Full text: St. Ingberter Anzeiger

Sl. Ingberker Anzeiger. 
zer St. Pagberer Anzeigec (und das mit dem Hauptblatte verbundene Unterhaltungsblatt, mit der Dienstags⸗, Donnerstags⸗ und Sonntag⸗ 
sammer erscheint wbchentlich hermmal: Dienttag, Donnerstag, Samstag und Sonntag. Aosonnementspreis vierteljährig 42 Krzr. oder 
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2 1066.— ZSamstag, den 12. Juli 8 J 1873 
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Deutsches Reich. —— 
Mänchen, 7. Juli. In Betreff des Einjährig-Frekvilligen- 
Matardienstes ist nachstehende Ministerial⸗Entschließung ergangen: 
Einzelne Lehranstalten, welche zur Ausstellung von Zeugnissen über 
issenschaftliche Qualifiklation Jum Einjährig-Freiwilligen-Militär— 
xenste berechtigt sind, werden von Schülern besucht, welche bereits 
m milicrpflichtigen Alter stehen, in ihrem Studiengange aber 
wohh nicht so weit vorgerückt sind, daß sie vor dem durch die Mi⸗ 
ar· Ersatz⸗ Instruktion 8. 151, 1 und 8. 1533 vorgeschriebenen 
dermine, d. i. dem 1. April des Militärpflichtigkeitsjahres, sich 
her ihre wissenschafiliche Qualifikation dugtch Abgangs . oder Ueber⸗ 
tittszeugnisse auszuweisen vermoͤchten. Um einerseits die bezeichnete 
inmeldefrift zu wahren, audererseits den zum Einjährig⸗Freiwilligen- 
Renste Aspirirenden jede zulässige Erl ichterung zu gewähren, wird 
een in dieser Lage befindlichen Schülern gestattet, den Qualifika- 
ousnachweis durch eine vorläufige Bescheinigung des Anstaltsvor⸗ 
andes zu liefern, daß von der mit dem Schüler vorzunebmenden 
rchsten Abgangs⸗ eder Uebertritisprüfung ein günstiges Ergebniß 
u erwarten stehe. Die Ansialtsvorstände werden zur Ertheilung 
ieser Bescheinigung ebenso ermächtigt, wie die Prüfungskommission für 
änj.Freiwilligelzur Ausstellung eines Berechtigunasscheines auf Grund 
jeser Bescheinigungen. Tie Berechtigungsscheine der Prüfungs⸗ 
mmissionen haben aber den Vorbehalt aufzunehmen, daß der In— 
aber sich binnen Jahresfrist über wirkliche Erlangung des zum 
änjdhrig⸗ Freiwilligendienste becechtigenden Zeugnisses a: sweise. 
dach Erfüllung des Vorbehaltes ist dieser bedingte Berechtigungs- 
hein entweder durch ertsprechenben Vermerk zu ergänzen, oder 
nzuziehen und durch den allgemein vorgeschriebenen Berechtigungs⸗ 
hein zu ersetzen. Daß die Truppentheile junge Leute zum ein⸗ 
aͤhrigen Dienff auf Grund der unter Vorbehalt ausgestellten Be— 
edligungẽescheine nicht annehmen dürfen, ist selbstverständlich.“ 
München, 8. Joli. Der Staatsauwalt am Bezirtsgerichte 
Nünchen v. d. J, gibt öffentlich b kannt, daß nunmehr von dem 
Advokaten Dr. Aub Nanens der Kläger sämmtliche Inhaber 
on Loosen der Giesinger Kirchenbaulot:erie aufgefordert werden! 
innen 88 Tagen vom 4. d. M. an sich zu erllaͤren, ob sie den 
klägern oder der beklagten Kirchenverwaltung oder einer jenen 
zersonen (Notar Rupprecht, Stadipfarrer Dr. Koch und Banquier 
1. Röslh), welchen der Streit verkündigt wurde, beistehen oder ob 
eihre Interessen jselbstständig vertreten lassen wollen, ferner 
innen gleicher Frist gegebenen Falles einen Anwalt zu besiellen, 
vidrigenfalls sie das Ergebniß sdes Prozesses auch ohne Betheili— 
uung gegen sich gelten lassen müßten. — Der noch nicht verloste 
kest des 424 pEt. Militäranlehens vom Jahre 18509 mit halb⸗ 
äͤhrigen Coupons ist jetzt zur baaren Heimzahlung gekündigt 
vorden. Mit der Rückzahlung wird am 15. ds. begonnen und 
ʒ treten die Obligationen jedenfalls mit 31. August d. Is.'außer 
erzinsung. (N. T.) 
Frankfurt, Der bei dem Bierkrawall angerichtete Schaden 
euiffert sich auf 23,380 fl. 
Frankfurt, 7—. Juli. In den letzten Wochen wurden 
utet dem Namen der eisten h'iesigen Handelsfirmen viele Briefe 
ut Nachnahme zur Posi gegeben, meist waren dieselben an Firmen 
ddeutschit Staͤdte adreffiri. Da die Beträge keine hohen, meif 
ut 5 Thlr. waren, so wurden dieselben in vielen Fällen ausbe— 
ihlt. Dieselben kamen sämmtlich als fälsch wieder hierher zurüd. 
nem hiesigen Kaufmann, auf dessen Rame diele derartige nach 
sel gesandt wurden, ist es am Samstag gelungen, den Thäter 
meinem chemaligen Commis zu ermitteln und dessen Verhaftung 
Eywarkstelligen. Im Ganzen sollen bis jetzt 40 Nachnahmbriefe 
—alsch ermittelt sein. 
Str aßburg, 9. Juli. Mit dem 31. d. M. beginnt 
—D der süddentschen Occupationstruppen und zwar 
he ehl, wo ihnen den getroffenen Anordnungen zufolge Er⸗ 
ungen gereicht werden. Die Märsche werden bis zum 15. 
dauern. — In dem Städichen Kehl agitirt man gegen- 
iq für den Bau eines großen Floßhasenz an Rhein. um' die 
Schwarzwälder Holzhändler zu ,veranlassen, ihre Stämme per 
Bahn, statt, wie bisher zu Wasser, hierhergeschaffen und von da 
nus zur Weiterbefoͤrderung nach Holland zusammensetzen zu lassen. 
In dem Städtchen selbst siarren uns immer noch viele Ruinen aus 
der Beschießungszeit entgegen 3 selbst das Bahngebäude ist noch 
ine Ruine. Da mit der Verlegung der Zollgrenze der Handels— 
verkehe nahezu auf Rull gesunken ist, so braucht man sich freilich 
nicht zu wundern, wenn Niemand große Lust zum Bauen verspürt. 
doffen wir, daß die im nächsten Frühjahr szu errichtende Pferde— 
ahn zwischen hier ‚und Kehl wieder etwas mehr Leben in das 
Ztädichen bringt. 
Mühlh ausen (Eljaß), 7. Juli. Wie neulich zu Straß— 
zurg, so wurden gestern früh auch dom hiesigen Bahnhof aus etwa 
300 Brieftauber fliegen gelassen, welche Tags zuvor in acht oder 
neun niedlichen Körben verwahrt, hier angekommen waren. Diese 
Tauben sind bekanntlich für militärische Zwecke bestimmt und sollen 
jon den versch'edensten Stationen aus Versuche gemacht werden, 
in wie weit die Taubenpostverbindung zunächst mit dec Tentral⸗ 
tation Aachen eine zuverlässige ist. Bis jetzt follen die Ergebnisse 
ehr befriedigend sein. 
Berlin, 8. Juli.. Der Geheime Rath Wagener ist, der 
Kreuzzeitung“ zufolze, auf seinen Antrag vom i. Seplemder 
hensionirt und der Gebtime Rath Jacobi an seine Stelle zum 
ersten vortragenden Rath im Staatsministerium ernannt worden. 
Berlin, 8. Juli. Als ein Curiosum aus dem socialde⸗ 
nokratischen Lager in Bayern wird folgender, angeblich in Mün— 
hen „ungewöͤhnliches Aufsehen erregender“ Leitartikel der „Mün— 
hener Volkszeitung“: „Zur Oberhauptsfrage“, mittgetheilt, welcher 
ie Frage der „Nachfolge oder Nichtnachfolge“ auf dem deutschen 
daiserthrone in Erwägung zieht: Es sei in Versailles über die 
Thronfolge im Reiche nichts festgesetzt worden, ja, es habe ver— 
autet, nach dem Ableben des Königs Wilhelm von Preußen werde 
em Köuige Ludwig von Bayern die Kaiserwürde übertragen 
verden, um diesen zur Einwilligung in die „Kaisermacherei“ zu 
ödern vnd um anzudeuten, man wolle üch nach dem Vorgange 
es alten Deutschen Reichs auf den Grundsatz des Wahlreiches 
tellen. Jedenfalls sei über die Nachfolge im Reiche mii Still— 
hweigen hinweggegangen worden. Der Kronprinz von Preußen 
jabe nicht versäumt, sich als Nachfolger zu geriren, und die Kaise- 
iim Mutter habe ihr Redetalent im souveränen Konigreiche Bahyern 
zu gleicher Zeit zum Besten gegeben und herablassend geltend ge⸗ 
nacht; jene Demonftrationen aber hätten den widrigsten Eindruͤck 
'on den höchsten bis zu den niedrigsten Kreisen hervorgebracht. 
die Münchener „‚Volkszeitung“ sagt dann wörtlich: Von einer 
eblichen Kaiserwürde kann keine Rede sein, da dieselbe nur per— 
önlich voa den souveränen Regenten auf Katser Wilhelm über⸗ 
ragen werden wollte, folglich die Ansprüche sich nicht weiter er— 
trecken löͤnnen. (Berl. B. 3.) 
Die rathselhafte Geschichte mil dem auf der bayerschen Donau 
paziereufahrenden österreichischen Kriegsschiffe wiid von dem 
Münchener „Vaterland' in der nachfolgenden sinnigen Weise com- 
nentirt: „Das ist ja eine Recognoscirungsfahrt, jammern besonders 
eängstigte liberale Seelen; das Vaterland ist in Gefahr! heulen 
indere; zum Mindesten — ächzen wieder audere — bleiht das 
Friegaschiff immerbin ein gewisser Vorbote. — Na, von was denn? 
— Die Herren müssen ein erschredlich schlechtes Gewissen haben, 
daß sie sich für ein paar Kanonen, die vielleicht gar nicht geladen 
ind, schon so ängstigen. Wie würden sie erst ins Bocshorn ge 
sagt werden, wenn unversehens eine ganze österreichische Armee 
inen Spaziergang nach Munchan und Ingolstadt machte und die 
Aug. Ztg.“ sie mit der Publikation einer österreichisch-franzosisch 
ayerschen Allianz überraschte! Aber das kann ja ohne eine be⸗ 
»nders „wunderbate Fügung“ gar nicht geschehen, wenn es auch 
hon dagewesen ist. 
Wisen, 6. Juli. Seit gestern Abend haben wir die Ao—⸗ 
nigin Isabella in Wien, sie und den unvermeidlichen Marfori. 
Der Hof wird von ihrer Anwesenheit schwerlich Nonnehmen.