Sie müssen auf Kosten Anderqe erhollen und ausgetüstet werden,
ohne im Stande zu · sein. der schaffenden Welt eine Gegenleistung
zu bieten. Selbst wenn es möglich wäre, die allersicherste Bürg
schaft zu geben, daß Europa sich eines 10jährigen Friedens zu
erfreuen haben werde, kann die Industrie doch nur sagenz so viel
Menschen Soldat werden müssen, so viel Kunden gehen tins vet
loren; so viel Geld für Waffen ausgegeben wird, so iel wird
uns, den Conjumenlen, entzogen; so viel Arbeit geleistet werden
muß, um diese Heere zu ernähren und zu bewaffnen, so giel, Ar-
deit wird für uns unfruchtbar und unproducti.. 3
Viel erklärlicher zoch als all diese, längst kiaken Thatsachen
ist die gedrückte Lage der schaffenden Welt, wenn man, wie es in
der französischen Thronrede geschieht, die Weltausstellung einerseits
and die friedlichen Begegnungen der Souberane andererseits neben⸗
einander betrachteti. ——
Was zeigie uus dennoeitentlich Siese Weltausstellumg ẽSie
zeigte dem staunenden Auge des Beobachters die gewaltige massen
hafte Leistungskraft der schaffenden Welt. Findet sich nun zu dieser
schaffenden Welt auch die verbrauchende Welt, so ist dieß ein Glück;
findet sich's, daß mehr geschaffen? wird, als verbraucht werden
dann, so ist dieß ein Unglück. z8. 21412
ICWas zeigen uns dagegen Rdib friedlichen Begegtinngen der
Sonveräne? Sie zeigen der Welt neben den fortdauernd gestei—
gerten Rüstungen, daß die Friedensbürgschaft“ nicht in ver Hand
der schaffenden Welt, sondern in dem momentanen guten Willen
derer liegt, die den Krieg dekretiren können.“ Ein Wort, das die—
sen guten Willen umwandelt, und die ganze Ausstellung ist eine
Stätte der Entwerthung all' der Arbeiten! — Welch' schwere
Verkennung der Wahrheit liegt also darin, wenn man ünter sol⸗
chem Zustande sich noch wundern kann, daß die schaffende Welt
sich sagt: Wir können nicht unter solcher Ungewißheit; fort und
fort produciren, wo der wohlnieinende Friede die Rüstungen stei⸗
gert und die Consumtionsfähigkeit stört, und wo wir es nicht ver⸗
hindern können, daß ein einziger Kriegsbeschluß die Ausstellung
dieser massenhaften Leistungen in eine Blosstellung unseres Banke—
tottes verwandelt.
ESchwurgerichtssitzungen.
g ¶e IV. Quartal 1867.
Vormittagssitzung vom 25. Rotembet. ESchluß).
Auch der Vertheidiger der Angeklagten Groß, Herr Rechts—
randidat Petri, führt aus, daß dieselbe bei der That ohne Be
finnung und Zurechnungsfähigkeit gehandeit habe. Man dürfe
sich nur ihre Lage vergegenwärtigen: fast selbst noch ein Kind,
muß sie in die Fremde, schließt sich dort an einen Jugendfreund
an, der sie verführt, muß dann bei ihrer Pathin. befürchten, daß
diese sie, wenn ihr Zustand entdedt wird, mit Schimpf und
Schande fottjagt; noch unerfahren in solchen Angelegenheiten und
aber die Zeit der Niederkunft im Unklaren, wird sie in der Nacht,
derlassen und bei stroͤmendem Regen, am Brunnen von der Ge⸗
durt überrascht. Jedenfalls sei in dieser Stunde wenigstens ihre
Unterscheidungskraft und Zurechnungsfähigkeit gemindert gewesen.
Letzteres wurde auch von den Geschworenen, die die Hauptfrage be—
ahten, angenommen und die Angeklagte sodaun zu 4 Jahren
Zuchthaus verurtheiilt. —J
Nachmittagssätzung dom 25. November.
Anklagesache gegen Karl Hoßfeld, ledigen Müllerburschen
don Waltershausen, kgl. Bezirksamts Königshofen in Unterfranken,
wegen Versuchs des Mißbrauchs eines noch nicht 12 Jahre alten
Maͤdchens zum Beischlaf am 3. September lfd. Is.
der Angeklagte ist der Sohn der ledigen Dienstmagd Aurelia
Hoßfeld von gedachtem Waltershausen und stand seit Juli 1867
as Muhlbursche in Diensten des Müllers Michael Illig von der
Vartelsmühle bei Langenkandel. Er galt für einen brauchbaren
Arbeiter und lag, was dessen Leumund, betrifft, bisher gegen den⸗
selben nichts Rachtheiligegß vor!“ Hoßfeld gesteht die Verübung
der That zu. Auf Antrag der kgl. Staatsbehörde hatte die Ver—
handlung bei verschlossenen Thüren statt. Die Vertheidigung
velche Herr Rechtscandidat Bockimg für den Angeklagten über⸗
aomnmen haite, stellte auf, ees etmmangle an den gesetzlichen Kriterien
des demselben zur Last geleglen. Reats-und es fei höchstens das
Vergehen der Verübung unzůchtigex Handluugen, gegeben. Die
Heschworenen sprachen jedoch den Angeklugten einfach' schuldig,
worauf derselbe von dem Gerichtshof zu einer Gefängnißstrafe bon
3 Jahren verurtheilt wurde. — —
Sitzung vom 26. Rovem ber5*
Anklage gegen Jalob Schrder,:42 Jahte alt, Tagloͤhner,
vohnhaft zu Sausenheim, wegen vorsätzlicher Körperverletzung mit
nachgefolgtem Tod des Verletzten. J 9—
Am Dienstag der Sausenheimer girchweihe. 17. Septemiber
Is. tam der achtjährige Sohn Jakod des Angeklagten heim
d heklagte sich bei seinem Vater: der kleine Philipvp,Sohn von
dudwig Hammer, habe ihm von der Reitschule weggejagt, worauf
der Angeklagte im größten Zorn an dieselbe eilte, dort den 7Tjäh⸗
rigen Bruder Jakob des genanntien Philipp Hammer erfaßte, ihm
nit der Faust in das Genid schlugg und mit dem Stiefel Tritte
auf den Rücken vder in die Seite versetzie. Der Knahe; war in
Folge dieser Gewaltthätigkeit auf den Boden dJestürzt,erhob sich
dann mit sichtlicher Mühe, blieb einige Zeit, weinend stehen und
Ung dann heim.Nachdem er später nochmals an die Reitschule
jegangen und von da Abends heim gekommen war, wollte er
nichts essen, trank ein wenig Kaffec und Jegte sich in's Bett. Des
anderen Morgens lamentirte er jedoch und klagte Uber Schmerzen
am Hals und später im Genick und Kreuz Der hetbeigerufent
Arzt nahm. bald die Erscheinungen des Starrkrampfs an dem
dinde wahr.“ Der⸗ Zustand wverschlimmerte Jich · der — —
elbe Freitag Abends schon starb.“ Nach dem grztlichen Gutachten
hatte eine, dem vom Angeklagten ein vder“ mehrmals zugefügten
Schlage entsprechende Erschütterung“ und Quetischung des Rücken⸗
marks stattgefunden und unter den Erscheinungem des Starrkrampfs
)en schnellen Tod des Knaben herbeigeführt. Der bisher gut be—
eumundete Angeklagte will denselben blos am Ohr gefaßt und ihm
—R
. Vermischtes.
i Speher, 26. Nob Voni I. Januar 1868 an werden auf
den pfälzischen Bahnen monatliche Abonnementskarten für Schüler,
Lehrlinge und Arbeiter mit einer Preisermäßigung von 73 00 und.
für Geschäftsleute von 2590 ausgegeben werdem Näheres darü⸗
ber wird von Seite der Bahnverwaltung bekannt gemacht werden.
(Zwangsvollstreckungen in Bahern.) Nach amtlichen Ers
hebungen sind im Koönigreich Bayern ohne die 183 größeren Städie
an liegenden Gütern in dem Zeitraum von 1. October 1863 bis
zum Juli 1867, also binnen 3244- Jahren, im Gaͤnzen 9178.
Zwangsveräußerungen vollzogen worden. In der Pfalz erreichen
die landwirihschaftlichen Zwangsvollstreckungen während dieser Zeit
nur die Zahl von 220, nächst der Pfalz kommt dann der abso—
iuten Zahl nach Oberfranken mit 604, Mittelfranken mit 617
und die Oberpfalz mit 698 Immobiliar: Executionen; Niederbay ·
ern zählt 1000, Schwäben 1123, Unterfranken 2006 und end—
lich Oberbayern 2853 Fälle. Der Verfasser dieser Zusammen⸗
tellungen legt kein geringes Gewicht auf die Volkssitte, um den
zöheren oder niederen Grad der Krisis in den einzelnen Gegenden
ju erklären. Im Ganzen, scheine es, fühle man die Krise dort
im meisten, „wo der Luxus am groͤßten, die Bildung am ge⸗
ringsten, die Lust an der Arbeit am schwächsten“ ist. (Bamb. Tgbl.)
7 In Haideggendorf wurde eine 24jährige Magd wegen Kinds⸗
mords verhaftet, die beim Verhöre das haarsträubende Gestäudniß
Ablegte, außer dem fraglichen Kinde schon 5 Kinder geboren und.
alle mit eigener Hand umgebracht zu haben.
— Die hessischt Ludwigsbahn führte vom I, d. M. neue Bee
timmungen über Abonnementskarten ein, dusch welche die gewöhn—
liche Fahrtake je nach der Entfernung und der Dauer des Abon—
nements um 50 -80 Procent ermäßigt wirda
—FcEinberufene Kafssenscheine. Es ist nicht zu
dergessen, daß die (blaugedruckten) Schwar;zburg-Sondershauser Kas⸗
senscheine à 1 Thlr. vom 25. Oct. 1859 nur noch bis zum letz⸗—
sen dieses Monats, die Reuß⸗-Greizer Kassenscheine à 1 Thlr. vom
15. Mai 1859 (auf weißem Papier) nur noch bis zum 31. künf⸗
tigen Monats eingelöst werden. P
F Saarbrücken, 25. Rov. Nach zuverläffigen Nachrichten
ind bei dem am 24. d. in der Grube Griesborn vorgekommenen
chweren Unglücksfall, (über den wir in unserem vorigen Blatte
kurz berichteten), außer dem Ke Bergwerksdirector Bauer, noch der
Obersteiger Erdmenger, Steiger⸗ Groß, Hülfssteiger Gaus ünd
d Bergleute zum Opfer gefallen. Die erstgedachten beiden Beam⸗
sen hatten sich behufs Revision der Branddämme, welche in Folge
hder in der Nacht vom 28. auf den 24. d. Mis. vorgekommenen
kxplosion von schlagenden Weltern in den Strecken der Grube
angebracht waren, in die letzteren begeben, wurden aber bei
dieser Fahrt von brandigen Wettern überrascht, deren Austre⸗
len in die Strecke nicht vorauszusehen war, indem solches in Folge
einer plötzlichen und unerwarteten Umstellung des Wetterznges—
erfolgte. Leider haben die anderen beiden vorgedachten Steiger,
nebst den 9 Bergleuten, ihr aufopferungsvolles Bemühen,“ ihre
ihre verunglückten Vorgesetzten wo möglich nach lebend aus der
Grube zu retten, nicht verwirklich n koönnen und sind selbst demsel⸗
ben zum Opfer gefallen. Die am 25. d. Mts. von Beamten
der Bergwerks⸗Direction behufs Reinigung der Grube von den
Brandgasen getroffenen Anordnungen scheinen dafür zu bürgen,
daß neuen wiederholten Unfällen vorgebeugt wird,
——. In Perneck (Ungarn) brannten am 13.. Nob.Jelegentlich
ꝛiner Hochzeit 95 —78 52 Scheunen nebst Juhalt, 7000 Klaf⸗
zer Holz nieder: 17 Menschen verloren dabei das Leben