friedlichen Lösung der brennenden Frage beigetragen; seinem Ein⸗
uß ist haupisächlich auch die jetzige rückhaltlose Bereitwilligkeit der
Pforte zur Uebergabe des uns zugesprochenen Gebiets zuzuschreiben.“
In Sophia (der Hauptstadt Bulgariens) hat die Procla—
mation des Fürsten Alexander einen tiefen Eindruck gemacht; trotz
starken Regens sammelte sich am Montag Abend vor seinem Palast
eine große Menschenmenge, welche ihm begeisterte Hochrufe brachte.
Der Fürst erschien auf dem Balkon und dankte. Der Metropolit
von Sophia bat ihn nicht abzudanken und in Bulgarien zu bleiben.
Vermischtes.
* St. Ingbert. Mit dem 18. ds. Mis. tritt auf den
pfälzischen Bahnen der Fahrplan für den Sommerdienst in Kraft.
Im Inseratentheil der heutigen Nr. bringen wir einen Auszug
aus demselben, auf den wir die hiesigen Leser hiermit verweisen.
Die durch denselben bedingten Veränderungen in der Ankunfts—
und Abfahrtszeit der hier durchgehenden Züge sind nur unbedeutend.
Leider sind durch ihn auch die sehr berechtigten Wünsche der hiesigen
Bevölkerung, welche der Direktion in einer Petition zur geneigten
Berücksichtigung vorgelegen waren, unerfüllt geblieben.
F'In Pirmasens starb in der Nacht vom 10. auf den
11. ds. eine Frau in Folge von Mißhandlungen, die ihr von
zwei dortigen Schustern, Namens Karb und Armendinger,
2 Burschen, mit welchen sich das Polizeigericht schon oft zu be—
schäftigen hatte, wiederholt zugefügt wurden. Die beiden Helden,
welche mit Fäusten und Bleistock ihre That verübten, sind ver—
haftet.
Sonntag den 22. Mai hält die Pfälzische Kampf—
genossenschaft ihren 12. Verbandsstag in Kussel ab. Die
Tagesordnung ist folgende: 1. Bericht des Vorstandes über das
abgelaufene Verbandsjahr; 2. Kassenbericht erstattet vom Rechner;
3. der Vertrag mit der Feuerversicherungsgesellschaft „‚Providentia“;
4. Abänderung des 8 7 der Sazungen, die Wahl des J. und II.
Vorstandes betreffend; 5. die Kantonal-Hilfsvereine der Pfalz;
8. der bayerische Kriegertag in München; 7. der deutsche Krieger⸗
tag in Frankfurt a. Main 1881; 8. die Errichtung eines bayer⸗
ischen Kriegerdenkmales auf dem Schlachtfelde von Wörth; 9. das
Jubiläuum der 700jährigen Regierung des Hauses Wittelsbach;
10. Verhandlungen mit dem 23. Bezirk des „Kriegerbundes.“
F Der vor 14 Jahrrn in Ruhestand versetzte Landrichter
Damm von Otterberg, seither in Kempten, wohnhaft, wurde von
den Gemeindebevollmächtigten der Stadt Roth in Mittelfranken zum
rechtstnndigen Bürgermeister gewählt, und es hat diese Wahl die
Bestätigung der k. Kreisregierung von Mitlelfranken erhalten.
FAus dem Westrich wird der „Pf. Pr.“ geschrieben:
„Daß eine strammere Organisation und Handhabung der ortspoli⸗
zeilichen Vorschriften in unserm Feuerlöschwesen hie und
da noth thut, möge Ihnen folgender Vorfall à la Brand im
Hutzelwald, der sich vor einigen Tagen in einem Städtchen
unserer Gegend gelegentlich einer Feuerwehrvisitation zutrug, be—
weisen: Der Spritzenmeister kommt athemlos zum Bürgermeister
gelaufen, was er machen solle, er finde den Spritzenhausschlüssel
nichi. Auf die Entgegnung des Bürgermeisters, es müßten doch
drei Schlüssel zum Spritzenhaus da sein, erwiderte der Wächter:
„Ja, drei sind da, aber zwei hängen drin.“
Zur Erleichterung des Besuches der Kreisthierschau in
Speier werden auf den pfälzischen Bahnen einfache Billets aus—
gegeben, welche für die Zeit vom 28. Mai bis incl. 1. Juni zur
freien Rückfahrt berechtigen.
An der Universität Straßburg wurden im letzten Se—
mester mehrere Preisaufgaben gestellt, darunter eine für die theolo—
gische Fakultät. Am Wettkampfe betheiligte sich auch ein Franken⸗
shaler, Herr Jakob Müller, cand. th., und nicht umsonst,
denn derselbe ging in diesem Kampfe als Sieger mit einem nam—
haften Geldpreise hervor.
Wie wir hören, liegt es in der Absicht der Straßbur—
ger Tabaksmanufaktur, auch in denjenigen Städten, die noch
nicht eine Einwohnerzahl von 2000 erreicht haben, Verkaufsstellen
zu errichten.
F Aus Rottenburg (Württemberg) wird unterm 9. Mai
eine gräßliche That berichtet. An demselben Tage Abends zwischen
7 und 8 Uhr durchlief die Stadt die schauerliche Kunde, eine
Mutter habe ihre vier Kinder im Alter von 12, 8, 6 und 2
Jahren dadurch umzubringen gesucht, daß sie ihnen mit einem Beil
das Hinterhaupt einschlug. Um 11 Uhr Abends waren zwei davon
nicht mehr am Leben; von den beiden anderen erwartete man in
der Nacht noch den Tod. Nahrungssorgen und Zerwürfnisse im
Hause sollen die Rabenmutter zu dieser gräßlichen That gebracht
haben. Sie hat die That, die sie während der Abwesenheit ihres
Mannes vollführte, eingestanden. Sie, wie ihr Mann nach seiner
Heimkehr, sind in Haft genommen.
F.Unter dem Titel „Bier und Branntwein und ihre Bedeu—
tung für die Volksgesundheit“ ist soeben eine Schrift, deren Ver—
fasser der hervorragende Physiologe Professor Rosenthal in
krlangen ist, erschienen. Der Verfasser weist mittels eingehender
Antersuchung nach, daß die von dem Fürsten Bismarck ergangenen
Iussprüche über die Heilsamkeit des Branntweingenusses auf Irr
hum beruhen, daß das Kornchen Wahrheit, welches in der Em—
»fehlung des Branntweins gegen Erschlaffung bei harter Arbei
iege, verschwindend klein sei verglichen mit dem Uebel, welches der
Branntwein stifte. Er führt dann des Weiteren aus, wie auqh
als heilsames Reizmittel das Bier den Vorzug vor dem Brann
wein in höchstem Maße verdiene und wie selbst die Nachtheile über.
näßigen Genusses lange nicht so verderblich wirken, wie der Erzeß
m Branntwein. Wer Volksernährung und Volkskräftigung wolle,
dürfe am wenigsten den Branntwein empfehlcn. Daher sei eine
Brausteuer viel weniger anzurathen als eine Brauntweinsteuer.
fFine Bransteuer, welche zur Unterdrückung der kleinen, leichtes Bier
ereitenden Landbrauereien führe, wirke doppelt schädlich. Vor
Allem aber ständen Steuern und Zölle auf nothwendige Nahrungs-
nittel in Widerspruch zur Volksernährung, schafften Entbehrung
die dann mittels des Branntweins betäubt werde. Auch der Genuß
zon Kaffe und Thee sei namentlich zur Bekämpfung der Branni
veinsucht zu empfehlen. Der Verfasser ist nicht blos Theoretiker,
vie man heute zu sagen pflegt, er hat in mehreren Feldzügen mil
Auszeichnung als Militärarzt fungirt und bei der Loire-Armee sich
)urch seinen Muth und seinen Diensteifer, die ihn sogar in fran—
zösische Gefangenschaft führten, ihm aber auch das eiserne Kreuz
eintrugen, sich hervorgethan. Die bei diesem Feldzuge gesammelten
Zeobachtungen sind in der Schrift verwerthet.
In Passau hat der Maimarkt am vorigen Sonntag
Abend mit einem großen Unglück geendet: das Automatenmuseum
jon Wallenda gerieth durch das Platzen einer Petroleumlampe in
Brand und mit rasender Schnelligkeit verbreitete sich das Feuer
nicht blos über diese Bude, sondern auch über das anstoßende ana—
omische Kabinet von Walter; diese beiden brannten, obwohl die
Feuerwehr bald zur Stelle war, ganz nieder mit Allem, was darin
var. Wallenda konnte nicht einmal die Kasse retten; in nnförm—
ichen Klumpen lag das Silber im Schutte. Walter schätzt seinen
Verlust auf 50,000 Mk., Wallenda den seinigen auf 30,000 Mi
Fin Glück war es noch bei dem Unglück, daß der Wind, der den
zanzen Tag über aus Westen geweht hatte, gegen Abend in Ost—
vind umgeschlagen war; sonst hätte die Lufströmuug die brennenden
Fetzen über das ganze Netz der Buden und Hütten hitgetrieben.
die zweifelsohne allesammt in Feuer aufgegangen wäre.
fFIn Landshut hat der Stadtmagistrat einen Beschluß
Jjefaßt, wornach die höchste zulässiige Schülerzahl in einer Klasse
auf 70 Schüler festgesetzt ist. Die Verwaltung ging von dem
Brundsatze aus, daß in mit Kindern überfüllten-Schulen die
»ädagogische Einwirkung auf jedes einzelne Kind nur in be—
chränktem Maße stattfindet; daß die Handhabung der Disziplin
dadurch leidet und daß die Kraft und Gesundheit des Lehrers vor
der Zeit absorbirt wird.
„Aus München, 11. Mai wird berichtet: Gestern und
jeute hatien wir hier viel Schnee. Das Thermometer stand heut⸗
Morgen auf O. (In Zweibrücken fiel in der Nacht vom 10. ans
11. Mai das Thermometer sogar auf fast 1 Grad unter Null
In Ludwigshafen zeigte es am 11. Morgens — 50.)
FIn München wurden am 10. ds. die ersten diesjäh—
rigen Kirschen das Pfund zu 1 Mk. 50 Vf. verkauft. Dieselben
kamen aus Italien.
Aus dem Oberelsaß. In Geishausen, wo der
Ackerer Peter Luthringer, nachdem er seine Frau mit der Art er—⸗
schlagen und sich dann auf der Bühne seines Hauses erhängt hatte.
zat nun auch, um das Unglück voll zu machen, sich dessen Tochter,
»ine junge Frau und Mutter von zwei Kindern, im Belchensee er⸗
ränkt. Scham und vielleicht auch Gewissensbisse dürften die letztere
zu ihrer That bestimmt haben. Luthringer lebte nämlich in zweiter
She, und die Kinder aus erster Ehe hatten eine Vermögensaus-
ꝛinandersetzung beantragt. Der Vater war dafür, die Mutter und
die erwähnte Tochter aus zweiter Ehe dagegen. Dieser Familien—
treit endete schließlich mit einem Mord und zwei Selbstmorden.
Das in Frage stehende Vermögen ist sehr gering.
Aus der Eifel begeben sich noch immer viele Familien —
vor einigen Tagen 17 — nach Bosnien, um dort sich eine neut
deimath zu gründen. Dagegen kehrten einzelne Familien schon
enttäuscht von dort zurück in die Heimath, so kürzlich eine Familie
nach Kreuzberg. Die wieder einwandernden Auswanderer sind aus
dem Regen in die Traufe gekommen, indem sie vor ihrem Abzue
Haus und Hof billig verkauften, einen Theil des Erlöses veraus⸗
zgabten und jetzt, wenn ihnen etwas übrig blieb. wieder theuer
ankaufen müssen.
Eine vom 10. auf den 11. Mai große Feuersbrunst zet⸗
toͤrte in der Nacht einen Theil des Stahlwerkes Hösch bei
Dortmund.
F Jun Graz starb am 4. ds. Mts. der Stadtrathsbeant
Alois Hüpfl. Von demselbeu wird folgende Episode erzählt
Vor etwa 20 Jahren stand eines Nachmittäags unter dem Thore