Full text: St. Ingberter Anzeiger

rium, sowie von dem Oberintendanten der Ausgrabun⸗ 
gen und Altertümer impfangen. Allerhöchstdieselben 
besuchten das Museum, in welchem der Minister 
dem Kaiser die Gipsabgüsse mehrerer bei der Ein⸗ 
ischerung von Pompeji verschütteten menschlichen 
törper, welche für das Museum in Berlin bestimmt 
sind, zeigte. Kaiser Wilhelm sprach seinen huld- 
bollen Vank für diese Widmung aus. Um 10 
Uhr wurden in Gegenwart der beiden Herrsscher 
Ausgrabungen vorgenommen und daran schloß sich 
ein Besuch des bereits qusgegrabenen Teiles der 
Stadt. 
Lokale und pfälzische Nachrichten. 
*St. Ingbert, 19. Okt. Wir brachten 
gestern nach der „Börsenhandels-Zeitung“ die Nach⸗ 
icht, daß das hiesige Eisen werk der Herren 
Gebr. Krämer durch Frankfurter Bankiers in eine 
Aktiengesellschaft- umgewandelt sein 
sollte. Diese Mitteilung genannten Blattes entbehrt 
der Begründung und wird von zuständigster Seite 
als reine Erfindung bezeichnet. 
Si. Ingbert, 19. Oklt. Vor eiwa 6 
Wochen stellte det Schiffmann Xaver Gerth von 
Greffern in Baden, der sich zur Zeit zum Laden 
don Kohlen in Saarbrücken aufhält, einen angeb⸗ 
ichen Peter Würt von dem Geistkircherhof bei 
Rohrbach, der sich mit Zeugnissen aus der Latein⸗ 
chule legitimirte, als Knecht ein. Während nun 
Berth am 16 ds. Mts. in der Stadt Saarbrücken 
Finkäufe besorgte und dieser Knecht allein auf dem 
Schiffe beschäftigt war, entwendete derselbe aus 
einer Schublade den Betrag von 8300 Mk., welche 
Summe Gerth am selbigen Tage in Saarbrücken 
eingenommen hatte, um an diesem Nachmittage 
der Post zu übergeben. Mit dem entwendeten 
Gelde ging der ehrliche Knecht flüchtig und wie 
sich jetzt herausgestellt hat, heißt derselbe nicht Würtz, 
sondern Jakob Matzenbacher von Ehweiler bei Kusel 
und hat diese Schulzeugnisse im Laufe des Som⸗ 
mers, als er mit Würtz bei dem Bäcker Schmitt 
hahier beschaftigt war, entwendet. 
*— Nach einem Erkenntniß des 2. Strafsenais 
des Reichsgerichts wird ein sogenamter „dlinder 
Passagier“ auf der Eisenbahn wegen Betrugs 
destraft. Steigt ein Reisender in einen Personen⸗ 
wagen eines zur Abfahrt stehenden Eisenbahnzuges 
ohne giltiges Billet und ohne lunaufgeforderte) 
Meldung beim Schaffner oder Zugführer und ver⸗ 
schafft sich so eine freie Fahrt, so begeht er damit 
zinen Betrug. Diese Handlung verliert dadurch 
aicht den Charakter einer betrügerischen, wenn er 
etwa dabei im Einverständnisse mit dem die Billet⸗ 
kontrolle ausübenden Schaffner handelt. 
*- Ein neues PostLex ikon flr das König⸗ 
reich Bayernethat die Direction der k. b. 
Posten und Telegraphen herausgegeben. Dasselbe 
enthält die Eigenfchaft und Einwohnerzahl der 
Orte, die Regierungs⸗, Amtsgerichts- und Postbe⸗ 
ttellbezirke und die Telegraphenstationen. Gebundene 
Exemplare dieses Lexikons werden auch an Behör⸗ 
den und Private um 8 Mark pro Exemplar durch 
Vermittelung der k. Oberpostämter abgegeben. 
(Mittelberbach, 18. Okt. Der Schmied⸗ 
geselle Hrch. Herbrucck aus Altstadt wurde gestern 
morgen vor dem Orte von einem unbekannten 
Manne angefallen und mit einem Stockhieb auf 
den Kopf niedergeschlagen. Der Straßenräuber 
durchsuchte seinem Opfer alle Taschen, fand aber 
iur 14 Pfennig, mit denen er das Weite suchte. 
Anzeige ist erstattet, der Thäter aber bis jetzt noch 
aicht entdeckt. 
— Waldfischach, 18. Okt. Heute Abend 
wutde die Tagnerin Katharina Broschart, Witwe 
bon Michael Krämer, 72 Jahre alt, von dem mit 
startoffeln beladenen Wagen des Hon. Posthalters 
Karl Huber ü beer fahhr en und blieb fofort iot. 
Dieselde ging neben dem Wangen her und fiel plötz 
lch so unglücklich unter denselben, daß ein Rad 
der Länge nach über sie ging, das eine Bein soll 
ganz wie Brei zzerquetscht sein. Den Lenker des 
Wagens, Postillon G. Schneider, soll nach der Zw. 
Z3.keinerlei:Schuld itreffen. 
— Auf der Krafte⸗ Un dAribeitsmaschinen⸗ 
Ausstebhtung zu Mümchem wurde die Ding⸗ 
terschemafchinenfabrikZweibrüscken 
drämiiert. Ferner u. a. die Nähmaschinenfabrik 
don Gebr. Kayser in Kaiserslautern, die Schnell⸗ 
dressenfabriken Albbert und Co. und Andreas 
Hamm in Frankenthal, die Maschinen⸗ und 
Armaturfabrik vorm Klein, Schanzlin und 
Becker, Frankenthal, sowie Werkzeugmaschinenfabrik 
Zdudwigshafen. 
— Kaiserslautern, 18. Okt. Wie die 
„K. Z.“ zu berichten weiß, hat Geiler gegen das 
Arteil des hiesigen kgl. Landgerichts, welches ihn 
vegen Unschlagung von Kirche nbaugeldern und Un⸗ 
reue zu 2 Jahren Gefängnis und Sjährigem Ehr— 
berlust verurteilte, Revision zum Reichsge— 
richt erhoben. 
— Das erste Konzert, welches der 
Verband pfälz. Zithervereine veran— 
taltet, findet in Verbindung mit dem 10jähr⸗ 
gen Stiftungsfeste des Zitherkhubs 
daisers läautern, Sonntag den 21 Oktober 
dorten im Saale der Gesellschaft „Eintracht? statt. 
Die Tagesordnung ist folgende: Ewpfang der mit 
den Morgenzügen eintreffenden auswärtigen Vereine, 
um 10 Uhr Haupiprobe im Kopyzertsaale, hierauf 
zemeinschaftliches Mittagsmahl im Vereinslokale des 
Zitherklubs, von 34 bis 6 Uhr Konzert und Abends 
z Uhr Tanzunterhaltung. — Das Konzert⸗Programm 
nthält als Ensemble Stücke den majestätisch kräftigen 
zuhiläums⸗Feftmarsch von Rixner, die schwirrige, 
iin vollwirkendes, vielgegliedertes Tonmaterial ent- 
altende Festouverture von Bartl, eine reizend tän— 
elnde Polka von Rieger und den gefälligen Parode— 
narsch von Baumgäriner, welche von ca. 30 Zither⸗ 
pielern, Damen und Herren, mit Pianoforte-, Vio⸗ 
in⸗, Cello⸗ und Streichzitherbegleitung unter Leitung 
es Verbandsdirigenten, Herrn Nagel, zum Vortrag 
ommen. Dazwischen treten die Spezialvortragenden 
)er einzelnen Vereine in Zithersolo, Duett für Zither 
ind Streichzither ꝛc. auf. Es ist dies das erste 
»erartige Konzert in der Pfalz. Statutengemäß 
indet das jährliche Verbandskonzert abwechselnd in 
»enjenigen Orten statt in denen dem Verbande an⸗ 
zehörige Vereine bestehen. Auch Nichtmitgliedern 
st gegen mäßiges Eintrittsgeld der Zutritt zum Kon⸗ 
erte gestattet. 
— Die Stelle eines bezirksärztlichen 
Stellvertreters zu Annweiler mit 
iner fixen Jahresremunerati on von 600 Mk. aus 
3taatsmitieln ist wieder zu besetzen. Etwaige 
ßesuche um dieselbe sind clängstens bis zum 8. 
Robember bei der k. Regierung einzureichen. 
— Landau, 17. Okt. Gestern wurden da 
zier einige Parthien Most aus den Wingertslagen 
)er hiesigen, der Godramsteiner und Nußdorfer 
Hemarkung um 6 Mk. und 6 Mt. 20 Ppig. ver⸗ 
auft. Von einem eigentlichen Geschäfle in größe⸗ 
em Umfang ist vorerst noch keine Rede, da Eigner 
owohl wie Käufer sich vorerst einer abwartenden 
daltung befleißigen. In Bezug auf das Erträg 
niß kann konstatirt werden, daß dasselbe meistens 
sinter den gehegten Erwartungen zurückbleibt, da 
die kleinbeerigen Trauben nur wenig Most liefern. 
Um schwunghaftesten soll sich das Herbstgeschäft in 
»en — Eisenhandlungen entwickeln, welche ihre 
Horräthe an Traubenmühlen vollständig ausverkauft 
saben follen. Mit Mosterkolben ist den dies⸗ 
ährigen Trauben nicht gut beizukommen und so 
nußten fich auch die Winzer zur Anschaffung von 
Traubenmühlen bequemen, welche sich bisher da⸗ 
nit begnügt hatten, die Trauben mit dem ge⸗ 
nanntem Instrumente zu zerstoßen. (Eilb.) 
— Landau, 18. Oll. Gutem Vernehmen 
nach hat Herr Lehrer Huth die Vorstandschaft 
)es pfälzischen LehrerSterbekasse⸗Ver⸗ 
iens aus Gesundheitsrüchsichten niedergelegt. Zum 
Zzwecke der Wahl eines neuen Vereinsvorstandes 
ritt der Verwaltungsrath des Vereins am naächsten 
Sommtag in Neustadt zusammen. (Eilb,) 
— Neustadt, 18. Okt. EinSieg deut⸗ 
schen Weinbaues.) Die bekannte Akademie 
Thristophe Eolomb zu Marseille, deren Senat die 
klite französischer Wissenschaft amfaßt, hat den 
Weingroßhändlern und Weinproducenten Gebrüder 
dieberich in Neustadit a. d. H. und Berlin 
in der Plenarsitzung vom 830. September 1888 
zie große silberne Medaille für ausgezeich⸗ 
nete industrielle Leistungen verliehen. 
— In Neustadt, Haardt, Winzingen, 
Bormheim zund Niederogtterbach ist am 
7. mit der We in lese begonnen, am. 18. in Mu ß- 
zach, Impflingen und Duttweiler, am 
19. wird in Imgsen hee iem, am 20. in Dor⸗ 
renbach,am 22, in Giem meldingen, Pleis⸗ 
veiler und Schweighofen, beginnen. 
— Dürkheim, 18. Oktt. Gesitzwechsel,) 
derr Kupferschmied E. Krauß kaufte das seither 
er Stadt gehörige alte Pfarrhaus (Römerstraße) 
nebst Zubehoͤr um M. 20000. Um aleichen Preis 
zing nach dem D. A. das am Rö 
hemalige Gottscho'sche Haus an ern gelegen 
M. A. Reiß über. aufman 
F Redheh Vermischtes. 
achstehen des Urthei 
Reichsgericht dieser Tage gefällt we da⸗ 
veiteste Verbreitung. Verschweigt —*8 du 
Ertheilung einer Auskunft über einen Dritt N 
velchem der Anfragende in —D mm 
reten gedenkt, der Befragte auf die —5— 
des Anfragenden, daß der Dritte — ** etkur 
eine Schulden zu haben, bewußt die d 
»aß der Dritte ihm, resp. seiner Firma e 
zehlichen Betrag schuldet, so haftet der u n er 
ür den dadurch verursachten Schaden. * 
Elversberg. Unsere evang. Gemei 
st mit ihrer Kirchenbau⸗A nelegen 
pieder um einen Schritt weiter gekommen 
hr nachträglich aus dem Gustav Adolseden 
Babe von 3000 M. zugewendet worden ist — 
don Confirmanden der Provinz Sachsen gesnn 
und zur Unterstützung einer —A 
bestimmt war. Es wird nun nicht lange meh 
unstehen, daß mit der Grundsteinlegung angefangen 
verden fann, und sind wir unserem Pfan 
derren Pieper allen Dank schuldig, der in d 
rührigsten Weise auf Vervollständigung des itchn 
vaufonds bedacht ist. 
Saarbrücken. Eine neue Industrie 
sier ins Leben getreten: eine Tapetenfabrik. He 
F. Müller, Eisenbahnstraße, welcher bisher en 
zroßes Lager von Erzeugnissen verschiedener, wa 
entfernten Tapetenfabriken führte, hat sich m 
Thatkraft und großem Verständniß selbstständig g 
nacht und auf seinem Grundftück eine künstlerish 
Werkstätte errichtet, deren Erzeugnisse sich zweifelo 
nit denjenigen anderer Tapetenfabriken mise 
verden; zunächst fabrizirt Herr Müller die n 
neisten begehrten geringeren und mittleren Qu— 
itäten und wird nach und nach feine und feir 
Tapeten herstellen. (S. J.S. A.) 
Der 27 Jahre alte Taglöhner Joseph Dus⸗ 
nond von Elbersberg, welcher unter der Anllag 
tand, am 22. Mai — Pfingstdienstag — morgen 
gegen 8 Uhr im Walde zwischen Elversberg und 
Schnappach die Handelsfrau Witme Jost vor 
A 
zorsätzlich, jedoch ohne Ueberlegung, zu öter 
yersucht zu hahen, wurde vor dem Schwurgerich 
3aarberücken für schuldig befunden und zu eint 
Zuchthausstrafe von 5 Jahren verurteilt. 
F Im nächsten Jahre sell in Forbach, wi 
die „Z. Z.“ meldet, wieder ein großes land 
virthschaftliches Fest abgehalten w 
ihnlich wie im Jahre 1881. Auch geht man de 
nit um, hier eine landwirischaftlih 
Winterschule zu gründen. 
Einen Einjährig-Freiwilligen 
)er verheirathet und Vater von acht Kinderni 
ählt seit dem 1. Oktober die Garnison Mih 
—DD— 
— 
jehr jung eine Witlwe mit Kindern geheirate 
zat und dessen Ehe mit derselben wiederum m 
indern reich gesegnet wurde. Das Dienen set 
er von Jahr zu Jahr hinaus, und als der Zir 
hunkt kam, wo dies unbedingt geschehen mußt 
wandte er sich an die Behörden, um seinen zen 
reichen Pflichten als Familienoberhaupt ungehorn 
leben zu können. Seine Bitle hatte aber keinn 
Erfolg. 
Maainz, 18. Olt. Die neue Husaren 
baf err nae steht in Flammen. 
FVom' KRihe in.“ Jungster Tage hate 
dampfer der Firma H. A Dis ch in Malpz ein 
Schleppzug zu Berg gefördert, der in den Antn 
eine Last hatte, zu deren Befoörderung nicht ege 
us 380 Eisenbghnwaggons mit ie 200 810 
Tragkraft. oder 9 bis 10 Güterzüge erforder 
Jewesen waren. Die xiefige Tadung hestandes 
Zohlen. d 
F Koln. Eine rechtdrollige Gesce 
e, welche wohl Stoff fur den nachten Rosemnn 
agszug bieten wird, ist, wie nachttuͤglich be * 
vͤd, der dem von der Stadt den deutschen 
urforschern und Aerzten auf dem Gurzenid “⸗ 
Jebenen Fesitrunk pafsiert. Besonders wuhen 
es an denrjenigen Tische zu, wo Prof. Dr 9 
mit einigen Freunden Hlah genommen. Einis * 
veit davon sizende Herren, welche dereits de 
rigen Niersteiner gehörig zugesprochen, pe 
daß jener Tisch mit den seinsten Marken