Sꝛi. Angberier Anzeiger.
314 82*
— —
der S t. —A
punmer) erscheint vᷣ
n r 16 i4 eir (und; das mit vem X verbundene Unierhaltungsblatt, mit der Dienstags⸗ Donnerstags⸗ und Sonntagk⸗
ertlich v i⸗e ra aln Diien atag, Donmergtag, Samstag und Sona lag. Abonnementspreis vierteljährig 42 Krzr. oder
12 Silben gr. Anieigen werden mit 8 Arir. die dreispaltige Zeile Blattschrift »der deren Raum berechnet.
Donnerstag, den 831. März
451.
—
—
Ivx7o
Deutfschland.
München 27. März.“ Der in den jüngsten Tagen der
ammer der Abteordueten vorgelegte Entwurf eines Strafprocesses
für das Ksnigreich Bayern wird im Laufe dieser Woche im
dachhaud el erscheinen, und so die größtmoglichste Verbreitung
angen. — *
J ünchen, 27.* März. Es haben mehrere Blätter die
Rachticht gebracht, daß der Abgeordnete Bürgermeister Ad'ik“ bvon
insheim sein Mandat aus Gesundheitsrücksichten niedetzulegen ge-
ente. Wir sind in der erfreulichen Lage, heute berichten zu können,
zaß der Abgeordnete Adt wieder seit mehreren Tagden hier anwesend
ind entschlofsen ist, das von seinen Wählern in ihn gesetzte Ver—
rauen auch fernerhin durch getreue Erfüllung der ihm gewordenen
Mission zu rechtfertigge.
Mäürnschein, 29. März. Die Reichsrathskammer hat heute
en Gesetzentwurf uͤber provisorische Forterhebung der Steuern und
orläufige Bestreitung besonderer Ausgaben für 1870 unverändert
ugenommen. ..
Mürn chon. 30. Marg. Abceo dneie R. Bei Begꝰnn
zer heutigen Sitzung entwickelte Graf Bray sein Programm. Im
Inuern erstrebt der zneue Minister Versöhnung und Aussöhnung,
denn die Regierung dürfe keine Parteiregierung sein. Nach Außen
will er die Vertrage gehalten, die berechtigte Selbstständigkeit
Baherns gewahct; und eine;offene; rech: liche ¶ und loyale Polifit
geführt wissen.“ Seine Schlußworie lunteten: Wir“wollen Bayern
aber auch Deutsche bleiben. (Vielfacher Beifall.)
Frankreich.
Paris, 28. März. Aus Auter Quelle verlqutet, daß
Frankreich auf seiner Forderung, einen Specialgesandten zum en
il zu senden, nicht bestehen wird. — Der Kaiser hat den Prin⸗
jen Peter Bonaparte aufgefordert, seinen Aufenthalt eine Zeitlang
im Auslaud zu nehmen. Der Prinz geht nach Brüsslle.
Paris, 28. März. Laut dem „Figaro“ belaufen sich die
sosten des Processes von Tours auf ungefähr 100,000 Francs.
Prinz Peter ist nach Nizza abgereist, mit Zurücklassung von 20,000
Francs, als Geschenk für die Armen von Tours. 2
England.
Vor sturzem wurde in Wales der Grund zu einem prote
dantischen Kloster gelegt, dem ersten Kloster, das seit der Zeit der Refor⸗
nation in England errichtet wird. Vater Janatius, der bekannte
tedner, leitet den Bau, der für seinen Benediktinerorden in Ungriff
jenommen wird. J . eeun I uen
Italien.
Florenz, 28. März. In der Deputirtenkammer erklärte
jei Berathung des Etats des Auswärtigen der Minister Visconti
denosta: Das Cabinet wird auch künftig bei der Politik der
enthaltung. welches dassellle Rom gegenüber beobachtet hat, ver⸗
sarren. Isalien läßt den Bischöfen alle Freiheiten. Die bestehenden
besetze werden, wenn es nöthig sein sollte, zum Schuge der natio⸗
naten Institutionen genügen. JItalien hat kein Conkordat zu ver⸗
heidigen. Das Princip der Regierung ist: die Trennung der
dirche vom Staat. Die bürgerliche Gesellschaft hat vom Toncil
nichtz zu besorgen, sie kann nicht rückwürts schreiten. Nach längerer
debatte nahm die Kammer den vom Minister beantragten Ueber⸗
jang zur Tagesordnung an. Der Dep. Pissavini, tragt cuf Auf-⸗
jebung der italienischen Gesandtschaften in Württember, und Baden
in, da die in Berlin und Müachen unterhaltenen Gesandtschaften
»olllommen ausreichten. Der Minister und der Berichterstatter
octämpfen den Antrag. Die Debatte wurde verschoben.
Amerika.
Newyort, 26 März.“ Gestern wüthete hier und in
brooklhn ein heftiges Umvpetter. Es: wurden inehrere Häuser zer⸗
tört und eine Anzahl Personen getödtet: und verwundet. .553
Der Proreß Peter Bonaparte.
Tours, 25. März. In der heutigen Sitzung plaidirte der
Advocat Flaquet und trug auf⸗ Schuldigerllaärung an. Der
Aevocat Laurier, der für die Familie Noir auftritt, schließt,
indem Ax sagt, Victor Noir sei beurtheilt worden vom VBolk am
Tage seines Begräbnisses, an jenem Tage habe er die Unsterb⸗
ichkeit eines Martyrers erlangt und so müsse auch sein Mörder
die Unsterblichkeit der Schande erlangen. m5 1
2.Touxs, 26. März, Mittags. Der Generalstaaisprocurator
exmahnt die Jury; fie moͤge sich nicht durch Leidenschaften, welche
ver voliegenden Sache fremdseien, beeinflussen lasseu; er⸗ vexlangt
die volle A wendung des Gesetzes gegen den Angeschuldigten, unter⸗
ieht die von dem Prinzen und dem Redacteur Fonvielle über ˖ den
dergang der Sache gemachten Darstellung einer eingehenden Prüf⸗
ung und erklärt, daß er keine von beiden vollständig acceptire. Er
nähme an, daß der Prinz von Victore: Raixe, geschlagen, set, wie
auch Fonvielle gleich nach dem. Ereignisse zugegeben habe. — Die
VBerhandlungen werden heute nicht beendigt werden;“ obi morgen
eineSitzung stattfinden wird, ist noch fraglich.
Uhr Vtittags. General⸗Proxurator Grandperret gibt die
Provocation zu, nimmt aber den Fallcgeseßlich erlaubter Selbst⸗
vertheidigung nicht an; denn der Prinz hal für die Ohrfeige Rache
zeuommen, ehe Fonvielle ihn bedrohte. 5
Der Angeklagte faͤllt ein um zu fagen, daß die beiden An⸗
griffe zu gleicher ZJeit Statt fanden. Der; General-Procurator
bestreitet dieses und drückt seine Ueberzeugung aus, daß Fonvielle
jeine Pistole erst nach dem Schusse auf Noix gezogen hat. Wäre
der Prinz in diesem Augenblicke von Fonvielle bedroht gewesen, so
wuͤrde derselbe eher Nnuf diesen, als auf Noir geschossen haben. Der
Der Geueral Procurator beschwort die Geschworenen, den Angqe⸗
nicht gänzlich freizusphechen.
Tours, 27, März. Der Präsident stellte an den Nuge⸗
klagten die Frage: Haben Sie noch etwas zu Ihrer Vertheidig-
uing hinzuzufügen — Bonaparte: Ich habe zu sagen, daß ich
nicht in Amerika verhaftet wurde, wie das inoble Journal die
„Marseillaise? behauptet hat, und ich füge hinzu, daß von den
200,000 Bürgern, welche dem Leichenbegängniß von Victor Noir
anwohnten, wenigstens neun Zehntel Neugierige waren. Was ich
behaupte, ist, daß ich immer die Wahrheit und nichts als die
Wahrheit gesagt habe. Meine Herren Geschwornen ! Sie werden
dieses zu würdigen wissen. Der Präfident macht hierauf sein
desume. Er ischließt init den Worten: „Der Augenblick ist ge—
ommen, wo Sie, meine Herren Geschworenen die glühenden
Leidenschaften, welche einen nur zu großen Platz in dieser Dedatte
hatten zum Schweigen zu bringen haben. Ich habe Ihnen zum
Schlusse nur noch ein Work zu sagen: Thun Sie Ihre Pflicht.“
Der Präsident stellt dann den Geschwornen folgende Fragen: Ist der
Angeklagte schuldig, an der Person von Victor Noir einen Mord be—
zangen zu haben? Viegt eine Provocation vor? Kann eine le⸗
zitime Selbstvertheidigung angenommen werden 7, Un 1 Uhr
vird die Sitzung suspendirt. Um 3 Uhr kommen' die Geschwor⸗
gen zurück. Das Verdikt lautet verneinend auf die beiden ersten,
bejahend auf die letzte Frage. In Folge dessen spricht der Hof
)en Prinzen Peter Bonaparte frei und befiehlt, daß er sofort in
dreiheit gesetzt werde 2*
Jermischtes.
7Der König hat der von deme7 Banquier Fr. Möser
in Kaiserslautern testamentarisch mit einem Kapual von 60,000 fl.
zunächst für dessen“ Familie, eventuell für die Studirenden der
Pfalz überhaupt bestimmten Stipendienstiftung seine Genehmigung
ertheiltt. J
Dem Vernehmen nach wird die 8Zweigbahn von Winden
aach Bergiabern ami Mittwoch vor Ostern (13. April) dem allge⸗
meinen Verkehr übergeben werden. .2
ez Die zu Wien am 8., 9. u. 10. Juni nächsthin stattfinden-
de allzemeine deutsche Lehrervrersam mlumng wird auch
durch pfälzische Delegitte beschickt werden.
9
2