Full text: St. Ingberter Anzeiger (1880)

Hf. Ingberler Anzeiger. 
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M 76. Donnerstag den 13. Mai 
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785. 
Deutsches Reich. 
Muͤnchen. Se. Maj, der König hat am Dienstag seine 
Residenz von hier nach Schloß Berg verlegt, um den Sommer dort 
u verweilen. 
Der Kaiser ist am 10. Mai wohlbehaltenvon Wiesbaden 
wieder in Berlin eingetroffen. Prinz Christian von Schleswig⸗ 
Holstein mit den beiden ältesten Töchtern des verstorbenen Herzogs 
Fricdrich von Angustenburg ist in Potsdam angekommen, empfangen 
hon dem Kronprinzen, Prinzen Wilhelm und Erbprinzen und Erb⸗ 
prinzessin von Meiningen. Die (älteste der beiden Prinzessinen, 
Augufia Viktoria, geb. 22. Okt. 1858, ist mit Prinz Wilhelm 
altestem Sohne des Kronprinzen) so gut wie verlobt. Die offizielle 
Verlobung wird wohl jetzt erfolgen.) 
Der' deutsche Kaiser hat am Dienstag Nachmittag dem 
Fürsten Bismarck einen einstündigen Besuch abgestattet. 
Der Reichstag beschloß in der Abendsitzung vom Dienstag 
hei der dritten Lesung der Elbschifffahrtsakte auf Antrag Windt- 
horst's die Zurückverweisung an die betr. Kommission. Nachdem 
Fierauf Präsident Graf Arnim die übliche Geschäftsübersicht ge— 
jeben und v. Bennigsen dem Präsidium und dem Bureauvor— 
ande gedankt hatte, verlas der Vizekanzler Graf Stolberg eine 
aiserliche Botschaft, durch welche der Reichstag geschlossen wird. 
Das Haus ging nach dreimaligem Hoch auf den Kaiser auseinander. 
Als wesentlichstes Resultat der abgelaufenen Session können außer 
dem Etat aufgeführt werden: die Rovelle zum Militärgesetz, das 
Sozialistengetz, die Anträge v. Seydewitz auf Revision der Ge— 
derber Ordnung, Verlängerung der Handelsverträge mit Oesterreich 
uind der Schweiz.) 
Es heißt, die von dem bayerischen Gesandten in Berlin v. 
Rudhart erbetene Entlassung sei bereits seitens des Königs von 
Bayern genehmigt. 
Fürst Vismarck wird bis Mitte Juni in Berlin bleiben 
und sich sodann direkt nach Kissingen zum Kurgebrauch beaeben. 
Die Reise nach Friedrichsssruhe ist vorläufig vertagt. 
Ausland. 
Eine Meldung der „Wiener Allg. Ztg.“ aus Konstan⸗ 
tinopel besagt: Kheiteddin Pascha, Safet Pascha und Mahmud 
Reddin setzten beim Sultan durch, daß 16,900 Mann nach Albanien 
entsendet werden, um die montenegrinisch-türkische Convention durch- 
zuführen. Die Haltung der Mächte hat der Pforte den tiefen 
Srnit der Lage zum Bewußtsein gebracht. 
*St. Ingbert, 13. Mai. Ein bedauernswerther Un— 
glücksfall betraf heute morgen 2 mit dem äußern Verputz an dem 
Hüterschoppen des neuen Bahnhofes hier beschäftigte Arbeiter. Ein 
urch eiserne Hacken nicht genügend befestigt gewesenes sog. flie⸗ 
gendes Gerüst gab auf einer Seite nach, wodurch die beiden Ver⸗ 
putzer, Gehilfen eines Lothringer Unternehmers, in einer Höhe von 
ca. 8 Meler herabstürzten, in Folge dessen der eine einen Bruch 
im Handgelenk und eine Berletzung am Schulterblatt, der andere 
inen Rüdenwirbelbruch erlitt. Dieselben wurden sofort in das 
riefige Bürgerhospital in Pflege verbracht. Beide sollen Tyroler 
an der italienischen Grenze zu Hause und unverheirathet sein. 
* St. Ingberit. Der Stadtrath bewilligte in seiner 
letzten Sitzung für die Abgebrannten in Donaustauf 80 Mark. — 
Die Gemeinderechnung unserer Stadt schloß pro 1879 ab mit 
einer Einnahme von 106,864 Mk. 78 Pf. und mit einer Aus— 
gabe von 93,000 Mk. 19 Pf. Die Rechnung der Gasanstalt 
weist für den gleichen Zeitraum eine Einnahme von 51102 Mk. 
i9 Pf. und eine Ausgabe von 49,4285 Mk. 77 Pf. auf. Unter 
den letzteren ist inbegriffen die Rückzahlung von 72 Obligationen 
à 100 fl. (Siehe hierzu Annoncentheil.) 
* Gestern Nachinittag kam Herr Bischof v. Ehrler in Blies 
kastel an, um dort heute die Firmung vorzunehmen. Die Stadt 
prangte dem hohen geistlichen Herrn zu Ehren im Festkleid. Abends 
war Fackelzug mit bengalischem Feuerwerr. 
Vom 15. Mai an werden nachfolgende Rundreise-Touren 
eingeführt: 1) Zweibrücken-St. Ingbert⸗Saarbrücken⸗ Neunkirchen⸗ 
Homnbutge Zweibrucken (2 M. 60 Pf. dritter Classe, 4M. 20 Pf. 
zweiter Classe, 5 M. 90 Pf. in erster Classe); 2) Zweibrücken⸗ 
BliestastelSaargemünd⸗Saarbrücken⸗St. Ingbert-Zweibrücken (2 M. 
30 Pf., 4 M. 60 Pf., 6 M. 40 Pf.) 3) Zweibrücken⸗Homburg- 
Neuntkirchen⸗Saarbrücken⸗Saargemünd-Blieskastel-Zweibrücken (3 M. 
10 Pf., 5 M. 10 Pf., 7 M. 20 Pf.); 4) Zweibrücken⸗St. Ing⸗ 
hert⸗ Saarbrücken-Neunkirchen - Homburg-⸗ Landstuhl-Kaiserslautern⸗ 
Neustadt⸗ Landau⸗Pirmasens⸗Zweibrücken (7 M. 40 Pf. 12 M. 
30 Pppf., 17 M. 20 Pf.) Giltigkeit der Billete zwei Tage, bei 
denen unter Ziffer 4 drei Tage. Die Billete werden auf sämmt— 
ichen vorgenannten Stationen der Pfälzischen Bahnen für die be— 
reffenden Touren ausgegeben. 
.Am 15. J. Mwird die zwischen Berbach und Neunkirchen 
uuf preußischem Gebiet gelegene Haltestelle Wellesweiler 
Pfälz. Bahnen) dem Verkehr übergeben. 
F Vom 1. Mai ab sind die pfälzischen Bahntelegraphenstationen 
Mittelberbach, Reinheim und Winden zur Annahme und 
Beförderung von Privat-Telegrammen ermächtigt worden. 
In'Zweibtücden haben vorigen Sonntag 18 Wirth⸗ 
chaften und Brauereien zusammen angezeigt, daß sie fortan den 
Jaͤlben Liter Bier — „Lagerbier““ heißt es jetzt — um 13 Pf. 
zusschenken werden. Die Zweibrücker scheinen zahmer zu sein als 
die Kaiserslauterer; vielleicht anch halten sie es für nobeler, 13 Pf. 
als 12 pf. zu zahlen, so meint der „Pfalz. Kurier.“ 
p Das diesjährige Aushebungsgeschäft wird in 
Zweübrücken am 8. 9.. 10. und 11. Juli vorgenommen 
verden. 
Von 93 zwischen Zweibrücken und Niederauerbach an der 
Straße stehenden Apfelbäumchen sind der abnormen Win⸗ 
terkälte nicht weniger als 61 zum Opfer gefallen, indem dieselben 
total erfroren sind. 
pP'In Fußgönnheim fand vorige Woche eine Civil⸗ 
raunng zwischen einem protestantischen Bürger und einem israeli⸗ 
lischen Mädchen statt. 
In Mackenbach brannte am 4. ds. das Haus des 
Bäckers Jakob Rothenbusch sammt dem großten Theil der nicht 
versichetten Mobilien nieder. 
ꝓ In Trippstadt hat der dort seit zwei Monaten herr⸗ 
chende Scharlach mehr als 50 Opfer gefordert. Die meisten der 
Hestorbenen sind Kinder, doch gibt es auch Personen bis zu 18 
Jahren darunter. 
pKaiserslautern. Das Dienstmädchen einer hiesigen 
FJamilie stellte kurz vor Vollendung des Mittagessens die über und 
Vermischtes. 
St. Ingbert. Eingesandt. Die am Sonntage im 
Grewenig'schen Saale abgehaltene Generalversammlung des 
stirchenbauvereins war sehr zahlreich besucht. Nachdem 
dieselbe vom J. Präsidenten eröffnet war, berichtete der Haupt- 
lassier über den Stand des Vereinsvermögens. Darnach betragen 
die Einnahmen vom 6. März 1879 bis 14. März 1880 
5343 Mk. 97 Pf., die Ausgaben 5342 Mk. 77 Pf., worunter 
eine Kapitalanlage im hiesigen Vorschußvereine von 5205 Mk. 07 Pf. 
Verbleibt Kassabestand 1 Mk. 20 Pf.; hierzu die Einnahme vom 
14. März l. J. bis zum Heutigen mit 534 Mk. 09 Pf. Die 
esammt-Einnahme beträgt demnach 5878 Mk. 06 Pf. Die Zahl 
der Mitglieder hat sich um 22 vermehrt und beträgt 1340. 
Der Präsident sprach seine Freude aus über den günstigen 
Stand des Vereins und spendete den Bezirks-Kassierern für ihre 
mühevolle Amtsthätigkeit ein Lob. Hierauf hielt einer der Herrn 
apläne einen Vortrag, worin er den Zweck des Vereines in 
würdiger Weise auseinandersetzte. Am Schlusse desselben brachte 
er ein Hoch aus auf den Ausschuß und die Bezirks-Kassiere, welch' 
letztere die Seele des Vereins bildeten. Nachdem die Mitglieder 
nufgefordert worden, etwaige Wünsche und Anträge vorzubringen, 
jedoch Niemand sich zum Worte meldete, wurde die Versammlung 
geschlossen. 
Mögen die Mitglieder aller Confessionen ihre Opferwilligkeit 
vie bisher beibehalten, so wird ihnen der gebührende Dank gewiß 
uicht ausbleiben und ihr gutes Werk auf irgend eine Weise be— 
ohnt werden.