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Amtliches Organ des königl. Amtsgerichts St. Ingbert.
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der „St. Ingberter Auzeiger“ erscheint wochentlich füufmal: Am Montag, Dienstag, Dounnerstag, Saustag und Sonntag; 2 mal wöͤchentlich mit Unterhaltungs⸗
gJatt und Sonntags mit Sseitiger illustrirter Beilage. Das Blatt kostet vierteljährlich 1 60 4 einschließlich Tragerlohn; durch die Post bezogen 1M 75 H, einschließlich
d4 Zustellungsgebuũ hr. Die Einrückungsgebühr für die 4gespaltene Garmondzeile oder deren Raum beträgt bei Inseraten aus der Pfalz 10 H, bei außerpfalzischen und solchen,
auf welche die Erxpedition Auskunft ertheilt, 13 4. Neklamen 80 . Bei 4maliger Einrüdung wird nur dreimalige berechnet.
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203. Dienstag, 19. Oktober 1886. αι 21.5 Jahrg.
Seutsches Reich.
Berlin, 17. Ott. Wohlnur“ im Hinblick
uf die bevorstehenden Ersatzwahlen, wird offizioser⸗
is dem „Fr. Journal“ gemeldet, daß der Reichs⸗
angzler daran fckt hält“, dem Reichslag nur die
ringendsten Vorlagen. zu machen und namentlich
eine neue Branniweinsteuervorlage einzubringen;
agegen ist es sicher, daß die Septennatsvorlage
a Neujahr eingebracht wird. —
Berlin, 18. Oktbr. Die Nordd. Allgem.
tg.“ setzt die Angriffe gegen den Fürsten Aler⸗
Ader fort, heute Abends macht sie den Fürsten
AUexander verantwortlich für die Unsicherheit zwischen
kueg und Frieden durch seine antirussische Haltung
in der Phuippopeler Erhebung. Aber allermeistens
at er durch seine Abdication die Lage Europas
u einer schweren gemacht.“
Ausland.
Paris, 16. Okt. Ein Privat. Telegramm
«o „Berliner Tageblatt“ meldet: Die Gewehr⸗
abrit von Toul ist mit Lieferung ron 10,000
zewehren neuen Modells Lebel beauftragt, welches
cht Millimeter Kaliber Kugel mit Stahl und
Ressinghülle) und eine Anfangsgeschwindigkeit nicht
mter 530 Meter pro Sekunde hat. Das in An⸗
vendung kommende Pulver wird vom Artillerie⸗
Sberst Brugore hergestellt. Diese Gewehre sind
un die Truppen in Tonking und für zwei Jäger⸗
egimenter in Tonking beftimmt. Die weitere Be⸗
voffnung der Infanterie haͤngt von neuen Ver ·
leichsversuchen in Chalsns und Valbonne ab.
Laut den Zeitungen des Departements Fini⸗
zere heißt der als „Spion“ in Lamilis verhaftete
luständer Sandler, ist Doktor der Philo⸗
ophie und Reserveoffizier der bayerischen Kavallerie,
oohnhaft zu München. Er ist nach der Bretagne
sereist. um die Küste von Croisec bis Sankt Malo
u wissenschaftlichem Zweck der Geologie und. Geo⸗
aesie zu untersuchen. Sandler war im Besitze
mer Geldanweisung auf die „Sociéto Géͤnoͤrale“.
bgleich feststeht, daß Dr. Sandler einzig und
lletn eine wisfenschaftliche Reise machte, wird er
och immer gefangen gehalten. *
Paris, 17. Oktober. Trotz des strömenden
tegens hatten sich gestern Abend ungefähr tausend
Nitglieder der „Patrioten⸗Liga“ an dem Bahnhof
ersammelt, um den heimkehrenden Deroulèede
u empfangen. Umfassende Polizei- Maßregeln
baren getroffen. Mit dem Rufe: „Es lebe Frank·
eich! Es lebe Deroulède!“, in welchen sich ver⸗
inzeltes Pfeifen mischte, wurde Detouloͤde begrüßt.
In seiner Anrede erklaͤrte der Heßzapostel die russisch ⸗
ranzösische Allianz für unerläßlich und brach in
inen Lobgesang aus auf den auch in Rußland
ergötterten General Boulanger, der nicht den Krieg,
ber die Vertheidigung und Unabhängigkeit Frank⸗
reichs wolle. Die Beifallsrufe sind der Regierung
ehr ungelegen. — Ueber den eventuellen Nachfolger
SadiCarnoss im Finanzministerium wird,
a Rousvier 'als Freihändler der protektionisti⸗
chen Majorität des Kabinets nicht angenehm ist,
Definitives erst am Dienstag beschlossen werden. —
szrevy selbst bemüht sich, Carnot zu bewegen,
rst ein Kammervotum abzuwarten.
Paris, 17. Okt. Der neue Gesetzvorschlag.
oeichen der Handelsminister Lockr o y gestern im
darlament über die Nachahmung von französischen
Arnikeln durch das Ausland einbrachte, bestraft mit
000 bis 3000 Francs und Gefängniß von drei
xonaten bis zu drei Jahren oder nur mit einer
dieser Strafen: 1) Diejenigen, welche auf Fabrikate
Fes Auslandes oder auf solche der daher kommen-
en Umschläge Etiquettes oder Bezeichnungen setzen,
ie glauben iassen, daß sie in Frankreich produzirt
ind oder daher kommen. 2) Diejenigen, welche zu
emselben Zweck irgend welche Manöðver oder Kom⸗
inanonen anwenden. 8) Diejenigen, welche wissentlich
olche Artikel einführen, ausstellen oder perkaufen.
—— Fall, wenn die
remde Herstellungsart denselben Namen tragt wie
ine französische Stadt, verabsäumen, die fremde
derkunft ersichtlich zu machen. Der Rückfall wird
nit doppelier Strafe bestraft. Den Delinquenten
ann die Berechtigung zur Wahl der Handelsge⸗
ichte und Handelskammern entzogen werden. Das
ärtheil kann an allen den Orten angeschlagen
verden, welche die Tribunale bestimmen, und außer ⸗
dem kann dasselbe in den Zeitungen auf Kosten
es Delinquenten veröffentlicht werden.
Paris, 18. Olt. Der Temps bringt folgende
Minheilung: „Unseren Nachrichten zufolge wird
stußland nur dann mit den Waffen in Bulgarien
inschreiten, wenn die Sobranje eine Kundgebung
u Gunsten Battenbergs macht; dies würde in Pe⸗
ersburg als eine Beleidigung gegen den Zaren be⸗
rachtet werden. Mit Ausnahme dieses Falles scheint
stußland entschlossen zu sein, die Ereignisse abzu⸗
varten“
wLondon, 17. Olt. Der „Observer“ hält
ie Herstellung der russischen Suprematie in Bul⸗
zarien fürlwahrscheinlich. ohnedaßes dazu eines Krieges
joch auch einer Besetzung des Landes seitens Ruß⸗
ands bedürfe, das seinen Zwed viel besser in
riedlicher Weise erlangen könne. England besitze
nicht die Macht, selbst wenn es wollte, einen Feld⸗
ug gegen-Rußland in Bulgarien zu unternehmen,
cugland werde, wenn es jemals das Vordringen
dußlands gewaltsam, aufhalten müsse, ein ganz
inderes Schhlachtfeld wählen und den Krieg dann
mier anderen Bedingungen beginnen, als sie jetzt
aheim und auswäris beständen. Eine Störuug
des europäischen Friedens wegen der bulgarischen
Angelegenheit sei daher durchaus nicht wahrscheinlich;
ie Unabhängigkeit Bulgariens habe einfach als
Breis für den europäischen Frieden geopfert werden
nüssen und England habe, soweit seine eigenen
Interessen in Betracht kamen, keinen Grund damit
inzufrieden zu sin.
Petersburg, 17. Oktober. Der Kaiser
ind die Kaiserin sind nebst Familie gestern von
Beterhof nach Gatschina übergesiedelt. — Die Idee
jner miluarischen Okkupution Bulgariens scheint
zegraben zu sein. Katkow wirft die Frage auf,
d um Kaulbars, dessen Mifsion des inneren Wider ⸗
pruchs halber scheitern mußte, mit der Besetzung
edroht habe, wenn nicht beabsichtigt wurde, der
drohung die That folgen zu lassen? Giers
Steliung soll wiederum erschüttert sein. Die erregte
ffentliche Meinung erscheint versöhnt mit dem Ge⸗
zaͤnken, Rußland müsse mit der Abrechnung bis zu
mem evenuellen deutsch⸗französischen Kriege warten.
seuerdings spricht man von dem Einmarsch der
Türken in Bulgarien.
Petersburg, 17. Okt. Die Gerüchte vom
mmiltelbar bevorstehenden Einm arsch der Türken
nn Rumelien wachsen; laut Priaatdepesche verließ
er Kurier, welcher Kaulbar's Bericht nach Peters⸗
hurg bringt, vorgeßern Rustschuk.
Rufischuk, 18. Okt. Nachrichten aus Sofia
u Folge drängen nunmrehrkdie gemäßigten, nament;
ich die durch Nikolajew und Ston owow repräsentirten
Flemente — nachdem mit der Wahlfrage die vor⸗
geschrinenen Elemente nachgegeben — darauf. daß
ieRegierung“ Rußland gegenüber die Bahn der
oncession betrete, wodurch eine gütliche Verständig⸗
ung mit Rußland erhofft wird. —F
Sosfia,. 16. Okt. General v. Kaulbars,
dem in Giurgewo Instruktionen seiner Regierung
ugegangen sein sollen, beabsichtigt, am Montag
ich uͤber Tirnowo nach Sofia zu begeben.
Sokole und pfalzische Nachrichten.
6as Lob der Pfalz und der
ß fälzer) (Pf. Vzig.) verkündete General Franz
Ziegel dieser Tage bei einem Pfälzer⸗Picknick in
stew-Yerk wie folgt: „Es wäre fast sonderbar, wenn
ch die Pfalz nicht loben wollte. Die Pfalz ist das
chönste Land unter den schönsten in ganz Europa.
Zie hat die besten Männer unter den besten, die
iebenswürdigsten Frauen und den wohlriechendsten
Tabak. Nur Eins hat sie nicht — sie ist nicht groß
ie ist bei der Geburt zu kurz gekommen; was ihr
in Größe fehlt, hat die Natur ersetzt. Es hieß
„eine fröhliche Pfalz'. Die Pfaälzer besitzen ein
röhliches Herz und ein unversiegbares Mundwerk.
Ddie Pfälzer haben aber auch noch etwas Anderes
jethan: sie haben die Landauer erfunden. Hätten
je dies nicht gethan, so wäre der Name eines Minis⸗
ers nicht der Nachwelt bekannt geworden, denn er
zak fich einen Landauer schenken lassen. Die Pfalz
st ein kleines Land, aber sie hat eine lange Geschichte,
die längste in Deutschland. Eine deutsche Prinzessin
hat einst Colonisten nach den canarischen Inseln
jeschickt. und sie wählte dazu Lothringer und Pfälzer.
Als sie gefragt wurde, weshalb fie gerade diese,
AIuswahl getroffen hätte, sagte sie: „Die Lothringer
ind die Frömmsten und die Pfälzer die Gottlosesten,
die werden gewiß gut miteinander auskommen.“
Wenn wir durch Pennsylvanien reisen, so würden
wir nicht so viele Deutsche antreffen, wenn die
Pfälzer nicht William Penn gefolgt wären. Die
ßfälzer können stolz sein auf ihr Land und auf
hre Geschichte.“
— Nach der „Pf. Z.“ wird der 20jährige, et⸗
was geistesschwache Bäckerbursche Steil von Ru ts⸗
weilerr a. Lauter seit verflossenen Dienstag ver⸗
nißt. Derselbe stand bisher bei Mühlenbesitzer H.
W. Scheid auf der Schmeißbacher Mühle in Arbeit,
‚esuchte über die Kirchweihe, auf welcher er sehr
nunter gewesen sein soll, seine Eltern und entfernte
ich am Dienstag in der Frühe, um wieder an
eine Arbeit zu gehen. Da er aber dort nicht an⸗
am und alle Nachforschungen bisher vergebens
varcn, so vermuthet man einen Selbstmord.
— Um die Production und den Absatz quter
Braugerste in der Pfalz zu fördern, veranstaltet
das Kreis⸗-Comite des landwirthschaftlichen Vereins
uim 22. November eine Ausstellung und Prämiirung
von Braugerste in Kaiserslautern. Für die besten
zer ausgestellten Proben, welche längstens bis 25.
d. M. an das landwirthschaftliche Bezirks⸗Comite
Zaiserslautern eingesandt werden müssen, sind 6
Preise im Betrag von 35, 30, 25, 20, 15 und
0 M. ausgesetzt. Besonderes Gewicht wird auf
leichmäßige Farbe, gleiche Größe, Form und
Schwere der Körner und auf Freisein von Unkraut
u. suw. gelegt.
— In dem Dorfe Ebernburg wurde von
dem dortigen Polizeidiener ein Deserteur abgefaßt,
der in voller Uniform von Landau, wo er seine
Fahne veriassen hat, nach Sobernheim, seiner Hei⸗
maty9 reisen wollte.