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Die gemeinschaftliche östr-ital. Kommission zur Bescheidung
der Reklamationen, welche bei Abschluß des Wiener Friedens die
tal. Regierung an die österreichische bezüglich verschiedener von
Venedig nach Oesterreich geschaffter Kunstwerke und Doku—
nente, gemacht hatte, hat ihre Arbeiten zur Befriedigung beider
Theile vollendet.
Frankreich.
Paris, 11. August. Der „Moniteur“ veröffentlicht ein
bom 20. Juli datirtes Telegramm des franzöfischen Gesandten in
Mexico, Hrn. Dano, in welchem derselbe anzeigt, daß er, falls
nicht unvorhergesehene Hindernisse eintreten, in wenigen Tagen
abreisen werde. — Ferner macht das amtliche Blatt auf einen
Artikel der „Nordd. Allg. Ztg.“ vom 8. August aufmerksam und
jagt, daß die Sprache desselben keinen Zweifel über die frised
lichen Absichten der preußischen Regierung aufkommen lasse.
Ein Theil des französischen Clerus hat die Absicht, auf dem
zkumenischen Concil, das am 8. Dez. 1868 in Rom zusainmen⸗
treten soll, die Abschaffung des Colibats in Anxregung zu bringen.
England. —
Der Sultan soll in London der Gesellschaft zur Abschaf⸗
fung der Sklaverei das Versprechen gegeben haben, den Verkauf
von Circassieriunen zu verbieten. —
Italien.
In Rom ist man; doch immer wegen; Gatibaldi- besorgt, ob⸗
schon 40,000 MannItaliener an der Grenze Wache halten. An
den Thoren werden die Ankommenden untersucht, ob sie keiue ro—
then Kittel bei sich führenn.
Die „Italie“ meldet, die Regierung werde den Verkauf der
geistlichen Guͤter beschleunigen; der Staat sei bereits im Besitz von
Immobilien, welche eine Rente vpu 20. Millionen liefern; würden
e i ewen Haud entrissen, dann selen große volkswirth⸗
chaftliche Rejultate zu erwarten e α α.
—V iιιι- Spanien.
Madrid, 5. Aug. Es ist eine Quarantaine für die von
Rom nach Algerien Kommenden errichtet. — Eine Korrespondenz
aus Mexico vom 28. Juni meldet, daß der Leichnam Marimilians
dem preußischen Gesandten überliefert worden ist. 5 ——
Man meldet der „Epoque“ aus Mazddrj d, daß Narvaez
bon der Königin die Streichung O'Donell's aus den Cadres der
Armee und die Entsetzung von allen seinen Aemtern und Würden
berlangt habe. Die Königin, wird hinzugefügt, schrecke vor einer
solchen großen Maßregel zuruffee.
Amerika.
Newyork, 30. Juli. . Nach Berichten aus Mexico wur⸗
den sämmtliche Präfecten der gewesenen kaiserlichen Regierung
auf sechs Jahre verbannt. Der. Bischof von Jalappa ist
derhafiet. Die Vermögenscoufiscationen haben begonnen. Der
Oberst Lopez ist früher begangener Verbrechen halber dem Kriegs-
gerichte überwiesen worden. Der General Escobedo tritt als Can⸗
didat für die Präsidentschaft auf, sein Programm gipfelt in „Frem⸗
dengausrottung.“
Nach der Correspondencia von Madrid“ befinden sich unter
den von den Mexikanern gefangen genommenen kaiserlichen
Generälen und Offizieren 5 Italiener, 6 Spanier, 9 Ungarn, 28
Franzosen, 30 Mexitaner, 43 Amerikaner aus verschiedenen Staa⸗
len, 93 Belgiet und 140 Deutsche. — Die einzigen Ausländer,
denen Itzgrez den Uebertritt in die mexikanische Armee gestattet,
sind die Spanier.
J Vermischtes..
Speyer. Die Bierbraurei zum „Römischen Kaiser“ ist
um die Summe von 21,000 fl. in die Hände des Bierbrauers
Biersack, früher Braumeister in Kaiserslauter käuflich übergegangen.
f Speier, 10. August. Die Vertreter der pfälzischen Vor—
schußvereine, etwa 50 an der Zahl, hielten gestern ihre zweite und
letzte Sitzung zur Gründung eines Unterverbandes. Herr Schulze-
Delitzsch hielt nach der Sitzung eine längere Ausprache und ent⸗
wickelte darin die Vortheile des Genossenschaftswesens, das während
des letzten Kriegjahres die gländzendste Probe bestanden. Die Re—
sultate desselben sind staunenswerth; es bestehen in Deutschland etwa
1000 Vorschußvereine, von denen 642 dem Verbande angehören
und 532 BVereine mit 193,712 Mitglieder hatten für 1866 Rech⸗
aungsabschlüsse eingesendet; diese haben im Vorschuße und Conto—
correngeschäft beinahe 100 Millionen Thaler umgesetzt. Herr Schultze⸗
Delitzsch erstattete auch Bericht über das preußische Genossenschafts
gesetz und empfahl die Annahme der von ihm entworfenen Muster—
zatuten; gegen Abend verließ der thätige, um das sociale Leben
Denischland jo hochverdiente Mann unsere Stadt, um sich nach
Tarlsruhe zu begeben.
z. F Eine gewiß seltene Erscheinung dürfte es sein, daß
in Kirchheimbolanden dieser Tage von einem Huhn zwei zusam⸗
neugewachsene Eier gelegt wurden, in welchem einen sich das
Belbe, im andern das Weiße befand.
Das erste Pferderennen beim diesjährigen Oct o—
»erfeste in München findet am 6. und das zweite am 183.
Dctober statt. Bei dem ersten werden 10 fl. eingelegt und 15
Preise vertheilt, von denen die ersten, in 50, 40, 30, 20 Duca-⸗
len init je einer Fahne bestehen; bei dem zweiten werden bei ei—
ner Einlage von 2 fl. 12 Preise vertheilt, wovon der erste 60 fl.
er zweite 50 fl., der dritte 86 fl., u. s. w. beträgt. Am 10.
qOctober findet auch ein Trabwettfahren auf der gewöhnlichen
stennbahn statt mit 7 Preisen zu 80, 60, 50, 40, 30, 20, 15 fl.
ind einer Fahne.
rF Aus Bayreuth, 8. August meldet der „Nürnb. Corr.“:
Eine Brodvergiftung, wie sie im vorigen Monat in Würzburg
ttatifand, setzt heute unsere Stadt in Aufregung. Eine Menge
Familien und Personen (man spricht von etlichen sechzigh, welche
sjeute Morgen von dem Weißbrod Semmeln) des⸗ Bäckermeisters
Zchott in der Judengasse gegessen, erkrankten unter den Sympto—
nen der Vergiftung. Eine sofortige ärztliche Untersuchung ergab,
daß in dem Backwerk Arsenik enthalten. Sämmtliches Brod des
Schott wurde sogleich von der Behörde confiscirt, und ein Geselle⸗
desselben verhaftet. Die Aerzte sind in größter Thätigkeit. Bis
etzt ist noch kein Todesfall vorgekommen. Auch in Heinersreuth,
1'Stunde von hier, sollen Erkrankungen angezeigt sein. — In
lerandersbad stürzte der zeitlich qu. Bezirksgerichtsrath Heinrich
Frhr. v. Künsberg von Amberg aus dem Fenster und verschied an
zen erhaltenen Verletzungen.
Frankfurt, 8. August. In diesen Tagen befand sich der
zerühmte amerikanische General David G. Faragut, der
Held der Einnahme von New⸗Orleans in unserer Stadt. Derselbe
var von mehreren seiner Offiziere begleitet und begab sich nach
Besichtigung der Sehenswürdigkeiten der Stadt, in die benachbar—
en Taunusbäder.
f Auf der Zeche „Rhein und Ruhr“ bei Ruhrort sind am—
35 d. 4 Bergleute durch Reißen des Seils des Förderkorbs, in
velchem sie saßen. in die Tiefe gestürzt; drei sind todt.
7 Vor dem Schwurgerichte in Wisen stehen dermalen bei
ungeheuerm Menschenzulauf der 26jährige Schuhmacher Troll und
die eben so alte Köchin Petersilka, welche am Pfingsttag die all⸗
zemein beliebte 19jährige Kaufmannstochter Elise Kolb ermordet
und beraubt haben. J
CDie böhmischen Kron⸗-Insignien) sollen noch im Verlaufe
dieses Monats von Wien nach Prag gebracht werden, um in der
cenovirteu Kronkammer aufbewahrt zu werden.
7 Nach amtlichen Erhebungen betrage das Kirchen- und Klo—
stervermögen Frankreichs 300 Mill. Franken, und das Belgiens
mehr als eine Milliarde.
4 Auf den Boulevards bietet man jetzt die Photographie des
‚traitre Lopez“ aus. Es ist aber nicht die dieses Scheusals,
ondern die des berühmten Ungarn Deak, die früher angefertigt
wurde, und die der Besitzer los werden will.
—.Als General Dumont seine Reise nach Rom antrat, hatte
der Kaiser dem Scheidenden noch bemerkt, er solle dem heiligen Vater
den Wunsch seines Souverains ausdrücken, ihn doch zum Besuche
der Anssteliung in Paris zu sehen. Als General Dumont in
einer besonderen Audienz Pius IX. von diesem Wunsche unter⸗
richtete, entgegnete dieser: „Wir sind zu alt und zu müde, um die
Reise zur Ausstellung noch zu unternehmen, überdies“, fügte er
nit jenem ihm eigenen Humor hinzu. „nous sommes déjâ nous-
mõômes ici asses exposés“, worauf er, sich zum; Adjutanten des
Benerals wendend, nochmals wiederholte: west-ce pas, jeune
nomme, que nous-Sommes assez exposés *
—Paris, 5. Aug. Im hiesigen Invalidenhospital starb
iber 90 Jahre alt der Veteran Darroy, dessen Namen schon vor
67 Jahren öffentlich bekannt wurde, ohne daß es darum sein
Träger weiter brachte als bis zum Corporal.' Bekanntlich wurde
der berühmte französische General Kleber am 14. Juni 1800 zu
Tairo vom fanatischen Türken Soleymann durch Dolchstiche ermor—
det, und der Mörder, nachdem man ihm über einer Gluthpfanne
die rechte Hand verbrannt, lebendig gepfählt, worauf er noch 4
Stunden lebte. Während dieser Zeit von brennendem Durst ge—
»lagt, verlangte Soleymann wiederholt zu trinken, was ihm, um
seine Todesqual zu verlängern abgeschlagen ward. Da erbarmte
iich seiner der Wachtstehende Soldat Darroy und hielt ihm ein
Glas Wasser an den Mund. S that einen mächtigen Zug und
tarb sogleich; D. aber erhielt 24 Stunden Arrest. —
7 London, 7. August. Die englische Correspondenz meldet
ein furchtbares Eisenbahnunglück aus Ostindien. Die große indi—
iche Halbinselbahn überschreitet einen Zufluß des Taplistromes, der
das ganze Jahr hindurch seicht und trocken ist und nur zuweilen,