Full text: St. Ingberter Anzeiger

Vermischtes. 
e Fũr das Jahr 1878 hot die Stadt St. In bert 449 
Geburten, 84 Heirathen und 315 Sterbefälle zu verzeichnen. 
oSit. Ingbert. 18. Jan. (Zauber ⸗Theater.) Wie aus 
dem Annonceutheile unserer letzten u. heutigen Rummer ersichtlich, vi rd 
der Zauberkünsiler Prof. Böning aus Dresden einige Vorstellungen 
hier geben. Der Raf, der diesem Zauberkünstler vorangett, soll 
in so auerlannter sein, daß wir seiner Ankunft nur mit Vergnügen 
ntgegensehen kͤnnen. Ein uns vorli egendes Blatt sagt über den⸗ 
selben: Dieser moderne Fauf ist ein durchaus von der gewöhn⸗ 
lichen Sorte abweichender Kunsiler, Feinheit und Delitatesse durch⸗ 
vehen die Vorführungen und machen seine Productionen um so 
räthfelhafier und gediegener. „Geschwindigkeit ist keine Hexerei“ 
tiart'ca wohl, aber ergründen mag ihm kein Zuschauer den Zu⸗ 
jammenhang der überraschendsten Erfolge. Sowohl seine Geister⸗ 
und Gespenfter⸗Citirungen, das Großartigste, was bis jetzt in den 
größten Städten Deutschlands Furore macht, kommen zur Aus⸗ 
sührung. Er ist unstreitig der renommirteste Künstler seines Faches, 
ind dabei verschmäht ex den glänzenden Apparat ablentender 
Täuschung. Möge man die Gelegenheit nicht versäumen, in diesem 
elten bei uns vorgeführten Fache der Kunst etwas Gutes und 
Gediegenes zu sehen ·. 
FDie Plaͤlzer Ztg.“ schreibt: „Bezuͤglich der in der Pfalz 
zu errichtenden Landgerichte (Bezirksgerichte) erfahren wir aus guter 
Duelle, daß voraussichtlich die seitherigen Bezirksgerichtssprengel 
Frankenthal, Kaiserslautern, Landau und Zweibrũcken beidehalten 
werden.“ 
*Auf der Gemarkung von Häffler bei Kusel wurde zu 
Anfang diefer Woche im Schnee ein neugeborenes Kind todt aufge⸗ 
funden. — . 
*— (Wilhel m 3speude.) Die Kommission für die 
Wilhelmsspende genehmigte in den letzten Tagen definitiv das ent⸗ 
wotsene und ihr vorgelehte Statut, wonach die in Berlin unter dem 
Protektorate des Kronprinzen domizilirte Anstalt bezweckt, Geringbe⸗ 
mittelten, insdesondere 2us dem Arbeiterstande, als Altersrenten⸗ und 
sapitalversicherungsanstalt zu dienen. Den Garantiefonds derselben 
soll der Ertrag der Wilhelmsspende bilden. Die Jahresüber schüffe 
nnen verwendet werden zur Verstärkung des Garantiefonds, zur 
Gewaͤhrung von Divrdenden und zur Unterstützung Verficherter. 
Eine Einlage von'5 Mork begründet die Verficherung. Die Jahres⸗ 
rente einer Person datf 1000 Mark nicht übersteigen. 
*.Ausgaben fur Unterricht und Militär. Es 
dürfte Viele interessiren zu erfahren wie sich das Verhältniß der 
Summen stellt, welche die einzelnen Staaten für den Unterricht und 
für das Nilitär ausgeben. Deutschland verwendet jahrlich 
oro Kopf der Bevölkerung 2,08 M. auf den Unterricht und 9,16 M. 
auf das Militär; Oesterreich — 1,86 M. für den Uaterricht 
ind 5,56 M. für das Milisät; — Frankreich — 1,16 M. 
zür den Unterricht und 18 M. für das Militär; Jtalien — 
72 Phefür den Unterticht und 6,28 M. für das Militär; Eng⸗ 
anß4 — 2,64 M. für den Unterricht und 14,44 M. jur das 
Miliiär; Schweißz — 3,52 M. für den Unterricht und 4 M. 
sur das Militär; Rordamerika Vereinigte Staaten) — 8,08 
M. für den Unierricht und 5,56 M. für das Milität. 
Man fieht aus diesen Zahlen, daß Deutschland von den euro⸗ 
päischen Siaaten in Bezug auf die für den Unterxicht cusgegedene 
Sunme die dritte Stelle einnimmt, und daß es auch die gleiche 
Stelle in Bezug auf die Militärausgaben hat, daß jedoch die Staa⸗ 
sen, welche ihm voranstehen, nicht in de:den Faͤllen dieselben sind. 
In dem ersten Falle find es die Schweit und England, in dem 
ietzteren Frankreich und England. Oidri man die Staaten nach 
dem Verhältniß der Ausgaben jür den Unterricht und für das 
Militaͤr, so flehl obenan Nordamerika, wo sich die Ausgaben nur 
Oos8 gestalten. Unter den europäischen Staaten steht obenan 
die Schweiz mit dem Verhältniß 1: 1118; dann folgt Oesterreich 
mit dem Verhältniß 1: 408; dann Deusschland mit 12 4,40; 
arauf GEugland mit 13 5,46; dann mit einem eiwas großen 
Sprung Jialien mit dem Verhälmmik 1. 1207 und. Frankreich 
mit 13 15,581. 
pKaisersslautern. Der Projeß des Staates, resp. 
des hiesigen Rentamtes gegen das- Banthaus F. Moeser hier, in 
welchem es sich um nochnalige Zahlung einet Summe van 2000 
M. handelte, die das genannte Bankhaus demselben bereits jrüher 
zezahlt hatte, wurde in zweiter und letzter Instanz vor dem Appell⸗ 
Serichte in Zweibrüchen verhandelt und die Klage wie in erster 
Instanz abgewiesen. (Pf. Vollsztg). 
'BaStudernheim stieß am 13. Jan. der Puffer einer 
Maschine cinem noch rasch dor dem Zuge das Geleis üdberschreiten 
volleuden Bahnwart so in die Seite, daß ec nach dreiviertel Stun 
den flarb. Derselbe hinterlaßt fünj Kinder. (Pj. Pr.) 
FOffenbach. Dieser Tage dam hierher ein Reisender? 
und begann sofort seinen, Fechtlünste.“ Der Polizeidiener, Dies 
merkend. will ihn abfafssen, erwischt ihn, während er gerade vor 
iner Thür steht und einen Teller Suppe verzehit. „Papiere her !* 
serrschte ee ihn an. Der schlaue „Fechter“, welchet keinen Ausweis 
nit sich führie, dat den Polizeidiener, ex möge ihm seine Suppe 
jalten, damit er seinen Vorweis aus seiner Nebentasche hetaus⸗ 
jolen tznne. Während nun der Eine den Teller hält, drückt fich 
er Andere an der Wand hin und — sucht das Weite. Mein 
zuter Polizeidiener aber, der mit der Suppe nicht weiß wohin, 
jeht und jchaut ihm verblüfft nach. — Seildem ist in der Ge⸗ 
neinde das Wort gang und gäbe: Michel heb' die Supp 
pPforzheim. (nArbeiten sfüt die Stadtgemeinde.) Der 
siesige Stadtrath hat soeden veröffentlicht, daß in Zukunft die⸗ 
enigen Gewerbeireibenden, welche innerhalb 14 Tagen nach Aus- 
ührung der ihnen von der Stadigemeinde übertragenen Arheiten 
ind Lieferungen an die städtische Verwaltung nicht einreichen, bei 
erneren Bewerbungen nicht mehr berückhsichtigt werden. (Das 
vderden sich die Beireffenden wohl nicht zweimal sagen lassen.) 
7Menz. Wir lesen in der Lothringer Zeitung: Sogar den 
Poͤlfen fügt man heut zu Tage Verläumdungen zu. Der Schäfer 
u M. betiagt sich seit einiger Zeit gewaltig über den alten Ise⸗ 
zrimm, der ihm beinahe jede Woche ein oder mehrere Schafe von 
jer Heerde wegnahm. Natürlich übernimmt er teinerlei Garantie 
ur die gestohlenen Schafe. Morkwürdiger Weise findet man bdeinahe 
eine Ueberreste und dann auch nur wenige Knochen, so daß man 
lauben sollte, det Wolf verzehrte alle Knochen, sovie das Fell 
es Thieres mit. Zwar lag die Vermuthung nahe, der X 
chleppe die Thiere in den unfern gelegenen Wald, so daß es schwer 
alt, eiwas zu finden. Vor einigen Tagen machte der Foͤrster aus 
5. seine gewohnte Tour auch im Walde von M. und sieht von 
ern einen Mann, der im Begriffe ist, ein Thier auspuweiden5er 
chleicht behutsam näher und fieht den Schäfer — ein Reh, nein, 
in Schaf ausweiden. Erstaunt und angstvoll sieht ihn der Schäfer 
in; der Förster glaubte Anfangs an eine Mystifikalion, der Schäfer 
jabe das Fell. nur mitgenommen, um seine Wilddieberei zu be— 
nänteln, doch zeigte bald seine Untersuchung, sowie der Schnitt 
im Halse des Thieres und das bluttriefende Fell, daß das Schlacht⸗ 
»pfer nicht im Waldrevier aufgewachsen, sondern nur des besseren 
Wegschaffens wegen dahin gebracht sei. Der kluge Schafer hatte 
elbsi den Woif gespieit. Er wurde aber vom Jaͤger verrathen 
ind noßz seines Pcotestes und der Verficherung, das Schaf sei 
„on einem Wolfe dahin geschleppt und getödtet worden, seines 
Antes eutsetzt. Eine sofort angessellte Unkersuchung enthüllte jedoch 
noch mehrere Schaffelle, die auf dem Speicher des pfiffigen Schafers 
derstecdt waren. *9 J 
FEin Pharmajeut in Regensburg ist der glüdliche Besitzer 
des Koiner Dombau Looses, auf weiches der dritte Haupttreffer 
mit 15,000 Mark fiel. 
— * In Gotha sand vor einigen Tagen mittels eines Sie⸗ 
mene'schen Verbrennungsofens die dritte Leichenverberen⸗ 
aung startt. 
FBerlin, 11. Jan. Die Uaverfrorerheit des Berliners 
nimmt auch berm raubesten Nordof nicht ab, dafür mag folgender 
Botgang sprechen. Gestern während des starken Schneewehens ging 
zin altet General, in seinen Mantel gehüllt, die Königin⸗Augusta⸗ 
draße hinab. Als derselbe die Bendlerstraße erreichte, kreuzte eine 
Dtoschle seinen Weg. Der Kutscher verlangsamte abfichtlich den 
Bang des Pierdes, und der weißbärtige General blidte den Mann 
ungeduldig und befehlent an, als wollte er sagen: Na, witrd's 
aid ?“ — Der Dioschkenkutscher rührte sich nicht, aber dem „Zaun 
einet Zähne“ entfloh das geflügelte Wort: „Na, wenn so 'ne 
Zeite bai des Schweinewetter und die faulen Zeiten nicht jfahren, 
zann frageick man blos: wozu fin de Droschten uf de Welt.“ — 
Sprachs, fluchte start und fuhr langsam von dannen. 
fEine wirksame Kur. Eine Beamtenwittwe in 
Zeriüin, die seit längerer Zeit von einem Bandwurme belästigt 
vurde, las vor Kurzem in einer Zeitung die nachstehende Ankün⸗ 
zigung: Jeder Bandwurm wird schnell und radital verttieben! 
Adressen unter Beifügung von 1 M. 50 pf. in Briefmarken 
zub W. O. ftanko Köln postlagernd.“ Sie schictte ihre Adresse 
ein, fügte die verlangten 1 M. 50 Pf. in Briefmarken bei und 
erhielt nach wenigen Tagen im unfrankirten Briefe, das nachstehende, 
zernige Rectpt: „Nehmen Sie früh, Mittags und Abends einen 
Jjehäuften Eßlöffel voll persisches Insektenpulper ein. Er krepirt 
danach sicher! W. O.!“ 
FIn Bromberg (Posen) starb dieser Tage ein Mann 
Namens Baguewstki im Alter von 117 Jahren. 
xF Rach einem wechselvollen, auch an romantischen Episoden 
nicht atmen Leben ist zu Langenau in Sglesien eine jungst 
zast hundertjährige Frau aus dem Dasein geschieden, nachdem sie 
nicht weniger deun fünf Gatten vor sich in das Grab hatte inlen 
Jesehen. »Zo Preßburg als die Tochter eines gräflchen Bediensteten 
Jeboren, veilor sie ihren Vater, als sie noch im zartesten Kindes⸗ 
ilter stund. Da dessen Tod durch die Verletzung, welche ihm ein 
derrschaftliches Pferd zugefügt,, erlolgt war, liek der Graf das