Sl. Fugherter Amzeiger.
Amtliches Organ des königl. Amtsgerichts St. Ingbert.
der ‚St. Ingberter Anzeiger“ erscheint wbchentlich fünfmalz Am Montag, Dienstag, Donnerstag, Gamstag und Sonutag; 2mal wöochentlich mit Unterhauumgb⸗
zlatt und Sonntags mit Sseitiger illustrirter Beilage. Das Blatt kostet vierteljährlich 1.M 60 4 einschließlich Tragerlohn; durch die Post bezogen 1.M 75 4, einschließliv
d A Zustellungsgebühr. Die Einrückungsgebühr fur die 4gespaltene Garmondzeile oder deren Raum beträgt bei Inseraten aus der Pfalz 10 —, bei außerpfälzischen und solche
auf welche die Erpedition Auskunft ertheilt, I5 4. Neclamen 80 44. Bei 4maliger Einrückung wird nur dreimalige berechnet.
M 82.
* Land⸗- und Seemächte.
Der englisch⸗russische Konflikt, in welchem nun
ereits seit Wochen das Zünglein der diplomatischen
Bage bald nach der Kriegs⸗ bald nach der Frie⸗
ensseite neigt, giebt Anlaß zu einer hochinter⸗
ssanten Betrachtung, nämlich einer Vergleichung der
zchicksale der Seemächte im Verhältniß zu den
andmächten. In der gesammten Weltigeschichte
aacht man die Beobachtung. daß Seestaaten, die
zre Macht auf Handel und Kolonien
üten und bei einem verhältnißmäßig nur kleinen
andbesitz des Mutterlandes in der Regel auch nur
m kleines Söldnerheer hielten, sich rasch zu Macht
ind Ansehen, Reichthum und Luxus entwickelten,
ber dann stets von einer Landmacht besiegt, ver—
rxängt oder gar vernichtet wurden. Man denke
uur an das Schickhsal des althistorischen Seestaates
gzhönizien, weicher von den Landmächten eines
zyrus und Alexanders zerstört wurde, an die See⸗
und Handelsstadt Karthago, welche in tragischer
Veise Rom erlag, ferner an die Beispiele der mitt
eren und neueren Geschichte, Genua, Venedig, Por⸗
ugal und Holland, welche einst Großmächte waren
und nun entweder ganz verschwunden oder doch zu
Nächten dritten Ranges herabgesunken sind.
Da drängt sich dem Beobachter unwillkürlich
et Gedanke auf, ob der Seestaat England nicht
uch einem ähnlichen Loose entgegengehe, denn finden
zir in England nicht dieseibe Entwickelung und
derhältnisse vor als in den untergegangenen oder
on ihrer Macht herabgesunkenen ehemaligen See⸗
nächten? Wie jetzt England durch ein Handels⸗
nonopol, durch Industrie und Kolonien schwer reich
eworden ist, so war es auch einst mit Phönizien,
darthago, Genuag und Venedig der Fall, wie Eng⸗
and fremde Völker und Fürfien in Abhaͤngigkeit
ind Handelstribut hat, so besaßen auch Karthogo
ind Venedig ihre tributären Staaten und Alsee
jes war vorzugsweise erreicht worden durch keckes
zugreifen. Handelslift und ein — Soldnerheer,
les Zustände, die wir auch bei England beob⸗
ichten. Es soll ja auch nicht geleugnet werden,
eß die Seeßaaten große Thatkraft und industriellen
fleiß in vielen Perioden gezeigt haben, aber ihr
Nauptziel war die Anhäufung don kolossalen Reich⸗
zumern, ein luxuriöses Leben und die Abwalzung
er Lasten der Vaterlandsbertheidigung auf geworbene
Söldner, ein Zustand, der auch im heutigen Eng⸗
and anzutreffen ist. Daraus ergiebt sich, daß in
n Seestaaten in demselben Verhältniß wie der
kelchthum und Luxus zunimmt di wirklichen ent⸗
heidenden Machtfatsoren, zumal was die allge⸗
neine Wehrfaͤhigkeit anbetrifft, abnehmen und schließ⸗
ich die wirlliche Nacht der Seestaaten in ein schrei⸗
ndes Mißberhältniß zu der eingebildeten Macht
erath. Die Staaten dagegen, wenhe vorzugsweife
andmacht find, entwickeln sich in ihrem Wohistande
iel langsamer und solider, haben auch wegen ihren
letz den Nachbarvölkern zugänglichen Grenzen einen
ne härteren Kampf um das vafein un find in
jolge dessen kriegstüchtiger als die Seemächte.
dließlich muß nun aber der zum Monopol aus-
nee Reichthum und Handelsvorzug der See⸗
— den einen oder andecen Landstaat reigen.
— in Besiß ahnlicher Vortheile zu sehen
w daraus entfieht ganz natürlich ein Kampf der
ur. Landmacht gegen die Seemacht, in weichem
dieren aus den vorerwähnten Gründen schließlich
nierliegen muß. Rom und Karthago sind dafür
newiges Beispiel in der Weltgeschichte und Ena⸗
Montag, 27. April 1885.
and, das Karthagso der Gegenwart, mag sich hüten,
aß ihm in Rußland kein Neu-Rom entsteht.
Politische Uebersicht.
* Das preußische Abgeordneten—
jaus erledigte am Freitag und Sonnabend den
hesetzentwurf, betreffend die Kreis- und Provinzial⸗
rdnung für Hessen ˖ Nassau, in zweiter, resp. dritter
desung. In der Freitagsitzung kam auch die schon
o oft ventilirte Frage des Spielens in auswärtigen
dotterien zur Erörterung und wurde hierbei ein
om Abgeordneten Bödiker beantragter Gesetzent⸗
nurf, welcher das Spielen in nichtpreußischen
kotterien noch strenger bestraft, als bisher, ange⸗
ommen. Zugleich genehmigte das Haus einen
zusatzantrag des Abgeordneten Franke, nach wel⸗
hem die Veröffentlichung der Resultate der aus⸗
värtigen Lotterien in preußischen Zeitungen mit
iner Strafe bis zu 150 Mt. belegt werden soll.
* Die der stricten Ausführung des
ranzösischechinesischen Friedensvertrages
nigegenstehenden Mißverständnisse und Hindernisse
heinen endlich beseitigt zu sein. Eine Depesche
Zrioͤre's aus Hanoi meldet, daß die chinesischen
dommissare Haiphong am 24. d. M. verlassen
vürden, daß sich die chinesischen Truppen von Cep
nuf Bacle zurückgezogen hätten und daß keinerlei
5chwierigkeiten vorlägen.
Die Aufsehen erregende Nachricht, daß sich
Italien England gegenüber verpflichtet habe, die
xglischen Truppen in den größeren Staädten Egyp⸗
ens durch italienische Truppen zu ersetzen, Sualin
ind Berber zu okkuppiren und eventuell in dem
englisch ˖russischen Konflilt mit England zu gehen,
vird jet von den italienischen offiziösen Blaätiern
dementirt, daß Italien Neigung verspüren sollte,
iich in die englisch⸗russische Streitaffaire einzumischen,
var von vornherein entschieden zu bezweifeln, aber
ie Moͤglichkeit einer Uebereinkunft zwischen Eng⸗
and und Italien bezüglich einer Ersetzung der eng⸗
ischen Garnisonen in Egypten durch alienische
ruppen war nicht ohne Weiteres von der Hand
u weisen; nunmehr scheint aber die Aktion Italiens
n Egypten auf den Küstensaum des Nothen Meeres
eschränkt zu bleiben. Die Nachricht von dem Marsche
er Italiener gegen Kassala haben fich noch nicht
estatigt und ist es überhaupt sehr zweifelhaft, ob
ine Expedition gegen Kassala den Italienern irgend
delchen Vortheile brächte. Uebrigens meldet eine
—XLEVVX
ei Massonah eine Niederlage erlitten hätten, welche
Kachricht, falls sie sich bestätigt, in Italien sehr
jemischte Empfindungen über die Kolonialyolitit
Nancini's hervorrufen dürfte.
*Die Untersuchung über die im
dondoner Admiralitätsgebäude statt⸗
jefundene Dvnamit-Explosion nimmt ihren
rortgang. Ewas Positives über den Urheber der⸗
elben ist noch nicht zu Tage gefördert worden
ind wurden auch noch keine Verhaftungen vorge⸗
vommen.
Deutsches Reich.
München, 24. April. Der preußische Ge⸗
andte Graf von Werthern erstattete dieser Tage
m Auftrage des Reichskanzlers Fürsten Bis⸗
narck dem Musikprofessor Herrn Josei Giehrl einen
20. Jahrg.
E
Besuch, um demselben für die Komposition des
heyse'schen „Bismarclliedes“ zu danken.
Weimar, 24. April. Auch die thüringische
Industrie wird für Angra Pequena in An—⸗
pruch genommen: eine Fabrik in Arnstadt ist in
umfangreichem Maße mit der Lieferung von eisernen
erlegbaren Karren und Wagen betraut worden.
Ausland.
London, 25. April. Es verlautet, daß in
Zir William Armstrong's Kanonenfabrik in Rew⸗
astle eine russische Bestellung auf eine große
Zuantität Kriegsmaterial einlies. deren Annahme
edoch verweigert wurde.
Petersburg, 24. April. Die heutigen
ussischen Blätter glauben fast durchweg, daß der
Ausbruch eines Krieges mit England nicht zu
»ermeiden sei. Nur die „Nowoje Wremja“ macht
ine Ausnahme, aber auch sie macht sich wenig
Joffnung.
SZokale und pfälzische Nachrichten.
*St. Ingbert, 27. April. Gestern Morgen
hatte dahier die älteste Tochter eines Bergmannes
das Unglück, ihr kleines Brüderchen derart mit
ochendem Kaffee zu überschütten, daß für dasselbe
airztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte.
R. Neuhaäusel, 26. April. Gestern Morgen
Jegen 5 Uhr brach in dem Hause der Wiliwe
Sebastian Denne Feuer aus, das in Kuürze so große
Dimenfionen annahm, daß die Feuerwehr wenig
nehr ausrichten konnte und daher das ziemlich
große Anwesen bis auf die Mauern zerftörte.
— Zweibrüden, 24. April. Der Steit
um die Reichsbanknebenstelle hat sein Ende dadurch
erreicht, daß die gestrige Versammlung von Indu⸗—
triellen und Handeltreibenden sich entschlossen hat,
die Gemeindeumlagen aus der eigenen Tasche zu
ahlen.
— Schönau, 28. April. Von den Im⸗
nobilien des Schönauer Hüttenwerkes ging der
Saarbacher Hammer mit Fischweiher an Herrn
Keichstagsabgeordneten E. v. Vietrich und defsen
Berwalter Herrn Borsch in Niederbrunn über. Das
Werk wird abgerissen und werden nur die Weiher
ur Fischzucht verwendet. Die Waldungen erwarb
derr Holzhändler Singer in Reichshofen. Wiesen
ind Aecker kamen am 21. und 22. ds. zur Ver⸗
teigerung und gingen sehr gut ab.
— Aus dem Eisbachthale schreibt man
der „Wormser Zeitung“: Man erzüͤhlt sich hier,
daß nach Versicherung von Personen, welche kürzlich
die Pfalz besuchten, in der Nahe von Asselheim auf
Brund ziemlich verlassiger Anzeichen das Vorhanden⸗
ein eines Steinkohlenlagers vermuthet wird. Falls
ich das Gerücht bewahrheiten sollte, waͤre das aller⸗
ings ein hoͤchst glückliches Zusammentreffen mit der
Benehmigung der Eisthalbahn.
— Albersweiler, 285. April. Eine groß⸗
irtige Millionen ⸗Erbschaft steht wieder in Aussicht.
WDie englische und amerilanische Blattet berichten,
zsing vor ca. 100 Jahren ein dahier geborenes
sraelitisches Fraulein Namens Rosalia nach Italien
uind bekleidete dort in einem angesehenen Hause
die Stelle einer Erzieherin, bei welcher Gelegenheit
ie einen alten invaliden, aber sehr reichen Herrn,
Josua Levy, kennen lernte, der sich bald hernach
nit ihr verheirathete. Doch war die geschlossene
xhe nur von kurzer Dauer, da der Aln Herr
ald starb und seiner jungen Winwe das ungeheure
Bermögen von mehreren Millionen hinterließ. Nach
»em Tode ihres Gemahls verließ die —imn