Full text: St. Ingberter Anzeiger (1880)

St. Ingberlker Anzeiger. 
ber St. Jugberter Anzeiger und das (2 mal wöchentlichj mit dem Hauptblatte verbundene Unterhaltungsblatt. (Sonntags mit illustrirter Bei⸗ 
sage) erscheint wochentlich viermal: Dienstag, Donnerstag, Samstag und Sonntag. Der Abonnementspreis betragt vierieljahrlich 
A 40 B einschließlich Trägerlohn; durch die Post bezogen 1 A6 60 A, einschließlich 40 Z Zusteligebuhr. Anzeigen werden mit 10 3. von Annan 
mit 15 fur die viergespaltene Zeile Blattschriit odet deren RNaum, Neclamen mit 830 — pro Zeile berechnet. 
1880. 
— —* 
Abonnements⸗-Cinladung. 
Bei dem bevorstehenden Quartalwechsel erlauhen wir uns zum 
Abonnement auf den 
St. Ingberker Anzeiger 
amtliches Organ des k. Amtsgerichts St. Inabert, 
ziermit ergebenst einzuladen. 
Wir werden auch fernerhin bestrebt sein, unsern Lesern die 
wichtigsten politischen Tagesereignisse rasch mitzutheilen; den lokalen 
nd rohingiellen Vorgängen wird besondere Beachtung zugewendet 
—XR 
Im Erscheinen und Preis des „Anzeigers“ tritt keine 
—XX 
Neubestellungen nehmen alle k. Postanstalten, hier die Expe— 
dition, sowie die Träger entgegen. Unsern bisherigen hiesigen 
Abonnenten wird der „Anzeiger“ auch im neuen Quattale fortge— 
liefert werden, wenn sie nicht ausdrücklich abbestellen. 
Zu zahlreichem Abonnement und fleißiger Benützung unseres 
Blattes zu Veröffentlichungen ladet ergebenst ein 
die Redoktion und Expedition. 
andererseits von einer stra te g isch en Bedeutung ist, welche auch den 
zrinzipiellen Anhängern des gemischten Eisenbahnsystems die Ver⸗ 
taatlichung gerade dieser Bahn als eine Angelegenheit wirthschaft⸗ 
icher und militärischer Opportunität schon laͤngst erscheinen ließ. 
Die militärische Nothwendigkeit, die Bahn in die gesicherte Lage 
ines staatlichen Unternehmens zu bringen, wurde besonders auch 
dadurch bedingt, daß andernfalls die Herstellung des derselben bis 
etzt noch fehlenden zweiten Geleises nach der finanziellen Lage des 
Unternehmens eines absehbaren Zeitpunkis gänzlich entbehrte. Die 
Zerstellung dieses zweiten Geleises ist aber lange als ein Erforderniß 
ür die Kompletirung der militärischen Linien des westlichen Eisen⸗ 
ahnnetzes erkannt worden und unierliegt es keinem Zweifel, daß 
nit der Verstaatlichung der Rhein-Nahebahn dieselbe alsbald auf⸗ 
jehört haben wird, eingeleisig zu sein. 
Ist der Ankauf der Rhein-⸗Nahebahn von militärischer Opportu— 
nität und vielleicht zu gegenwärtigem Zeitpunkte auch bedeutsam, so 
darf man übrigens doch nicht annehmen, daß etwa die vorhandenen 
militärischen Linien unzulänglich wären. Grade die Thatsache, daß 
die Bahn von Bingerbrück nach Neunkirchen, beiläufig bemerkt eine 
der theuerst gebauten Bahnen in Preußen, die Konkurrenz der Mosel⸗ 
und Pfalzbahn hatte, bewirkte ihre ungünstige finanzielle Lage. Die 
Rhein⸗Nahebahn konnte auf ihr Aktienkapilal überhaupt keine Di— 
»idende erübrigen und war auch nur 1870 und 1871 (in Folge 
zer Militärtransporte) in der Lage, ihre mit Staatsgarantie ver— 
ehenen Anleihen ohne Staatszuschuß zu verzinsen. Reserves und 
ẽrneuerungsfonds besitzt die Bahn nicht und an eine Zurückver⸗ 
zütung der Staatszuschüsse von circa 62 Millionen Mark wäre 
hnehin nie zu denken gewesen. Mit dem Erwerb der Rhein— 
Nahebahn würde das Staatsbahnnetz um circa 16 Meilen (121,50 
tilometer) vermehrt werden. Das Anlagekapital der Bahn besteht 
uis 27 Millionen Mark Aktien, die der Staat für circa ein Viertel 
des Betrages erstehen würde. 
Außerdem hätte er die Anleihen zu übernehmen, welche sich 
benfalls auf 27 Millionen Mark beziffern und mit 423 Prozent 
nerzinslich sind. Der gestrige Börsenkurs von 20 Prozent kalkulirt 
ich in Folge der 4prozentigen Börsenzinsen vom J. April auf ca. 
22 Prozent, so daß ein Angebot von 24 Prozent, wenn es rasch 
ttzeptirt wird, für die Aktionäre vortheilhaft erscheint. Ein Theil 
herselben wird dadurch allerdings schwere Vermögenseinbußen be— 
iegeln aber immerhin sich besser stehen als bei Ablehnung der 
Offerte. Der Sitz der Direktion der bereits jetzt unter staatlicher 
Verwaltung befindlichen Bahn ist Saarbrücken. Es ist zu ver—⸗ 
nuthen, daß der Ankauf der Bahn in der Organisation der Staats⸗ 
ahnverwaltung insofern eine Aenderung herbeiführen wird, als die 
direktion mit einer anderen Direktionsbehörde kombinirt werden dürfte. 
In den verschiedenen Mittheilungen über die Steuerprojekte 
er Reichsregierung wird auch die Erhöhung der Branut—⸗ 
veinsteuer angeführt. Nach Informationen der „K. Z.“ liegt 
s damit nun wie folgt: An maßgebender Stelle ist man keines⸗ 
vegs für die Branntweinsteuer und trägt dabei auch dem Umstande 
Rechnung, daß dieselbe auch einzelnen Bundesstaaten durchaus nicht 
rwünscht sei. Nun weiß man aber andererseits, daß die liberalen 
Parteien die Brausteuer nur in dem Falle annehmen, daß gleich— 
eitig eine Erhöhung der Brauntweinsteuer erfolgt. Diese letztere 
vird, wie verlautet, diesmal aus den Reihen der Konserbativen 
zeantragt werden, welche bisher dagegen waren. Die Regierung 
jat sich vorbehalten, erst nach diesen Anträgen Stellung zu der 
Frage zu nehmen. 
Nach der „Kreuzzeitung“ ist die Aufstellung des preußischen 
Ztaatshaushalts so ziemlich abgeschlossen und das Gesammt⸗ 
resultat des Etats läßt sich in allgemeinen Umrissen bereits über— 
zlicken. Das Gleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben, 
velches im vorigen Jahre bedenklich ins Schwanken gekommen 
var, dürfte im nächsten Etat wieder hergestellt werden. Zu diesem 
Hesseren Ergebnisse haben zwar vor Allem die in allen Ressorts 
zleichmäßigen Versuche zur Verminderung der Ausgaben beigetragen, 
hoch zeigen sich auf der anderen Seite auch Mehreinnahmen. Man 
laubt konstatieren zu können. daß eine allgemeine Besserung in 
Deutsches Reich. 
Berlin, 21. Sept. Das Thatsächliche an den Mittheilungen, 
daß große Mehrforderungen für die Militärverwaltung in Aussficht 
ttehen, beschränkt sich im Großen und Ganzen darauf, daß in Folge 
der Annahme des neuen Militärgesetzes und der Verstärkuug der 
Armee die inöthigen Mittel auf den nächsten Reichhaushalts-Etat 
dro 1880/81 gebracht werden müssen. Dem Reichstage ist von der 
Militärverwaltung eine Berechnung der für die neuen Regimenter 
erforderlich werdenden Bewilligungen zugegangen. Darnach betragen 
zie ordentlichen Ausgaben für die Neuformalionen ⁊c. 12,3551,032 
M., dazu kommen für Uebung von Ersatzreservisten 2,502, 106 M., 
usammen 15,148, 188 M. und außerdem noch für Bayern 2,017, 104 
M., in Summa also 17,160,242 M. Die einmaligen Ausgaben 
ind auf 26,713, 166 M. berechnet, darunter u. A. für Kriegsbe— 
leidung und Ausrüstung c. 8,584,286 Mark, für Terrain zu 
ẽrerzierplätzen, Einrichtung der Schießstände ꝛc. 2,354,000 M., 
für Erbauung von Lazarethen 2,2809,000 M., für Beschaffung von 
Zug⸗ und Reitpferden 1,809,480 M., für Beschaffung der kleinen 
Freuer⸗ und Handwaffen, der Geschütze und Fahrzeuge, Mumition ec. 
10,321,700 M. Bei dieser Aufstellung sind die für die neuen 
Kegimenter nothwendigen Kasernenbauten jedoch nicht mit einbe— 
zriffen, so daß hierfür entweder auf dem Wege der Anleihe oder 
»urch Einstellung in das Extraordinarium die Mittel zu beschaffen 
ein werden. 
Berlin, 22. Sept. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung“, 
velche in Eisenbahnverstaatlichungs⸗Angelegenheiten als Moniteur 
des Herrn Maybach gelten darf, bringt die Nachricht, daß die 
Staatsregierung dem Vorstande der Rhein-Nahebahn⸗Ge—⸗ 
iell schaft einen Kaufvertrag unterbreitet hat, der die Verstaatlich-— 
ing der Bahn auf Grundlage einer baaren Abfindung von 24 
Brozent des Aktienkapitals vorschlägt. Für den, der die Leidens— 
jeschichte der Rhein ⸗Nahebahn kennt, kann es keinen Moment zweifel⸗ 
jaft sein, daß die Aktionäre bei einer Abfindung, die den gegen⸗ 
vaͤrtigen Börsenkurs, abgesehen von den Usance-Zinsen, um 4 Prozent 
ibersteigt, mit beiden Händen zugreifen werden. Es steht deßhalb 
u erwarten, daß die nächste Landtagssession — wider ursprüng— 
iches Vermuthen — eine Fortsetzung der Verstaatlichunas-Kampaque 
iefern wird. 
Ohne Rüdsicht auf den besonderen Fall betrachtet, muß es als 
nuffällig bezeichnet werden, daß die für die Verstaatlichungen zuge⸗ 
agte Pause nicht innegehalten werden soll und daß die Ankäufe von 
kisenbahnen fortgesetzt werden, obwohl der die wirthschaftlichen und 
inanziellen Garantien des Staatsbahnbetriebes umfassende Gesetz⸗ 
nntwurf noch nicht einmal vorgelegt worden ist. Der spezielle Fall 
er Rhein⸗Nahebahn erlaubt jedoch diesen neuesten Schritt der Eisen⸗ 
»ahnpolitik insofern in einem anderen Lichte zu betrachten, als die 
senannte Bahn sich keiner besonders gesicherlen Existenz erfreute,