Full text: St. Ingberter Anzeiger

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ugherter Auzeiget. 
Amtliches Organ des königl. Amisgerichts St. Ingbert. 
er „St⸗Iugberter Inzeiger erscheint täglich mit Tuznahme der Sonn⸗ und Feiertage. 2 mal wodhentliq mit Unterhaltungs⸗Vlatt und Mittwochs und —amftags mit 
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Austunft eriheut, 13 , Neklamen 80 . Bei 4maliger Cinruckung wird nur dreimalige berechnet. 
X 24. 
Deutsches Reich. 
München, 27. Jan. Der Prinzregent 
rank heute Abend bei der Geburtstagstafel für 
den Kaiser, zu welcher die preußische Gesandt⸗ 
chaft, die obersten Hoschargen und die Minister 
jeladen waren, auf das Wohl des hohen Verbün— 
jeten und treuen Freundes, für den er Gottes 
Zegen herabflehte. 
Muünchen, 27. Jan. Die kirchenpo⸗ 
rischen Anträge der Zentrumspartei sollen, 
vie jetzt bestimmt verlautet, Mitte der ersiten 
Februarwoche, also etwa am 5. oder 6. Februar, 
en Ausschuß der Reichsratskammer und in den 
»arauf folgenden Tagen 7. bis 11. Februar das 
Blenum dieser Kammer beschäftigen. Zwar be— 
indet sich Staatsminister Dr. Frhr. v. Lu tz in 
iner entschiedenen und anhaltenden Rekonvaleszenz, 
edoch wird in der Reichsratskammer, wie bereits 
zestimmt ist, Staatsminister Fthr. v. Crails⸗ 
deim den kirchenpolitischen Standpunkt der Re⸗— 
sierung vertreten. Dagegen hält Dr. Frhr. v. 
Lutz heute noch entschieden an der Ansicht fest, den 
duttusetat im Finanzausschuß der Abgeord⸗ 
netenkammer selbst zu vertreten. Man nimmt an, 
»aß die Ausschußverhandlungen über den Kultus⸗ 
tat im Finanzausschuß der Abgeordnetenkammer 
dohl kaum beginnen dürften, ehe die Placetver⸗ 
andlungen der Reichsrathskammer zu Ende geführt 
ind: also Mitte Februar. Abgeordneter Dr. v. 
-„chauß hat sein Korreferat zum Kultusetat aufge⸗ 
eben. Er brantragt, der Ausschuß wolle vorerst 
rinzipiell aussprechen, daß die Adlehnung von 
tegierungsforderungen „ohne materielle Würdigung 
rerfassungwidrig“ fei, und wolle daher Herrn Daller 
ein „Referat“ zur Ergänzuug in dieser Richtung 
urückstellen. — Inzwischen wird das Plenum der 
Abgeordnetenkammer den Justizetat, das Gesetz über 
ie pfälzische Brandverfsicherungsan— 
talt und den Eisenbahnetat erledigen, während 
»er Finanzausschuß den Postetat in Vorberatung 
rimmt. Daran, daß der Landtag vor Ostern muͤ 
einem Pensum fertig wird, ist bei dieser Geschäfts⸗ 
age um so weniger zu denken, als, abge- 
ehen von den noch unerledigten Theilen des 
kisenbahngesetzes und einer Reihe gleichfalls noch 
merledigter Positionen des Finanzgesetzes, auch 
noch weitere Vorlagen der Regierung in Aussicht 
lehen, so eine, Vorlage des Ministeriums des Innern 
iber den Hafen in Wurzburg, dann desgleichen 
ine Vorlage über die Kosten der Ausführung des 
Alters⸗ und Invaliden gesetzez, ein Gesetzentwurf 
es Justizministeriums über den Bau eines 
Munchener Justizgebaudes und endlich auch noch der 
Diludr⸗Etat pro 189091. 
München, 27. Jan. Frhr. v. Stauf fen⸗ 
erg ist wegen der letzten Vorgänge im frei—⸗ 
innigen Verein und wegen der Aufstellung eines 
igenen Kandidaten aus dem Freisinnigen? Verein 
ausgetreten. Die „Koöln. Zig.“ macht dazu folgende 
Bemerkung: Der Vorgang ist bezeichnend dafür, 
vie sich innerhalb der deutschfreisinnigen Partei 
ie angesehenen und gemäßigten El⸗emene mehr und 
nehr von dem würdelosen, kurzsichtigen und un— 
atriotischen Treiden des radikalen Flügels abge— 
loßen fühlen. 
„Münaqhen, 28. Jan. Der Land tag wurde 
vis zum 29. März verlängert. 
Berlin, 27. Jan Dir Kaiser nahm heute 
züh um 834 Uhr die Gluckwünsche des kaiserlichen 
Hauptquartiers, um 10 Uhr diej nigen der Mit— 
Mlieder der kaiserlichen Familie, um 100 Uhr die— 
Mittwoch, 29. Januar 1890. 2* 
25. Jahrg. 
enigen des engeren Hofes, der Kommandeure der 
n Berlin und Potsdam garnisonierenden Leibregi- 
nenter, des Hausministers, der Hofchargen, der 
Heneral- und Flügeladjutanten, sowie des Oberhof⸗ 
»redigers Dr. Kögel entgegen. Um 11236 Uhr 
rachten der Reichskanzher und die Staats— 
ninister ihre Glückwünsche, dieselben wurden darauf 
uch von der Kaiserin empfangen. Um 1084 Uhr 
raf der König von Sachsen ein und wurdr 
vom Prinzen Leopold empfangen. Der König be⸗ 
uchte alsbald das Kaiserpaar und beglückwänschte 
den Kaiser. Um 1 Uhr fand bei der Kaiserin 
Friedrich eine Frühstückstafel statt, an welcher 
nit dem Kaiserpaar auch die Mitglieder der könig⸗ 
ichen Familie teilnahmen. Abends um 6 Uhr 
var beim Kaiserpaar Familientafel. Beim Reichs⸗ 
anzler war ein Festmahl für das diplomarische 
dorps veranstaltet, zu dem auch Staatsminister 
Zzraf Bismarck, Unterstaatssekreiär Berchem, die 
Dirrktoren und Räte des Auswärtigen Amtes ge⸗ 
aden waren. 
Berlin, 27. Jan. Heftiger Regen beein⸗ 
rächtigte bis zu den Abendstunden die Wirkung 
des reichen Flaggenschmuckes, den Berlin anläßlich 
des Geburtstages des Kaisers angelegt 
jat und das sonst an diesem Tage gewohnte fest⸗ 
liche Treiben. Das kaiserliche Schloß war indessen 
rotz der ungünstigen Witterung von einer zahl⸗ 
zeichen Menschenmenge umlagert, welche den Kaiser, 
ils er um die Mittagsstunde am Fenster erschien, 
ind später, da er in das Schloß der Kaiserin- 
Mutter fuhr, jubelnd begrüßte. Gegend Abend 
jellte sich das Wetter auf, und von 7 Uhr ab be—⸗ 
jannen ugeheure Menschenmassen zur B sichtigung 
er Festbeleuchtung die Straßen zu durchfluten. 
die Beratung des auf die Waffeneinfuhr bezüglichen 
Artikels wieder auf. 
Bern, 28. Jan. Der Bundesrat hat die 
donferenz der europäischen Indusiriestaaten zur 
Beratung einesinternationalenArbeiter— 
schutzvertrages auf den 5. Mai anberaumt. 
— General Herzog wird auf dringendes 
krsuchen des Bundesrats seine Stelle als Waffen⸗ 
hef der Artillerie beibehalten. 
Paris, 28. Jan. In dem Bureaux der 
ammer begann heute die Beratung über die Wahl 
der 55 Mitglieder des Zollausschusses. 
déͤon Say, P ytral, Aynard sprachen für, Mo ine 
jegen die Aufrechterhaluung der Handelsverträge. 
Bewählt wurden 43 Schutzzöllner, darunter Méline, 
stibot, Flourens, und 10 Freihändler, darunter 
saynal, Leon, Say, Pytral, Aynard; 2 ohne 
usgesprochene Ansicht. — Der Ministerpräsident 
Tirard legte dem Ministerrate einen Gesetzentwurf 
dor, welcher bezweckt, das Marsfeld seiner 
Eigenschaft als Militär⸗Uebungsplatz zu entkleiden 
und die auf demselben errichteten bedeutendsten 
Weltausstellungsgebäude dauernd zu erhalten. 
Lissabon, 27. Jan. Die Nachrichten von 
einer Unterbrechung der Verhandlungen im englisch⸗ 
portugiesischen Konflikt find unbegründet. Der por⸗ 
rugiesische Gesandie in London, Aut as, tritt an 
Stelle des Gesandten in Paris, Grafen Valbom. 
Lissabon, 28. Jan. Portugal erhielt 
keine auf den Berliner Vertrag bezügliche Note 
Lord Salisburys. Zur Stärkung der Monarchie 
und zur Beendigung der republikanischen Agitation 
ersehnt die Regierung eine moralische Genugthuung, 
die darin bestehen soll, daß die Streitfrage einer 
dritten Macht oder einer Konferenz unterbreitet 
werde. — Die angebliche Notte des Lord Saa⸗ 
lisbury, in der die englische Regierung Portu- 
zals Anrufung des Artikels 12 des Berliner Ver⸗ 
rages angeblich bestreiten soll, ist eine Fäl schunmng. 
Als Gesandter reist Bariona in der nächsten Woche 
nach London. Der diplomatische Wechsel bleibt auf 
dondon und Paris beschränkt. 
Rom, 28. Jan. Nachrichten aus Massauah 
zufolge ist die Rekognoszirung des Generals Orero 
uuf Adua vollständig gelungen. Die italienischen 
Truppen marschirten gestern dort ein; ihnen folgten 
zie im italienischen Sold stehenden Scharen. Die 
Begrüßung stitens der Bevölkerung und des Klerus 
var eine warme. Wenn sein Auftrag erfüllt ist, 
wird General Orero nach Asmara zurückkehren. 
Wien, 27. Jan. Dem beim Kaiser an⸗ 
aßlich des Geburtsfestes Kaiser Wilhelhms 
tattgefundenen Diner wohnte der deutsche Bot⸗ 
chafter, Prinz Reuß, das Personal sder deutschen 
gotschaft, die Chefs sämmitlicher Hofämter, Graf 
dalnoky und Graf Taaffe bei. Der Kaiser brachte 
einen Toast auf Kaiser Wilhelm aus. Die „Abend⸗ 
post“ schreibt: Auch in Oesterreich Ungarn gedenkt 
nan heute voll warmer Sympathie des kaiserlichen 
Freundes und Bundesgenossen, des erhabenen 
MNonarchen und schließt sich den innigsten Wun⸗ 
chen für das Wohlergehen desselben aus vollem 
herzen an. 
Wien, 28. Jan. Sämmiliche Blätter außern 
zie größte Genugthuung über die Aus⸗— 
zleichkeergebnisse. Das „Fremdenblatt“ hebt 
die Maßigung und Klugheit sämmtlicher Parteien 
ind des Kabinets hervor. Durch den Wiederein⸗ 
ritt der Deutschen in den böhmischen Landtag er⸗ 
cheine der Parlamentariemus in Oesterreich ge⸗ 
estigt, alle die Verfassung bedrohenden Gefahren 
Ausland. 
London, 28. Jan. Die „Morning Post“ 
eiert den Geburtsstag Kaiser Wilhelms 
—XEVV— 
kaiser habe infolge seiner persönlichen Eigenschaften 
fẽrbansprüche darauf, ein großes Volk zu beherrschen. 
gestern habe er von seinem Volke die freiwillige 
Anerkennung dieser wichtigen Thatsache erhalten. 
zm Reiche hätte gestern die ernste, begeisternde 
5prache widergehallt, in welcher der Kaiser dem 
Punsche Ausdruck gegeben, die Lage der arbeiten⸗ 
en Klassen zu heben. Seine Unterthanen wüßten 
vohl, daß er versuchen werde, dies zu thun. Ihre 
Zegrüßung an seinem Geburtstage beweise, daß sie 
hre nationalen Aufgaben mit fester Zuberficht seiner 
Obhut anvertrauen. 
London, 28. Jan. Der gestern verhaftete 
Führer der Dockarbeiter Mann, wurde heute 
jon dem Polizeirichter wieder entlassen. 
Haag, 28. Jan. Erste Kammer. Der 
Ninister des Aeußern teilt mit, er habe die tele⸗ 
raphische Meldung erhalten, der Schiedsrichter, 
velcher um die Schlichtung der Grenzfrage zwischen 
S„5urinam und Französisch-Guyana 
ingegangen worden sei, erhebe Bedenken gegen die 
debecnahme drs Schieddamtes. [Dem Vernehmen 
rach war es der Zar, dem auf Vorschlag Frank- 
eichs das Schiedsamt angeboten worden war.] 
Brüussel, 27. Jan. Die Arbeiten des Anti⸗ 
klaverei-Kongresses, welche durch Krank⸗ 
seit resp. Abwesenheit einiger Mitglieder um mehrere 
Tage verzögert worden waren, sind heute wieder 
sufgenommen worden. Die Kommission, welche 
nit der Prüfung der Unterdrückungsmaßregeln des 
5tlavenhandels⸗zu Lande beauftragt war, nahm