Full text: St. Ingberter Anzeiger

New⸗York, 14. September. Der Gouverneur von New⸗ 
Orleans berief die Miliz zur Aufrechterhaltung der durch strikende 
Baumwollarbeiter gestörten öffentlichen Ordnung. — Die Wald— 
bhrände im Norden und Nordwesten des Ontario⸗Sees dauern noch 
fort. Im District Parrysound sind etwa für eine Million Dollar 
Holz verbrannt. 
ELong Branch, 14. September. Die Heilung der Wunde 
Garfield's schreitet günstig voran. Dr. Bliß haͤlt die Eiterbildung 
in der Lunge für beseitigt. Er glaubt, die Kugel sei jetzt völlig 
eingesackt. 
4 
Vermischtes. 
*St. Ingbert, 16. Sept. Wir kommen heute noch 
einmal auf den zu gründenden allgemeinen Krankenunter— 
stützungs⸗ und Sterbekassenverein zurück. Es sollen 
nämlich, wie uns erzählt wird, Bedenken geltend gemacht werden, 
derselbe könne einmal Zwecken dienen;, die mit seinem eigentlichen 
Zwecke nichts zu thun haben. Das ist grundfalsch. Der Verein 
kann und will nur das sein, was sein Name sagt, er kann und 
will ohne alle Hintergedanken nur den einen Zweck verfolgen, der 
schon in diesem Blatte und in der ersten Versammlung klar gelegt 
wurde: Den Mitgliedern ohne Unterschied der Confession und ohne 
Rücksicht auf die politische Ansicht derselben unterstützend und hel⸗ 
fend bei Krankheits⸗ und, Sterbefällen an die Hand zu treten. Der 
Beitritt zum Verein ist demnach auch nicht von der politischen An⸗ 
sicht des Einzelnen oder seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten 
Tonfession abhängig gemacht. Als Mitglied ist Jedermann will— 
lbommen. 
* St. Ingbert, 16. Sept. Heute Vormittag wurde der 
Mörder Deffländ in's Gefängniß nach Zweibrücken abgeliefert. 
Eine Menge Reugieriger hatte sich bei Abgang des Zuges von 
hier am Bahnhof eingefunden. 
Der Uebergangsstelle Mittel bexbach wurde die Be— 
fugniß zur Ausgangsabfertigung der mit Anspruch auf Aufschlag- 
rückverguͤtung ausgehenden Branntweinsendungen ertheilt. 
F. Kaiserslautern. Mit dem Monat Oktober d. Is. 
wird unter Leitung des Herrn May in hiesiger Stadt ein neues 
städtisches Orchester seine Thätigkeit beginnen, welches aus 20 nur 
borzüglichen Fachmusikern, wovon sämmtliche Vertreter der ersten 
Stimmen Solisten sind, gebildet wird. Wie wir hören, wird das 
Orchester sich nicht allein auf hiesige Stadt beschränken, sondern 
seine Thätigkeit über die ganze Pfalz ausdehnen und schon in der 
ersten Hälfte des Monats Oktober eine Concerttournee, bei welcher 
die bedeutendsten Städte der Pfalz berührt werden, unternehmen. 
Daß mit der Bildung dieses Orchesters einem großen Uebelstande 
abgeholfen ist, läßt sich nicht verkennen, besteht doch in der ganzen 
Pfalz bis jetzt kein derartiges Orchester. Wir wollen nicht unter— 
lassen, den Vereinen der Pfalz, und namentlich solchen Vereinen, 
welche sich die Pflege der Musik und des Gesanges zur Aufgabe 
gestellt, aufmerlsam zu machen, bei vorkommenden Gelegenheiten das 
Kaiserslauterer Stadtorchester herbei zu ziehen, welches alle musika⸗ 
lischen Funktionen: Concerte, Bälle und andere Festlichkeiten, nicht 
allein fuͤr ganzes, sondern auch für getheiltes Orchester übernimmt. 
'In Kaiserslautern wird am Dienstag den 20. 
s. Mis. im Saale der Löwenburg ein Honigmarkt abgehalten. Es 
wird daher, schreibt die „Pf. Pr.“, heuer jedem Bienenzüchter Ge— 
legenheit, seinen Honig zu verwerthen, und dem Publikum, be— 
sonders einschlägigen Geschäftstreibenden (Apothekern, Konditoren, 
dechküchnern c.), ihren Vedarf zu decken, geboten. Gleichzeitig 
wird der Pfälzer Bienenzuchtverein daselbst tagen. 
4 Es dürfte für Manchen von Interesse sein, zu erfahren, 
was ein Kind kosten kann, wenn die Geburt desselben nicht in der 
gesetzlich vorgeschriebenen Frist bei dem Standesbeamten angezeigt 
wird. Peter Trapp, Schneider in Pfortz, erstattete für 
seinen am 15. Juli abhin geborenen Sohn Karl einen Monat 
päter Anzeige; ob aus Gesetzesunkenntniß oder aus irgend welchem 
Grunde wollen wir dahin gestellt sein lassen. Er wurde deßhalb 
protokollirt und ihm hiefür eine Geldstrafe von 20 Mark, eventuell 
6 Tag Haft, festgesetzt. 
Speher. Das Kreisamtsblatt Nr. 61 enthält eine 
Bekanntmachung der klg. Kreisregierung über die Anlage der Ge— 
werbesteuer für die Jahre 1882/1883. Die Verhandlungen der 
Gewerbsteuer⸗Ausschüsse sollen alsbald nach Schluß der Verhand— 
lungen der Einkommen⸗und Capitalrentensteuer⸗Ausschüsse beginnen 
und jedenfalls bis Ende December zu Ende geführt sein. 
4 Der erste Hauptgewinn der Baden-Badener Lotterie, im 
Betrage von 15000 Nark, fiel auf Nr. 66709 in die Kollekte 
von Herrn F. de Fallois in St. Johann a. d. Saar. 
4 Der feierliche Einzug des Bischofs Korum in Triert 
findet nach der „K. Vztg.“ am 23., die Inthronisation am 25. d. 
statt. Der Aufschub ist wohl durch den Tod der Mutter des Bischofs 
beranlaßt. — Wie die „Trier. Ztg.“ erfährt, wird der Bischof 
am 22. September in Coblenz dem Obervräsidenten der Rhein— 
zrovinz und dem kommandierenden General des 8. Armeekorps 
einen Besuch abstatten. 
7 Das Ergebniß der letzten Volkszählung (1. December 1880) 
n Preußen sieht jetzt, bis auf einige kleine Posten, fest. Preußen 
jat darnach 27, 278,395 Einwohner. Die Stadt Berlin hat 1,122,440 
finwohner. 
Aus Anlaß der in nächster Zeit in Karlsruhe Statt 
indenden Festlichkeiten wird auf den Pfälzischen Bahnen eine Fahr— 
axermäßigung in der Weise gewährt, daß an den drei Hauptfest- 
agen, als Sonntag den 18., Donnerstag den 22. und Sonntag 
den 25. d. Mis. bei Stationen, welche im direkten Verkehre muͤ 
darlsruhe stehen, einfache Fahrbillete nach Karlsruhe, versehen mit 
dem Stationsstempel auf der Rückseite, ausgegeben werden, welche 
zur Rückfahrt am gleichen oder an dem darauffolgenden Tage, also 
m 19. 28. und 36. d. Mts. berechtigen. Diese Billete sind je— 
voch auf der Großherzogl. Badischen Bahn von der Benützung der 
Schnellzüge ganz ausgeschlossen; auf den Pfälzischen Strecken find 
-chnellzugsbillete bezw. Ergänzungsbillete zu nehmen, soferne 
S„chnellzüge benützt werden. 
Dem Vernehmen nach sollen bei der bevorstehenden Forst⸗ 
»xxganisation in Bay ern 40 Reviere und 12 Forstämter aufge— 
öst werden. 
Das kgl. bayerische Staatsministerium der Justiz hat 
durch Bekanntmachung vom 80. August 1881 nochmals darauf 
singewiesen, daß die Gerichtsschreiber verpflichtet sind, Gesuche und 
erklärungen der Parteien, namentlich Klagen, Gesuche um Erlassung 
von Zahlungsa- und Vollstreckungsbefehlen c., für welche außer der 
hnehin geschuldeten Staatsgebühr eine weitere Gebühr nicht erhoben 
verden darf, zu Protokoll zu nehmen. — Den Gerichtsvollziehern 
vurde gestattet, auf Verlangen der Parteien — falls dieselben 
von der obigen Bestimmung der unentgeltlichen Klageaufnahme 
einen Gebrauch machen wollen — gegen Vergütung Klagen, welche 
um Amisgerichte gehören, abzufassen, sowie Zahlungs- und Voll— 
treckungsbefehle zu erwirken. Für ein solches von ihnen gefertigtes 
Aktenstück dürfen dieselben nicht mehr als 50 Pf. in Anrechnung 
zringen; auch dürfen diese Mahnbriefe an die Schuldner richten, 
edoch hierfür nicht mehr als 830 Pf. und die Portoauslagen ansetzen. 
Ger Verbrauch an Marken bei der deutschen Reichspost.) 
Welch' immensen Umfang das Verkehrsleben angenommen, legt 
ꝛeine Notiz dar, derzufolge innerhalb eines Jahres an Postwerth⸗ 
eichen bei den Reichspostanstalten verbraucht wurden: gegen 3 
Millionen Bogen (à 100 Stück) Freimarken zu 10 Pf. und 8 
Millionen Bogen sonstige Freimarken (also zu 3, 5, 20, 25, 50 Pf.), 
rund 5 Millionen gestempelte Briefumschläge à 11 Pf., rund 120 
Millionen gestempelte Postkarten zu 5 Pf. und rund 15 Millionen 
gestempelte Postanweisungen zu 20 Pf. Die Anfertigung dieser 
Zostwerthzeichen erfolgt ausschließlich in der Reichsdruckerei; von 
jort aus erfolgt die Zuweisung an die 40 Bezirks-Oberpostkassen, 
velche letztere wieder den Einzelbedarf der Postämter decken. 
— (Finziehung der goldenen Fünfmarkstücke.) Die Reichs— 
hankanstalten sind dem Vernehmen nach neuerdings angewiesen 
vorden, die bei ihnen eingehenden halben Kronen anzuhalten und 
nicht von Neuem in Umlauf zu setzen. 
F Geburtsanzeige. Wir lesen in der „Kreuzzeitung“: „Er—⸗ 
„ach (im Odenwalde), 9. Sept. Gestern Abend 892 Uhr ist 
Ihre Durchlaucht die Gräfin Arthur zu Erbach-Erbach und von 
Wartenberg⸗Roth ꝛc., geborene Prinzessin zu Bentheim-Tecklenburg, 
von einem gesunden Grafen glücklich entbunden worden.“ Die 
xltern müssen recht überrascht gewesen sein, daß sie weder einem 
Jewöhnlichen Knaben, noch einem gewöhnlichen Mädchen, weder 
zinem gesunden Herzog, noch einem gesunden Freiherrn, sondern 
virklich einem ächten gesunden Grafen das Leben gaben. 
FEin seltenes Raturspiel. Eine englische Dogge des Fleisch— 
jauermeisters Faulhaber in Pötzleinsdorf bei Wien hat vor einigen 
Tagen 20 Junge, darunter 18 Männchen, geworfen. 
— Die schon in vor. N. gebrachte Nachricht von dem rogen 
gergsturze, dee am Sonntag Abend sich bei dem schw yr 
gergdorfe Elm (Canton Glarus) ereignete, hat weit über die 
Zrenzen der Schweiz hinaus erschütternd gewirkt. Das Dorf iß 
cheilweise verschüttet, 1860 Personen sind bei der entsetzlichen Kata— 
scophe ums Leben gekommen und auch der noch unversehrte Theil 
Jes Dorses ist durch die nachrutschenden Bergmaßen schwer bedroht 
xlm liegt 980 M. über dem Meere und zählte vor der Katastropb⸗ 
000 Einwohner. 
x Zahlreiche, außer Cours gesetzte schwei zerissche Zweit, 
Fin-⸗ und Einhalb-Frankenstücke mit der sitzenden Helvetia aus 
den Jahren 1860, 1851, 1860, 1861, 1862, 1868 sind auch 
in Deutschland noch im Umlauf. Wir machen die Besitzer auf⸗ 
merksam darauf, daß diese Stücke bei allen schweizerischen Kassen 
nur bis Ende dieses Jahres noch angenommen werden. 
Vor einigen Tagen begab sich aus dem bulgarischen Dorf 
TatärBunar ein Fischer Jeitlich Morgens an den nahen Do— 
naustrand, um seiner gewöhnlichen Beschäftigung nachzugehen. 
Pie aroß wat seine Ueberraschung. als er das Retz heraufzog und