ich alleals erfunden. Vielmehr haben sich die Mexicaner äußerst
mlde benommen und gegen das Leben und Eigenthum ihrer Geg⸗
Jer lange nicht so gewüthet, wie es der saubere Marquez und
anderes impetialistisches Gesindel gethan haben. Alle liberalen
Soldaten, die nach der Einnahme von Mexico von ihren Oberen
quf Plünderung ertapht wurden sind, sind erschossen worden. Diese
Nachrichten werden selbst von französischen Journalen mitgetheilt,
nd eines derselben ruft aus: „Niemals war eine Restauration
milder als diese!“ — Die Kammern wurden heute ohne Sang
ind Klang geschlossen. Diese lange Session von beinahe sechs
Monaten wird merkwürdiger bleiben durch das, was in ihr nicht
hollendet wurde, als durch das, was sie schaffte. Sie ist ein
eclatanter Beweis für die Unfruchtbarkeit der jetzigen Institutionen
Frankreihßsss.
Paris, 27. Juli. Der „Abendmoniteur“ schreibt: „Ver—⸗
chiedene deutsche Journale versichern, daß dem berliner Cabinel
eine Note in Bezug auf Nordsichleswig übergeben worden
jei. Diese Behauptungen einer wesentlich falschen Thatsache haben
leider den Erfolg, wenn nicht den Zweck, den irrigsten Ansichten
über die Art der Beziehungen zwischen den beiden Regierungen
im Publicum Glauben zu verschaffen. Es ist dem berliner Cabi—
net eine Note über Nordschleswig oder über irgend eine ander
Frage weder übergeben, noch vorgelesen worden. — Die „Patrie“
meldet, daß der Koͤnig von Bayern wegen des Todes seines Oheims
desz Königs Otto, den Aufenthalt in Paris abkürzen, jedoch noch
so lange hier verweilen wird, bis die Kaiserin Eugenie von ihrer
Nüstenfahrt zurückgekehrt sein wird.
— Wan liest in der Epoque: Wir geben unter allem mög⸗
lichen Vorbehalte die aus München kommende Nachricht, nach wel⸗
her der Iniernational den Repräsentanten Frankreichs bei den
Höfen von Süddeutschland eine Erklärung beimißt, der zufolge
aunsere Regierung „selbst mit den Waffen den Eintritt der Süd—
staaten in den Nordbund verhindern würde.“
Paris. Die Anziehungskraft der Ausstellung“ fängt
nach und nach an, gewaltig nachzulassen. Die Zahl der Frem—
den hat sich derart dermindert, daß in allen großen und kleinen
Hotels Zimmer zu haben sind, so viel, man will, daß die großen
Hotels die aufgenommene Supplementar⸗Dienerschaft entlassen
uͤnd daß bald nichts übrig bleiben wird — als die hohen
Preise, die wir als „Errungenschaft“ des Jahres 1867 behalten
werden. —
28S .ralien. d
Aus Rom und Über die Pläne der italienischen Act
ktionspartei in Betreff Roms liegen der „Independance“
Berichte vor⸗ welche die weltliche Herrschaft des Papstes ernstlich
gefährdet erscheinen lassen, falls nicht Louis Napoleon noch einma
das Odium einer Intervention und eines Bruches mit Italien auf
sich nehmen will. Garibaldi und Mazzini, dessen Anwesenheit in
Genua übrigens noch nicht erwiesen zu sein scheint, sollen über
einen gemeinsamen Operationsplan und über die Nothwendigkeit,
denselben sofort in's Werk zu setzen, sich geeinigt zu haben. Dieser
Operatiansplan bestünde datin, daß so viele kleine Freicorps wie
möglich in die römischen Provinzen zu werfen seien, um die päpst⸗
liche Regierung zu zwingen, die Hauptstadt selbst von den wenigen
Trubpen, über welche sie verflige, zu entblößen. Sei das geschehen,
so werde die Repolutions-Partei in Rom selbst eine Schilderhehung
versuchen. Dann bleibe der Kurie nichts übrig, ubs' vie Hilfe
Italiens anzurufen; die kböniglichen Truppen, zücken ein und di⸗
Mediatisirung sei fertig. ““«
Amierika. 243
Newyovk, 26. Juli.Es sollen in Mexico noch zehr
kaiserliche Generale erschossen worden sein.
— BVermischtes..
München, 25. Juli. Der „M. Bote“ erzähll: Unsere
Leser werden sich erinnern, daß vor einem Jahre um diese Zeit
auf dem Starnberger See ein junges Mädchen vom Dampffchiff
verschwunden war und es allgemein hieß, dieselbe (die Tochter
eines Handelsqgenten aus der Pfalz) habe sich in das Wasser
gestürzt, nachdem sie sich noch ihrer Crinoline entledigt hatte. FJetzt
erfahren wir, daß die Vermißte und lange vergeblich Gesuchte in
Ameriku glücklich verheirathet lebt, nachdem sie mit ihrem Freunde
heimlich dahin entflohen war; sie hatte in Bernried in Män—
nerkleider das Schiff und von da ihre Heimath verlassen.
—F München, 25. Juli. In der Nacht vom 20. auf den
21. Juli fand in der Nähe der Ortschast Oberach bei, Tegernser
ein Zusammenstoß zwischen Wildschützen und dem Forst—
perso nal ftatt. Ein Wilderer versuchte zu schießen, die Kapsel
versagte, worauf ein Schuß. von Seite des Schutzpersonals fiel,
welches letztern jedoch durch die Nacht verhindert wurde, weitere
Seechforfchungen · attgustellen. ¶Am 22. Jult wurde sodann ein be—⸗
rüchtigter Wildschütze von Fischbach, Log. Tölz, durch ejnen Schuß
gelödtet aufgefunden, welcher wahrscheinlich bei diesem Zwecke ver—
unglückt ist.
eIn Mänsingen (Württemberg) fand am 25 d.
eine Civiltrauung ftatt, die Brautleute gehören der Secte „des
Tempels in Jerusalem“ an.
Wiesbadenu, 24, Juli. (Auch eine Demonstration.)
Am Geburtstag des Herzogs Adolph zog eine Anzahl Schul—
mnaben mit Trommeln und nassauischen Fahnen durch die Stadt
und song vor dem Schloßgebäude das Lied: „Heil uuserm Herzog—
Heil.“ . J
d — Biebr ich, 24. Juli. Am Montag Nachmittag machte
das Dampfboot „Adolph“ mit ca. 50 hiesigen Damen und Her—
ren eine Vergnügungsfahrt nach Rüdesheim; bei der Rückfahrt,
welche allerdings in etwas vorgerückter Stunde angetreten wurde,
jiuhr das Boot zwischen Walluf und Schierstein über eine Klippe,
wo dasselbe einen Leck bekam und gleich darauf sank. Als man
demerkte, haß sich das Boot mit Wasser füllte, ließ der Steuer—
mann dasfelbe gegen die nahe gelegene Insel anlaufen, auf die
äich die Passagiere noch in aller Ele retten konnten. Wäre die
Juͤjel etwas entfernt gewesen, so würde ein gräßliches Unglück zu
eklagen gewesen sein. Einer der Passagiere der einen Säbel be—
jaß, hätte sich beinahe in Folge des Unglücksfalles an dem ar—
nuen Steuermaun vergriffen.
In der Synagoge zu Köln (eine Sehenswürdigkeit der
Stadt) ist in der Nacht des 24./25. auf eine bis jetzt unbekannte
Weise Feuer ausgebrochen; kostbare Teppiche und Vorhänge, ein
Theil der Galerie c. sind verbrannt; sehr werthvolle heilige Ge—
fäße fand man ganz geschmolzen vor; die angerichteten Zerstörun—
gen sind sehr bedeutend. J
f Vom Rhein, 22. Juli. Wie man versichert, sollen auf
—D00
»los Bischöfe und theologische Doctoren, sondern auch bedeutende
Männer der katholischen Welt, wie die Gebrüder Reichensperger,
Rohden, Plasmann, Malinkrodt, Blömer u. A., Sitz und Stimme
»xhalten, um an der angekündigten zeitgemäßen Umgestaltung der
tatholischen Kirche mitzuwirken.
F Die Schrifstellerin Louise Mühlbach (bProfessorin
Tlara Mundt in Berlin) hat in diesen Tagen von der Apple—
ron'schen Buchhandlung in Newyork ein Ehreugeschenk im
Betrage von 1000 Thalern erhalten. Diese Firma hat nämlich
einige ihrer historischen Romane publicirt, war aber, da es kein
nternationales Autorrecht für die freien Länder gibt, keineswegs
zu einer Honorarsleistung verpflichtet. Es ist dies gewiß eine
ireudige uͤeberraschung für die fleißige Autorin, deren Werke zwar
fast sämmtlich in sieben Sprachen übersetzt sind, die aber bisher
noch nie für die Uebersetzungen ein Honorar erhalten hat, mit
Ausnahme derer, welche in Holland erschienen sind. —
7 Kiel. Professor v. Treitschke hat den Ruf an die
Stelle Häufser's nach Heidelberg angenommen und ver—
ält demnach mit Ende des Sommersemesters die Kieler Uni⸗
versität. —*
Zur Erinnerung an die Pariser Fürsten—
besuche. Im Hotel de Ville zu Paris (dem Stadthaus) sollen
auf Anregung des Seinepräfecten Baron Häußmann die Büsten
aller Souveraͤne zur Aufftellung kommen, welche den Kaiser Napo⸗
leon III. seit seiner Thronbesteigung besucht haben. Wie man
zenken kann, hat der heurige Sommer, mit seinen massenhaften
Fürstenvisiten die Anregung zu dieser Idee gegeben. Unter An—
derem ist auch nach Muͤnchen die Bitte um den Gypsabguß einer
Büste des verstorbenen Königs Maximilian II. von Bayern er—
zangen und hat demnach der jetzt regierende König beim Bild—
Jauer Zumbusch eine Marmorbüste seines Vaters für das Pariser
Stadthaus bestellt.
pP Paris, 25. Juli. Bis jetzt scheint geringe Aussicht auf
eine Herabsetzung des Eintrittspreises für die Ausstellung an ge—
wissen Tagen und zum Besten der arbeitenden Classen zu sein.
Staatsminister Rouher hat auf Anfrage der Herren Ganier-Pa—
géss und Jul. Simon in. der Kammer erklärt, daß die Eintritts—
und Abonnementsgelder bis jetzt 4,500,000 eingebracht haben,
während abgesehen von den 12 Miilionen, welche Staat und
Stadt zu gleichen Theilen bewilligt haben, die Commission bereits
12 Millionen, mit Einschluß der von Privaten vorgeschossenenen
8 Millionen verausgabt hat. Wenn sich alfo die Einnahmen ver—
doppeln und der Wiederverkauf des Materials 3 Millionen ein⸗
hringt, so kann die Commission zu ihrem Gelde kommen. Von
den zum Theil sehr bedeutenden Pacht und Miethgeldern, welche
die. Commission einzuziehen versteht, war in der Vilanz des Herrn
souher weniger die Rede.
— Ein höherer Beamter des Pariser Credit-Foncier ist am
22. verhaftet und nach Mazas gebracht worden; er hat Werth—
papiere unterschlagen.. — .*
4 Ein Engländer hat sich zur Aufgabe gesetzt, in einem