8* . Ingberker Anzeiger.
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Deutsches Neich.
Münden, 7. Juni. Wie der „Bayerische Kurier“ meldei,
sdie Ernennung des bisherigen Benedictiner-Abtes bei St. Bonifaz
Mnidersitätsprofefsors Dr. v. Haneberg in München zum Bi—
chof von Speyer am 5. d. Mis. o⸗fiziell erfolgt. J
Berlin, 6. Juni. Der Kronprinz und die Kronprinzessin
on Italien haben dem Herrn Propst Herzog 1000 Franken zur
herschönerung der n St. Hedwigskirche über⸗
wiesen. — Die k. Familie von Italien ist bekauntlich im Bann.
Iber ‚nicht deren Geld re..
Berlin, 6. Juni. Das Jesuiten-Sesetz wird am 15.
Juni an den Reichstag gelangen und soll folgende zwei Para-
raphen umfassen:
8. 1. Angehörige des Jesuitenordens und verwandter
Fongregationen, welche unbekannten auswärtigen Oberen unbedingten
h horsam schulden, verlieren das deutsche Indigenat und können
musgewiesen werden.
F. 2. Der Bundesrath setzt fest, für welche Orden das
Zeseß Kraft hat.
Berlbin, V. Juni. Es scheint richtig, daß die gestern dem
Justiz⸗ Ausschusse des Bundesraths zugegangene Vorlage als eine
Art Nothgesetz und bis zum Erlaß eines definitiven Gesetzes über
zie Kongregationen die Jesuiten, ohne unbedingten Verlust des
Indigenats, mit der Ausweisung aus Deutschland bedroht. Es
jandelt sich also, wie die „Köln. Ztg.“ Dies neuerdings in Aus⸗
ächt gestellt hatte, thatsächlich um die Beschränkung oder den Verlust
der Freizügickeit. Au der Annahme des BGesetzes im Bundesrathe
und im Reichstage wird nicht gezweifelt. J
Berlin, 10. Juni. Das Abgeordnetenhaus genehmigte
den Antrag auf Vertagung beider Landtagshäuser, worauf der
Rinister des Junern die königliche Botschaft verlas, welche beide
däuser des Landtages bis zum 21. October vertagt.
Berlhin, 10. Juni. Die „Kreuzzeitung“ hört, daß die
Nachricht über die beabsichtigte Zusammenkunft des deutschen Kaisers,
des Kaisers von Rußland und des Kaisers von Oesterreich, bei
der Enthüllung des Steindenkmals auf einem Irrthum beruhe
ke schienen allerdings von Seiten des Comités Einladungen an
die drei Monarchen ergangen zu fein, es sei jedoch unwahrschein⸗
ch, daß die Kaiser von Rußland und Oesterreich derselben Folge
eisten würden. 3
Berlin. Fortan wird Deutschlandmit dem neuen fran⸗
söfischen Wehrgesetz rechnen müssen; denn dies Gesetz erscheint in
det That derart, um die ernstesto Beachtung zu beanspruchen. Das⸗
elbe übertrifft, so schreidt der Militär⸗Betichterstatier der Post“
in seiner Leistungsfähigkeit das deutsche Wehrgesetz um nahezu das
dreifache, und strebt in der vollsten Verwirklichung des Wortes
anach, alle wehrbaren Männer in den Waffen vorzubilden. Das
jahreßcontingeni auch nur zu 200, 000 Mann angenommen sder
anzoösische Voranschlag nimmt 220,000 bis 230,000 Mann in
lussicht), wird Frankreich in den Jahrgängen seiner activen Armee
ind den vier Jabrgangen seiner ersten Reserbe eine unmittelbar
eetfüghare Streitmacht von ü, 800, 000 Maun besitzen, wovon die
Nlfte vorgeübte alte Soldaten, die andere Hälfte hingegen aller—
ungs nur in einer Schnelldressur von je sechs Monaten vorgebil⸗
dete junge Mannschaften. Da sich die Gesammidienstpflicht jedoch
m 20. bis 40. Lebensjahre bemessen findet, treten hietzu noch
e ferncren zwölf Jahrgänge der Territorialgarden und Territo⸗
ialteserben von gleicher Stärke, so daß sich der gesammte Mann⸗
daftsstand der durch dies neue Gesetz in Aussicht genommenen
tmdsischen Waffenmacht demnach auf ruud vier Millionen beziffern
dürde. Der Zeitraum für diese Verstärkung der activen Armee
deint nach den gelegentlichen Aeußerungen der französischen
wanchegelüst⸗ höchstens auf vier Jahre bemessen zu werden. Ganz
anc wird aber Deutschland diese Wehranstrengung noch ohne
eichen sich vollziehen lassen können, ohne noch rechtzeitig die
aprechenden Gegenmazregein zu treffen, und bleidt demnach nahezu
VDestimmtheit vorherzusehen, daß wahrscheinlich schon in näch
der Frist auch das deutsche Wehrgeseß noch eine Steigerung seinet
Leistungsfühigkeit und das deutsche Militärbudget die dadurch etwa
dedingte Erhöhung erfahren dürften.
Frankreich.
In Paris hat sich ein Verein zur Verbreilung des Unter⸗
ichts unter dem weiblichen Geschlechte gebildet, welche eine freie
Normalschule für den Secundärunterricht und eine Reihe von
Primärschulen gründen will. Er will nicht voraugsweise Lehrerinen
bilden, sondern auch solche Schülerinen in seine Normalfchule
aufnehmen, die sich nicht für den Unterricht bestimmen. Vas
Journal des Debats“ zollt diesem Unternehmen seine lebhafte
ZAustimmung.
Jermischee«.
fSt. Jaagbert, 10. Juni. Zu den Schwurgerichts⸗
ãtzungen des II. Quartals ist aus dem Kantone St Ingabert
Herr Peter Ha ud von Rohrbaq einberufen worden —
— Bei dem in hiesiger Stadt Anfangs Juli abzuhaltenden
Berbandstag der pfalzishen Vorschußdereine wird Hr.
Schnlze⸗Delizsch beiwohnen. I
F Zweibrücdken, 10. Juni. Der heute Vormittag vor
dem Schwurgericht verhandelte Preßprezeß Hohele Verlaãumdung
Weber's durch Unterschiagungsbezichtigung) endigte mit einer Ver
dhnung zwischen dem Antragsteller Hrn. Kaufmona Heinrich Weber
ind dem Besczuldigten, ein Ausgang, der fichtlich auf den größten
Theil des zabsreichen Auditoriums den besten Eindruck machte. Nach
Beendigung der einleitenden Verhaudlungen und Vernehmungen
des Zeugen Weber richtete der Hr. Schwurgerichtspräsident au diesen
die Frage, ob et, falls Hr. Hohle sich zu einer Ehrenerklaäͤrung
derstehen wolle, seinen Strafantrag nicht vielleicht zurückzuziehen
Sereit sei. Nach einigem Bedenlen und nachdem Hr. Hohle erklärt
hatte, daß er in gutem Glauben gehandelt, daß er getäuscht worden
und daß es ihm von Herzen leid thue, den angreifenden Artikel
in der Südd. Post“ (HMeünchen) veranlaßt zu haben, war Hr.
Weber zur Zurückrahme bereit. Wir stimmen der Gratulalion,
welche der Hr. Präsident, Appellrath Molctor, dem Antragsteller,
dem Beschuldigten und der Stadt Kaiserslautern zu diesem guten
Ende machte, vollständig bei, ebenso wie der Hoffnung, daß Äehn
liches in Kaiserblautern nicht wieder vorkommen möge. Wir konnen
aber auch nicht nnterlassen, den schwer und ungerecht angegriffenen
Hren. Weber der heute geübten hochgradigen Noblesse wegen be⸗
sonders zu beglüdwünschen. Als interessani heben wir noch hervor,
daß Seitens des Hrn. Präsidenten wie des Herrn Staatsanwalts
die Mäßigung, deren sich die schließlich Versöhnien befleißigten,
lobend anerkannt wurde.
rLandau, 10. Juni. Am nächsten Sonntag predigt in
der hiesigen Katharinenkapelle der unerschrockene muthvolle latho⸗
lische Priester Ht. Professor Kanoodt, eine Zierde der Bonner Uni⸗
bersität. (Land. Eilb.)
f In Karlsruhe zirkulirte am 5. d. das iolle Gerucht,
die Stadt Newyork sei in Zeit von 7 Minuten untergegangen.
7 In der March (Schlesw. Holst.) wurden dieser Tage 3
vor dem Pfluge befindliche Pferde von einigen Schwärmen Bienen
überfallen und zu Tode gemartert.
F Aus Lithauen wird neuerdings wieder ein großes
Brandunglüdk gemeldet, dessen Opfer das Siädichen Antopol im
Kreise Kooryen geworden ist. Das F.uer, das jedenfalls von
jrevelhafler Hand angelegt war, brach an mehren Stellen zugleich
hervor und hat 128 Hhauser in Asge gelegt.
fAm vorletzten Sonntag wurde Hrn. Thiers von einem
Engländer der Regenschirm gestohlen. Der Präsident war nämlich
in dem Hofe herumgegangen und hatte, da er am Thore mit einer
Person sprach. sein n Schirm an das Gitterthor gestellt. Ein wohl⸗
gelleidetetr Mann bemächtigle sich desselhen und wollte sich mit
emselben wegschleichen, wurde aber festgenommen Bu dem Polizei⸗
Fommissar stellte es sich heraus, daß dec Eageuder einer vor⸗
nehmen Familie angehörte und er sich den SAchten bon Thits duu