auf je 8 M. Geldstrafe. Die Aehnlichkeit der be⸗ sreffenden Münzen mit Zehnmarkstücken lasse, so wurde in dem Urteil ausgeführt, eine Schädigung deß Publikums nicht ausgeschlossen erscheinen, es sei deshalb durch die Verbreitung der Münzen die Sicherheit im geschäftlichen Verkehr gefährdet und musse die Verausgabung derselben als eine unge- pührliche Belästigung des Publikums betrachtet werden. Iserlohn, 2. Jan. Eine hiefige Dame, welche den ersten Gesellschaftskreisen angehört, stand vor einigen Tagen vor dem Schöffengericht unter der Anklage, in einem „Kaffeetränzchen“ verschie- dene „interessante Neuigkeiten“ über einen jungen Herrn geplaudert zu haben. Da die RNittheilungen des „Clübchenmitgliedes“ jedoch die Ehre des Durchgehechelten“ allzusehr angegriffen und sich die völlige Grundlosigkeit der Veclaumdungen her⸗ qdusstellte, so dictirte der Gerichtshof dem jungen Damchen eine Gesängnißstrafe von 14 Tagen. FErlangen, 2. Jan. Die Gesamtmitglieder⸗ zahl des Sterbekassenvereins des kgl. daher. Forstpersonals hat sich bis zum Echlusse dis Jahres 1888 auf 967 gestellt. Im hezeichneten Jahre find dem Verein im ganzen 43 neue Mitglieder beigetreten und nur 3 Mitglieder, an dere Relikten ca. 12,370 M. ausbezahlt werden konnten, gestorben * Fürth, 2. Jan. In der Nacht vom Sonntag anf den Montag entsprang aus der hie⸗ figen Frohnvesie der berüchtigte Dieb und Deserteur Philipp Rieß aus Bruck, indem er das Eisengitter zu beseitigen vermochte; derselbe sollte demnächst wegen groͤßerer Einbrüche und Diebstähle an das Nürnberger Schwurgericht abgeliefert werden. Nuürnberg, J1. Jan. Mit einer schweren Heimsuchung begann fur mehrere hiesige Familien das neue Jahr. Auf dem Ludwigskanale brachen heute Nachmittag beim Schlittschuhfahren eine Anzahl Kinder ein; 7 davon, im Alter von 14- 16 Jahren, konnten nur noch als Leichen wieder herausgeschafft werden. Unter den Ertrunkenen befindet sich der einzige Sohn eines Drechsler⸗ meisters. F München, 2. Jan. Ein Fest, wie es im bayerischen Heer wohl selten gefeiert wurde, begeht, wie die „Münchener Neuesten Nachrichten“ melden, in diesem Jahre der Prinz-Regent, nämlich das 50jährige Jubildum als Oberst-Inhaber des 1. Feldartillerie-Regiments. Am 1. November 1839 ernannte Koͤnig Ludwig J. seiner zweitge⸗ horenen Sohn, den damaligen Hauptmann des 1. ArtilleriesKegiments, Prinz Luitpold, zum Oberst⸗ inhaber dieses Regiments und seitdem nannte sich letzteres „Prinz Luitpold“ und nach dem Tode des Aönigs Ludwig II. „Prinz- Regent Luitpold“. Unser jetziger Regent hat die Artilleriewaffe von jeher beborzugt und in derselben aktiven Dienst ge⸗ leistet, so daßz am kommenden 1. November die zjefammte bayerische Artillerie und besonders das I. Feldartillerie-Regiment Anlaß hat, einen Ehren⸗ tag im vollsten Sinne des Wortes zu feiern. Aber nicht nur die Artillerie, sondern das ganze bayecische, das deutsche Heer — fügt das Blatt hinzu — wird freudigsten Antheil nehmen an dem Jubeltag eines Fürsten, der, ein echter Soldat, den Geschicken des Heeres stets mit warmem Herzen gefolgt ist. München. Um den deutschen Hee— resdienst von Grund aus kennen zu lernen oder die größeren Herbstübungen in all ihren Einzel- heiten mitzumachen, wird seit einiger Zeit die bayerische Armee von fremdländischen Offi— zieren mit Vorliebe aufgesucht. So waren schon oͤfters schwedische, daänische und schweizerische, ja sogar schon japanische höhere Offiziere bei den Ma⸗ nöbern anwesend, während eidgenössische Offiziere niederer Grade auf längere Zeit Dienst gethan haben. F Eine prinzipiell bedeutsame Ent scheidung wurde jüngst vom Verwaltungsgerichtshof in München über den konfessionellen Charakter der bayerischen Landesuniversitäten gefällt. Es handelte sich um die Vertheilung eines Familien⸗ Stipendiums, welches vom Kanonikus Zeys in Forchheim 1594 gestiftet wurde mit der Bestimm⸗ ung, daß der Stipendiat eine kathol. Unvisität be— suche. Auf Grund dieser Bestimmung erkannte so- wohl der Stadtmagistrat Forchheim wie das Be— zirksamt und die Kreisregierung einem die Mün— chener Universität besuchenden Rechtskandidaten das Stipendium zu, wogegen der in Erlangen studirende, um drei Grade näher mit dem Stifter verwandte Mitbewerber, welcher gleichfalls Jurist ist. Beschwerde zeim Verwaltungsgerichtshof einlegte, die als be⸗ zründet erklärt wurde, und zwar in Uebereinstim⸗ nung mit dem Gutachten des Oberstaatsanwaltet Dr. von Hauck, indem der konfessionelle Gegensatz, ur deuische Universitäten wenigstens, nicht mehr hestehe und Erlangen wegen seiner protest. theolog. Fakultiät so wenig eine prot. Universität sei wie München eine katholische, da an beiden Universitäten Zrofessoren verschiedener Konfessionen doziren und demnach von einem exklusiv konfessionellen Charakter sdier nicht die Rede sein könne. Der Ainspruch des krlanger Studenten wurde demnach in Anbetracht einer näheren Verwandtschaft gegenüber seinem Munchener Kollegen für begründet erklärt unter Abänderung der vorinstanziellen Beschlüsse. F Plötzlich erblindet. Ein bedauerns— verthes Unglück hat die Trindl'sche Kaufmanns⸗ jamilie in München betroffen. Dieselben kehrten jon einer Christbaumfeier spät Abends nach Hause zurück, als plötzlich die Frau sich äußerte, warum „die Gaslaternen auf der Straße plötzlich ausge- zangen seien'» Da dieser Umstand aber faktisch nicht eingetreten, so stellte sich durch gegenseitig er⸗ 'olgte Erklärungen bald heraus, daß die Frau — nöglicherweise durch den zu raschen Temperatur⸗ wechsel — ploͤtzlich blind geworden ist. F Die Kaiserin Friedrich hat, wie ge⸗ auesische und florentinische Blätter übereinstimmend melden, zum Bau des großen Kranlenhauses in San Remo (casa di salute) dem dortigen Sin⸗ daco die Summe von 20,000 Lire telegraphisch überwiesen. Das Hospital ist für Kranken aller Rationen bestimmt und soll den Namen „Fede— cico“ zum Andenken an Kaiser Friedrich er⸗ jalten. fZur Beherzigung. Von Prlrofessor v. Bergmann zu Berlin ist vor einigen Wochen eine Dperation ausgeführt worden, wilche nicht allein eine interessante, sondern auch höchst beherzigens- werthe Vorgeschichte hat. Im Lazaruskrankenhause war vor mehreren Wochen einer kranken Frau der liinke Arm bis zum Ellenbogen abgenommen wor⸗ den. Es war diese Operation nothwendig ge vesen, um der Krankheit, die fich als Knochenfraß jerausgestellt, Einhalt zu thun. Da aber die Operationswunde nicht zuheilte, so wurde eine veitere Amputation für unerläßlich erachtet, deren Ausführung Profeffor v. Bergmann übernahm. Dabei stellte fich heraus, daß das Mark aus den dnochen vollständig durch eine ungezählte Menge von Maden aufgezehrt worden sei. Bei äherer Untersuchung wurde mit Leichtigkeit festge- dellt, daß diese Maden Hundewürmer seien. Jitzt vußte sich die Kranke auch zu besinnen, daß sie hren Schoßhund oftmals geküßt habe. Unzweifel⸗ jaft hat bei einer solchen Lieblosung ein Hunde⸗ vurm seinen Weg in den Körper der Frau ge— unden und hat dadurch über dieselbe ein jo schweres berhängnis gebracht. F (Steigerung.) In Pest erschien in voriger Woche vor dem Gericht ein junges Mäd⸗ hen, um gegen einen Herrn eine Klage diskreten znhalts mündlich zu erheben. Sie wird vom Notar zuvörderst nach ihrem Alter gefragt. Ich bin 22 dahre alt, ist die Antwort. — Ja dann müssen Zie, liebes Fräulein, warten, bis Sie 24 vorbei ein werden, denn laut unserem Gesetz können nur Broßjährige im eigenen Namen prozessiren. — Ich glaube, Herr Notar, ich bin schon 22 vorüber. — Wann find Sie geboren? — Ich, glaube, daß ch schon nahe an 28 bin. — Wann sind Sie ge— zoren? — Ich glaube schon 28 Jahre alt zu sein. — Sie müssen Ihr 24. Jahr schon erreicht haben, venn Sie ..... — Ich bin etwas über 23. — Das nützt Ihnen noch immer nicht. — Ich neine, daß ich mein 24. Jahr bald erreichen dürfte. — Entschuldigen Sie, Fräulein, zum Licitiren sind die Licitationshyänen da. Wann sind Sie geboren? — Im Jahre 18 (lange Pause) 64. — O, mein Fräulein, dann nur frisch los zum Prozeß! Landwirthschaftliches. Zweibrücken, 3. Jan. Auf dem heutigen Biehmarkt wurden verkauft: 58 Kühe und stinder um die Gesammtsumme von 7515 Mk. 50 Pf. Nächster Viehmarkt am Donnerstag den 17. Januar. Spat der Pferde. Der Spat selbst ist nicht erblich, wohl aber zie Anlage dazu. Von mit Spat behafteten Eltern abstammende Fohlen bekommen leichter das debel, als solche von gesunden Eltern: immer muß aher zur Bildung desselben eine besondene Ursache porhanden sein. Als solche muß in der Regel über⸗ mäßige Anstrengung, besonders in der Jugend angesehen werden. Es muß also mit jungen Pferden, welche von spatlahmen Eltern abstammen desonders vorsichtig umgegangen werden. Es wird edoch im gewöhnlichen Leben so manches als Spat angesehen, was gar keiner ist und daher als „falicher Spat“ bezeichnet werden muß, welcher iber bei Fohlen. die nicht gleich von Geburt aus damit behaftet sind, nicht zum Vorschein kommen wird. Ein solcher falscher Spat ist beispielsweise der „Ochsenspat“, eine Vergrößerung der Sprung⸗ zelenksknochen nach der inneren Fläche, ohne wei⸗ sere Beeinträchtigung, welche sich beim Pferde, venn nicht schon bei der Geburt vorhanden, später niemals bilden wird. Wahrer Spat ist, wenigstens m Anfange, immer schmerzlich. Bedingt wird er ourch eine Beinhautentzündung des Sprunggelenkes, vobei auf der inneren Fläche Lymphe ausgeschwitzt wird, welche mit der Zeit verknöchert. Dabei verden auch die Sprunggelenksflächen mehr oder weniger angegriffen und verwachsen nicht selten zu einem Stücke, wodurch die Biegsamkeit des Belenkes beeinträchtigt wird. Infolgedessen geht ein solches Pferd eigentümlich zuckend und im Anfang der Krankheit immer lahm, später geht es uur lahm, wenn es sich nach längerer Ruhe zu zewegen anfängt; nach einiger Zeit aber, oder in ꝛinigen Fällen überhaupt, ist das Lahmgehen gar nicht bemerkbar, besonders wenn die Knochenaus⸗ chwitzung gering ist. Noch schwieriger ist natür⸗ ich in einem solchen Falle der Spat auf beiden Füßen festzustellen, da man den verdächtigen Fuß nicht mit dem gesunden vergleichen kann, weil beide paiverdächtig find. Im Allgemeinen gilt der Satz daß spatlahme Pferde zur Zucht nicht verwendet werden sollen, da die Anlage nicht aber die Krank⸗ seit selbst erblich ist. Familiennachrichten. Gestorben in Edigheim Anna Maria Willer, 18 J. a.; in Neustadt a. H. Louis Frey, 72 J. a.; in Haßloch Fr. Juliana Postel geb. Theobald, 81 J. a.; in Landsweilerhof bei Reden Fr. Wwe. Philippine Roß geb. Vogel, 50 J. a.; in Kaisers⸗ lautern Franz Siang, 53 J. a.; in Friedelsheim deinrich Weirauch, 94 J. a.; in Deidesheim Fr. Wwe. Apollon. Siben geb. Moßbacher, 61 J. a. in Neunkirchen Fe. Therese Häbringer, geb. von -„chwarzenberg, 78 J. a Telegraphischer Schiffsbericht der „Red Star Linie“ Antwerpen. New⸗Yorkt, 29. Dez. 1888. — DerPostdampfer „Rhynland“ der „Red Star Linie,“ ist von Ant- werpen heute wohlbehalten hier angekommen. Neueite Nachrichten. Berlin, 8. Jan. In der heutigen Sitzung, welche der Ausschuß des Emin Passcha⸗Comi— 68 abhielt, wurde die Commandirung Wißmann's zum Auswärtigen Amte mitgeteilt. Das Comité nahm mit Bedauern hiervon Kenntniß, da hier⸗ durch demselben unmöͤglich geworden sei, den ersten Theil der Emin Pascha⸗-Expedition auszuführen. Trotzdem beschlyß der Ausschuß, die ungestörte so⸗ sortige Ausführung der Expedition zu sichern. Paris, 3. Jan. Der Handelsminister setzte jeute den Ministerrat vom Tode des letzten Ueber⸗ ebenden der Ueberlebungsgenossenschaft „Lafarge“, zegründet 1791, in Kenntnis und teilte mit, daß nfolge der Satzungen dieser Gesellschaft dem Staate eine Erbschaft von 1,200,000 Fr. Rente und eine Million in Bar zugefallen sei. Rom. 3. Jan. Der Köonig verlieh dem „sterreichischen Botschafter Freihern von Bruck as Großkreuz des Mauritiusordens. VProtestantischer Gottesdienst Sonntag den 68. Jan. 1889 vorm. 10 Uhr Leg 8 2, 2 u. 8; Lied 744. Vachm 2 Uhr Christenlehre. Für die Wedaktian verantwortlich F. X. Demetz. 1558 — 184