Full text: St. Ingberter Anzeiger

St. Ingberlker Anzeiger. 
der „St. In gberter Anzeiger“ mit seinem Unterhaltungsblatte erscheint wöchentlich dreimal: Dienstag, Donnerstag 
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Donnerstag, den O. 
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Ju 
1ss. 
Besellschaftsstatuten und die genehmigende Entschließung werden 
hurch das Kreisamtsblatt der Pfalz bekannt gemacht werden. 
Karlsruhe, 21. Juli. Die Bewegung wegen Aufge- 
zung der Confessionsschulen nimmt zu. Außer Baden, Reuenheim 
ind Leimen hat sich nun auch die Mehrzahl der Bürgerschaft von 
Iffenburg, Lahr und Konstanz für den Plan ausgesprochen. In 
einer öffentlichen Versammlung zu Lahr, die sich mit großer Ein— 
jelligkeit im berührten Sinne aussprach, gab der Vorsitzende des 
ortigen katholischen Orthsschulraths, Oberzollinspector v. Stetten, 
die Zusicherung ab, daß der katholische Ortsschulrath mit allen 
dräften für das Zustandekommen von Gemeindeschulen wirken 
berde, und in Konstanz erfolgte der diesfallsige Beschluß der ka— 
holischen Schulgemeinde mit 824 gegen 48 Stimmen. 
Darmstadt, 27. Juli. Die Verhanglungen zwischen dem 
jegenwärtigen Vertreter des Ministeriums des Aeußern, dem Ju⸗ 
tizminister von Lindeloff, und dem' nordamerikanischen Gesandien 
Zancroft haben heute auf Grundlage der mit Bahern und Baden 
üngst abgeschlossenen Verträge begonnen. 
Ulim, 22. Juli. (Festung) Die „A. A. Zig.“ schreibt: 
„Nach französischen Berichten, welchen bisher noch nicht wider⸗ 
prochen ist, setzt die württembergisch-baherische Ucbereinkunft über 
»ie Verhältnisse der Festung Ulm fest: daß in Kriegszeiten dem 
Bouverneur Ulms 600,0006 fl. zur Verfügung gestellt werden, um 
die Festung auf Kriegsfuß zu setzen. Jeder Staat liefere alsdann 
ie Hälfte dieses Betrags. In Friedenszeiten wird die Garnison 
5000 Mann betragen, von denen Bayern 2000 stellt (3 Batail- 
one Infanterie, 4 Batterien Fußartillerie und eine Compagnie 
Bioniere), und Württemberg 83000 Mann (6 Bataillone Infan— 
erie; 4 Batterien Artislerie, 1 Compagnie Pioniere und eine 
-„chwadron Kavallerie mit 100 Pferden). In Kriegszeiten be— 
rüge die Garnifon 10,000 Mann, von denen Bahern 4000 
Mann Infanterie, 800 Artilleristen und 180 Pioniere, Württem⸗ 
zerg dagegen 4000 Infanteristen, 700 Artilleristen, 180 Pioniere 
und 150 Kavalleristen stellte. Die Truppen beider Staten 
zleiben kontonirt auf den resp. Territorien beider Länder, obgleich 
die Festung selbst als gemeinsames Eigenthum betrachtet wird. 
der Vertrag ist auf 5 Jahre gültig. 
Berlhin, 24. Juli. Eine Mittheilung aus Mainz in einem 
Schweizer Blatte stellt die Errichtung einer neuen Festung bei 
Frankfurt in Aussicht. Bei der letzten Anwesenheit des Konigs 
von Preußen in Mainz habe derselbe eine Deputation des Ge— 
neinderathes empfangen, welche auf Erweiterung der dortigen 
Zefestigungswerke angetragen. Da dieses Project wegen der ver— 
chiedenen Anhöhen in der Nähe der Stadt zu enorme Sum— 
men verschlingen würde, so habe man entschieden die Sache an 
J den preußischen Kriegsminister zu bringen mit dem Vorschlag, 
Seine Maj, der König daben sich bewogen gefunden, den has üͤberraus günftige Terrgin zur Anlegung einer Festung bei 
hotar Johann Baptist Keller m Kandel, auf Änsuchen, nach Gere Frantfurt du benüßen und nach Verlegung des festen Puͤnctes 
nersheim; den Potär Karl Sommer in Rokenhausen, seinem juf dieseStelle die Festungswerte en Mainz zu schleifen. 
Ansuchen entsprechend, auf die hiedurch erledigte Stelle in Zorläufig Tege die Entscheidung in den Händen der Stra— 
dandel zu versetzen; die weiter hiedurch erledigte Notär⸗ wegiker. Die ganze Mittheilung dürfte vorerst wohl noch zu be— 
telle in Rockenhausen dem geprüften Rechtscandidaten Philipp weifeln sein. 
Beaufort in Dürkheim zu verleihen; den Notär Emil Eduard Wisen, 28. Juli. Beim Montagsbankett toastirt Kaiser (aus 
Schmolze in Rheinzabern, seinem Anluchen gemäß, auf die in Zug, Schweiz) unter stürmischem Beifall auf Oesterreich, welchem 
Vinnweiler erledigte Notärstelle zu versetzen und die hiedurch in ez delungen sei, die Eoncorbaisfefsein abzustreifen und confes⸗ 
Frledigung kommende Notärstelle in Rheinzabern dem geprüften onelle Gesetze aufzustellen. Löschmann (Offenbach a. M.) fordert 
dechtscandidaten und Notariatspractikanten Karl Leppla von der die Presse auf, dem Gedanken einc deutsch·europäischen Völkerver⸗ 
Mohrmühle, zur Zeit in Otterberg, zu verleihen. hrüderung Eingang zu verschaffen und toastirt auf“ Deufschlands 
Se. Maj. der König haben sich bewogen gefunden: unterm Zukunft; Vessey (ein Ungar) hebt die Verdienste Deutschlands um 
14. Juli l. J. die Gründung einer Actiengesellschaft zur Errich⸗ die Weltcivilisation hervor und trinkt auf Verbrüderung und 
ung und zum Betriebe einer Leinenzwirnere; in Zweibrücken unter Bleichberechtigung aller Nationalitäten. Nächsten Mittwoch wird 
er Firma „Leinen-Zwirnerei Zweibrücken“ mit dem Sitze in der Kaiser den Festplatz besuchen. 
3weibrücken und einem Grundkapitale von 250,000 fl., welches In Böhmisch-Leipa hat der dortige Gymnasialdirector 
u Actien à 500 fl., auf den Inhaber lautend, begeben wird, auf die und Prior des Augustinerklosters Herr Cajetan Pofselt, der gleich⸗ 
dauner von 99 Jahren zu genehmigen, und die vom Vertreter der zeitig Mitglied des städtischen Gemeinderaths ist, einen von den 
gesellschaft, Fabrikanten Julius Dingler in Zweibrücken, vorgelegien Veriretern der Stadt beschlossenen Protest gegen die bekaunte päpst- 
Sesellschaftsstatuten mit einigen Modificationen zu bestätigen. Die liche Allocution und ein Vertrauensbotunn an das Ministerium 
Deutschland. 
München, 28. Juli. Ueber die Ergebnisse der nunmehr 
beendigten internationalen Telegraphen-Conferenz in Wien verneh⸗ 
men wir Folgendes: Der im Jahre 1865 zu Paris abgeschlos⸗ 
jene Staatsvertrag wurde revidirt, ein vollständiges Dienstesregle⸗ 
nent ausgearbeitet und Special-Verträge mit den Nachbarstaaten 
zuurt Ermäßigung der Tarife und zur Bestimmung der Abrechnungs— 
modalitäten geschlossen. Zwischen sämmtlichen europäischen und 
isiatischen Telegraphen⸗sVerwaltungen ist nunmehr eine innige 
Berordnung hergestellt und besteht eine Einheit sowohl 
in staatsrechtlicher Beziehung als auch in der gaänzen Mani— 
zulation für sämmtliche Telegraphenlinien der alten Welt. Unter 
den besonderen Bestimmungen ist hervorzuheben, daß die Tarife 
namentlich für die indische Correspondenz ermäßigt wurden, daß 
auf langen Linien der Hughes'sche Apparat eingeführt werden soll, 
und daß die Beförderung von Telegrammen durch die Post an 
ene Orte, wo keine Telegraphenämter sich befinden, unentgeldlich 
zu geschehen hat. Ferner wurde die Regierung der Schweiz mit 
der Leitung eines Centralbureaus betraut, welches eine gemeinschaft⸗ 
liche Zeitschrift über Telegraphen-⸗Wesen zu redigiren und allge— 
neine Mittheilungen über Eröffnung neuer Stationen ꝛc. zu ver⸗ 
nitteln hat; die diplomatischen Verhandlungen dagegen sind der 
eweiligen Präsidialregierung zugewiesen und zwar vorläufig auf 
3 Jahre der österreichischen Regierung. Die Bestimmungen freten 
mit dem J1. Januar 1869 in Kraft und die nächste europäische 
Tonserenz soll im Jahre 1871 zu Florenz stattfinden. 
München, 26. Juli. Zum Geniedirector der Festung 
Alm wurde der Oberstlieutenant G. Frhr. v. Stengel bisher Vor— 
and der Genieberathungscommission unter Beförderung zum Ober⸗ 
den, und der bisherige Geniedirector der Festung ülm Oberst 
Michael Schenk zum Vorstand der Genieberathungscommission er— 
rannt. — Dad die aus amerikanischem schwarzem Lederiuche be⸗ 
lehenden Czapkenüberzüge der Uhlanenregimenter sich nicht bewährt 
zaben, so wird bei künftigen Neuanschaffungen hiezu schwarzes 
Kegentuch verwendet werden. — Die Verordnung über die 
Organisation der Gensdarmerie hat die Genehmigung des 
dönigs erhalten und wird demnächst im Regierungsblatt publi⸗ 
eirt werden. 
München. 27. Juli Der Koͤnig von Bayern begibt sich 
am 1. August nach Kissingen zum Besuch des russischen Kaiser— 
WBBuVVD 
in Heirathsproject handele. Die Musik des 1. Infanterieregi⸗ 
nents ist nach Kissingen beordert. 
Dienstesnachrichten.