Full text: St. Ingberter Anzeiger

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da St. Anaberter Anzeiger (und dat mit dem daupiblatte verbundene Unlerhaltungtblatt, mit de Diendiagt⸗, Wonnuerdtagz⸗und Sonniag⸗ — 
mmer erscheint wbchentlich viermal: Dienstag. Donnerstag, Samétag und Sonntag. Adannementädreis vierteljährig 42 arzr. oder 
J 12 Silbergr. Anteigen werden mit 4 Krir. die dreispaltige Zeile Blattschrift oder deren Raum berechnetii 
R 100. Dienstag den J. Juuiiii 4 ναe 1873 7 
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4 Deutsches Rleich.. 7. Die.Acken derselben wurden den Militärbehdrden bereits lbergeben. 
Mürnch en. Zu den großartigen Mandvern der preußischen In: der Umgegend von Parid ind ziemlich viele Communards fest 
truppen bei Graudenz werden auch von Buyern Offiziere der Ar⸗ jenommen, darunter einer, welcher ein Commando in dem Bataillon 
letis und der Pionierabtheilung beordert, umd haber vieselben Leballois (es Uegt neben Neuilly) hatte. — Die Gelder und Wechsel 
sie gemachten Erfabrungen dem Kriegsministerium in Vorlage zu ür die Bezahlung der 250 Millionen, welche am 3. Juli an bie 
ingen. — — r u3Ddeuisschen ·entrichtet werden müssen, sind bercitz 80 Millionen“ in 
Der · Munchener „Volkefreunbe behauptet. zusolge·eires ihm Boid wurden von den Suceurfalen der Bank von Frantteich nach 
af· ‚außerordentlichem Wege“ gugegangenen⸗ Berliner Bexichtes, Nancy gesandtz um von dort weiter befördert zu werden. (G. 3.) 
j der Zwiespalt Bismarch⸗Arnim porzugsweise dadurch entstanden ⸗ Bahyonwe,! 28. Juni. Der „Agence Haraß“ zufolge snd 
aͤn daß Bismarck Arnim's Nonzilsberichte veroöffentlichenwollte, ein französischer Maire undeeein Correspondent des Journalz: 
wgegen· Arnm protestirt und eine Denlschrift an den Koser zes „Payse, welche gestern nich Vera reisten, von Santo Cruj ver⸗ 
ahtet hat..: Auf kaiserlichen Befehl wird nunmehr die Publilation daftet worden.“ Derselbe will sie nur' unter der Bedingunge freie 
ven Komuilsberichte unterbleiben. J zeben wenn die franzöfische Regierung zwei internirte Carlisten 
Der Arbeiterinnen ⸗Bildungkverein, welcher in München seit ausgeliefert Jiii77 nae —7 
miger Zeit bestand, ist polizelich aufgelöst worden, weil sich der 
voliiische Charalter desselben evident herausgestellte habe und die 
heilnehme von Frauen an politischen Vereinen durchz, das Ver⸗ 
insgesetz ver boten ist. 
Saarbrücken,“ 25. Juni. Der Transport der aus 
zrautreich zurücklehrenden Occupationstruppen beginnt, laut der 
Cobl. Ztg.“, am 6. Auzust in Saarlouis, von wo aus von 
gesem Tage ab täglich zwei Militärzüge in der Richtung Trier⸗ 
zifelbahn, Koöln und Neuß abgehen werden. Am 14. wird der 
dtansport über diese Linie beendet sein. 
Berlhin. Die Matrilularbeiträge der deutschen Bundes⸗ 
neten zum Reichshaushalt (35,232, 108 Thlr.) stellen sich fFür 
us Jahr 1874 nach Abrechnung der Antheile an den Ueber— 
qüssen aus dem Jahre 1872 (12, 850,691 Thlr.) auf 22,381,417 
ühlt. die sich auf die einzelnen Bundesstaaten wie folgt vertheilen 
dieußen 10, 964,510, Lauenburg 18,721, Bayern 4904,437 
zahsen 1,.031, 483, Württemberg 1,868,994, Baden 1,254,488 
sen 466,229, Mecklenburg-Schwerin 212, 246, Sachsen-Weiniar 
B,175, Mecklenburg - Sirelitz 45, 761, Oldenburg 147,610, 
diaunschweia 107,086, Sachsen-Meiningen 87,887, Sachfen- 
enburg 62,345, Sachien -Cobura⸗Gotha 79,6806, Anhal 
2686, Schwarzburg⸗Sondershausen 28,386, Schwarzburg ⸗Rudol⸗ 
38,075, Waldeck 25, 402, Reuß ä. L. 21,688, Reuß j. L. 
77, Sch umburg⸗Lippe 13.346, Lippe 65,884, Lubeck 18,647, 
nen 41, 413, Hamburg 98,238, Elsaß⸗Lothringend3, 172 Thle. 
Berlinn, 27. Juni. Nach den nunmehr bekannten Wahl⸗ 
acu in den mehr als 90 Wahlorten Elsaß-Lothringens sind 
zanzen etwa nur 12 ganze oder tbeilweise Nachwablen noth⸗ 
1. Die überwiegende Mehrzahl der Gewählten gehört der 
gten Partei an. Theilweise erhielten Kandidaten die Majo⸗ 
esche treu und fest zur Regierung stehen. (T. R.) 
Flinn, 28. Juni. Fürst Bismaick wurde diesmal von 
ner Räthe nach Varzin begleitet; er will jederpolitischen 
vorlaufig fern bleiben. 
»Statt der in diesem Jahre ausgefallenen allgemeinen 
hen Lehrerversammlung wird bekanntlich am 15. und 
Juli zu Kassel eine Ausschußconferenz abgehalten werden. 
d dazu jetzt die Ausschußmitglieder der allgemeinen Deutschen 
cadersammiung, die Vorftandsmitglieder des Deutschen Lehrer⸗ 
ins, sowie der bestehenden Landes- resp. Provinzial Vereint 
eladen. Diese Conferenz wird sich mit einer festeren Organi— 
in der allgemeinen Deutschen Lehrerversammlung und der Re— 
gamsation des Ausschusses derselben befassen. 
7 VDer Ausschuß der sozialdemokratischen Arbeiterpartei 
kaluion Bebel ·Liebknecht) zeigt an, daß der diesjährige Partei— 
ueß vom 28. bis 26. August in Nuürnberg abgehallen werden 
82ů/ůů 3 —V —— 
3 wee IBbrücken, 28. Juni. (Schwurgericht. Verhandlung 
gegen Jakoh Kramer, 47 Jabre alt, lediger, Tagnet von Schiffer⸗ 
stadt wegen Todtschlags. Vertreler der kgl. Slaatsbehörde: Sianis⸗ 
anwalt Hefsert ;Vertheidiger : Rechtscandidat Gebhardt. 
Der Angeklagte erfreute sich bis zu seinem Einttitte beim 
Militär im Jahre 1847 einer ungetrübten Vergangenheit. Während 
des Aufstandes in der Pfalz im Jahre 1849 diente er zu Landau 
bon wo er wegen einer unbedeutenden Disciplinarstrafe desertirte. 
Da die Festung damals bedroht war, so mußle er später nach seiner 
Verhaftung durch das Kriegsgericht zum Todk verurtheilt werden, 
wurde aber degnadigt und nach Verbüßung von 8WJahren Zucht⸗ 
haus im Jahre 1858 in Freiheit geseßt. Vom da an gerieih er 
auf diẽe abschlussige Bahn, die ihn zuletzt auf die Anllagebank des 
Schwurgerichtes führen sollte. Statt zu arbeiten, belreb er. die 
Wilddieberei in den ausgedehnten Schifferstadter Waldungen ge⸗ 
verbsmäßig. In Zeit von jünf Manatin, vom Dezemnber 1838 
bis April 1839 wurde et sechs Mal wegen Jagdfredels bestraft. 
Bis dahin hatte er noch keinerlei Wiedersetzlichteiten — gegen die 
Forsibeamsen gezeigt, seitdem aber wurde er ein wahrhaft sicher- 
deitsgefährlliches Individttum. In den nächsten zwei Jahren wurde 
er wegen Wildd eberei und Wiedersetzutg im Ganzen zu mehr ais“ 
8 24 Gefängniß verurtheilt,“ allein alle Verhaftungsdersuche 
qeiterten, weil er von eiher größeren Anzahl der Bewohner der 
GBegend unterftützt wurde. Wo ihm die Forstbeamten begegneten, 
bedtohte er sie mit einer iminer schußferligen Flinte, und shheßlich, 
wurde sein Treiben ketart unerträglich, Daß ein Preis von 106 
Vulden auf seine Ergreifung festgesetzt wurde. Daraufhin verschwand 
er. ka n jedoch bald wieder und frieb wie früher die Jagd. Ob⸗ 
zleich det Preis nun auf 200 Gulden erhöht wurde, vermo hte cr 
es doch noch einigt! Monate, sich der Wachsamkeit der Gendarmerie 
und des Forstpersonals zu entziehen und erst im Nodember 1864 
gelang es der Ausdauere und Unerschrockenheit des damgaligen 
Waldhüters Biegler, ihn festzunehmen und zu entwaffnen. Aber 
auch hier wie bei mehrfachen anderen Begegnungen hatte er schon , 
die Flinte angelegt, wurde aber noch rechtzeitig von himen eni- 
vaffnet. Dasllr zu weiteren zwei Jahren Gefängnißstrafe verut ⸗ 
heilt, brachte er nun die nachften acht Jahre in der Gefangenan⸗ 
talt zu Zweibrücken zu. Seine Strafzeit wäre erst am 7. Märze 
ↄs. Is. zu Ende gewesen, da er sich aber in den letzten Jahren 
der Haft gut aufgeführt hatte, so wurde er am 8. Juli 1872 für 
die letzten acht Monate beurlaubt und in seine Heimath entl ssen. 
Waährend dieser Zeit hielt er sich gul und ardeitett cegelmäßig. 
edoch verlautete schon damals, daß er mwrdas Ende seinen Straf- 
jeit abwarte, um wieder in fein altes Treiden zu verfellen, ein 
Berücht, das sich uur als zu wahr erweisen follte. 55 
Nachdem er sich am Sonntog den 26. Marz do.n Ie. in 
Speyer eine Wilderer⸗Flinte gekauft hatie, die men in dre Theile 
auseinanderlegen und auf diese Weise verstecken konrte, ging cr am 
olgenden Tage, mit dieser Waffe und Schießzeug perschen, in den 
Schifferstadter Wald auf die Jagd und beiĩ dieset Gelenehatnen 
3 zu der entsetzlichen Katastrophe, wel he Gegenstand der heut gen 
Verhandlung ist 
Frankreich. 
Paris, 27. Juni. Die Verhaftüngen von Communards, 
ide seit einigen Tagen slatifinden, sind keine vereinzellen Maß 
5 Die Regierung beabsichtigt, die Untersuchung gegen die 
bersonen wieder aufzunehmen, welche unter Thiets unbe⸗ 
dlieben, weil man sie nicht für hinlänglich beinzichtigt hielt.