Full text: St. Ingberter Anzeiger

St. Ingherter Amzeiger. 
Amtliches Organ des königl. Amtsgerichts St. Ingbert. 
Der St. Ingberter Anzeiger“ erscheint wbchentlich fuufmalr Am Montag, Dieustag, Donnerstag, Samstag und Sonntag; 2mal wöchentlich mit Unterhaluung⸗ 
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— 
A 8. 
Politische Ueberficht. 
Deutsches Reich. 
Berlin, 11. Januar. Graf Herbert v. Bis⸗ 
nurck ist zur deutschen Botischaft in Petersburg ver⸗ 
setzt worden und begibt sich anfangs der nächsten 
Woche dorthin. 
Der Berliner Correspondent der Times ist 
ermächtigt, zu erklären, daß das in der Presse ver⸗ 
breiteie Gerücht, „ein französisches Kriegsschiff habe 
es unterlassen, das deutsche Geschwader, welches den 
Kronprinzen begleitete, zu salutiren, weshald vom 
Fürsten Bismarck Vorstellungen erhoben worden 
seien,“ gänzlich erfunden sei. Auch von Paris aus 
wird die Nachricht, daß der Vorfall zu diplomati⸗ 
schen Schritten Veranlassung gegeben habe, dementirt. 
Auslaud.— 
New⸗-York, 10. Januar. Dem Trauergot⸗ 
lesdienste im Emanueltempel für Dr. Lasker wohn⸗ 
sen der deutsche Gesandte und der deutsche General⸗ 
ronsul, der Bürgermeister New-Yorks und viele her⸗ 
vorragende Deutsche bei. Die Leiche bleibt im 
Tempel bis zur Ueberführung nach Deutschland am 
nächsten Samstaa. 
Lokcle und pfaälzische Nachrichten. 
* St. Ingbert, 12. Januar. Kürzlich wurde 
zahier ein Foribildungsschüler wegen Störung des 
Unterrichts und ungebührlichen Benehmens gegen 
den Lehrer — dieser hatte denselben, weil er zu 
spät zur Schule kam, vor die Thüre gewiesen — 
zu einer Haftistrafe von 3 Tagen verurtheilt. Aehn⸗ 
lich gearteten Jungen mag diese Strafe zur War⸗ 
nung dienen. — Eine dieser Tage hier stattgehabte 
Untersuchung wegen Meineids hatte die Verhaftung 
der des Meineids verdächtigen Frauensperson zur 
Folge. 
e. Ensheim, 11. Januar. Der Jagdhüter 
des Herrn Bürgermeisters Adt dahier — Andreaß 
Sinn — erlegte heute Nachmittag ein Wild schwein 
(Bache) im Gewicht von 160 Pfd. 
— Ein denkwürdiger Tag für die 
Pfalz war der 7. d. M. Es war an diesem 
Tage 70 Jahre her, daß Feldmarschall Blücher, 
nachdem er so unerwartet den Rhein bei Mann⸗ 
heim, Caub und Coblenz überschritten hatte, — 
auf dem Vormarsche gegen Metz, wo er die zurück⸗ 
weichenden Franzosen zu treffen hoffte, — in Lau⸗ 
terecken sein Hauptquartier aufschlug. (Die Fran⸗ 
zosen hielten bekanntlich auch an der Mosel nicht 
Stand, sondern gingen bis über die Maas zurück.) 
Am 7. Januar 1814 nun erließ Blücher eine (von 
Gneisenau verfaßte) Proclamation, worin er den 
Bewohnern des linken Rheinufers die Aufrechter⸗ 
haltung der Ordnung streng an's Herz legt und 
den Civilbeamten anheimgiebt, „von denen ihnen 
zunächst stehenden Russischen oder Preußischen Trup⸗ 
pen, der meinem Oberbefehl untergebenen Schleßi⸗ 
schen Armee militärische Assistenz zu erbitten. Man 
lann die Proclamation in mancher Familie im 
Lauterthal unter Glas und Rahmen noch finden 
und — manches alte Bäuerlein weiß auch noch 
us eigener Anschauung zu berichten. wie es „vor 
70 Jahren“ zugegangen. 
α 
Vermischtes. 
Si. Johann, 11. Januar. Heute Morgen 
janden auf diesseitiger Strecke 2 Zusammenstoͤße 
sttatt. Der erste bei Friedrich zthal zwischen 
einem Kohlenzuge und einem Personenzug, der 
weite eine Stunde später zu Rurbach zwischen 
—F— 
Sonntag, 13. Januar 1884. 
19.. Jahrg. 
einem Kohlen⸗ und einem Schlackenzuge. Menschen⸗1 
eben sind glücklicherweise nicht zu beklagen. 
7 In Koln sind in betreff des Doppelmordeß 
drei Kriminalbeamte aus Berlin eingetroffen, ob 
mit Erfolg bei dem Dunkel, das auf der Blutthat 
lastet, bleibt obzuwarten. 
Aus Koln wird schon wieder eine neue 
Blutthat gemeldet. In der Altenbergerstraße 
auerte ein vor kurzem entlassener Postunterbeamter 
»inem Hausgenossen, einem ganz harmlosen Hand⸗ 
ungsgehülfen von etwa 30 Jahren, an der Treppe 
auf und spaltete ihm mit einem gewaltigen Hiebe, 
der mit einem franzöfischen Faschinenmesser geführt 
purde, den Schädel. Der tödtlich Verwundete 
vurde, nachdem mehrere Knochensplitter durch den 
jerbeigerufenen Arzt entfernt worden, ins Hospital 
zebracht, wo man die Hoffnung, den Unglücklichen 
am Leben zu erhalten, noch nicht ganz aufgegeben 
hat. Das Motivnnn dem mörderischen Angriff soll 
Rache gewesen sein. 
F In Köln sind 4 Stammgäste, welche sich 
in einer an St. Agatha liegenden Wirthschaft zu⸗ 
ammenfanden, um sich bei einem Glase Bier und 
einer Partie 66 die Zeit zu vertreiben, nach kurzer 
Krankheit innerhalb 4 Wochen gestorben, ein Fall, 
der gewiß vereinzelt dasteht. 
7 Der Pianoforte⸗Fabrikant Weidenslaufer, 
Berlin, errichtet, um die immer stärker auftre⸗ 
sende Nachfrage aus allen Welttheilen nach seinen 
Instrumenten befriedigen zu können, auf dem Grund⸗ 
ttücke Skalitzerstr. 292 eine neue große Fabrik mit 
Ddampfbetrieb und allen Einrichtungen der Neuzeit 
FDer Wiener Polizei ist es ge— 
lungen, der Mörder der am 4. August v. JIs. 
oerschwundenen Köchin Theresia Ketterl zu ermitteln 
und zu verhaften. Derselbe — Hugs Schenk mit 
Namen — ist dringend verdächtig, außer die Ketterl 
auch noch die Köchin Katharina Timal und das 
Stubenmädchen Josephine Timal, Nichte der Er—⸗ 
steren, sowie eine vierte Frauensperson, die im Juli 
1879 nächst Payerbach ermordet aufgefunden wurde 
und deren Name man nicht eruiren konnte, aus 
dem Leben geschafft zu haben, nachdem er sie durch 
Eheversprechung an sich gelockt. 
4 Einer der reichsten Goldfunde ist kürzlich im 
Amador Co., Cal., nur 100 Fuß unter der 
Erde gemacht worden; ein Stück Erz von 2 Tons 
Bewicht eraab nabe an 100 000 Dollars Gold. 
anfangend mit der Grundung des Vereins 1881. 
bis Ende des Jahres 1883. 
Einnahmen: 
1881 ergaben die Bei⸗ 
träge der Mitglieder A 705,40 
der Verkauf v. d Haus · 
schildchen à 10 Pfg. — ,50 M 708,90 
1882 ergaben die Bei⸗ 
trage der Mitglieder M 818,40 
der Verkauf von 67 
Schildchen à 10 Pfg.. 6,70 , 82010 
Besammteinnahme von 
2 Jahren. 1526, - 
Ausgaben: 
1881, für 1641 Bons 
(Unterstützungen). MA 5865,86 
für Drucksachen und 
Buchbinderarbeiten. 285,80 
1882, für 1268 Bons 
(Unterstützungen).,440,50 
Verwaltungskosten und- 
Hausschildchen ꝛꝛ..46.80 1078,95 
Saldo per 1. Janua 
*1888 ... 447, 06 
Im Hinblick auf den vorstehenden Saldo wurde 
die Annahme: für das laufende Jahr 1883 die 
Ausgaben damit bestreiten zu können für untrüg⸗ 
lich erachtet und man täuschte sich nicht, was die 
nachverzeichneten Verausgabungen beweisen: 
1883 für 641 Bons 
(Unterstützungen) . M. 224,15 
für Verwaltungskosten, 
Inserate ꝛc. . 40,80 
für Unterstüßung von 
22 kath. Haußarmen 110,— 
für Unterstützung v. 10 
protest. Hausarmen — 50,. 24424,95 
Saldo per 1. Januar 
18844 ... A22,10 
so daß eine Gelderhebung bei den Mitlgliedern des 
Berein's pro 1883 unterbleiben konnte. 
Zufolge vorstehenden Zahlenberichtes sind vom 
Jahre 1881 ab, alljährlich erstaunlich weniger 
Unterstützungen hinausgegeben worden, was zu der 
Annahme berechtigt, daß jedenfalls auch die Zahl 
der Arbeitsuchenden in gleichem Maße abgenommen 
haben müßte. Dies ist jedoch nicht der Fall, nur 
die wirklichen Stromer, welche stets abgewiesen 
wurden, sind verschwunden, während die Zahl 
der Arbeitsuchenden gegen das Vorjahr 1881 nur 
unbedeutend kleiner sich gestaltet hai und die auf⸗ 
allende Abnahme der Unterstützungen ist darin 
zu finden, daß in den letzten beiden Jahren 
ausschließlich nur Handwerlsbursche auf dem Poli⸗ 
zeibureau Berücksichtigung fanden, dagegen alle üb⸗ 
rigen Arbeitsuchende abgewiesen wurden. Für die 
Folge aber sollen wieder alle Arbeitsucher, als Tag⸗ 
ohner, Hüttenarbeiter, Bergleute u. s. w. voraus⸗ 
zesetzt, daß dieselben mit guten Papieren versehen 
iind, ihr Geschenk: Mittagessen resp.: Essen und 
Nachtquartier erhalten, wobei die Unterftützungen 
pro 1884 eine bei weitem größere Zahl als in den 
deiden Vorjahren repräsentiren werden. Dieserhalb 
ind hauptsächlich um dem Kinder⸗Hausbettel endlich 
auch kraftig entgegentreten zu können, ergeht an die 
erehrlichen Mitglieder des Vereins die ergebenste 
Bitte ja reichlich zu spenden, keinenfalls aber die 
früheren Jahresbeiträge herabsetzen zu wollen. 
Der Ausschuß 
des Vereins gegen Hausheitel. 
Norbtberichte. 
o. Ensheim, 83. Januar.(Vikltualienmarkt). Kar⸗ 
ktoffeln: 2 M. 50 Pf. per 560 Kilo, Butter 1I M. — bis 
1 M. 10 Pf., per !/5 Kilo, Eier 1 M. per Dußend. 
Für die Pedeiton r Demeß. 
St. Ingbert, 12. Januar. 
Ende v. Mts. Nr. 255 dieses Blattes gedachte 
die Redaktion der im Café Oberhauser stattgehabten 
Beneral⸗Versammlung des Vereins gegen Bettelei, 
nit dem Bemerken, daß der Besuch dieser Ver⸗ 
ammlung ein sehr schwacher gewesen, in Folge 
dessen eine Neuwahl des Ausschusses, die auf der 
Tagesordnung anberaumt, nicht hätte erfolgen können. 
Dies war gegen alles Erwarten troß zweimaliger 
kinladung mittelst des St. Ingberter Anzeigers 
virklich der Fall, und somit mußte der frühere 
Ausschuß die Verwaltung des Verein's in den 
dänden behalten, der übrigens seinen Obliegenheiten 
in der gewohnten Weise auch in diesem Jahre nach⸗ 
lommen wird. 
Zur Veranschaulichung der Thatigkeit und der 
Zafenlage des Nereins folqat nachstebend Bericht.