St. Iugherter Anzeiger.
Amtliches Organ des königl. Amtsgerichts St. Ingbert.
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X I7.
VPolitische Uebersicht.
Deutsches Reich.
München, 283. Jan. Se. Maj. der König
jaben gestern Abend sofort nach Eintreffen des
Telegrammes, welches das Ableben Sr. k. Hoheit
des Prinzen Karl von Preußen notifizirte, die in—
nigsten Beileidsbezeigungen Sr. Maj. dem deut—
schen Kaiser kundgegeben. — In Folge Ablebens
»es Prinzen Karl von Preußen sind alle ins Auge
jefaßten Unterhaltungen an unserem Hofe abgesagt.
Auch der auf 31. ds. bestimmt gewesene Mar—
schalisball im Wittelsbacher Palais findet nicht
Statt.
München, 23. Jan. Der Trauerfeier in
Berlin wohnt Prinz Luitpold bei.
Mung,en, 24. Jan. Der König hat dem
Fabinetssectetär v. Ziegler einen mehrwöchent—
ichen Urlaub ertheilt.
Berlin, 23. Jan. Dem Vernehmen nach
vird das kronprinzliche Paar am Tage der silbernen
hochzeit Mittags um 12 Uhr nur Glückwünsche
der Mitglieder der königlichen Familie und der hier
eingetroffenen Fürstlichkeiten entgegennehmen und
dann der Familientafel beim Kaiser und der
Kaiserin beiwohnen.
Berlin, 23. Jan. Anläßlich des Ablebens
des Prinzen Karl von Preußen ist eine vierzehn⸗
jägige Trauer für die ganze Armee und eine vier—
wöchige für die Arltillerie sowie für das Infanterie—
regiment Nr. 12 und das Ulanenregiment Nr. 15
ingeordnet.
Berlin, 23. Jan. Die Mittheilung, daß der
württembergische Staatsminister von Mittnacht
binnen Kturzem hier eintreffen werde und daß dieser
Besuch im Zusammenhang mit Verhandlungen
wischen Bayern und Würtftemberg über die Frage
»er Postwerthzeichen stehen dürfte, wird mit
»em Hinzufügen, daß die Ankunft des Herrn von
Mittnacht im Laufe des Februar stattfinden und
zu gleicher Zeit auch der bayerische Minister von
Lrailsheim eintreffen wird, wiederholt.
Der Reichstag beendete am Dienstag die
Berathung des Milidäretats, soweit derselbe nicht
er Budgetcommission vorliegi. Kurze Debatten
erhoben sich nur über die angeblich unnütze Patro—⸗
nenverschwendung bei den Manövern, sowie über
die Versorgung der Hinterbliebenen eines in der
Hasenhaide von dem Posten erschossenen Arbeiters
Hierauf folgte der Mariueetat. Derselbe wurde
fast ohne Debatten gemäß den Anträgen der Fom—
mission erledigt. Bei dem Titel „Reichsjustizver⸗
waltung“ verlangte Abg. Payer die Herabsetz⸗
ung der Gerichtskosten. Staatssecretär von Schelling
entgegnete, daß sich zur Zeit die Wirkung der Ge
richtskostennovelle von 1882 noch nicht übersehen
lasse; erst nach Bekanntwerden von deren Ergeb⸗
nissen werde die Vorlage erfolgen können. Vielen
begründeten Klagen habe die Nobelle schon abgeholfen.
Im Verlauf der weiteren Debalte unterwarf der
bgeordnete Vollmar die Haltung des Reichsgerichts
einer abfälligen Kritik in Bezug auf politische Processe.
Ausland.
Paris, 283. Jan. Die Minister haben sich
»eute Morgen im Cabinetsrath nicht einigen können
d dem Präsidenten der Republik ihre Demission
thergeben.. Präsident Grevbiy hat die Demission
»er Minister nicht acceptirt.
Paris, 238. Jan. Im Minist errath machte
Minister des Innern die Mittheilung, daß
ner
gIn
Donnerstag, 25. Januar 1883.
—18. Jahrg.
sämmtliche Präfekten des westlichen Frankreichs mel⸗
deten, die Royalistenbewegung sei derart, daß es
die höchste Zeit zum Einschreiten sei. Es sind
zroße Vorsichtsmaßregeln angeordnet.
Paris, 28. Jan. Die Kaiserin Eugenie
ist kurz nach ihrem Eintreffen hier von der Regier—
ung aufgefordert worden, in kürzester Frist Paris
zu verlassen.
Paris, 24. Jan. Die Berathung des Mi—
nisterrathes im Elysee dauerte bis Mittag. Das
Ministerium demissionirte nicht; dasselbe wird vor
einer Commission seine Erklärungen abgeben.
Unter Bezugnahme auf die Manteuffel'sche Rede
oeröffentlicht das bonapartische Pays einen Aufsatz
der in bemerkenswerther Weise Front macht gegen
die unablässige Hetzereien der franzö—
iischen Chauvinisten gegen Deutfch—
rand und das lächerliche Gebahren der Elsaß-
rothringer in Paris. Vielleicht verhallen diese
dernünftigen Worte nicht ungehört bei unseren
vestlichen Nachbarn. Wir entnehmen dem Artikel
olgende Stellen: „Wollt und könnt ihr Elsaß
othringen wiedererobern? Wenn ja, so schwatzt
uicht weiter, sondern laßt eure Heere, um deren
Organisation und Disciplin Europa euch ja be—
wundern soll, marschiren, stellt sfie unter den Be—
fehl eurer berühmtesten Feldherrn und beginnt den
Entscheidungskampf. Wenn ihr aber den Rache—
trieg nicht wagen wollt, warum redet ihr fortwäh—
xend davon, wozu dienen denn alle Prahle—
reien? ... Die Elsaß⸗Lothringer, die in dem
Lande haben bleiben müssen, in dem sie ihre Existenz fin⸗
den und in dem sie der Ueberwachung ihrer neuen
Herren und den Gesetzen des Siegers unterworfen
ind, scheinen uns viel interessauter als ihre Lands⸗
leute, die in Paris ruhig um die Bildsäule der
Stadt Straßburg lustwandeln und sich die
Benugthuung gestatten können, diese gefahrlos mi⸗
Bändern und Kränzen zu schmücken. Daß solche
dundgebungen die Deutschen aber reizen, ist zwei⸗
esllos. Die Rede Manteuffel's ist ein Wiederhall
dieser Erregung. Es scheint uns nicht übermäßig
veise, einen Tiger zu reizen, der nicht in einem
cäfig eingeschlossen ist. Die Presse, oft auch die
der Regierung, schließt sich diesen ohnmächtigen
undgebungen an und glaubt, sich um das Vater⸗
and groß verdient gemacht zu haben, wenn sie den
Deutschen eine Beleidigung und die Drohung bal—⸗
diger Vergeltung ins Gesicht schleudert. Ihr werdet
sehen, daß diese Regierung, die sich derart vor dem
striege fürchtet, daß sie die französische Fahne von
den Engländern aus Egypten verjagen läßt und
nicht wagt, zur Wahrung der französsischen Inter⸗
essen in Asien einige tausend Mann nach Tonking
zu schicken, sich aus reiner Dummheit einen
KRrieg mit Deutschland auf den Hals laden
wird, ohne ihn gewollt oder vorbereitet zu haben.
London, 23. Jan. Die Morgenblätter sind
autorisirt, das Gerücht, die deutsche Regierung
habe vom Herzog von Edinburgh die Anwartschafi
auf das Herzogthum Coburg gekauft oder zu kaufen
sich erboten, zu dementiren.
London, 24. Jan. Die Berichte über die
Pariser Ministerkrisis haben hier großes Aufsehen
erregt. Die „Times“ sagt: Wenn Duclerc keine
zrößere Staatskunst entfalte, so müsse die Repub—
eik zu Geunde gehen. Die Franzosen wüßten dies
und das sei auch der Grund der herrschenden
—XW—
Der „R. A. Z.“ wird bezüglich der Erhöhung
des russischen Eingangszoslles auf Roheisen aus
Petersburg geschrieben, die mit der Erörterung
der Frage befaßte amtliche Commission sei zu der
Auffassung gelangt, daß eine Erhöhung des Roh—
eisen⸗eZolles wenigstens zur Zeit nicht zweckmäßig sei.
Madrid, 24. Jan. Der König empfing
eine Deputation der obersten Staatskörperschaften
und theilte derselben die officielle Verlobung der
Infantin Dellepaz mit dem Prinzen Ludwig Fer—
dinand von Bayern mit.
Lokale und pfälzische Nachrichten.
* St. Ingbert, 25. Jan. Heute Nach-
mittag findet behufs Besetzung der städtischen Gas—
meisterstelle eine Stadtrathssitzung statt.
*St. Ingbert, 25. Jan. Wie wir er—
fahren, wird dahier in nächster Zeit die nochmalige
Impfung derjenigen Kinder vorgenommen wer⸗
den, die im Jahre 1871 geboren sind, also wäh—⸗
rend des laufenden Jahres das 12. Lebensjahr
erreichen. In Schnappbach soll diese Impfung
schon am Samstag stattfinden.
- Kaiserslautern, 22. Jan. Zwischen
dem hiesigen kath. Kirchenbauvereins-Ausschuß und
dessen früherem ersten Vorstande und Gründer,
derrn Anwalt Rüdiger, sind nunmehr ernstliche
Differenzen entstanden. Die Augelegenheit, welche
eider jetzt öffentlich in der Presse verfochten wird,
wird wohl voraussichtlich nicht eher zur Ruhe kom⸗
nen, bis sie eines Tages vor Gericht zum Aus⸗
trag gelangt.
— Kaiserslautern, 23. Januar. Das
andwirthschafiliche Bezirkscomite hat unter Zu⸗
timmung des Kreiskomites die Abhaltung eines
Saatgutmarktes in Kaiserslautern je in der zweiten
)älfte der Monate Februar und August jeden
Jahres beschlossen und unter Betheiligung der städt⸗
ischen Verwaltung eine Saatgutmarktcommission
zewählt. Der diesjährige Frühjahrsmarkt soll am
19.. 20. und 21. Februar im Fruchthallsaale
dahier abgehalten werden. Die Einsendung der
Saatgutproben hat vom 10. bis längstens 15.
Februar an die Saatgutmarktkommission in
Kaiserslautern“ portofrei stattzufinden.
— Bergzabern, 23. Jan. Der älleste
Beamie hiesiger Stadt, Herr kgl. Steuer⸗ und Ge—
meinde⸗ Einnehmer Johann Adam Sattler dahier,
feiert heute sein 60jähriges Dienstjubiläum. Gutem
Vernehmen nach feiert auch sein Zwillingsbruder,
der kgl. Steuer- und Gemeinde-Einnehmer, Herr
Nikolaus Sattler zu Kirchheimbolanden sein 60-
jähriges Dienstjubiläum. (S. W.
— Speyer, 23. Jan. Im Auftrage der
igl. Regierung wurden gestern die Gemeinden
Friesenheim und Oppau wiederholt von dem
igl. Kreismedicinalrath besucht. Der Gesundheits⸗
zustand ist an beiden Orten, ebenso zu Ludwigs⸗
Jafen fortwährend ein sehr günstiger. Die Nach—
cicht, daß bereits typhöse Erkrankungen auf dem
Hemshof vorgekommen, hat sich als nicht begründet
erwiesen. Die Uebersiedelung der Obdachlosen in
die rasch hergestellten provisorischen Familienwohn⸗
ungen hat begonnen. In dem neuen Schulhause
zu Friesenheim haben sich gestern bereits 23 Fa⸗
milien in den ihnen zugewiesenen Abtheilungen ein⸗
gerichtet. Die Tabakschuppen zu Friesenheim und
Oppau werden in diesen Tagen für etwas über
60 Familien beziehbar. Außerdem sind noch zwei
größere Baracken, je eine zu Oppau und Friesen⸗
zjeim, vorgesehen. Für Wiederherstellung und
Austrocknung der noch erhaltenen Wohnstäiten ist