, einge⸗ dracht. Soweit die Pensionen 1200 Mt. nicht überschreiten, fallen sie der Stautskasse zur Last, die Minimalpension soll 450 Mk. betragen. Die Ersparnisse des Staates aus der Converuͤrung der bila proc. Consols sollen hierzu verwendet werden. Berlin, 28. Januar. Die Budget⸗Commission hat die Postbauten in Köln einstimmig genehmigt. Die BörsensteuerCommission hat sich mit 18 gegen 7 Stimmen für eine prozentuale Besteuerung und mit 15 gegen 5 Stimmen fur den Schlußnoten⸗ wang ausgebrochen. Ausland. Paris, 27. Januar. „Temps“ constatirt, daß nach dem Eintreffen der Verstärkungen die gesammten militärischen Streitkräfte, über welche Briere und Courbet verfügen, einschließlich der annamitischen Tirailleurs, 40,000 betragen. Rom, 27. Januar. „Agenzia Stefani“ meldet aus Perun vom 26. d., daß am Tage zu⸗ vor ein Detachement des Panzerschiffes „Casiel- iderdo“ in Beilul landete, den Ort besetzte und die italinische Flagge aufhißte. Die Häuptlinge ꝛer Eingeborenen empfingen die Abtheilung freund⸗ ich. Einige in Beilul zurückgebliebene egyptische Soldaten werden sich morgen auf dem italienischen Dampfer „Corsica“ nach Massauah einschiffen. London, 27. Januar. Die „Times“ will vissen, daß zwischen Frankreich und Portugal ein Arrangement zu Stande gekommen sei, wonach Vortugal die französische Oberhoheit über die nörd— iche Mündung des Kongo anerkenne, während Frankreich den Anspruch Portugals auf die Kuste bis zum Südufer des Kongo anerkenne. London, 27. Januar. In Folge wichtiger Enthüllungen, welche ein im Tower Verhafteter den Behörden gemacht haben soll, begleiten Ge— zeimpolizisten alle von London nach den Hafen⸗ tädten abfahrenden Züge. Die Polizeiwachen vor allen Regierungsgebäuden wurden vermehrt. Die Besichtigung des Schlosses Windsor ist borläufig untersagt. Eondon, 27. Januar. Die Polizei will einen der Urheberschaft der Explosionen dringend Verdächtigen gefaßt haben; er heißt James Gilbert Cunningham, ist in Cork geboren und 25 J. a.; aach mehrjährigem Aufenthalt in Amerika kam er letzten Herbst nach England herüber. Der Ver— jaftete soll über seine Person falsche Angaben ge⸗ nacht haben. London, 27. Januar. General Wolseley meldet aus Korti von heute: Ich erhiell gestern inen Bericht von Earl, wonach der Marsch der Truppen den Nil stromaufwärts glücklich von Statten geht. London, 28. Januar. Reuters Bureau neldet aus Kairo vom 28. d.: General Wol— eley telegraphirt, daß Metamneh eingenommen, Beneral Stewart schwer verwundet und Wilson per Dampfer nach Khartum abgegangen ist. Newyortk, 27. Januar.“ Inden Legisla⸗ uren der Staaten Newyork und Pennsylvanien ind Anträge auf Regelung der Anfertigung und des Verkaufs von Dynamit eingebracht worden. SZokele und pfälzische Nachrichten. * Die Gesammteinnahme der Pfälzischen Fisenbahnen pro 1884 betrug 14 755,106 Mark 14 Pf.; gegenüber der des Jahres 1883 ein MNehr von 468,507 Mark 79 Pf. — Zweibrücken, 28. Januar. Die Er⸗ jffnung der J. Schwurgerichtsperiode pro 1885 ist zuf 16. März festgesetzt, Hr.k. Oberlandesgerichts⸗ rath Karl Osthelder zum Vorsitzenden und Hr. . Landgerichtsdirektor Joseph Herfeldt zu dessen Stellvertreter ernannt. — Homburg, 26. Januar. Heute Nacht verschied dahier nach nur kurzem, jedoch schwerem Leiden der weit über die Grenzen der Pfalz hinaus »ekannte Altbürgermeister Ernst Dümmler. Die Imkerwelt verliert in dem Geschiedenen einen ihrer bekanntesten und tüchtigsten Vertreter. — In Thalfröschen grassiren die Rötheln, resp. Masern unter den Schulkindern so stark, daß die Schule geschlossen werden mußte. — In Reichenbach hat sich ein 4- 5jãhriges dind durch heißen Kaffee derart verbrannt, daß es bald darauf unter den gräßlichsten Schmerzen starb. — Bergzabern, 27. Januar. Am Sonn— ag Abend um 1210 Uhr erdröhnte am „Berg“ ein heftiger Knall, eine Erplosion hatte das nach einem stattgehabten Brande im Wiederaufbau be— griffene Wohnhäuschen des Tagners Lorch in einen Trümmecrhaufen verwandelt; am gegenüberliegenden Wohnhaus des Geschaftsmannes Lipp wurden Fenster zertrümmert und Wande beschädigt; auch mn andern Nachbarhäusern wurden durch den starken duftdruck Fensterscheiben eingedrückt.“ Wer den Schurkenstreich verübt hat und obe mit Pulver »der Dynamit geschehen, weiß man noch nicht. doffentlich wird die Untersuchung den Thater er⸗ mitteln. — Neustadt, 27. Januar. Die pfälzische Bahn und die preußischen Staatsbahnen haben ꝛinen Vertrag mit einander abgeschlossen, nach velchem sie alle Gütertransporte von und nach der heinischen Bahn mit Vermeidung der hessischen dudwigsbahn nur noch über Ludwigshafen oder Neustadt, Hochspeyer, Münster a. St., Bingerbrück erschicken. Die hessische Ludwigsbahn hal hier⸗ jegen durch eine öffentliche Bekanntmachung erklärt, aß sie alle Transporte nach wie vor uͤber die ali⸗ Route zu den — denjenigen der an⸗ deren Vahnen gleichen Frachtsätzen befördert, wozu ie auch in der Lage ist, da in den meisten Fällen die kürzeste Route über ihre Linien führt.“ Das Publikum möge, um sich dies zu sichern, die Route iͤber die heffische Ludwiqgsbahn vorschreiben. — Damit ist denn auch zwischen den beiden Privat⸗ zahnen am Mittelrhein, die so lange eintrachtig usammengewirkt und siets in sehr intimen Ver — ———