St. Ingbeiter Anzeiger.
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M L45. Dienstag, den 28. Juli.
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Deutsches Reich.
Nus Berlin, 20. Juli, meldet man dem „Fr. Journ.:
„HDer Kronprinz hut die Gesetzespochagen gegen die soc aldemokra⸗-
füchen Umtriebe genehmigt; dieselben gehen dem Bundesrath fofort
nach dem Schluß seiner Ferien zu. Vorher durfte über den Inhalt
dichts Zirverlässiges bekannt wetden.
Berlin, 21. Juti. Se. Maj. der Kaser hat gestern
Nachmittag die esste Spazieifahrt unternommen; auch heute fudt
er eine Stunde lng spaz'eren. — Die „Nordd. Allz. Z.“ schreibt:
Wie zuverlässiz verläutet, gedenkt der Kaiser, sobald es die Witter⸗
ung gestastet, sfeinen Aufenthalt in Babelsberg zu nehmen; darilver
hinaus, namenilich üdber eine eiwaige Cur in Teputz und Gasteinn,
find noh keine Entschließungen gefaßt, welche wefentlich von der
Zunahme seiner Kräfte abhängen dürften.
Das „Berl. Tagebl.“ schreibt: Gegenüber den aus Konstan⸗
tinopel cinlaufenden Nachrichten, diß eine Verständigung zwischen
der Pforte und Griechenland neuetdings unwahrscheirlich zu werden
beginne, erfazren wir von guter Setite: „Die grie hische Rezierung
hat unterm 16. Juli zu Rom mit dem itslienischen Kabinet ein
Schutz- und Trutzbüdaiß abgeschlossen. Tarin verpflichtet sich
Italien mit seiner Flotte ei e Landung türkischer Truppen ansden
griechischen Küsten verhendern zu wollen, Em malienisches Ge⸗
schwader soll schon in einigen Tazen nach den griechischen Gewässern
unter Segel gehen.“ Ju dieser wichtigen Nachricht ist allerdinge
nicht gesagt, welche Gegenleistung sich Italien ausdedungen hat.
Jedenfalls ist in Italien die Gührung im Wachsen. Meldungen
römischer Zeinungen zufolge werden in einigen Städten Jaliens
Meetings der „Italia irridente“ (d. i. der Vereinigung italienischer
Patrioten zur Wedervereinigung Triests und Wälschtyrols mit dem
sönigreich Italien) veranstaltet werden. Ein von der vorgeschcit⸗
nenen Partei in Ron organ sirtes Meetinz fi det wahrscheinlich am
nächsten Sonntaz statt. Aber auch anderswo sind die Separat⸗
Verträge an der Tagesordnung. In Londoner diplomaufchen
stressen glaubt man an den Bestand eines russisch-persischen Ver⸗
trages, der nicht seit dem Kriege, so dern aus jüngster Zeit datirt.
Man will hierin auch den Grund für die wenig freundliche Haltung
Lord Beaconsfieids gegenüber den von Malkon Khan auf vem
Kongresse vertretenen Ansprüchen Persiens erdlicken. Thatsächtich
machte England die meisten Schwier'gke ten gigen die Ab.retung
ber Stadt Thotur aa Persien.
Ueber die Lage der deutschen Eisenindustrie wird der „West-
jälischen Zeitung“ aus Dortmund geschtieben: „Die Inven-
dur der Esene und Stahlwerke ist nun beendigt. Die Betriebs⸗
ergebniffe sind im Ganzen güsstiger, als an Ende des Geschäfts⸗
jahres 1876 —77, wenngleich sie noch immer viel zu wünschen
übrig lassen. Im besten Fulle haben die Wecrke einen gering
jügigen Ueberschuß erzielt, andere sind eben auf die Betriebskosten
gelommen, viele aber schließen wiederum mit einer Untecb lanz ab.
Auf einzelnen Etablissements hat in der letzien Zeit ein ziemlich
otter Betrieb geherrscht, und auch für die nächste Zeit siund manche
mit reichlichm Aufträgen versthen. Besonders sind die Bessemer
—AI
Die Fabritaion von Stahleisen ist ebenfalls in der letzten Zeit in
der Zanahme begriffen. Verschiedene Werke ha en davon belang⸗
reiche Aufträge nay Ruß aud zu effektuiren. Dasselbe gilt von
der Drah:fabritation. Ader die Leiter der Fadriken haben kein
Vertraurn zuu dem Vestand der gegenwärtig leidlich günstigen Kon⸗
junktur und siellen dahr keine neuen Arbeiler an, lieber dehnen sie
die Lieferfristen aus, oder legen Nachtschichten ein. Sie befürchten
bei Ausbleib ausreichender Bestellungen in die Lage zu kommen,
einen weiteren Preisrückzang des Esens herbeizuführen, indem sie
zur Erlangung eatsprechender Aufträge für die Beschäftigung der
vermehrten Arbei:sträsfte geaöthigt sein würden, stärlere Angebot:
nit vbill'geren Preisen zu machen. Seit Kurzem zeigt sid bei
Aeutschem B.ssemer Roheisen eine steigende Tendenz dießhald die
— Shien-Walz verke vielfach ihren Bedarf aus Euglind be⸗
ziehrn rejsp. zu diesem Zweck Aoschllisse mit englischen Werken gemahh
ziben. Aud die Bleche habn an Preis gewoönnen, indem sie
bis 6M. höher nstiren, als vor acht Tagen.“ Dazu bemerkt die
1F. H. s.“ „Daß die Lage der Eisenindustrie nach wie vor
eine schwierige ist. wird Niemand bestreiten. Wenn man aber be—
müht ist, die Ursahe hiervon haupisachtich in der Handelspolitik
ftast in den während der Gründerzeit begangenen Suͤnden und in
der seit Jahren festgehaltenen Heberprodukuon zu suchen. so verdient
doqh die Thatsache, daß im ersten Jahre nach Anfhebung der Eisen⸗
zoölle die Betriebsergebniffe im Garzen günstiger gewefen sind, als
im letzzen Jayre mit den Zölen, sicher die gießte Beachtung.“
NAuskand.
Wien, 21. Juli. Dee „Mo tagsrevue“ erfährt, daß
Fürst Bismaick und Gruf Andrassh während des Berliner Congresses
sch auch über den beiderseitigen Standpunkt in Sachen des ösier⸗
recchisch⸗ deutsch.n Handelsvertrags ausgesprochen haben und daß in
Folge davon nichts mehr im Weg sieht, daß die beiderseitigen
Bevollmächtiglen bald wieder zu— Fortsetzung ihrer Arbeiten zusam⸗
mentreten, die hoffentlich zum Abschluß des Vertrags jühren.
Nahh den neuesten Berichten aus Valencisennes ist der
zestrige Tag in größter Ruhe verlaufen; die Zahl der Streikenden
hat aber zu zendaumen und belduft sich jetzt aus s —9000
Paris, 21. Juli. Alle Berichie aus Anzin stimmen darin
ibetein, daß der dortge Strekk, obgleich die äußere Ruhe vor der
dand keine Gefahr läuft, einen sehr ernsten intensiven und düsteren
Tharaker angeno mmen hat. Alle perfönlichen Versuche, welche der
Praftkt des Deparlemenige, der commandirende Gencral Lecodinte
und andere amtliche Persönlichkeiten mit einer alle Anerkennung
verdtenenden Selbstverl eugnung gemacht haben, die Arbeiter in
Büte zur Rücktehr in de Gruüben zu bestimmen, sind vergeblich
Jebl eben; verg blich selbst das Anerbieten, fie mit militaͤrischer
Bededung a!u ihre Arbeitsstellen zu geleiten, wofern sie fich nur
durch die Drohungen ihcer Kameraden zurückhalten ließen. Die
Streikenden und namenilich ihre Frauen tragen eine finstere Ent⸗
chloss nheit zut Schau, einen stummen Trotz, der sich allein Anscheine
nach erst durch sehr bittere Erlahrungen wvird brechen lasfen. Von
Zeit zu Zeit werden einige Berhaftungen bewerkstelligt; doch hal
sich ein positiver Beweis für die Behauptung. daß der Bonaparlis
mus oder die Internationale bei diefem Sireit die Hand im Spiele
hätte, bisher nicht erdringen laffen.
Paris, 21. Juli. Der Streik in Anzin dehnt sich weiter
aus und bedroht das garze Kohlenredier daselost,. Die Ordnung
ist indessen nicht gestöct. Man hofft, daß die morgen statifindende
Versammlung der Verwaltungsräthe der Compagnie eine Losung
herbeifühtren werde.
Inzwischen werden aus der Provinz schon wieder zwei neue
Streils gemeldet: Die Färbergesellen von St. Chamond bei
St. Etienne, 700 an der Zahß, und die Bäd rg sellen von Bo r⸗
deaur, an der Stärke von 4509, haben ihre Arbeiten eingestelli.
Jene verlangen Herabsezung der Arbeit:zeit und Erdöhung der
Loͤhne, diese eine Echöhung des Lohnes für die Arbeiter erster
klasse auf 4 Fres. 47 Cent. und für die Arbeilee zweiter Klasse
auf 2 Fres. 45 Cent.
London, 20. Jusi. Die von Hart'ng'on im Unterhause
angelündigte Rejolut on wird d.e Genugthuung darüber aussprechen,
daß die Uncuhen im Orient darch den Bechliner Vertrag beigelegi
vorden, ohae daß es oon Neuem zum Keriege gekoenmen sei, sowle
daß einigen Völkecschaften der Tarkei Freihen und eine selbstständige
Reglerung bewllizt wo den sei. Die Jnterpllation wird ader zu⸗
Jleich bedauern, daß den Reklamationen Griechenlandz nicht mehr
Folge gegeben worden, und daß England, indem ez allein die
Harantie für die der Pforte verbleibenden Tertitorien übernommen,
damit zugleich sich Verpflichuungen und Verantwortlichkeiten aufge⸗
bürdet habe, ohne daß ein Mittel angezeigt sei, denselben nachzu⸗
kommen und ohne zuvor die Genehmigung des Parla nents einzuholen.
—. Die Besprechung der Risolution findet voraussi dilich au 29.
L
Vermisqhtes.
S. Inzubert, 23. Juai. Unserer heutigen Nanmer