Herzlichwillkommen in St. Ingbert, so rufen wir freudig dem einziehenden geliebten Prinzregenten entgegen. Wie allerwärts in un— seren pfälzischen Staͤdten, so kommt auch hier der festliche Empfang aus den Tiefen des Volksge⸗— uüthes, nicht höherer Befehl schafft die prangende Triumphstraße, sondern es ist der ureigenste Herzensbrang eines treuergebenen Volkes, der sich kaum genug thun kann in Zeichen und Beweisen innigster Verehrung. Wenn darum Dein Auge ruht auf Dem, was die Hände zum Empfange gerüstet, erhabe— ner Fürst) möge dann Dein Herz einen Hauch der dankbaren Liebe spüren, welche Dein Volk Dir entgegenbringt! Lange hat unsre Pfalz des Glückes entbehrt, Zeuge einer Königsreise zu sein. Große, weltbewegende Ereignisse sind an uns —D zehnten der edle Max von einem Strom festlicher Begeisterung durch unsre Gaue getragen wurde Je mehr die großen, zu Deutschlands Einigung führenden Thaten deutscher Fürsten und deutscher Stämme den monarchischen Sinn gehoben, Fürsten und Völker sich nahe gebracht haben, desto größer ward auch der Drang in unserm Pfälzer Land, seinem angestammten Fürstenhause seine Verehrung kund zu thun. Und ist's ein Wunder, wenn von niegesehener Pracht und begeistertster Liebe die Pfalzreise unsres Prinzregenten Luitpold begleitet ist? Gehört Er doch zu den fürstlichen Persön— lichkeiten, welche ihre Regentenaufgabe tief erfassen und ihre ganze Kraft für die Erfüllung derselben einsetzen! Das wird Ihm sein Volk nie vergessen, wie Er so fest und sicher in schwerer Zeit die Zügel ergriffen, so gerecht und milde das Scep⸗ ter geführt hat, so treu und fest als deutscher Fürst an der Seite seines hohen Verbündeten, des deutschen Kaisers gestanden ist! Was zur äußeren Befestigung unsrer vaterländischen Größe, wie zur inneren friedlichen und gedeihlichen Fort— entwickelung unsres Volkslebens in Religion und Sittlichkeit, Kunst und Gewerbe, Handel und Industrie gereichen kann, findet in seinem wahr⸗ haft fürstlichen Sinne klarstes Verständnis und kräftigste Foͤrderung. Unbeirrt, in männlicher Festigkeit geht Er seine Bahn; durch leutselige Milde gewinnt Er seines Volkes Herzen. Wie sollte nicht besonders St. Ingbert, eine aufstrebende Stätte rüstiger Arbeit, jetzt zum ersten Mal ebenbürtig stehend in der Reihe der glänzenderen Schwestern am Rhein, am Haardt⸗ gebirge und in den Bergen des Westrichs, — einst eine Grenzstadt, über welche vor 18 Jahren der Kanonendonner der Spicherer Schlacht gleich dem Grollen eines abziehenden Gewitters hingezogen ist, — nach besten Kräften Das zum Ausdruck bringen, was es dem machtvoll schützen⸗ den Scepter und der von echt deutschem Geiste getragenen politischen Weisheit Seines hohen Fürsten verdankt! Ja, die Glocken auf den Thürmen und die Geschütze mit ihren donnernden Grüßen sollen es weitertragen über Berg und Thal, was aus Herzenstiefen machtvoll dringt: Heil unserm Pfalzarafen Luitpold! Mit freudiger Hoffnung wurde schon all die Tage und Wochen her dem Besuche des geliebten Herrschers hier entgegengesehen. Die ganze Be⸗ völkerung wetteiferte in den Vorbereitungen eines würdigen Empfangs, und als der festliche Tag kam, da prangte St. Ingbert in nie gesehenem Schmuck. Tausende waren aus Nah und Fern herbeigeströmt, Bayerns Regenten zu sehen und ihm zu huldigen. Wohl 20 Tausend an Zahl mögen im Laufe des Vormittags die auswärtigen Besucher erreicht haben. Mit etwas Verspätung erfolgte die Ankunft des kgl. Zuges um 11 Uhr 6 M. am hiesigen Bahnhofe, Glockengeläute und Böllerschießen kuün— digte ihn an und begeisterte Hochs einer unzähl⸗ baren Menschenmenge begrüßten Se. Kgl. Hoheit, welcher aus dem Wagenfenster freundlichst win⸗ kend dankte. Rüstig verließ der hohe Herr den Wagen. Auf dem Perron hatten sich eingefun⸗ den die HH. kgl. Regierungspräsident der Pfalz, kgl. Bezirkßamtmann, kgl. Bergmeister Günther, tas. Oberamtsrichter Bühler. Kommerzienrath O rämer, Heinrich Krämer, Bürgermeister Heinrich ind sämtliche Stadträthe. Herr Bürgermeister hielt nach der Vorstellung folgende Begrüßungs ansprache: „Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster Regent, Allergnädigster Fuͤrst und Herr! Huldigend und jubelũnd ertönen vieltausendstimmige Willkommen— rufe Eurer Kgl. Hoheit hier an der äußersten Westmarke des Königreiches. Diese aufblühende, vorwärtsstrebende Stadt— gemeinde St. Ingbert, durch so viele wichtige Interessen mit den Zentralstellen des Landes aufs engste verknüpft, erfreut sich heute zum ersten Male des unbeschreiblich großen Glückes und der hohen Ehre, in ihrer Mitte das bayerische Staats— oberhaupt in tiefster Ehrfurcht huldigend begrüßen zu dürfen. Den Gefühlen, von welchen unser aller Herz und Brust durchdrungen, den beredesten Ausdruck zu geben, fordere ich Euch alle auf, Ihr bayer— schen Männer von Stadt und Land St. Ingbert, nit mir einzustimmen in den vaterländischen Ruf: Se. Kgl. Hoheit Prinzregent Luitpold, des König— reichs Bayern Verweser lebe Hoch, Hoch, Hoch!“ Tausendstimmig stieg dieser Ruf empor, ein un— wandelbares Gelübde deutscher Treue Se. Kgl. Hoheit dankte herzlichst, reichte Herrn Bürgermeister die Hand, worauf die Abschreitung der Front der aufgestellten Bergleute und Schmelz⸗ arbeiter mit ihren Musikkorps folgte. Fräulein Lina Günther aus Schnappach, in Uniformrock ind Schachthut eines Bergmanns überreichte einen Blumenstrauß, worauf ihr der Regent ein gol— denes Armband übergab und sich ihre Photo— graphie erbat. Der Prinzregent betrat sodann den von Herrn Ungewitter sehr geschmackvoll de— orirten Wartesaal III. Klasse, wo auf einer „on Blumen und Blattpflanzen umgebenen Rund— äule die lorbeerbekränzte Buͤste Sr. Kgl. Hoheit ich erhob. Beim Austritt aus dem Bahnhofe empfing den Prinzregenten tausendfaches Hoch. duldvollst nahm der Regent den von Herrn Her⸗ mann Fischer, Vorstand des hiesigen Kriegerver— eins, überreichten Frontrapport über alle hier oersammelten pfälzischen und preußischen Krieger⸗ bereine entgegen. Es waren dies 919 Mann, 25 Vereine mit 22 Fahnen. Se. Kgl. Hoheit schritt die Front ab und zeichnete einige Krieger hdurch huldvolle Worte aus. Sodann begann die Fahrt nach dem Schulhause. Zahlreiche Vereine zildeten nach dem bekannten Programm Spalier bis zum Schulhaus. Die ganze Straße bis da— hin fand sich durch eine dichte Fichtenallee eingesäumt, uͤnd unterhalb des Bahndurchganges grüßten von einem hohen Triumphbogen die Worte: „Bayern und Pfalz, Gott erhalt's. Hoch Haus Witiels⸗ bach.“ Unausgesetzt erschallten iubelnde, begeisterte Zurufe. Nachdem Se. Kgl. Hoheit mit Gefolge über den mit Pflanzen und Blumen sehr einladend geschmückten Vorplatz sich in den Gang begeben jatte, wurde der erlauchte Herr hier von 10 khrenjungfrauen begrüßt, an deren Spitze Frl. Zettchen Kircher folgendes Gedicht sprach Hoher Freude Feuergarben Lohen mächtig durch die Guue, Daß die Pfalz nun ihren Fürsten Auaqa' in Auge einmal schaue! Westwärts von dem deutschen Strome. Von den Hügeln rebumschlungen, An der treubeschirmten Grenze Huld'gen heute frohe Zungen. Nicht der Vorzeit Ruhmeszeichen Rufen hier Willkomm entgegen, Doch das Beste ruht im Herzen, Wie im Schacht des Berges Segen Fest wie Eichen unsrer Berge Steht die Treue allerorten, Brüßet warm den deutschen Herrn, Der der reichste Fürst geworden Reich in Liebe seines Volkes Woll' ihn Gott der Herr erhalten, lebex'm Haus der Wittelsbacher Allezeit in Gnaden walten!“ Gleichzeitig überreichte Frl. Antonie Re ein Bouquet. Beiden e —— Sr. Kgl. Hoheit eigenhändig je ein godenegen weißen Steinen besetztes Medaillon dn gold n Kette überreicht. Hierauf stieg dann Se Hoheit die Teppichbelegten Stufen zu den obe Räumen empor, wo die Aufwartung stattfand er Die oberen Räume, welche der Pri nun betrat, boten einen D n die frine üeboirung . die Leichen pehene Portieren, den Bilderschmuck der Wände Ir schöne Blumen- und Pflanzenzier — Alles *— Jossen von dem hellen Sonnenglanz des Moͤrgen⸗ Sofort nach dem Eintritt zeigte sich Sein ꝛgl. Hoheit am Mittelfenster, von biausccen Hoch und endlosem Jubel der nach Tausende ählenden Menge begrüßt. Es war eine begei— sterte Huldigung, durch die schmetternden Klänge der Nationalhymne mächtig erhöht. In mmer neuen Salven wiederholte sich der bra— ende Gruß auch dann noch, als längst der freum— lich nickende und sichtlich hocherfreute Fürst de— rechtsgelegenen Empfangssaal betrelen hatte hier standen in weitem Halbkreis die zur Auf vartung befohlenen Beamten, Geistlichen, Stad— räthe und Bürgermeister des Kantons. Nach der Vorstellung unterhielt sich der Prinzregent in leutseligster Weise mit jedem Einzelnen, und ge⸗ wiß wird der Blick in dieses freundliche Greisen— antlitz voll Güte und Wohlwollen jedem unber geßlich bleiben. Hier war es auch, wo Herr Subrector Bar— nikel seine zur Begrüßung des nen gedichtete, am Kopfe dieses Blattes stehende Ode dem dienstthuenden Flügeladjutanten überreichen zurfte mit der Bitte, sie in die e Se. Kgl doheit zu legen. Der Buntdruck des prachtvoll usgestatteten Albums ist von der Firma Demetz ausgeführt; der blaue Saffianeinband, »on Hrn. G. Seibel hier hergestellt, trägt in der Mitte das goldene Wappen und an den Ecken ãlberne reich verzierte Schilder. Gewiß bildet diese Widmung für den hohen Herrn eine blei— bende Erinnerung an die schöne Pfalzreise. Schon während der Vorstellung hatten sich viele, besonders jüngere Herren des Gefolges dem im linksgelegenen Saale aufgestellten Buffet zu— gewendet. Auch S. K. Hoheit schlug die Ein— Aadung zu einem kleinen Frühstück, — und zwar ist dies hier zum erstenmal geschehen, — nicht aus. Ein Glas „Forster Kirchenstück“ mundete dem hohen Herrn derart, daß er erklärte, solchen Wein nicht zu besitzen. Nach kurzem Verweilen erfolgte der Aufbruch. Als die hohen Herr— chaften sich entfernten, rief uns noch ein Herr, wenn wir nicht irren, war es der v. Malsen, die Worte zu: St. Ingbert kann stolz sein. Nirgends noch haben Königliche Hoheit etwas genossen, außer hier in St. Ingbert. Umdrängt von der frohbewegten Menge be—⸗ stieg der Prinz-Regent den Wagen, um die stundfahrt anzutreten. Daß eine so würdige Stätte für den Empfang bereitet werden konnte, dafür gebührt besonderer Dank Herrn und Frau Lommerzienrath Oskar Krämer, welche in iebenswürdigster Weise alles zur Ausschmüuͤckung der Räume, wie zur Bewirihung des hohen hastes zur Verfügung gestellt umd rathend und jelfend die keineswegs leichte Aufgabe zur alüch⸗ ichen Lösung bringen halfen. Von hier ging die Fahrt auf der tannenum⸗ umten Kaiserstraße gegen das Eisenwerk. An ogenannten Glashůttenweg befand sich eine'groß⸗ artige Ausstellung von Maschinen und Erzeug⸗ nissen hiesiger Industrie. Die Spinnerei Schuler und Schmilt hatte Baumwollballen und verar⸗ heitete Waaren ausgestellt, die Buch- und Stein— zruckerei Demetz eine Sammlung von Druchsachen, owie eine Druck⸗ und eine Prägemaschine. Hieran chloß sich eine Lederausstellung der Roßleder⸗ abrit Gebr. Braun, ferner eine Pyramide verschie denfarbiger Flaschen aus der Akenglashütte St Ingbert und eine weitere, 18 Meter hohe von weißen und blauen Walzengläsern aus der Mariannenthaler und Vopelius'schen Glashütte in Schnappach. Ferner hatten ausgestellt Thon— vaareufabrikaut Adolf Beer auf einem hohen Se dessen Eden Ueidere Vasen irugen, auf iner korinthischen Säule eine große griechich PRase. Den Schluß der Ausqlellung bildeten