Die niederländische Allianz scheint ein fait
ꝛccompli zu sein. Belgien und Holland werden
aun vermuthlich gemeinsam in der Colonialpolitik
ovorgehen, um die französischen Bestrebungen mit
Erfolg paralysiren zu können.
Kopenhagen, 28. Oktober. Im Folkething
drachte der Finanzminister eine Vorlage in Betreff
der Altersversicherung für Arbeiter ein. Die Beiträge
des Staate sind vorläufig mit zwei Millionen
Kronen bemessen.
In Rußland wollen die nihilistischen Um⸗
riebe nicht aufhören. Es werden Verhaftungen
einer Anzahl Offiziere in Odessa, Nikolajew und im
aukasus gemeldet. Auch in Polen soll der Nihi⸗
iismus zusehends zunehmen und dem General⸗
Bouverneur Gurko viel zu schaffen geben. Die
Revolution in den Ostseeprovinzen tritt immer
chärfer auf. Trotz der Verhaftung einiger Brand⸗
ttifter nehmen die Brände in Livland kein Ende.
Im ganzen Czarenreich lodert die Fackel des Auf—
ruhrs, aber Alexander III. pocht nach wie vor auf
jseine unbeschränkten Herrscherrechte. Unter diesen
unsicheren Verhältnissen im Despotenreiche kann es
nicht Wunder nehmen, daß die russische Regierung
herkünden läßt: Rußland wolle keinen Krieg, es
zerfolge nur Friedensinteresen.
Lokale und pfälzische Nachrichten.
— Blieskastel, 28. Oktober. Ein Zeichen
der Zeit. In der gestrigen Distrikts-Ausschuß⸗
Sitzung für den Distrikt Blieskastel wurde beschlossen,
die Zuschüsse aus der Distrikts-Kasse für sämmtliche
Fortbildungsschulen des Distrikts für die Zukunft
u streichen. (Pf. J.)
— Aus Kaiserslautern wird der „Pf.
Pr.“ zu dem Kapitel Milchpauscherei be—
cichtet: Wie sehr dieselben manchen Milchlieferanten
zjur zweiten Natur geworden und daß gelinde
Strafen nicht geeignet sind, das Publikum vor
Uebervortheilung zu schützen, das beweisen wieder
wei rechtskraftig gewordene Strafmandate des hie⸗
sigen kgl. Amtsgerichts, wodurch der Oekonom Peter
Gimbel auf dem Altenhof, Gemeinde Fischbach,
wvegen Uebertretung des Nahrungsmittelgesetzes am
2. Juli d. J. zu einer Geldstrafe von 100 Mt.
und wegen einer solchen am 4. Juli darauf zu
einer Geldstrafe von 150 Mtk., zu Gunsten der
hiefigen Stadtkasse, verurtheilt wurde.
— Landau, 29. Oktober. Vor dem Schoͤffen⸗
gerichte gelangt morgen die Klage des hiesigen fort⸗
ichrittlichen Ausschusses gegen den Verieger des
„Anzeigers“ zur Verhandlung. Verbeistandet ist
Letzterer durch Herrn Rechtsanuwalt Müller von
Frankenthal, da die meisten der hiesigen Herten
Rechtsanwälte als Zeugen geladen sind. Die Ver—⸗
handlung dürfte bei der großen Zahl der geladenen
Zeugen den ganzen Tag in Anspruch nehmen. (Eilb.)
— Ludwigshafen, 28. Oktober. Heute
Morgen 7 Uhr wurde im hiesigen Hafen die Leiche
des Maurergesellen Schmitt, Vater voun drei
Kindern, geländet. Auf welche Weise der Unglückliche
erkrunken ist, kann nicht mit Bestimmtheit gesagt
werden. Um Samstag Abend war er noch munter
aund fidel in einer Wirthschaft bei'(m Neuen. Ein
Selbstmord scheint ausgeschlossen zu sein. (Pf. K.)
— Die Weinlese geht allmählig ihrem Ende
entgegen und nach den Berichten, welche nunmehr
vorliegen, läßt sich konstatiren, daß der Ausfall der
Ernte im Allgemeinen recht befriedigend genannt
wverden muß. Von Ruppertsberg aus wird
das Ergebniß des Herbstes als ein solches bezeich⸗
tet, welches alle Erwartungen übersteige; das Quan⸗
um sei ein ungeahnt großes und der Herbstpreis
16—19 Mark die Logel (40 Liter) schön, die
Qualität, 75 bis 90 und 100 Grad nach Oechsle,
borzüglich. Verkauft wurde mit Ausnahme einiger
Produzenten, alles logelweise und es ist der größte
Theil in die Nachbarschaft, theilweise auch in die
Ferne gewandert. — In Dürkheim wird nach
authentischen Schätzungen der heurige Herbstertrag
auf mehr als einen sogenannten „vollen halben“,
nn manchen Lagen selbst auf einen „Dreiviertel⸗
Herbst“ angeschlagen. Von der Kelter weg stellen
sich die Preise für 1000 Liter dort anf 480 - 650
Mk. Der Mittelpreis wird sich voraussichtlich auf
nahe 14 Mark fixiren lassen. Auch die 1881er
iind in jener Gegend schon rar geworden, während
oon dem recht trinkbaren 1882er erwartet wird,
daß er mit dem Frühjahr hell und exportfähig
verden dürfte. — Von Bergzabern wird Flau—
jeit im Weingeschäft berichtet. Es wurden dort
zis jetzt nur sehr wenig Verkäufe abgeschlossen.
Vermischtes.
F Bei dem Falliment des Bankhauses Leopold
Weil, München und Freiburg (Baden), soll fich
ini Ganzen eine Ueberschuldung von 260,000 Mtk.
ergeben haben. An den Verlusten partizipiren bloß
Privatleute, keine Banken. Ein ehemaliger Ober⸗
örster soll sein ganzes Vermögen von 46,000 Mtk.
ind ein Photograph Holz in Landshut gar 100,000
Mk. einbüßen. Letzterer wurde entleibt aufgefunden.
F Straßburg, 27. Oktober. Die beiden
Männer, welche als der Mordthaten verdächtig in
Molsheim verhaftet und nach Straßburg in das
UAntersuchungsgefängniß abgeführt wurden, sind heute
stachmittag aus der Haft entlassen worden, da sich
)eren Schuldlosigkeit herausgestellt hat. Die beiden
Nänner wurden, mit Reisegeld versehen, in ihre
deimath verwiesen. Heute hat sich ein Bürger
inserer Stadt zur Zeugnißabgabe bei der Kriminal⸗
olizei gemeldet, der auch die drei Männer mit den
alschen Bärten und, was die Haupfsache sein dürfte,
jei einem derselben die Urkette mahrgenommen ha—⸗
jen will, welche an der Mordstelle in der Apotheke
um Storchen aufgefunden worden ist. — Heute
MNittag wurden in Rappoltsweiler zwei der Straß⸗
»urger Morde verdächtige Personen aufgefangen
ind in Haft genommen. Dieselben sind Arbeiter
nus Schiltigheim, die über Barr nach Rappolts⸗
veiler kamen. Der eine von ihnen hatte ein Hemd
an, welches vorn mit Blut befledt war.
FBezüglich der Straßburger Mord—
haten berichtet die Union aus Straßburg: Am
Morgen nach der Mordnacht verließ ein hiesiger
Zürger seine Wohnung, um sich über die Gedeckten
zrücken nach seinem Grundstück zu begeben. In
iniger Entfernung bemerkte er auf dem Felde drei
Nänner sitzen, anscheinend beschäftigt. Nachdem
r wieder nach Hause zurückgekehrt war, hörte er
jon dem Verbrechen und erzähltie seine Wahrnehm⸗
ing seinem Sohne. Dieser begab sich zur ge—
nannten Stelle, fand indessen Niemanden mehr dort
jor; auf dem Platze, wo die drei Männer gesessen,
and der junge Mann mehrere Etiketten der Apotheke
»es Herrn Reeb. Wenn diese Wahrnehmungen sich
zestätigen sollten, was aber nach den amtlichen
ẽrmittelungen kaum der Fall sein wird, dann dürfte
die Wahrscheinlichkeit nahe liegen, daß der Mord
n der Apotheke von drei Männern ausgeführt
vurde.“
—EGer Handertmarkschein auf Rei—
en.) Vor etwa acht Tagen ging ein Bürger in
Zarr auf die Post, um Geld wegzuschicken. Am
5chalter angelangt, verlangte er eine Postanweisung
ind legte einen Hundertmarkschein auf das Schalter⸗
zrett; inzwischen kam eine Frau von Zellweiler
nuch an den Schalter, um etwas zu versenden. Als
zer Herr nun sein Geld einzahlen wollte, war zu
einem Schrecken der Hundertmarlkschein verschwun⸗
»en. Unser Bürger, welcher glaubte, ein Windstoß
jätte den Schein durch das Schalterfenster getrieben,
ließ das ganze Bureau einer gründlichen Unter⸗
uchung unterwerfen, die Beamten ließen sich sogar
reiwillig die Taschen untersuchen — alles vergebens.
der Hundertmarkschein war und blieb verschwunden.
Jener Herr kam am andern Morgen wieder, in
der Hoffnung, der Schein hätte beim Fegen ge⸗
unden werden können, aber auch dies war nicht
)er Fall. Die Oefen, ja sogar die steinernen Ofen⸗
latten wurden weggerückt, ohne daß irgend etwas
u finden gewesen wäre. Der Hert hielt die als
hrbar bekannte Frau eines Diebstahls für unfähig
ind gab seine Banknote für verloren. Einige Tage
arnach betheiligte sich die betreffende Frau aus
zellweiler an einem Begräbniß in Walf; als man
jus der Kirche kam, fing es an zu regnen, die
frau spannte ihren Regenschirm auf und — o
Zunder! — der verschwundene Hundertmarkschein
iel heraus. Jett war die Geschichte aufgeklärt.
die Frau hatte, als sie auf der Post war, ihren
kegenschirtm neben dem Schalter stehen und ein
Vindstoß muß den Schein in den halbgeöffneten
—X J
F Main;z, 28. Oktober. Ein schlimmer Schuß.
Fin begüteter Mann der Gemeinde Monzenheim,
zer zugleich ein großer Jagdliebhaber ist, hatte sein
jeladenes Gewehr in eine Ackerfurche gelegt, in
zessen Nähe seine Leute mit dem Einherbsten der
Trauben beschäftigt waren Es war kurz vor Mit⸗
ag und die 18jährige Tochter des Mannes hatte
in Tischtuch ausgebreitet und gerade wollte sie
iinen Laib Brod hinlegen, als ein Schuz kracht⸗
ind das Mädchen mit einem lauten Aufschrei zu
Joden sank. Das Gewehr hatte sich entladen und
die Ladung war dem Madchen in den Unterleih
zum Theil aber in das Brod, welches es in *
Händen trug, gedrungen. Das Mädchen ist
wohl schwer verletzt, noch am Leben und —
selben hoffentlich auch erhalten bleiben. Der S
des Gewehres hatte sich entladen, weil ein Jun
her über den Acker sprang, mit den Füßen
Hahn des Gewehrs berührte.
Eine phänomenale Erscheinung auf dem Ge—
ziete des Kraftturnens sind die Leistuugen
des Deutsch-Amerikaners Ernst Bohlig au
New-PYork, welcher auf Anregung von Mitgliedern
des Dresdener Turngaues kommenden Mitiwoch
Abends 8 Uhr, in der Turnhalle des Turnverein
ju Neu- und Antonstadt (Alaunstraße) eine Vor—
tellung geben wird. Eine große Anzahl von
Zeugnissen und Diplomen von den ersten turnet
schen und wissenschaftlichen Autoritäten neunen
eine Kraftleistungen unerreicht und bezeichnen ihn
als den starksten Mann der Erde. So berichiet
zas „Leipziger Tageblatt“:: „Wenn unsere Erwat-
ungen nach den vielen ausgezeichneten Berichlen
der größten Städte, die Bohlig auf seiner turger
schen Triumphreise besucht hat, auf Außergewoͤhn⸗
üiches gerichtet waren, so sind alle diese Vorstellungen
zurch die Wirklichkeit doch weit übertroffen worden.
Man muß diese überaus herkulische und dabei doch
wahrhaft schöne, proportinal gebaute Reckengestalt
des Deutsch⸗Amerikaners gesehen haben in der
wanglosen Ausübung von Kraftproduktionen, die
nan sonst für unmöglich halten möchte. Alle so⸗
jenannten Athleten u. s. w. verdienen Stümper
senannt zu werden gegenüber einem Manne wie
Zohlig, der um so achtenswerther erscheint, als er
eine Reise und auf derselben seine Vorstellungen
m Interesse der Turnsache unternommen hat, um
zu zeigen, bis zu welchem Grade höchster Kraftent⸗
vickelung man bei der nöthigen angeborenen Koͤrper⸗
raft und bei unermüdlichem Streben durch die
infachen turnerischen Kraftübungen gelangen kann.“
Die „Deutsche Turnzeitung“ betont bei diesen Pro⸗
zuktionen die außerordentliche Ruhe und Eleganz,
nit welcher Bohlig seine fast unglaublichen Kraft⸗
leistungen vollbringt. Derselbe produzirt sich öffent⸗
lich erst seit einigen Jahren und erlaäutert alle
lebungen durch turnwissenschaftlichen Vortrag. Ernst
Bohlig, von Beruf Apotheker, ist ein Pfälzer Kind,
zeboren zu Mutterstadt als Sohn des daselbst in
den fünfziger Jahren verlebten Apothekers Bohlig.
Gie Duellaffaire Batthyanh—
Rosenberg) ninmt, eine seltsame Wendung.
Braf Sigismund Batthyany, der Vater des gefal⸗
enen Grafen Stefan Batthyany, denunzirte den Dr.
Rosenberg bei dem Gericht, dieser habe bei dem
weiten Schußwechsel eine Wunde erhalten und dies
derheimlicht, um das Recht auf die Abfeuerung der
zritten Kugel nicht zu verlieren. Dadurch habe Dr.
Rosenberg die Duellbedingungen verletzt und eine
orsätzliche Tödtung begangen. Das Gericht üeß
»arauf Dr. Rosenberg körperlich untersuchen. Die
Aerzte stellten fest, daß Dr. Rosenberg bei dem
Duell mit Batthyany keine Wunde erhalten. Graf
Sigismund Batthyany publizirt in den nächsten
Tagen eine Broschüre über die Vorgeschichte der
Affaire. Weitere Publikationen dürften folgen, doch
gzewiß nicht zum Vortheil der hei dem Drama be⸗
heiligten Personen.
FIn Genf starb der 52 Jahre alte allge⸗
nein geschätzte Trottet, welcher ohne Hände und
Füße geboren, sich durch geistige Begabung und
Fleiß nicht bloß alle zum Leben nothwendigen Kennt
nisse aneignete, die Feder und allerlei Werkzeuge,
eloͤst Schießwaffen geschickt handhaben lernte, son⸗
dern auch einem landwirthschaftlichen Gewerb mit
Imsicht und sogar selbst thätig eingreifend vorstand;
r hinterläßt eine Frau und drei woblgewachsene
zinder.
Granzssische Studenten contra
Bier.) Die französischen Blätter donnern unaus⸗
gesetzt gegen die deuischen Biere. Neuerdings wurde
die Epistel eines Studenten aus dem Quartiet
Latin veröffentlicht, welche wir zur Erheiterung
anserer Leser mitiheilen wollen. Sie lautet: „Herr
Kedalteur! Es ist uns jetzt unmöglich einen Schritt
in unserem Quartier Vatin zu machen, ohne auf
den Fenstern der Bierwirthichaften Inschriften zu
„gegnen, welche „Biôre tedesque“ — gleichsam
als Beleidigung unseres Patrotismus — annonciren.
tzayerisches Bier, Münchener Bier, bayer sches Biet
Deunche ner Vier, immer derselde Refranni Es in
um Verrücktwerden! Und wenn ich denke, daß wir
y diese Hneiden unser Geld tragen. welches dann