Full text: St. Ingberter Anzeiger

Sl. Ingberler Anzeiger. 
der „St. Ingberter Anze iger“ mit feinem Unterhaltungsblatte erscheint wöchentlich dreimal: Dienstag, Donnerstag 
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Nro. 97. FF.reitag, den 10. Vugust 
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Deutschlaud. gen sich die Bürger unserer Stadt laut und offen dazu bekennen, 
Aus München, 10. August schreibt der „Nürnb. Corre- Indem sie ihr gutes Recht wahren und ihre gesetzlichen Freiheiten 
wondent“; Wie 'ich höre, hat es sich die Commission, welche mit chützen ··· 
rößtem Fleiße an der Hersiellung des Militärgesehes arbeitet, zur — Ludwigshafen, 14. August. Sicherem Vernehmen nach 
ufgabe gemacht, dasselbe vor Allem auf billigeren, die begruͤn⸗ soll der Landtag auf den 29. September einberufen werden. 
deten Forderungen der Familie mehr schonenden Principien auf Berlin, 10. August. Ein rheinisches Blatt ereifert sich 
—X ist. Wahr⸗ zewallig über den Vorschlag, Preußen solle ganz Schleswig für 
cheinlich wird das 32. Lebensjahr als jener Zeitabschnitt ange— ich brhalten. Auch wir haben uns bereits für die loyale 
smmen werden, nach welchem der Mann nur mehr im äußersten Ausführung der Bestimmungen des Artikels Vdes Prager Frie—⸗ 
Nothfall und erst, wenn schon sämmtiliche jüngere dienstpflichtige dens ausgesprochen. Dem dänenfreundlichen Blatte möchten wir 
Mannschaft im Felde steht, aus dem Kreise seiner Familie zu den iber doch bemertien, daß Verträge so wenig unveränderlich sind, 
Waffen gerufen werden darf. Dadurch wird die allgemeine Wehr- als die Erde stillsteht. Wenn dieseiben geschlossen sind, um die 
pflicht nicht geschädigt, die Zufälle beim Loosen werden ausgegli⸗ Sicherheit Europas zu befestigen, diese aber gefährden, so entspre⸗ 
hen, und der Familie die gebührende Rücksicht getragen. — Als hen sie eben nicht mehr den Bedürfnissen und müssen abgeändert 
füͤnftiger Staalsminister der Justiz ist dem Vernehmen nach neuer⸗ verden. Trotz der Wiener Verträge ist Napoleon III. auf dem 
dings der Generalstaaisanwalt am obersten Gerichtshofe, Hr. Steyrer, Thron. Wenn also heute Preußen dem Wiener Cabinet nach⸗ 
in Aussicht genommen. weist, daß jener Artikei im allgemeinen Interesse besser unausgeführt 
München, 11. August. Man halt es für sehr wahrschein⸗ bleibt, und Oesterreich einer Modification des Vertrages beistimmt, 
lich, daß Se. Maj. der König sich zum Empfang der französischen! so entsteht daraus kein anormaler Zustand, und wenn Frankreich 
Majestäten nach Augsburg begeben wird, doch ist hierxüber noch wirklich seine Hand von Deutschland zu lassen entschlossen ist, wie 
eine definitive Bestimmung geiroffen. Daß Graf von Hegnenberg die „N. A. Z.“ versichert, so geht Alles seinen ruhigen Gang, 
es abgetehnt hat, den Gesandschaftsposten in Berlin — die bisherige Grenze in Rordschleswig wird nicht verändert. 
dürfen Sie als sicher betrachten und es soll dieser Posten nun — Der Koönig kehrt Ende der Woche nach Berlin, oder Potsdam 
Herrn Reichsrath Frhr. v. Schrenk angetragen werden, welcher zurüch. — Es haben seit der Rückehr des Grafen v. Bismar ck 
it der Auflösung der Bundesversammlung zur Disposition gestellt bereits mehrere Staaisministerialsitzungen staltgefunden, und die 
ist. Ein weiteres Gerücht laßt den Grafen v. Montgelas, bisher Entscheidung über die hannoverische Organisationsfrage wird binnen 
Gesandter in Berlin, für den durch den Tod des Frhr. v. Verger Kurzem erfolgen. P D 
erledigten Gesandschaftsposten in Rom in Aussicht genommen sein, Berlhin, 11. August.“ Der Allgem, Zig wird geschrieben: 
wie ich glaube, nicht ohne Grund. „In dem ganzen preußischen Staate sind jetzt alle Eisenbahnzüge 
Munchen, 11. August. Während in dem preußischenmit in ihre Heimath zurückkehrenden Soldaten angefüllt, da die 
And weimaranischen Genassenschaftsgesetze die solidarische gesammte Alierklasse von 1864, die ihte gesetzliche Dienstzeit ei⸗ 
Haft der Genossenschaftsmitglieder gesetzlich ausgesprochen ist, fin⸗ Jentlich erst am L. Aktober beendet hätte, diesmal schon am 1. 
det dies sicherem Vernehmen nach bei uͤnserem Gesetzeniwurfe nicht' August zur Reserve entlassen wurde. Die Gründe hiervon sind: 
statt, vielmehr ist es bei unserer neuen Socialgesetzgebung jeder 1) um den Soldaten eine Belohnung sür ihr Wohlverhalten im 
einzelnen sich bildenden Genossenschaft anheimgestellt, in ihren Siatu- vorjährigen Feldzuge zu gewähren; 2) um für die in diesem Jahre 
en eine beschränkte, nur auf den Betrag des Gesellschaftsvermö— ungewoͤhnlich schwierige Aernte die Arbeiterzahl zu vermehren; 8) 
gens, oder eine auch auf das Privatvermögen aller einzelnen Mit um zu zeigen, daß fuͤr den Augenblick auch nicht die mindeste 
glieder sich ausdehnende Haftbarkeit festzustellen. Kriegsgefahr vorhanden ist. Es sind ferner aber noch von jeder 
Münnchen, 12. August. Die Hoffmann'sche lithographirne ¶ Camp aanie acht bis zehn Soldaten der Alterklasse von 1868, die 
Correspondenz glaubt mittheilen zu kdönnen, daß bezüglich der also nur eine zweiundzwanzigmonatliche Dienstzeit hatten, auf un⸗ 
Wahlen für das Zollparlament eine Vereinbarung bestimmte Zeit beurlaubt worden. Man wählte hierzu Leute, die 
wischen den Südstaaten nicht zu Stande gekommen ist und daß sich im vorjährigen Kriege besonders ausgezeichnet hatten, oder be⸗ 
sonach die einzelnen Staaten die Wahlen nur für sich und aus jonderen Fieiß und Geschick beim Scheibenschießen zeigten, oder 
sich vollziehen werden. deren Familienverhältnisse eine solche fruͤhere Beurlaubung dringend 
Die Notiz von der Einführung des preußischen Posst⸗ J machten. 
dienstregle ments wird in der „Allg. Ztg.“ für unbegräün⸗ Berlin, 12. Augüst. Nach der „Kreuzzeitung“ werden 
det bezeichnet. — Die Berathungen der gemischten Ministerial⸗ in Kurzem hier kurhessische Vertrauensmänner zu— 
lommission über das neue Militärgesetz dürften noch diese jammentreten. e 
und die solgende Woche in Anspruch nehmen. In die mit den Köln, 11. August. In einer heute Vormittag abgehaltenen, 
J. Ociober ins Leben tretende Militärakademie werden, bon nur etwa dreißig Personen besuchten Versammlung hiesiger 
und zwar nach einer strengen Prüfung, vorläufig nur 12 Officiere Schneidergesellen zum Zwede der Gründung eines allgemeinen 
aufgenommen. — Das Finanzministerium ist vollauf mit den Ar⸗ deutschen Schneidervereins wurden die Bestrebungen der londoner 
deilen für das Budg et der ersten zweijährigen Finanzperiode bes und pariser Collegen durch Strikes auf eine Lohnerhöhung hinzu⸗ 
schaftigt. — Seit gesiern verweilt hier der italienienische General wirken, entschieden getadelt und als einziges Mittel zur Verbesserung 
nud Erminister Lamarmora, der auf einer Reise durch Deutsche der Lage der deutschen Schneidergesellen ein Assecuran ze Verband 
land begriffen ist. derselben bezeichnet, der aus den Ueberschüssen der Cassenbestände 
Neustadt, 12. August. Die vom Stadtrathe —X Fabriken zu gründen habe nach dem Vorbilde der Vereine 
kingabe um Nichteinführung der neuen S bri'al der Cigarrenarbeiter, Buchbinder u. s. w., welche ähnlichen Ten⸗ 
gefetze in der Pfalz ist heute an den Präsidenten des Social⸗ denzen verfolgien. Auf ergangene Aufforderungen Seitens der 
ausschusses nach München abgegangen. kölner Schneidergesellen hatien die hamburger, kassaler und hanno— 
Kaisersslantern, 12. August. Wegen der Social⸗ ver'schen Schneidergesellen bereits ihre Zustimmung zu einem all⸗ 
zesetzgebung wird übermorgen, Mittwoch Abendz 714 Uhr, gemeinen deutschen Schneidervereine zugesagt, Leipzig werde vielleicht 
an großen Saal der Fruchthalle eine Bürgerversammlung abge⸗ bald nachfolgen. Die Anfertigung von Kleidungsstücken in Arrest⸗ 
Jalten werden. In dem betreffenden Aufruf heißt es u. A.:: „Auf däusern für Privatleute wurde als eine der groͤßten Beeinträchti— 
zHenn, laßt uns das Erbe unserer Väter festhalten und, es unseren zungen des Schneidergewerbes bezeichnet. Der Vrotest gegen diese 
Nachkommen ungeschädigt erhalten, und wie der Wahrspruch: für tzeschränkung auf einer demnächst abzuhaltenden allgemeinen Ge⸗ 
Freiheit und Recht! einer der schönsten eines Mannes ist, so mö- neral⸗Versammlung der deutschen Schneidergesellen wurde von der