Sl. Ingberter Anzeiger.
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338 Diienstag, den 1875
7 Dem Postillon G. Ph. Job in Speyer wurde von der
Heneraͤldireltion der kgl. Verkehrsanstalten ein Ehrenposthorn mit
ilberdurchwirkten Schnüren verliehen.
7 Der „pPf. K.“ meldet aus Ludwigshafen, 6. März: Es
var hier (und dem Vernehmen nach auch auswärts) in letzter
Zeit eine Anzahl gefälschter Wechsel in Umlauf gesetzt worden,
ʒeren Anfertiger, zwei Einwohner von hier, nachdem es der hiesigen
Polizei gelungen, die Falsifikate zu Handen zu nehmen, gestern
verhaftet und nach Frankenthal abgeliefett wurden.
F In Burweil er starb ein Ehepaar von 68 und 69
Jahren an demselben Tage und fand in einem gemeinschaftlichen
Brabe die letzte Ruhe.
FSteinwenden, 4. März. Der hiesige Krieger⸗
Zerein besschleß in seiner letzten Versammlung, dem Soldaten
Ignaz Stafsky vom 8. pommer'schen Infanterie ⸗Regiment Nr.
(4, welcher im August 1871 auf dem Rückmarsche aus Frankreich
n Steinwenden starb uad daselbsi beerdigt wurde, ein Denkmal
u setzen, sowie für die aus den Orten Steinwenden, Weltersbach ꝛc.
gefallenen Soldaten Gedenktafeln verfertigen zu lassen.
Am I. März hat sich in Mertesheim eine alte Frau, die
iich zu nahe an den Ofen setzte, wodurch ihre Kleider in Brand
zeriethen, so schrecklich verbrannt, daß ihr Haut und Fleisch wom
dörper fielen und sie in der darauffolgenden Nacht ihren Geist
aufgab.
— Metz, 5. März. Die hiesige Polizeibehörde hat vor
kurzem Veranlassung gefunden, Damenkleiderstoffe, in denen die
hemische Untersuchung bedeutende Mengen Arsenik und Kupfer
nachwies, mit Beschlag zu belegen. Dieselben stammen aus einem
ziesigen größerea Damen Mademagazine, welches sie von einer
Pariser Firma bezogen haben will.
FStraßburg, 1. März. In der Stadt erzählt man
sich, daß währe nd des protestantischen Gottesdienstes in der Nikolai⸗
tirche bei Beg inn des neu vorgeschriebenen Gebets für den
daiser eine einzelne Dame, ein Fräulein Schneegans, frühere
Gastwirthin in Bühl bei Barr, sich mit Ostentation erhob und,
'ndem sie sich die Kircheathüre aufschließen ließ, von dannen schritt.
Nomen et omen — meinten einige ungalante Kirchenbesucher.
fFMünchen, 5. Mär z. Nach dem soeben betannt ge⸗
zebenen Resultat des in Idieser Woche adgehaltenen Einjährig-
Freiwilligen Eramens sind von 89 jungen Leuten 12 als befähigt
etkannt worden, 27 sind durchgefallen. Es ist Das das schlech—
seste Resultat, welches seit dem Bestande dieser Prüfungen erzielt
vurde.
F Es sollen demnächst auch in München Versuche mit Brief⸗
tauben-Wetifliegen gemacht werden.
FIn Aschaffenburg starb am 26. Februar die
Schwiegertochter des Dichters J. G. v. Herder. Sie war die
Wittwe des jüngsten Sohnes desselben, nämlich des bereits 1855
Frankreich oerstorbenen dayerischen Forstmeisters E. v. Herder. — Zur Zeit
Paris, 7. März. Ein von dem Unlerstaatssekretar Culebt in Aschaffenburg noch der Sohn der Verstorbenen, also ein
»e Wüt im Auftrage des Ministers des Innern unter dem 24 Enlel des Dichters, der pensioni rte Major E. v. Herder.
Februar erlassenes Cirkular an die Präfekten untersagt den Ver⸗ fBerlin, 4. März. Der Kaiser empfing heute Voc⸗
sauf aller Photographien des kaiserlichen Prinzen in Visitenkartene nittag 11 Uhr, alz am Jahrestage der Heerschau über die preuß.
der ähnlichem Format, nur der Veritieb der großen englischen Barde auf dem Longchamps bei Paris, eine Anzahl jener Offiziere,
Photographien in Albumformat, die sich mit Rücksicht auf ihren welche er bei seiner Rücklehr von Ems nach Berlin im Juni 1870
Preis und Umfnng nicht für die Propaganda eignen, ist noch auf der Rampe seines Palais begrüßt und in der Hoffnung.ent⸗
Jestaltet. Das Verbot erstreckt sich ferner auf alle Chromolitho- lassen hatte, sie würden die Erwartungen der Tausende, die hinter
graphien und Stiche, welche den kaiserlichen Prätendenten darstel- ihnen ständen, auf Vertheidignng des Vaterlandes erfüllen. Heute
en. Der Erlaß, den Hert von Witt als einen „vertraulichen“ dankte der Kaiser für die Ersüllung dieser Erwartung und ver⸗
zezeichnete, wird heuie don dem „Ordre“ und der „Patrie“ ver⸗ ehrte jedem der Offiziere eine Miniaturdarstellung der Sieges—
uffentlicht. jäule aus Bronze mit eigenhändiger Widmungsschrift. Es waren
* dies der Hauptmann Freiherr von Canitz und Dallwitz, der Pre⸗
nierlieutenaut von Lindequist, die Lieutenants v. Klöden, v. Hertz⸗
erg, von Grandies vom Alexarder⸗Regiment, Lieutenant Graf
Zückler von den Garde-Husaren.
München, 6. März. Gelegentlich der gestern statte
ehablen Sitzung des Finanzausschusses der Abgeordnetenkammer
Addigte der Kriegsminister die Vorlage eines Gesetzentwurfs über
snen außerordentlichen Credit zu Armeezwecken an, die zu fordernde
hesammtsumme entziffert aber nicht, wie mehrere Blaͤtter meldeten,
o Millionen, sondern nur circa 31/3 Million und bezwedtt die
ʒortführung bezw. Vollendung des durch die für die Etatsjahre
1374 und 1875 bewilligten Credite Begonuenen. *
Berlin, 6. März. Die Annahme. daß das Gesetz wegen
rntziehung der Dotationen für die latholischen Bischöfe schon am
Dienstag auf die Tagesordnung des Abgeordnetenhauses gesetzt
verden foll, ist irrthümlich. Es liegt vielmehr in der Absicht,
nunächst den Etat des Cultusministeriums durchzuberathen, da man
e Ferügstelluug der Etatsberathung in beiden Hünsern des Land
ages bis zu den Osterferien d. Is. also bis zun 20. d. M.
röglichen will. — Wie die „Wes. Zts.“ erfährt, wird die deutsche
segierung demnächst eine Matheilung an die russische Regierung
Jelangen lassen, in welcher die Bereitwilligkeit Deutschlands, das
ssishe Edrbinet bei der weiteren B.rfolgung der kriegsvölker-
echtlicheu Reformprojekte zu unterstützen, einen erneuten lebhaften
Ausdruck finden wird. Voraussichtlich dürfte diese Mittheilung
much zur Kenntniß der andern betheiligten Regierungen gebracht
berden: — Wie die „Nordd. Allg. Ztg.“ vernimmt, erfordert die
lusarbeitung der Vorlage für die preußische Generalsynode die
derbeischaffung eines beträchtlichen Materials aus allen Provinzen;
Jet damit verknüpfte Zeitaufwand läßt frühestens den Zusammen⸗
riit erst im Herbst dieses erwarten.
Das Reichskanzler Amt hat ein Rundschreiben an die
raiserlichen Misfionen erlassen, durch welches dieselben aufgefordert
verden, den betreffenden Regierungen das Programm der im
August zu Köln Statt findenden großen internationalen Garten
zau-Ausstellung offiziell zu überreichen, und zugleich sollen die
stegierungen ersucht werden, Commissare für die Ausstellung zu
rnennen und deren Beschickung zu fördera. — Der Staatsanzeiger
nthält eine kaiserliche Verordnung, nach welcher die Einfuhr von
dartoffeln aus Amerika, sowie von Schalen und anderer: Abfällen
olcher Kartoffeln, ferner von Säcken oder sonstigen Gegenständen,
velche zur Verpackung oder Verwahrung derartiger Kartoffeln oder
dartoffelabfäle gedient haben, bis auf Weiteres verboten wird.
Auf Kartoffeln, welche als Schiffsproviant eingehen und von dem
Schiffe nicht entsernt werden, findet das Verbot keine Anwendung
Straßbursg, 7. März. Eine Kaiserliche Verordnung vom
5. Marz beruft die Bezirkstage za einer außerordentlichen Session
auf den 5. bis 10. April behuss Wahl des Landesausschus⸗
eß ein.
Verwischtes.
St. Ingbert, 8. März. Als Geschworene sind zu
ver heute eröffneten Schwurgerichtssessiosn aus dem Canton St.
Inabert einberufen: Herr Müller Peter Hauck von Rohrbach und
Herr Bürgermeister Michael Wack bon Ommersheim.
Für die Redaltion verantworilich F. X. Demeß.
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