St. Jugherter Amzeiger.
Amtliches Organ des königl. Amtsgerichts St. Ingabert.
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M 132. Dienstaag, 10. Juli 1883.
18. Jahrg.
iti Dann ließ er Bericht über den Landtag folgen
Volitische Uebersicht ind ging die einzelnen Punkte durch, mit welchen
Deutsches Reich. ich derselbe in der letzten Session beschäftigt hat,
Mainz, 10. Juli. Gestern Vormittag 10 m Ginzelnen den Sturmlauf der rechten Kammer⸗
NYinuien vor 10 Uhr, passirte der deutsche eite auf die Zivilehe, die Simultanschule, gegen
daiser mittelst Ertrazuges, von Koblenz kommend, »as 7. Schuljahr, die viele Bedürftigen schwer
msere Stadt. Zur Begrüßung waren mehrere höädigende Streichung der Dispositionsfonds, die
ohere Offiziere auf dem Bahnhofe erschienen. inverantwortlich lange und darum unverhältniß⸗
Am kaiserlichen Hofe zu Eins wurde, nach näßig theuere Dauer der Session, ferner die erfolg⸗
mem offiziellen Bericht, vor wenigen Tagen auch eich abwehrende Haltung der Kammer der Reichs-
er Generaladjutant des Königs der Belgier, Ge- äthe, welche sich als Palladium unserer freiheit—
erallieutenant Baron Goffinet, empfangen. Der ichen Institutionen erwiesen, beleuchtend. Eingehend
zeneral war, dem Vernehmen nach, im Auftrage derweilte Hr. Märcker dann bei einer Schilderung
ines Monarchen dort erschienen, um den Kaiser er jüngsten Münchener Tagung und dem bekannten
ähtend seines Aufenthaltes in den dem Königreich Zustandekommen des Nothstandsgesetzes, wobei er
zelgien nahen Reichsgebieten zu begrüßen. Diese viederum mit Anerkennung der ersten Kammer und
lufmerksamkeit erregt um so mehr Beachtung, als peziell des energischen Eintretens von Bischof von
ies das erste Mal bei der jährlich wiederkehrenden ehrler in Speyer für die Wasserbeschädigten ge—
inwesenheit des Kaisers in Ems der Fall war. „achte und betonte, daß dem festen Zusammenhalten
5 kann dies wohl als ein sicheres Zeichen dafür der pfälz. Deputation ein wesentlicher Antheil an
ngesehen werden, daß sich die Anschauungen in em Erfolg beizumessen sei. Herr Märcker konnte
delgien innerhalb des letzten Jahrzehnts gründlich uch nicht umhin, seinem Befremden über die
eändert haben. Immer mehr bricht sich die Er- daltung der protestantischen Konservativen der
enniniß Bahn, daß man durch Anlehnung und dammer, Luthardt u. Gen., Ausdruck zu geben,
sinneigung zu Frankreich nichts gewinnen konn, velche mit der Rechten Hand in Hand gegangen.
ondern daß Belgien nur in Deutschland den noth- Den Schluß des interessanten Berichts bildete die
vendigen Rückhalt finden und suchen sollte. Wie Lerlesung einer die Kammer-, Patrioten“ drastisch
erlautet, ist in Brüssel sogar die Frage erwogen nualifizirenden Auslassung des „Bayer. Vaterland“
vorden, ob nicht der König selbst den Kaiser in don Dr. Sigl, welche öfter Heiterkeit erregte. Die
Ims begrüßen sollte. dersammlung folgte der Darlegung mit sichtlichem
interesse und zollte ihr am Schluß lebhaften Beifall.
— Alsdann nahm Herr Oberlandesgerichtsrath
Ressert das Wort, um hauptsählich folgende drei
rragen zu beantworten: Wie war's, als wir
rach München kamen? Was haben wir
»ort gethan? Zu welchen Hoffnungen
ind wir heute berechtigt? Die Beantwor—⸗
ung dieser Fragen geschah in so vortrefflicher Weise,
jewandt, klar, fesselnd und würdig, daß die Zuhörer
nit gespannter Aufmerksamkeit folgten und schließ⸗
ich ihrer Anerkennung durch wärmsten Applaus
Aucdruck gaben. Der Hr. Redner entwarf zunächst
in scharf umrissenes Bild von der Zusammensetzung
»er Abg.-Kammer. Nach Schilderung der äußeren
dammer⸗Physiognomie befaßte sich Hr. Hessert ein⸗
sehend mit dem Angriff der Rechten auf den Minister
rutz, der absolut habe zu Fall gebracht werden
oslen; der Angriff sei aber von allerhöchster Stelle
ius abgeschlagen worden mittelst des bekannten k.
dandschreibens, welches fast den einzig lichten Punkt
»er Session gebildet habe. Dann folgte eine Be⸗
euchtung der Luthardt'schen Anträge beir. Konku⸗
zinat ꝛc., ferner des bekannten unfeinen Auftretens
»on Seiten des Turn und Taxis'schen Regierungs⸗
Airektors Bonn in der Kammer mit seiner brüsken
Forderung: Lutz und wer mit ihm solidarisch sollten
sehen, eine hochinteressante Detailschilderung des be⸗
annten Antrags, die Regierung mochte in Berlin
ür Aufhebung der Zivilehe eintreten, welcher,
»on der Abg.⸗Kammer angenommen, durch die
steichzräthe abgeworfen wurde. Dann ließ
er Herr Redner eine juristische Würdigung der
ekannten „Tegernseeer Erklärung,“ sowie deren
nteressante Entstehungsgeschichte folgen. Hr. Hessert
erührte noch kurz den Schels'schen Antrag betr.
as Tabakmonopol, der nicht vor das Forum des
zandtags gehört, geißelte ebensalls die von der
stechten verschuldete lange Dauer der Session und
chloß diesen Theil seiner Rede mit der Bemerkung,
‚aß es unter solchen Verhältnissen wahrlich nicht
hön in München gewesen und ein großes Maß
von Geduld zum Aushalten daselbst gehört habe.
Was nun die Hoffnung auf die Zukunft anbelangt,
so glaubt Hr. Hessert immerhin einige Anzeichen
der Besserung wahrgenommen zu haben, wozu
er u. A. auch die Abbröckelung der Extremen von
der Rechten zählt, welcher ja auch das Zustande⸗
ommen des Nothstandsgesetzes mit zu verdanken ist.
der Hr. Redner schloß mit dem Ausdruck der
hoffnung, daß unser Wahlkreis auch fernerhin seine
zchuldigkeit thue, damit er seinen ehrenvollen Platz
ehaupte, und gab, auch namens der beiden anderen
3H. Abgg., die Versicherung, daß auch sie nicht
rlahmen würden. — Es folgten nun auf Anfragen
ioch einige informirende Erklärungen von Seiten
»er HH. Hessert und Märcker, aus denen wir
ervorheben wollen, daß dem durch Hrn. k. Steuer⸗
xinnehmer Witte von Blieskastel Ausdruck ge⸗
jebenen Ersuchen an die HH. Landes-Vertreter, sich
»er Postboten annehmen zu wollen, bereitwilligste
Zusage ertheilt wurde. Auch für die angeblich
„eabsichtigte Herabsetzung des Malzaufschlags von
3 auf 5 Mk. wollen sie eventuell eintreten, sowie
ür Erhöhung der Rückvergütung beim Bier⸗Export.
leber die Finanzlage Bayerns wurde bemerkt,
zaß dieselbe günstig sei und man auch beim nächsten
tzudget ohne Steuer-Erhöhung durchzu⸗
ommen hoffen dürfe. — Die Darlegungen boten
ziel Interessantes und Anregendes. Die Ver—⸗
ammlung wurde von Herrn Wolff mit einem
reifachen Hoch auf Se. Majestät unsern allgeliebten
dönig geschlossen, in welches alle Vertrauensmänner
begeistert einstimmten. (Nach der Zw. Ztig.)
— Contwig, 8. Juli. Ein hübsches Fest,
vie es seit Menschengedenken hier noch nicht gefeiert
vorden ist, wurde gestern hier begangen. Die Ehe⸗
eute Peter Bender feierten ihre goldene und die
Eheleute Daniel Bender; Sohn und resp. Schwie⸗
gertochter der ersteren, gleichzeitig ihre silberne Hoch⸗
zeeit. Die kleine Festlichkeit verlief in schönster
Weise. Beide Chepaare erfreuen sich der besten
Besundheit.
— Landau, 7. Juli. Verflossene Nacht ist
die „Queichheimer Mühle“ nebst Wohnhaus gänz⸗
lich abgebrannt. Das Feuer entstand Nachts um
/2 11 Uhr. Es sind 60 Säcke Kunstmehl, sowie
die Mobilien ein Raub der Flammen geworden.
Der Besitzer, Herr Schäfer, hat verfichert.
— Landau, 9. Juli. Nach den Gewittern
der vergangenen Woche zeigte sich in einem] Wingert
m Heideweg die auffallende Erscheinung, daß sich
eine 6 Viertel große Fläche an Laub und jungen
Trauben vollständig versengt erwies. Wie man
ins mittheilt, soll diese Erscheinung von einem sog.
Flächenblitze herrühren, von dem diese Wingerts⸗
parzelle betroffen wurde. Es wäre interessant, von
achkundiger Feder darüber etwas Näheres zu er⸗
fahren. In voriger Woche wurde in der Umgeb⸗
ing von London eine ähnliche Erscheinung beobachtet.
— Das „vLandauer Tageblatt“ will aus bester
ZQuelle erfahren haben, daß gegen die Giltigkeit der
WBahl des Herrn Mahla protestiert werden wird;
„der Erfolg des Protestes würde nicht ausbleihen
und könnte man deshalb im betr. Wahlbezirke vor
der Hauptwahl noch einmal eine Ersatzwahl erleben.“
— Bergzabern mit seinen ca. 3000 Einw.
cheint an heirathslustigen Menschen nicht besonders
reich zu sein, denn in den ersten sechs Monaten
dieses Jahres wurde daselbst nur eine einzige
Ehe geschlossen.
— Speyer, 7. Juli. Vor einigen Wochen
vurde in der Bahnhofrestauration von Deutsch einer
Ausland.
Frohsdorf, 9. Juli. Die Besserung in dem
Fefinden des Grafen Chambord schreitet sehr lang⸗
am vor, war aber bis jetzt fortdauernd. Graf
shambord empfing den Grafen Blacas. Demnächsi
»ll eine weitere ärztliche Consultation stattfinden.
die Prinzen von Orleans beabsichtigen den Herzog
on Coburg in Pest zu besuchen. ebenso auch den
irbherzog Joseph.
Lokale und pfälzische Nachrichten.
St. Ingbert, 10. Juli. Nächsten Sonn⸗
ug Nachmittag veranstaltet der Verein „Du
ommst ja uicht“ in der sogen Kohldelle
Waldvbvarthie. Auch Nichtmitalieder haben
utritt.
— In Lautkirchen fiel bei'm Kirschenbrechen
m zwölfjähriger Knabe vom Baume und brach
en rechten Arm. Eine Warnung für Eltern, die
u solchen Arbeiten keine Kinder verwenden sollten.
-Zweibrücken, 9. Juli. Der Vorstand
es liberalen Wahlvereins hatte auf gestern Nach⸗
ittag in das Sälchen der Frau König zu Blies⸗
astel die Vertrauensmänner aus den Kantonen
lieskastel und St. Ingbert einladen lassen, um
enselben, wie seinerzeit jenen des Bezirks Pirma⸗
us zu Biebermühle, Gelegenheit zu geben, mit
en HH. Landtagsabgeordneten Hesseri Märcker
nd Höh in persönlichen Verkehr zu treten, bezw.
ie Berichterstattung über die Thätigkeit der bayer.
—XX entgegenzunehmen. Zu der Ver—⸗
mlung hatten fich ca. 70 Herren eingefunden.
achdem Herr Wolff-Zweibrücken dieselben be—
uüͤßt, nahm Herr Buͤrgermeister Märcker-Zwei⸗
üden das Wort, um zunächst zu betonen daß
e Leitung des Wahlvereins in Uebereinstimmung
it den Äbgeordneten die Neuerung getroffen habe,
sche Zusammenkünfte von Zeit zu Zeit staitfinden
lassen, um zwischen Waͤhlern und Gewählten
wiümschenswerihe Fühlung ständig zu unterhalten.